Das Adjektiv-Adverb-Problem aus der Sicht der

January 15, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Schreiben, Grammatik
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Bohdan Maxymtschuk Das Adjektiv-Adverb-Problem aus der Sicht der grammatischen Lehre vom Wort Abstract Die Entwicklung des grammatischen Baus des deutschen Satzes führte zur Herausbildung einer neuen kategorialen Prägung (qualifikative Attribuierung) im System der Wortarten, die den Qualifikatoren zugrunde liegt und syntagmatisch auf den logisch-grammatischen Satzkern bezogen wird. Die logisch-kommunikativ geprägte verallgemeinernde grammatische Bedeutung einer Kurzform, die als Ausgangsform eines qualitativen Wortes im modernen Deutsch gilt, hat keine explizite grammatische Form, ist aber grammatisch implizit ausgeformt, indem sie die mentale Information über ihr Verhalten bei den verbalisierten logischen Operationen enthält. Als Elementarzeichen und Ausgangsform eines Lexems fällt sie strukturell mit dem lexikalischen Morphem und dem grammatischen Stamm zusammen, weist aber wesentliche linguale Unterschiede auf, welche Gegenstand dieses Beitrags sind.

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Diachrone Entwicklung

Die kategoriale Prägung eines Adjektiv-Adverbs als einer Wortart im modernen Deutsch ist eng verbunden mit dem Ausbau der syntaktischen Zentren des deutschen Satzes, welche das Subjekt und das Prädikat mit ihren näheren Bestimmungen repräsentieren. Während die Umstrukturierung im Bereich des Subjekts im Rahmen des flektierten Systems erfolgt ist, ist im Bereich des Prädikats ein gegenläufiger Prozess zu verzeichnen, welcher auf dem Verlust der Flexionsformen der im verbalen Bereich realisierten Lexeme beruht. Den Verlust der Flexionsformen verbindet man gewöhnlich mit der Abschwächung der Endsilbenvokale, obwohl diese Prozesse in erster Linie mit dem Ausbau der verbalen Gruppe verbunden sind. Die Festlegung der Rahmenkonstruktion führte dazu, dass die kommunikative Gewichtung an das Satzende verlagert wurde. Infolgedessen machte sich die Tendenz bemerkbar, die lexikalischen Bedeutungen als die wichtigsten Informationsträger ohne explizite grammatische Ausformung in den Vordergrund zu rücken. Somit wird die flektierte Form eines Adjektiv-Adverbs dem Bereich eines Subjekts, und die endungslose Form dem Bereich des Prädikats zugeordnet. Folglich wird die semantische Funktion eines attributiv gebrauchten Adjektivs völlig grammatikalisiert. Im Bereich des prädikativen Gebrauchs wird dagegen diese Funktion semantisiert, indem sie auf die extensionale Einschränkung des verbalen Merkmalsträgers zurückgeführt wird. Die Ambivalenz der Nullform wird nun zweimal identifiziert: im Bereich der flektierten Formen und vor dem Hintergrund der syntaktischen Anpassung der morphologischen Formen. Dies hat sich auf den Aufbau des Lexems einer invarianten Einheit ausgewirkt, welche als Zusammensetzung aller paradigmatischen Formen und Bedeutungen verstanden werden kann. 2

Definitionen

Während in den alten indoeuropäischen und den heutigen slawischen Sprachen die flektierte Form als Vertreter des Lexems gilt, ist im modernen Deutsch die endungslose Form an ihre Stelle getreten und wurde zur Nennform eines Adjektiv-Adverbs – einer neuen Wortart: Artangabe (GLINZ (1965)), Beiwort (ERBEN (1959)), Qualifikator (MAXYMTSCHUK (2006)), die das qualitative Verhältnis der qualitativen Wörtern ausdrückt. Die herkömmliche Grammatik dagegen, die die obengenannten sprachlichen Prozesse übersieht, unterscheidet schön in Sie ist schön. und in Sie spricht schön. als zwei lexikalischgrammatische Homonyme bzw. zwei polymorphe lexikalisch-grammatische Einheiten, indem sie sich auf die grammatische Tradition und auf den Sachverhalt in den analytischflektierenden Sprachen stützt, in denen morphologische Merkmale die grammatische Prägung einer Wortart bestimmen z.B. high – highly; високий – високо. In der deutschen Sprache, in der diese Gegenüberstellung fehlt, kann das althergebrachte Aristotelische Modell „Merkmal eines Gegenstandes – Merkmal eines Merkmals“ der Unterscheidung innerhalb des Systems der Wortarten nicht zugrunde gelegt werden. Die kategoriale Prägung der Nullform eines qualitativen Wortes, die zur Nennform eines Lexems d.h. zum Vertreter einer neuen Wortart geworden ist, wird nicht durch den Kontext (adhärent) bestimmt, sondern enthält eine

inhärente kategoriale Bedeutung, die im Schnittpunkt der Wechselbeziehungen zwischen Lexik und Syntax identifiziert wird. Während ein flektiertes Wort sowohl nominative als auch syntagmatische Bedeutung explizit ausdrückt, ist bei den sog. „amorphen“ Wörtern nur die nominative Bedeutung explizit vertreten. Die syntagmatische Bedeutung dagegen hat hier einen deiktischen, impliziten Charakter und ist nicht mit dem Subjekt oder Prädikat eines aktuellen Satzes verbunden, sondern bezieht sich sowohl auf das Subjekt als auch auf das Prädikat eines aktuellen bzw. potentiellen Satzes. Diese These ist eine Streitfrage zwischen den herkömmlichen und den modernen grammatischen Theorien. Die herkömmlichen grammatischen Theorien basieren auf dem Prinzip des syntagmatischen Relativismus, nach welchem die lexikalisch-grammatische Bedeutung eines Wortes im Kontext konstituiert wird. Die Anhänger der letztgenannten Theorie widerlegen die grammatische Prägung der „amorphen“ Wörter, indem sie die „amorphen“ Wörter der Wurzel gleichsetzen und ihnen den kategorialen Status absprechen. 3

