Deutsch und andere Sprachen im Vergleich

January 13, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Schreiben, Grammatik
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Sprachenvielfalt im Klassenzimmer: Deutsch und andere Sprachen im Vergleich

Dr.(Rus) Hahn

Kontrastive Linguistik {

Vergleich eines oder mehrerer bestimmter Aspekte in zwei Sprachen bzw. innerhalb einer reduzierten Sprachgruppe, z.B.

{

Kontrastive Phonetik Kontrastive Syntax Kontrastive Semantik Kontrastive Pragmatik Kontrastive Morphologie Kontrastive Grammatik

{ { { { {

Klassifikation von Sprachen

{

Genetisch

{

Typologisch (z.B. morphologisch)

Morphologische Klassifikation: Sprachbau {

Analytische Sprachen: Isolierend

{

Synthetische Sprachen: Agglutinierend polysynthetisch (inkorporierend) flektierend (fusionierend)

A. Sprachtyp: Analytisch / isolierend {

(alle Wörter unveränderlich, keine Flexionen, grammatikalische Beziehungen werden durch die Wortstellung angezeigt).

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z.B. Chinesisch und Vietnamesisch: “ta bu hui yong dao chi fan” = “er nein kann benutzen Messer essen Reis” (“Er kann Reis nicht mit dem Messer essen”).

{

Hochchinesisch: Wŏ măi juzi chī Ich kaufen Orange essen Ich habe Orangen zum Essen gekauft

B. Sprachtyp: Flektierend {

{

{

{

{

Flektierend = fusionierend = synthetisch grammatikalische Beziehungen werden durch Veränderungen der inneren Struktur von Wörtern vermittelt - meist durch Flexionsendungen, die mehrere grammatikalische Bedeutungen gleichzeitig ausdrücken. Latein, Altgriechisch und Arabisch: amo “ich liebe” die 1. Person Singular, Präsens, Indikativ und Aktiv Innere Flexion: Deutsch: binden – das Band, der Bund Latein: tego ‘decke’, toga ‘Obergewand des Mannes’ Semantische Fusion: Latein: amica (Nom. Sg. Fem.) ‘Freundin’ amicus (Nom. Sg. Mask.) ‘Freund’ amici (Gen. Sg. Mask.) ‘des Freundes’ die Gäste (dreifache Signalisierung des Plurals) Deutsch gósti (einfache Signalisierung) Russisch

C. Sprachtyp: Agglutinierend {

Die Wörter setzen sich aus langen Abfolgen von kleinsten Einheiten (Morphemen) zusammen, wobei jede Einheit eine bestimmte grammatikalische Bedeutung hat. Die Bedeutung von amo würde etwa durch 5 Affixe ausgedrückt - je eines für Person, Numerus, Tempus, Genus verbi und Modus. Türkisch: ev=Haus; evde=im Haus; evden=vor dem Haus Suaheli: mimi ni-na-ku-penda wewe Mich ich-Präs-Du-lieben Dich „Ich liebe Dich“

D. Sprachtyp: Polysynthetisch / Inkorporierend {

Eine Vielzahl von Morphemen wird zu komplexen Wörtern zusammengesetzt, die als Einwort-Sätze fungieren können

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Tschuktschisch, Eskimo, Mohawk, die australischen Sprachen

{

Tiwi [Australian Aboriginal] ngirruunthingapukani = ngi - rru unthing - apu I PAST TENSE for some time eat repeatedly ‘I kept on eating.’

{

(Aztekisch) Nahuatl: ninakakwa = ni -naka -kwa ich Fleisch ess‘ich esse Fleisch’

-kani

Sprachenvielfalt im Klassenzimmer {

www.freidaz.de

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Russisch, Arabisch, Italienisch, Türkisch…

Deutsch {

Indogermanische Sprachen Æ germanische Sprachen Æ westlicher Zweig

{

Ca. 120 Millionen Muttersprachler weltweit, mind. 80 Millionen Fremdsprachler

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Flektierender Sprachbau

{

Das deutsche Alphabet: Variante des lateinischen Alphabets. (26 Grundbuchstaben des lateinischen Alphabets (5 Vokale) zuzüglich der drei Umlaute (Ä, Ö, Ü) + das Eszett (ß) (auch „scharfes S“ genannt)

{

Alphabetschrift (phonographische Schrift) Schreibung: von links nach rechts, von oben nach unten

Russisch {

Indogermanische Sprachen Æ slawische Sprachen Æ ostslawischer Zweig

{

Ca. 170 Millionen Muttersprachler, 114 Millionen Zweitsprachler

{

Flektierender Sprachbau

{

Das russische Alphabet: Variante des kyrillischen Alphabets. (33 Grundbuchstaben: 23 Konsonanten + 10 Vokale, Besonderheiten: Weichheitszeichen und Härtezeichen) http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A0%D1%83%D1%81%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_% D1%8F%D0%B7%D1%8B%D0%BA

{

Alphabetschrift (phonographische Schrift) Schreibung: von links nach rechts, von oben nach unten