Die grammatische Markierung des Wurzelmorphems

Das Wurzelmorphem fällt strukturell in vielen Fällen mit dem Wort zusammen, unterscheidet sich aber von ihm durch den Charakter des Signifikats und durch die Funktion in der Sprachstruktur. Während das Wort mit einem konkreten Denotat und seiner begrifflichen Widerspiegelung verbunden ist, weist das Wurzelmorphem nur auf ein begriffliches Feld hin (vgl. die Wurzel hoch in den Wörtern Hochhaus, Höhe, mannshoch, und hoch in dem Satz Das Haus ist hoch.). Als strukturelle Einheit bewahrt das Wurzelmorphem seine semantische Invarianz in Wortbildungsprozessen (gut-Ø, die Güte, gutherzig usw.). Die semantische Invarianz der verwandten Wörter wird durch die nominative Bedeutung des Wurzelmorphems zusammengehalten. Funktional gesehen bildet das Nullmorphem die Basis für den grammatischen Stamm – eine variable Basis in Wortbildungsprozessen. Der grammatische Stamm bildet das begriffliche Zentrum des Wortes und signalisiert die Fähigkeit der lexikalischen Einheit, bestimmte kategoriale Prägung einer Wortart anzunehmen. Die lexikalische Bedeutung eines Wortes wird somit als Einheit der nominativen und syntagmatischen Referenz verstanden, die seine kommunikative Funktion bedingt. Diese Funktion, ein Baustein der verbalisierten logischen Operationen zu sein, kann nur ein Wort und kein „amorphes“ Wurzelmorphem erfüllen. Auf der Ebene des Lexikons haben wir es nicht mit Wurzelmorphemen, sondern mit Wörtern zu tun, durch deren Beziehung zum Satz eine Wortart konstituiert wird. Wären die lexikalischen Einheiten nicht grammatisch (explizit bzw. implizit) geformt, so könnte die Sprache ihre kommunikative Funktion nicht erfüllen. Eben die grammatische Ausformung des Wortes bedingt seine Mitwirkung an der logischen Analyse-Synthese des außersprachlichen Sachverhalts. Das Adjektiv-Adverb-Problem basiert auch auf der Theorie des syntagmatischen Relativismus der Wortbedeutung. So sind z.B. JESPERSEN (1958), AMANN (1962) der Meinung, dass die Wörter der analytischen Sprachen außerhalb des Kontextes nur über eine denotative Bedeutung verfügen und grammatisch erst in den syntagmatischen Beziehungen geformt werden, was an und für sich eine Streitfrage ist. Die These über die grammatische Markierung eines „amorphen“ Wortes ergibt sich nicht nur aus dem Spezifikum der Wortarten, sondern aus der semantischen Autonomie eines Wortes, welche seine zentripetalen bzw. zentrifugalen Valenzen in der Subjekt-Prädikat-Struktur eines aktuellen Satzes bedingt. Die syntagmatische Bedeutung überlagert die nominative Bezogenheit eines „amorphen“ Wortes und wird durch den phonematischen Komplex implizit ausgedrückt АРУТЮНОВА (1972:211). Die „amorphen“ Wörter weisen keine grammatische Form auf, aber sie sind grammatisch ausgeformt, indem sie paradigmatische Beziehungen zu den anderen flektierten lexikalischen Einheiten eingehen. In diesem Fall können sie morphologisch als Nullformen identifiziert werden. Im Bereich der flektierten Formen wird die grammatische Prägung solcher sprachlichen Einheiten als logisch-semantische Valenz markiert. „Das, was die Zeichen verbergen, wird in Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 2

ihrer Verwendung manifestiert“ (WITTGENSTEIN (1921)).1 Die syntagmatische Bedeutung ist der semantischen Bedeutung eines „amorphen“ Wortes inhärent. In diesem Fall korreliert der Nominator – ein Elementarzeichen mit der impliziten syntagmatischen Bedeutung nicht nur mit dem Denotat, sondern weist auf seine Rolle bei den verbalisierten logischen Operationen am Sachverhalt hin. Mit anderen Worten fungiert der Nominator auf der Ebene des Lexikons als ein potentieller grammatischer Stamm, dessen morphologische Ausformung auf der morphologischen Ebene zustandekommt. Das grammatische Paradigma konkretisiert morphologisch das grammatische Subjekt und das Prädikat. Das linguale Spezifikum der Beziehungen zu den syntagmatischen Dominanten kommt erst im Rahmen der syntagmatischen Morphologie zustande. 4

Syntagmatische Bedeutung

Die adjektivische Kurzform kann somit als Nennform eines qualitativen Wortes angesehen werden, welche die morphologisch und semantisch abgeleiteten Formen im Redestrom realisiert, die an die Subjekt-Prädikat-Struktur eines aktuellen Satzes gebunden sind. Ein Merkmal, wenn es auch nicht morphologisch ausgeformt ist, kann sowohl dem grammatischen Gegenstand als auch einem anderen Merkmal zugeordnet sein. Je nach der morphologischen Struktur der Sprache kann das Merkmal einer Substanz oder dem Merkmal eines Merkmals gegenübergestellt werden САВЧЕНКО (1967:228-231). In Sprachen, in denen kein morphologischer Faktor vorhanden ist, kann diese Gegenüberstellung fehlen. Logische Formen des Denkens bestimmen den Inhalt der sprachlichen Einheiten. Das Denken lässt beide Möglichkeiten zu, aber das bedeutet keineswegs, dass das Spezifikum des Denkens nicht von der sprachlichen Form abhängt. Das „amorphe“ adjektivische Wort verfügt über die relative syntagmatische Freiheit, entweder im substantivischen oder im verbalen Bereich eines aktuellen bzw. virtuellen Satzes realisiert zu werden: Der tote Mann schien nicht tot zu sein; Der Kutscher hat uns gut gefahren – die gute Fahrt hat uns Spaß gemacht; Der kluge Mensch redet immer klug. Die syntaktische Labilität einer Kurzform im Rahmen der Subjekt-Prädikat-Struktur eines aktuellen Satzes resultiert aus der morphologischen Evolution eines adjektivischen Wortes (skôni > schön; skôno > schon), aus der syntaktischen Spezialisierung der flektierten und unflektierten adjektivischen Formen und letzten Endes aus der Umstrukturierung eines adjektivischen Lexems, infolge dessen eine Kurzform zur Ausgangsform eines Lexems geworden ist. Demnach veränderte sich die Beziehung der neuentstandenen Ausgangsform zur Struktur eines aktuellen Satzes. Während in den älteren Zuständen der deutschen Sprache die unflektierten und flektierten Formen sowohl im Bereich des Subjekts, als auch im Bereich des Prädikats gebraucht werden konnten und somit entweder an substantivische oder verbale Merkmalsträger gebunden waren, wird die neuentstandene unflektierte Ausgangsform des Lexems durch das Zweitaktverhältnis im Bereich der Subjekt-Prädikat-Struktur geprägt und in den realen bzw. potentiellen substantivischen oder verbalen Fragmenten realisiert: Der tote Mann auf dem Bett war jetzt nicht mehr tot. Das helle Fenster im dritten Stock gehört Roland. → Das Kammerfenster in der Garage war hell; Die reich verzierte Innenausstattung glänzt in verschiedenen Farbtönen. → Die Innenausstattung war reich verziert. Der Wechsel der syntaktischen Projektion der qualitativen Wörter ist auch mit dem Wechsel ihrer Beziehung zum Satz verbunden. Während z.B. im Ahd. ein qualitatives Wort mittelbar durch die syntaktischen Zentren eines aktuellen Satzes realisiert wurde (Substantiv – Verb), 1

WITTGENSTEIN, Ludwig (1921): Tractatus logico-philosophicus; zitiert und übersetzt nach: ВИТГЕНТШТЕЙН, Л. (1958): Логико-философский трактат. Изд-во иностр. л-ры, Москва, S. 39.

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wird es im modernen Deutsch unmittelbar auf die prädikative Struktur eines aktuellen Satzes bezogen. Bekanntlich verbindet die prädikative Beziehung den selbstständigen Nominator mit dem Verbum finitum. Sie bilden eine geschlossene, kommunikativ selbstständige Wortfügung. Die syntagmatische Projektion, die von den amorphen qualifikativen Wörtern ausgestrahlt wird, richtet sich eben auf die Subjekt-Prädikat-Beziehung und nicht auf den substantivischen bzw. verbalen Bereich, wie es in den analytisch-flektierenden Sprachen der Fall ist. Von der logisch-semantischen Valenz eines Verbs bedingt, kann die prädikative Beziehung als eine sich im Redemoment vollziehende Verbindung der durch die entsprechenden Wörter bezeichneten Begriffe oder Vorstellungen einer schon früher vollzogenen Verbindung der Begriffe und Vorstellungen verstanden werden, die in anderen syntaktischen Beziehungen ausgedrückt wird. Die Reduzierung der prädikativen Beziehung auf die Beziehung des finiten Verbs zu seinen „Mitspielern“ macht es unmöglich, Verbindungen zwischen verbalen und nicht-verbalen (nominalen) logisch-grammatischen Satztypen aufzudecken. Die Anerkennung der prädikativen Beziehung ermöglicht dagegen nicht nur die zweigliedrigen Sätze mit verbalem und nominalem Prädikat in Verbindung zu bringen, sondern auch Verbindungen zwischen den eingliedrigen nominativischen Existentialsätzen und dem zweigliedrigen Satz herzustellen. Die Benennungssätze stützen sich auf die Struktur irgendwelcher logisch-grammatischer Satztypen als solcher Satzarten, die auch situationsfern und kontextfrei einen (relativ) selbstständigen Sinn und eine (relativ) geschlossene Form aufweisen. So beruht der Benennungsatz Schön! (z.B. bei der Betrachtung eines Bildes) auf der Satzstruktur Dieses Bild ist schön. Das betrifft die so genannten degradierten Prädikate, denen vollständige Satzschemata zugrunde liegen: Zwischen Ruinen sah er ein hell erleuchtetes Portal. → Zwischen den Ruinen sah er ein Portal, welches hell erleuchtet war. Am Morgen zogen ein paar Sandschöpfer den kleinen Wirt aus dem Main. → Der Wirt war tot. Der logisch-kommunikative Charakter der syntagmatischen Prägung eines Nominators hat bestimmte historische, grammatische, semantische und syntaktische Gründe im modernen Deutsch. Verwiesen sei nur auf die historische Verwendung der Adjektiv-Adverbien, auf die heutige Tendenz zum Ausgleich des verbalen und substantivischen Bereichs (z.B. hier – hiesig, das Fenster ist offen – das zuene Fenster usw.). Davon zeugt letzten Endes die zweigliedrige Struktur eines abstrakten Satzes, die syntaktische Dispersion eines Nominators in einem Satz wie Die Wälder grünen lustig. usw. Sprachliche Prozesse, bei denen die unflektierten Adjektiv-Adverbien zu Nominatoren umgewandelt wurden, führten zur Verflechtung von grammatischen Kategorien mit lexikalischen Bedeutungen innerhalb der Ausgangsform eines Lexems, zum Wechsel seiner Beziehung zur Struktur des Satzes und letzten Endes zur Umverteilung der syntagmatischen Proportionen der Hauptwortarten in der deutschen Gegenwartssprache, die von den Proportionen abweichen, die von KURYLOWICZ (1964:19) für die flektierten Sprachen aufgestellt wurde. Die morphologische Form des Nominators (Elementarzeichens), der, wie erwähnt, auf der Ebene des Lexikons als ein potentieller lexikalischer Stamm fungiert, wird anhand distributiv bedingte Derivate vom Typ guter:gut + 0 ersichtlich. Da der Nominator nicht an die Oberflächensstruktur eines Satzes gebunden ist, verfügt er über funktionale Labilität und nichtdeterminierte Beziehung zu einem Satzglied. Das ergibt sich daraus, daß der Nominator nur funktional geprägt ist und von den für die morphologischen Derivate typischen Merkmalen frei ist. Die syntagmatische Labilität eines Nominators ist nicht nur durch die Entwicklungstendenzen des deutschen Sprachbaus, sondern auch durch die Wechselwirkungen zwischen den logischen und den lingualen Kategorien bedingt. Durch Denkprozesse hat sich die semantische Indifferenz einer Substanz in Bezug auf ein Merkmal Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 4