Arabisch {

Afroasiatische Sprachen Æ Semitische Sprachen Æ Westsemitische Sprachen

{

Ca. 320 Millionen Muttersprachler, 60 Millionen Zweitsprachler

{

Flektierender Sprachbau

{

Das arabische Alphabet: 3 Vokale, 2 Diphthonge, 28 Konsonanten http://ar.wikipedia.org/wiki/%D9%84%D8%BA%D8%A9_%D8%B9%D8%B1%D8%A8%D9%8A% D8%A9

{

Konsonantenschrift (phonographische Schrift) Schreibung: von rechts nach links

Türkisch {

Altaische Sprachen Æ Turksprachen Æ Oghusische Sprachen

{

Ca. 65 Millionen Muttersprachler

{

Agglutinierender Sprachbau

{

Das türkische Schriftsystem bezieht seine Grapheme aus dem Lateinischen (Einführung 1928); vorher hat man mit arabischen Schriftzeichen geschrieben. 29 Grapheme entsprechen 29 Phonemen. http://tr.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrk%C3%A7e

{

Alphabetschrift

Kontrastive Phonetik {

{

Türkisch: - eine relativ eindeutige Silbenstruktur (K + V + K) Æ keine Konsonantenhäufungen Æ Fehler im DaZ: Schiepigel, Schututtgart - Vokalharmonie Russisch: keine Diphthonge Æ Doitschland, Saite, noi, Schpielen, Fraiburg; Vokalreduktion: unbetontes „O“ wird zu „a“; unbetontes „E“ wird zu „I“ (z.B. Konsonanten; Intonation; flektierend); P, T, K – keine Aspiration (Papa, Tochter, Natalia)

Kontrastive Morphologie und Wortbildung {

Türkisch: agglutinierender Sprachbau Æ keine Veränderung des Stammvokals; Bildung der Verben ist regelmäßig; wenig Hilfsverben, Vergangenheitsbildung durch den Anhang von Suffixen an den Verbstamm; Deklination der Nomen ist regelmäßig, ein Morphem = eine Bedeutung

Kontrastive Grammatik: Genus Sprachen mit Genusopposition beim Nomen

Sprachen ohne Genusopposition beim Nomen

Genusopposition dreigliedrig (Mask./Fem./neutr.) – Deutsch, Griechisch, slawische Sprachen, Norwegisch

Englisch, Finnisch-Ugrisch, türkische Sprachen

Genusopposition zweigliedrig (Mask./Fem.) – baltische, romanische, keltische Sprachen + Arabisch

Eine besondere Eigenart von Genuswechsel kennen das Rumänische und das Italienische

Genusopposition zweigliedrig (Utrum/Neutr.) – nordische Sprachen.

{

Türkisch: kein grammatisches Geschlecht, kein Artikel Æ große Schwierigkeiten beim Erwerb vom Genus und Kasus des Deutschen Æ ich gehe Schule, Kind sitzt auf Stuhl, Hast du Problem?

{

Russisch: f, m, n, ABER: deutliche Kennzeichen: Konsonanten Æ m, O, E Æ n, A (JA) Æ f.

Kontrastive Grammatik: Kasus {

Der Kasus wird vom Verb und seiner Rektion bestimmt (Verben mit Präpositionaler Ergänzung)

{

Æ Russ. Ich gratuliere dich; ich warte dich

{

hoffen auf Akk. sich freuen auf Akk. träumen von Dat. gierig nach Dat. neidisch auf Akk.

Verbkonjugation Starke Verben =/ schwache Verben ich lag im Bett =/ ich legte mich ins Bett Russisch und Arabisch: Sein (Vergangenheit und Zukunft) Æ Ich Natalia, Du klein; Wir im Kino; Wer du? Wie dein Name? Von wo du? Russisch: Haben = bei mir (ist; gibt es) Æ Bei mir (ist) Katze, bei mir nicht Katze Aspekt: Grad der Vollendung der Handlung (zwei unterschiedliche Verben) Stroitj =/ postroitj Otwetschatj =/ otwetitj Æ Schwierigkeiten bei der Bildung von Vergangenheitsformen

Kontrastive Wortfolge • Wortfolgemuster in der Sprachen der Welt: SVO, SOV, VSO, VOS, OVS, OSV Deutsch: S + P sind obligatorisch •Aussagesatz, direkte Wortfolge: SV • Aussagesatz, invertierte Wortfolge: ..VS.. • Fragesatz: VS? Fragewort VS? • Nebensatz: , weil S… V • Verbalklammer

Der Frosch saß unter einem Seerosenblatt. Seit Tagen hatte er keine einzige Fliege gefangen. Was sollte er nun machen? Ich gebe die Hoffnung nicht auf!, dachte er schließlich. Eine Prinzessin küsse ich nur im Notfall, wenn es keine Alternative mehr gibt. (Rosmary Tracy: Wie Kinder Sprachen lernen, S. 38)

Ein topologisches Modell deutscher Sätze Verbalklammer /Satzklammer Vorfeld

V2 finit

Mittelfeld

1. Der Frosch

saß

unter Seerosenblatt.

2

Seit Tagen

hatte

er keine einzige Fliege

gefangen.

3

Was

sollte

er nur

machen?

4

Ich

gebe

die Hoffnung nicht

auf

dachte

er schließlich.

küsse

ich nur im Notfall

wenn

es keine mehr

5 6

Eine Prinzessin

VE einem

Alternative gibt.

{

Ich habe das Haus angemalt, das du mir gezeigt hast. Malst du bitte noch das andere Haus an? … weil ich auch noch was male. Ich hab das auch / nicht gesehen… weil ich das auch / nicht gesehen habe. Wen hast du gesehen? Du hast wen gesehen?

{

Regel für DaF-/DaZ-Lerner: TEKAMOLO

{ {

{

{

Türkisch: SOP-Sprache, das flektierte Verb steht am Satzende, auch bei Fragesätzen Russisch: Neutrale Wortfolge: SVO, Die Wortfolge ist aber frei.

Numerus {

Singular, Dual, Paral, Trial, Quadral, Paukal, Plural, Distributiv Standardarabisch Singular (Einzahl)

Dual (Zweizahl)

Plural (Mehrzahl)

*‫ البيت‬al-baytu, „das Haus“

‫ البيتان‬al-baytāni, ‫ البيوت‬al-buyūtu, „die beiden Häuser, die „die Häuser“ zwei Häuser“

*‫ أنت‬ʾanta, ʾanti, „du“ (m., f.)

‫ أنتما‬ʾantumā, „ihr beide“

‫ أنتن‬,‫ أنتم‬ʾantum, ʾantunna, „ihr“ (m., f.)

101 konkrete Unterrichtsvorschläge { { { { { { { { { {

Minimal Standard: die Sprachentabelle im Schulzimmer, Unsere Schule grüßt in allen Sprachen, „Stammbäume“ – Vielfalt in der eigenen Familie, Sprachbilder – die eigene Sprachensituation zeichnen, „Unser Abfall ist voller Sprachen“, Sprachenvielfalt dreidimensional, Mehrsprachige Beschriftungen, Mini-Sprachkurse in verschiedenen Sprachen, Memory, Quartett, Domino, Selbstgemachte mehrsprachige Bilderbücher,

{ { { {

{ {

Lieblingsbücher vorstellen, Mehrsprachiger Gedichtvortrag – live und auf Tonband, Verschiedene Kulturen kennenlernen – „Sonderwochen“ Haus- und andere Tiere (z.B. Hunde als Haustiere in der Türkei), Mehrsprachige Landwirtschaft, usw.

http://www.goethe.de/ges/spa/prj/sog/fms/dit/deindex.htm (Schader 2000)

Mehrsprachige Kinder- und Jugendliteratur für mehrsprachige Lernkontexte {

Parallele Mehrsprachigkeit / parallele zwei- bzw. mehrsprachige Texte

{

Sprachmischungen bzw. Mischsprachigkeit / integrierte zweisprachige Texte: innertextliche plurilunguale Texte, in denen einzelne Textelemente in verschiedenen Sprachen verfasst sind (1983. Emer O´Sullivan und Dietmar Rösler „I like you – und du?“)

Mehrsprachige Literatur

{

{

{

{

{

{

{

Schader, B. (2000): Sprachenvielfalt als Chance. Handbuch für den Unterricht in mehrsprachigen Klassen und 95 Unterrichtsvorschläge für Kindergarten bis Sekundarstufe I. Zürich: Orell Füssli. Colombo-Scheffold, Simona / Fenn, Peter / Jeuk, Stefan / Schäfer, Joachim (2008): Ausländisch für Deutsche. Sprachen der Kinder – Sprachen im Klassenzimmer. Freiburg: Fillibach. Macaire, Dominique (2001): Konzepte der Sprachaufmerksamkeit in der Grundschule. In: Schmölzer-Eibinger, Sabine; Portmann-Tselikas, Paul R. (Hrsg.): Grammatik und Sprachaufmerksamkeit. Innsbruck: Studienverlag, 200-215. (http://www.pze.at/aktuell/de/publikationen/Macaire_Sprachaufmerksamkeit.pdf) (20.04.2011). Oomen-Welke, Ingelore; Hans-Jürgen, Krumm (2004): Sprachenvielfalt – eine Chance für den Deutschunterricht. In: Fremdsprache Deutsch, Heft 31, 5-13. Oomen-Welke, Ingelore und Arbeitsgruppe (2006): Der Sprachenfächer. Höflichkeit. Benimm bei Tisch. Begrüßung und Anrede. Kopiervorlagen für den interkulturellen Deutschunterricht. Klasse 4 und Sekundarstufe I. Didaktische Einführung. Methodische Vorschläge. CD mit den Arbeitsblättern. Freiburg i. Br.: Fillibach. (www.sprachenfaecher.de) (20.04.2011). (hier: Probekapitel). Oomen-Welke, Ingelore und Arbeitsgruppe (2001): Vornamen. Vorkommen. Bedeutung. Geschichte. (JaLing Comenius-Projekt, Erprobungsfassung) Freiburg: Pädagogische Hochschule Freiburg. (http://home.phfreiburg.de/jaling/material/material_examples.html) (20.04.2011). http://www3.germanistik.uni-halle.de/prinz/index.htm

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