und die relative Selbstständigkeit eines Merkmals in Bezug auf die Substanzbegriffe herausgebildet. Die relative Selbstständigkeit eines Merkmals sieht die relative Unbestimmtheit der logisch-philosophischen Kategorie eines Merkmals in der Struktur der verbalisierten logischen Operationen voraus. Doch wird die syntagmatische Labilität und Unbestimmtheit eines Nominators durch den logisch-kommunikativen, bifunktionalen Charakter der syntagmatischen Prägung eingeschränkt. Wie bereits erwähnt, offenbart sich die syntagmatische Labilität eines Nominators nur in der morphologischen Repräsentation einer syntagmatischen Dominante. Die morphologische Repräsentation einer syntagmatischen Dominante ist nicht primär, sie ist vom Sprachsystem ererbt und durch Wechselbeziehungen zwischen dem Nominator und den Komponenten der kommunikativ-logischen Gliederung eines Urteils innerhalb der semantischen Identität eines Lexems bestimmt. Darum kommen solche Parallelformen wie bei eben in die ebene Fläche und in er kommt eben um die Ecke nicht in Betracht, weil sie zwei verschiedenen Wortarten angehören: einem Attributivum (nach BRINKMANN (1962:6)) und einem Adverb im herkömmlichen Sinne des Wortes. Der kommunikativ-logische Charakter der syntagmatischen Prägung eines Nominators bedingt die logische und grammatische Spezifik des obligatorischen Arguments. Auf der Ebene des abstrakten Satzes offenbart sich dieses Argument in Form des grammatischen Subjekts und des Prädikats, die als Glieder der realen und potentiellen Strukturen angesehen werden. Der abstrakte Satz gilt als eine reine Positionsstruktur, in der das logische Subjekt durch das grammatische Subjekt in Form einer Position repräsentiert wird, für die ausschlaggebend ist, ob sie eine Beziehung zu dem Gegenstand hat, welchem vom Sprecher ein prädikatives Merkmal zugeschrieben wird, oder nicht. Je nach der denotativen Charakteristik unterscheidet man das wirkliche grammatische Subjekt und das Quasisubjekt. Beide Subjekte sind Erscheinungen der Oberflächenstruktur eines Satzes. Auf dieser Ebene der paradigmatischen Wechselbeziehungen werden sie je nach der Repräsentationsform eines unabhängigen Begriffs als das globale und das gegliederte Subjekt auseinandergehalten. Das globale Subjekt fällt seiner Bedeutung nach mit dem syntaktischen Subjekt zusammen, welches durch den Nominativ repräsentiert wird. Das gegliederte Subjekt stellt eine komplizierte grammatische Erscheinung dar, welche tektonisch in Form eines Quasisubjekts und semantisch in Form eines obliquen Kasus vertreten ist. Die diskrete Form weist auch das grammatische Prädikat auf. Das grammatische Prädikat wird als eine Position für Benennung eines Merkmals verstanden. Die Position kann potentiell durch ein Existenzwort ausgefüllt werden. Auf der Oberflächenstruktur eines Satzes wird das grammatische Prädikat durch einfache und zusammengesetzte Formen eines Verbs repräsentiert, was ein Zeugnis davon ist, dass die Grenzen der logischen und grammatischen Prädikate nicht zusammenfallen. Auf der Ebene der Satzglieder wird das grammatische Subjekt durch das syntaktische Subjekt bzw. Objekt und das grammatische Prädikat durch das syntaktische Prädikat repräsentiert. Unter dem syntaktischen Subjekt ist die Repräsentanz eines grammatischen Subjekts durch den Nominativ zu verstehen. Das syntaktische Prädikat wird durch den Begriff der Existenz repräsentiert, welches in das grammatische Prädikat miteinbezogen ist. Sowohl das grammatische Subjekt als auch das grammatische Prädikat erscheinen gewöhnlich in einer entsprechenden grammatischen Form der expliziten Dominante mit ihren Gegengliedern; sie können aber unmanifestiert bleiben, indem sie in diesem Fall den impliziten Hintergrund der Realisation eines Nominators bilden: Und nicht so laut!; Trink schnell Kaffee! 5

Die Polyfunktionalität des Nullmorphems

Wie oben erwähnt, werden die qualitativen Adjektiv-Adverbien traditionell als zwei lexikalisch-grammatische Homonyme auf Grund der Antithese „Substanz-Akzidenz“ auseinandergehalten. Dieses Verfahren basiert auf einigen anfechtbaren Grundprinzipien, die der Theorie der „amorphen“ Wörter und der des syntagmatischen Relativismus der Wortbedeutung entspringen. Darüber hinaus werden in dieser Konzeption die Wortarten als lexikalisch-syntaktisch-morphologische Kategorien behandelt, welche mit einem Satzglied zusammenfallen, was an und für sich eine Streitfrage ist. Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 5

Im Unterschied zu den gleichwurzeligen Einheiten der grammatischen Ebene zeichnet sich der Nominator durch die Abwesenheit seines Nullexponenten aus. Die merkmalhafte Abwesenheit kommt erst in der Opposition „potenzielles Zeichen – aktuelles Zeichen“ zum Vorschein. Der Nominator existiert im Bereich des Lexikons und gilt als eine morphologische Ausgangsform: gut, guter, gute, gutem usw. Die anderen morphologischen Formen können als spezialisierte morphologische und semantische Derivate angesehen werden, deren Realisation durch kommunikative Fuktion eines Wortes bedingt ist. Materiell fällt der Nominator mit dem lexikalischen Stamm und grammatisch mit der Nullform zusammen und existiert auf der morphologischen Ebene als eine Basisform (ausgenommen die suppletiven Formen), welche von Exponenten der sichtbaren und nicht-sichtbaren Morphologie überlagert werden. Die grammatische Basisform ist durch die Anwesenheit des Nullsuffixes gekennzeichnet, dessen Relevanz nur dann zum Vorschein kommt, wenn die Nullform ihren morphologisch geformten Abarten gegenübergestellt wird. Die Nullform des Basisstammes stellt ein Sembündel dar, ein Semgefüge, dessen Bestandteile sich nur in der morphologischen und syntaktischen Opposition offenbaren. Die Nullform fungiert a)

als Suffix des Positivs, welches quantitative Neutralität der nominativen Bedeutung signalisiert (lang – länger – der, die, das längste)

b)

als Indikator der morphologischen Anpassung der adverbialen Position im Vergleich zur syntagmatischen Anpassung der flektierten Formen (ein guter Sportler; er spricht gut).

c)

als Indikator der dialektal-stilistischen, strukturellen Anpassung der Nullform im Bereich der substantivischen Gruppe (Röslein rot; ein rosa Kleid).

d)

als Indikator der syntaktischen Anpassung der Nullform im Bereich der verbalen Gruppe im Vergleich zur syntaktischen Anpassung der flektierten Form an den substantivischen Bereich.

Somit existieren die phonematischen Komplexe auf verschiedenen Ebenen der sprachlichen Struktur als polyfunktionale linguale Einheiten und treten auf als 1.

nominale Einheiten des lexikalisch-semantischen Systems (als Nominatoren), deren grammatische Prägung im Bereich der flektierten Wörter durch das Nullmorphem markiert ist (gut; Tisch usw.)

2.

lexikalische Stämme der entsprechenden Wortformen: z.B. gut- in den Wortformen gut, guter, gutes.

3.

Nullformen des Positivs im System der Steigerungsstufen (lang – länger – der längste; am längsten)

4.

Wurzelmorpheme in einer Wortfamilie (z.B. -gut- in der Reihe: gutherzig; das Gut; die Güte; begütert usw.)

5.

potenzielle syntaktische Formen analytischen Charakters, welche im Text in Übereinstimmung mit der kommunikativen Aufgabe und der Distribution realisiert werden: z.B. Es soll allen schlecht gehen, allen schlecht.

Die strukturelle Repräsentation der Elementarzeichen in der expliziten und impliziten Morphologie lässt zwei Deutungen zu: die morphologischen Einheiten wie gut können als Ausgangsformen des Paradigmas (gut-ǿ, gut-er, gut-es) oder als Strukturvarianten ihrer Glieder (gut-er/gut, gut-es/gut) angesehen werden. Andererseits können sie als außerhalb des Paradigmas stehende Formen gelten, weil nicht jede grammatische Form in das Paradigma eingegliedert wird. So gehört z.B. der Infinitiv nicht zum Paradigma der verbalen Konjugation, obwohl er als verbale Form fungiert. Die Nullform des formbildenden Morphems wird dadurch relevant, dass gerade das Fehlen der Endung sie den anderen Formen des Lexems gegenübergestellt. Sie korreliert aber mit der flektierten Form bei der Indikation der partikulären grammatischen Kategorien nicht. Solch eine Korrelation kommt erst auf der syntagmatischen Ebene der Sprache zum Vorschein. Da Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 6

die partikulären grammatischen Kategorien (Genus, Numerus, Kasus) distributiv bedingt sind, werden sie als systemererbte Eigenschaften der Nullform betrachtet. Der reale Sinn bei der Explikation der syntaktischen Beziehungen durch die Nullform wird nur angesichts der flektierten Form deutlich. In der Oberflächenstruktur des Satzes wird sie als syntaktische Form analytischen Charakters der syntaktischen Form flektierenden Charakters gegenübergestellt. In der Tiefenstruktur fehlt diese Gegenüberstellung infolge der morphologisch-syntaktischen Markierung der Kurzform als Nullmorphem. Indem das Elementarzeichen materiell mit dem Stamm zusammenfällt, unterscheidet es sich von ihm durch den Grad der lingualen Abstraktheit und durch das Spezifikum seiner grammatischen Ausformung. Während das Elementarzeichen eine Einheit der nominativen Ebene ist, welche als Nominator im Rahmen des impliziten Paradigmas fungiert, so gehört der Stamm des entsprechenden Lexems zur morphologischen Ebene und besitzt scharf umrissene semantische Konturen, sowie eine grammatische Abgeschlossenheit, die in der impliziten Morphologie zum Vorschein kommt. Wenn das Elementarzeichen in den Satz eingeführt wird, wird es als ein aktuelles Zeichen im grammatischen Stamm realisiert. Der grammatische Stamm korreliert strukturell mit den strukturellen Repräsentanten der Nullform auf der Ebene der expliziten Morphologie. In der impliziten Morphologie fehlt diese Korrelation, weil beide Einheiten verschiedenartig ausgeformt sind: während der grammatische Stamm des Elementarzeichens vor dem Hintergrund des Systems der impliziten und expliziten formbildenden Affixe existiert, gilt die Wortform gut-ǿ als eine der Realisationen des Lexems, die nicht vor dem Hintergrund des formbildenden Formans, sondern zusammen mit diesem Formans als seiner inhärenten Eigenschaft manifestiert wird. Externe Positionen des Affixes gegenüber den grammatischen Repräsentanten des Elementarzeichens bedingen die Polyfunktionalität des Nullmorphems in der Nullform, die auf der Ebene der expliziten Morphologie mit dem lexikalischen Stamm zusammenfällt. Die Relevanz des Nullmorphems wird nur bei der regulären Gegenüberstellung der Nullform den anderen Abarten des Elementarzeichens sichtbar. Der Nominator als ein Bestandteil des Redestroms verliert seine spezifischen lexikalischen Eigenschaften nicht. Lautbild, morphologische Struktur, Bedeutung, kategoriale Prägung sind absolute Eigenschaften, die vom System eines Satzes nicht ererbt sind, sondern in diesem System manifestiert werden können. Syntaktische Funktionen entstehen im System eines Satzes, sie existieren aber im Nominator als simultane Elemente. Die Annahme eines grammatisch markierten Nominators macht die methodologischen Prinzipien, die der herkömmlichen Unterscheidung zwischen dem qualitativen Adjektiv und Adverb zugrunde liegen, überflüssig und richtet das linguistische Interesse auf die Erschließung dieser angenommenen grammatischen Kategorie des Nominators, in der lexikalische Einheiten wie gut einer Wortart zugeordnet werden. Die Herausbildung der unflektierten Ausgangsform eines adjektivischen Lexems ist mit der Entwicklung des menschlichen Denkens und seinem Spielraum aufs engste verbunden. Bekanntlich korreliert die grammatische Prägung eines adjektivischen Wortes nicht nur mit den Denkkategorien, die das Spezifikum der verbalisierten logischen Operationen am außersprachlichen Sachverhalt widerspiegeln, sondern auch mit den Kategorien, die die verschiedenen Seiten dieses Sachverhaltes (Dimension, Farbe, Aggregatzustand usw.) sprachlich identifizieren. In diesem Sinne sind zwei Vektoren zu unterscheiden. Wenn im System der verbalisierten logischen Operationen die logisch-kommunikative Gliederung des Denkprozesses eines qualifikativen Wortes in den Vordergrund rückt und somit an Abstraktheit gewinnt, wird sein semantischer Hintergrund mehr konkretisiert. Für Adjektive, deren Lexeme durch flektierte Formen repräsentiert sind, ist die nominative Bedeutung bei der grammatischen Ausformung unwesentlich, weil sie morphologisch als Merkmal eines Gegenstandes bzw. Merkmal eines Merkmals modifiziert ist (skôni: skôno; гарний: гaрно). Die denonative Bezogenheit erfüllt hier die Rolle einer Stütze der syntagmatischen Bedeutung. Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 7

Zusammen mit der „syntaktischen Expansion“ der unflektierten Formen in den verbalen Bereich und ihrem neuen Stellenwert in der Struktur des Lexems, verändert sich die Hierarchie zwischen der nominativen und syntagmatischen Bedeutung in der Repräsention des grammatischen Konzepts. Die beiden semantischen Komponenten des Lexems (nominative Bezogenheit und syntagmatische Bedeutung) scheinen ins Gleichgewicht zu kommen. Die syntagmatische Bedeutung eines Adjektiv-Adverbs bildet Grenzen, in welchen die nominative Bezogenheit realisiert wird (S ↔ P). Die nominative Bezogenheit dient als Grundlage der semantischen Identität eines qualifikativen Wortes: Er ist ein guter Erzähler – er erzählt gut (eine Wortart); der ebene Weg – er ist eben gekommen (zwei Redeteile). 6

Die kategoriale Prägung des Adjektiv-Adverbs

Die Herausbildung einer neuen Wortart (Artangabe, Beiwort, Qualifikator (s.o.) statt Adjektiv-Adverb) wurde auch gefördert durch die menschliche Wahrnehmung des außersprachlichen Sachverhalts, welcher in Substanzen und Akzidenzen (Merkmale und Beziehungen) gegliedert wird. Das verbale Denken anatomisiert den einheitlichen Sachverhalt entsprechend der Struktur der verbalisierten logischen Operationen. Dem modellierten Spezifikum der verbalisierten logischen Operationen am Sachverhalt zufolge hat sich die statische, passive Akzidenz als eine allgemeine Idee herauskristallisiert, die nicht nur dem gedanklichen Gegenstand zugrundeliegt, sondern einer beliebigen Erscheinung zugeschrieben werden kann. Die Möglichkeit, das beliebige Merkmal der Substanz zuzuschreiben, nannte POTEBNJA die Indifferenz der Substanz (ПОТЕБНЯ (1968:98)). Die semantische Indifferenz der Substanz den Merkmalen gegenüber setzt die relative Selbstständigkeit der statischen passiven Akzidenzen voraus und somit eine relative Indifferenz des logisch-philosophischen Merkmals, welches auf der Ebene des Lexikons in der unflektierten Ausgangsform (Qualifikator) eines Lexems vertreten ist und die semantisch-syntaktische Potenzen aufweist, sowohl in der substantivischen als auch in der verbalen Sphäre des Satzes realisiert zu werden. Daraus folgt, dass im modernen Deutsch die o.g. Opposition „Merkmal des Gegenstandes – Merkmal des Merkmals“ aufgehoben ist. An ihre Stelle ist eine neue Opposition im Bereich der Wortarten getreten: qualitatives Verhältnis (Artangabe, Beiwort, Qualifikator, aber nicht Adjektiv-Adverb) vs. situatives Verhältnis (das Adverb – dort, hier usw.). Die qualitative Attribution als kategoriale Prägung der neuentstandenen Wortart wird als grammatische Verallgemeinerung der syntaktisch-semantischen Beziehungen eines Qualifikators im System seiner syntaktischen Bifunktionalität verstanden. Sie wird auf die inhärenten Eigenschaften eines substantivischen bzw. verbalen Merkmalsträgers zurückgeführt und hat formal-grammatischen Charakter. Verschiedene Sachverhalte (Zeit, Aggregatzustand, Temperatur usw.) werden als ein passiver, statischer Modifikator eingestuft, der dem situativen Verhältnis gegenübersteht. Daraus kann man schließen, dass das System der Wortarten kein starres logisches Gebilde, sondern in vieler Hinsicht ein lebendiges, idioethnisches Phänomen ist, dessen Teile den historischen Veränderungen unterzogen sind. Die sprachlichen Besonderheiten und die Mobilität des menschlichen Denkens bedingen ein derartiges Verhältnis des Wortes zur Struktur eines virtuellen Satzes und führen zur Umverteilung der Elemente innerhalb des Systems der Wortarten. 7

Positionen in der linguistischen Literatur

Die moderne funktionale Linguistik versucht, zur kategorialen Prägung eines AdjektivAdverbs Stellung zu nehmen. So bildete z.B. die lexikalische und morphologische Identität eines Adjektiv-Adverbs eine Grundlage, um eine invariante syntaktische Kategorie zu identifizieren wie z.B. „Satzadjektiv“, „Artangabe“, welche nach GLINZ in der morphologisch-syntaktischen Distribution als Artangabe zum Vorgang, Artangabe zur Zielgröße, Artangabe zur Sondergröße, Stellenangabe als Artbezeichnung, Artangabe als Lage- oder Zielbeziehung erscheint (GLINZ (1963:190)). Nach Auffassung der funktionalen Grammatik liege der adjektivische Charakter der neugeprägten Kategorie in der typischen Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 8

Beziehung einer jeden Kurzform zu der syntagmatischen Dominante und ihrer Fähigkeit, in den substantivischen Bereich transformiert zu werden. Die grammatische Prägung eines Adverbs liege dagegen in der Fähigkeit einer Kurzform, situative Beziehungen auszudrücken. Somit ist statt der traditionellen Opposition „Merkmal eines Gegenstandes – Merkmal eines Merkmals“ eine neue Opposition identifiziert worden, deren inneres Wesen darin besteht, ein Merkmal einer situativen Beziehung gegenüberzustellen. Es liegt aber auf der Hand, dass der von der funktionalen Linguistik postulierte Gegensatz insofern fragwürdig ist, als er auf entgegengesetzten (logischen und sprachlichen) Merkmalen aufgebaut ist. Die neu entstandene Kategorie wird logisch-philosophisch bzw. semantisch behandelt von BRINKMANN (1962:107) (Qualität), SCHMIDT (1973:185) (Merkmal v.a. Eigenschaft), САВЧЕНКО (1967:185), MOSKALSKAJA (1971:229) (Eigenschaft im weitesten Sinne), sowie Agricola, Fleischer, Protze (1969) (Merkmal von Größen, Vorgängen und Zuständen). All diese Kategorien stellen logische Begriffe dar, die den Erkenntnissen des menschlichen Denkens entspringen und somit nicht auf sprachliche Erscheinungen zurückgeführt werden können. Manche Sprachwissenschaftler (z.B. AMMAN 1962) und HERMANN (1928)) setzen die kategoriale Prägung eines Adjektiv-Adverbs dem Attribut gleich. MOSKALSKAJA dagegen knüpft den Begriff eines grammatischen Merkmals an die inneren und äußeren Eigenschaften von Menschen, Tieren, Gegenständen, sowie an Eigenschaften von Handlungen, Merkmalen und Umständen. Aus diesem Überblick lässt sich ersehen, dass die bisher gewonnenen Erkenntnisse extralingualer Natur sind und nicht als adäquate sprachliche Modelle gelten können. Nicht von ungefähr ist z.B. СТЕПАНОВА (1953:160) der Meinung, dass die Verschwommenheit der Begriffe Merkmal, Eigenschaft, Qualität es erschwert, einen richtigen Einblick in die grammatische Semantik eines Adjektivs zu gewinnen. Auch AMMAN (1962:166) weist darauf hin, dass grammatische Begriffe wie Eigenschaft, Eignung, Eigentümlichkeit, Kennzeichen, Merkmal von den anderen homonymen Kategorien streng unterschieden werden sollten. Weder die logische Verfahrensweise noch das semantische Herangehen bei der Lösung des Adjektiv-Adverb-Problems sind imstande, den Zusammenhang zwischen Semantik und Syntax der Adjektiv-Adverbien zu erklären, insbesondere wenn sie von besonderer Semantik geprägt sind, welche nicht mit der eines Qualitätsmerkmals im Einklang steht, wie z.B. die Semantik der Adjektive hoch, tief usw. All diese Begriffe spiegeln u.E. nicht die funktionale Rolle der sprachlichen Elemente im Redeprozess wider, sondern sind entweder auf die referenzielle Bedeutung eines Wortes, oder auf seine gnoseologische Natur ausgerichtet. Etwas anders wird der Gegensatz Merkmal–Umstand bei GLINZ (1963) beschrieben. GLINZ vertritt die Ansicht, dass die kategoriale Prägung eines Adjektiv-Adverbs in seiner Fähigkeit liegt, als Bestandteil eines grammatischen Gegenstandes (einer Größe) existieren zu können. Die Fähigkeit eines Adjektiv-Adverbs, auf eine Artangabe hinzuweisen, nennt GLINZ „Merkmal, Eigenschaft, Zugehörigkeit, Art“ (1963:190). Somit wird nolens volens die Prägung eines Adjektiv-Adverbs in der Auffassung von GLINZ auf die reine Permutation zurückgeführt und auf die Ebene der Syntax verschoben, was dem kategorialen Charakter einer Wortart zuwiderläuft. In den Arbeiten von AMMAN und WEIßGERBER (1953) hat sich ein psychologisches Herangehen an die Lösung des Adjektiv-Adverb-Problems abgezeichnet, welches das Ziel verfolgt, die Eindrücke zu identifizieren, welche der Sprecher in der Auseinandersetzung mit der Außenwelt gewinnt. Bei AMMAN wird der psychologische Eindruck von einem Merkmal grammatisch in der adverbalen Position lokalisiert. Jede Andeutung auf den grammatischen Gegenstand wird als Eigenschaft aufgenommen. AMMANs Eindruck bzw. Stellungnahme klingt an den von BRINKMANN (1962:71-22) eingeführten Begriff des Urteils an. „Urteil“ sei nicht nur eine im verbalen Bereich realisierte Funktion eines Adjektiv-Adverbs, sondern auch dessen linguale Potenz auf der Ebene des Lexikons. BRINKMANN ist bestrebt, den funktionen Aspekt der Sprache an die Position und die morphologische Form eines Adjektiv-Adverbs zu knüpfen. Somit zieht BRINKMANN Parallelen zwischen syntaktischen und semantischen Beziehungen der Adjektiv-Adverbien und den Hauptwortarten in der Satzstruktur. Darüber hinaus wird der logisch-psychologische Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 9

Aspekt des attributiven Urteils völlig auf das Adjektiv-Adverb übertragen, welches doch nur ein Bestandteil der Subjekt-Prädikat-Beziehung innerhalb einer Proposition darstellt. 8

Zusammenfassung

Dieser Überblick genügt, um feststellen zu können, dass es in der linguistischen Literatur eine Fülle unterschiedlicher Auffassungen gibt, welche dem Bedürfnis entspringen, die grammatische Prägung einer neuentstandenen Kategorie zu erschließen, ohne sie linguistisch zu begründen. Darüber hinaus basieren diese Auffassungen meistenteils auf dem Sprachgefühl oder sind der nichtlinguistischen Metasprache entnommen. Die von uns aufgestellte Hypotese über den logisch-kommunikativen Charakter der syntagmatischen Prägung eines Nominators ermöglichte es, in das Spezifikum der Beziehung eines Nominators zu einem Merkmalsträger im substantivischen und verbalen Bereich einzudringen. Nicht der morphologische Charakter eines Merkmalsträgers, sondern die Beziehung zwischen dem Nominator und den Merkmalsträgern innerhalb des substantivischen bzw. verbalen Bereichs liegt der grammatischen Prägung eines Adjektiv-Adverbs zugrunde. Der innere Sinn dieser Beziehung liegt darin, daß ein Merkmal einem Merkmalsträger zugeschrieben wird. Morphologische Verallgemeinerung im Rahmen des substantivischen und verbalen Bereiches, semantische Beziehungen zwischen dem Merkmal und dem Merkmalsträger lassen sich grammatisch generalisieren. Und diese generalisierende grammatische Bedeutung ist eben die grammatische Prägung eines Adjektiv-Adverbes. Die konkrete Semantik eines AdjektivAdverbs, wenn sie in den Wirkungskreis der syntagmatischen Prägung eingegliedert wird, wird durch den systemhaften Charakter der Beziehungen zwischen dem Merkmal und dem Merkmalsträger grammatisch umgeformt und zu einer inhärenten qualitativen Modifikation geprägt, welche formal-grammatischer Natur ist und die semantische Identität eines Wortes innerhalb der substantivischen und verbalen Bereiche überlagert. Der qualifikative Charakter der Beziehungen zwischen einem Merkmal und einem Merkmalsträger innerhalb des Wirkungskreises eines Modifikators wird durch die Fähigkeit des Modifikators bestätigt, in den substantivischen Bereich transformiert zu werden. Morphologische Kongruenz innerhalb der substantivischen Gruppe und die untergeordnete Rolle eines Attributs im Rahmen einer substantivischen Wortfügung zeugen von einem inhärenten Charakter der Beziehungen zwischen dem Merkmal und Merkmalsträger. Somit werden die Begriffe über die Eigenschaften der Außenwelt (Aggregatzustände, Zeit, Raum, Temperatur usw.) in Form von passiven statischen Artangaben der Merkmalsträger sprachlich repräsentiert. So wird der scheinbare Alogismus in der Wortfügung früh aufstehen im Wirkungskreis der grammatischen Prägung aufgehoben. Die attributive Artangabe steht in indirekter Beziehung zur logischen Kategorie des Merkmals, welche in der Sprache als inhärenter Teil eines Ganzen transformiert wird. Die inhärente Artangabe kann als eine Denkform angesehen werden, welche im Ergebnis der Evolution der Sprache und der menschlichen Erkenntnis entstanden ist. Indem sie die logische Kategorie eines Merkmals ausdrückt, hat sie Berührungspunkte zu anderen sprachlichen Einheiten, die attributive Beziehungen eingehen, nämlich mit voranstehendem oder nachgestelltem Genitiv (z.B. in meiner Mutter Garten; Menschen guten Willens), mit Attributsätzen, mit dem adverbalen Attribut (das Haus dort), mit der Struktur der kompletiven Wortverbindung (er liegt rücklings). Doch unterscheidet sich die attributive Artangabe von den anderen Formen der attributiven Beziehung durch ihre grammatische Prägung, durch Art und Weise der grammatischen Verallgemeinerung des logischen Inhalts. Wie oben erwähnt, werden die logischen Bedeutungen eines Nominators im Wirkungsbereich der grammatischen Prägung nivelliert und treten als ein Teil des Ganzen auf, indem sie die logische Kategorie eines Merkmals ausdrücken. Darum verhält sich die attributive Artangabe neutral zu den lexikalischen Bedeutungen, die sie nur mit der lexikalisch-semantischen Verallgemeinerung des logischen Begriffs eines Merkmals und mit der semantischen Identität im substantivischen und verbalen Bereich überlagern. Im Redestrom werden sowohl die systemhafte Invariante (ein Teil des Ganzen) als auch ihre Varianten (konkrete lexikalische Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 10

Bedeutungen) realisiert, welche hier in den Vordergrund treten und bestimmte Inhalte ausdrücken: Einschätzung (schön), Temperatur (kalt), Farbe (grün), Geschmack (süß), Beziehung (nah), äußere Merkmale (kahl), moralischer Zustand (lustig), Zeit (früh), physischer Zustand (krank) usw. Die anderen Komponenten der attributiven Artangabe (syntagmatische Beziehung eines Merkmals zu den Merkmalsträgern und das systemhafte Funktionieren eines Nominators in der Subjekt-Prädikat-Sphäre) bewahren ihren Status auf der paradigmatischen und syntagmatischen Ebene eines Satzes, wo sie nur als virtuelle Einheiten den aktuellen Einheiten gegenübergestellt werden können. Als kategoriale Komponente gilt in dieser Struktur das systemhafte Fungieren eines Nominators, welcher eigentlich den Typ der grammatischen Verallgemeinerung der Beziehungen zwischen dem Merkmal und Merkmalsträger bestimmt. Die Beziehungen, die hier entstehen, dienen nur als ein Bindeglied zwischen der lexikalischen Bedeutung und der grammatischen Verallgemeinerung in der Struktur der attributiven Artangabe. Aus diesen Erwägungen folgt, dass im heutigen Deutsch eine neue Opposition innerhalb der Wortarten entstanden ist, wo die attributive Beziehung der situativen Beziehung im Rahmen eines Qualifikators und eines Adverbs gegenübergestellt werden. Die herkömmliche Opposition „Merkmal eines Gegenstandes – Merkmal eines Merkmals“, die den älteren Zuständen der deutschen Sprache zugrunde lag und für die meisten flektierten, darunter auch für die slavischen Sprachen besonders kennzeichnend ist, wurde auf Grund der Entwicklung eines Nominators aufgehoben. Wortbildende Prozesse, die zwischen dem Qualifikator und dem Adverb vor sich gehen und zugunsten der Begleitwörter ausfallen (dort – dortig; hier – hiesig) und somit ihren lexikalischen Bereich vergrößern, beeinträchtigen das Verhältnis innerhalb der angeführten Opposition nicht. Diese Prozesse sind wahrscheinlich mit der kommunikativen Gliederung eines Satzes und seinen kommunikativen Ketten verbunden. Damit hängt auch die Tendenz zur Nominalisierung des Prädikats zusammen. Grammatische Verallgemeinerung der lexikalischen Bedeutung zu einem Qualifikator kann nur dann geschehen, wenn sie dank der Normalisierungstransformation eine neue grammatische Prägung annimmt, welche auf die Subjekt-Prädikat-Sphäre eines Satzes ausgerichtet ist: der Mann ist hiesig (umgangssprachlich) und der hiesige Mann. Im Zusammenhang damit erhebt sich die Frage über die Verflechtung des Qualifikators mit anderen Wortarten und syntaktischen Klassen, die ein attributives lexikalisch-grammatisches Feld bilden. Diese Frage geht aber über den Rahmen unseres Beitrags hinaus. Literatur AGRICOLA, A. FLEISCHER, W. PROTZE, H. (1969): Kleine Enzyklopädie. Die deutsche Sprache. Leipzig. AMMAN, H. (1962): Adjektiv und Eigenschaftswort. In: Das Ringen um eine deutsche Grammatik. Darmstadt. BRINKMANN, H. (1962): Die deutsche Sprache. Gestalt und Leistung. Düsseldorf. ERBEN, J. (1959): Abriß der deutschen Grammatik. Berlin. GLINZ, H. (1963): Die innere Form des Deutschen. 1. Auflage, Bern/München. HERMANN, E. (1928): Die Wortarten. In: Nachrichtenvon der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Berlin. KURYLOWICZ, J. (1964): The inflectional Categories of Indo-European. Heidelberg. MAXYMTSCHUK, B. (2006): Zum Adjektiv-Adverb Problem in der deutschen Sprache. In: UkrainischBayerische Grmanistentagung an der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw. MOSKALSKAJA, O. (1971): Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Moskau. SCHMIDT, W. (1973): Grundfragen der deutschen Grammatik. Eine Einführung in die funktionale Sprachlehre. Berlin. WEIßBERGER, L. (1953): Von den Kräften der deutschen Sprache. Düsseldorf. WITTGENSTEIN, L. (1921): Tractatus logico-philosophicus. Wien. АРУТЮНОВА, Н. (1972): Морфология. В кн.: Общее языкознание (Внутренняя структура языка), Москва.

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Prof. Dr. Bohdan Maxymtschuk Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw, Ukraine [email protected] Bohdan Maxymtschuk – Deutsche Grammatik im europäischen Dialog (Krakau 2006) - 12

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