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January 15, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Schreiben, Grammatik
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 Verb (Verbum, Verba, engl. verb) Verbum ‚Wort‘ (griech. rhema ‚Rede, Aussage‘) Auch: Aussagewort, Tätigkeitswort, Zeitwort

Grammatische Kategorien: Konjugation 1) Numerus: Sg – Pl 2) Person: 1 – 2 – 3 [ergibt 6 verschiedene Flexionsformen. Es können aber auch mehr sein: im Hebräischen wird in der 2./3.Sg sowie 2.Pl noch nach mask und fem unterschieden, also 9 Formen]

3) Tempus (Tempora, Zeitformen): temporale Verortung des geäußerten Sachverhalts (Ereigniszeit, E) in Relation zur/m Äußerungszeit/Sprechzeitpunkt (S), daraus resultieren Vergangenheit (E > S), Gegenwart (E – S), Zukunft (S > E) im Deutschen werden traditionell 6 Tempora angesetzt

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 Präsens, Gegenwartstempus Formen: gehe – gehst – geht – gehen – geht – gehen [Vgl. Ital: parlo – parli – parla – parliamo – parlate – parlano; Engl.: speak(s)] Grundbedeutung: Gleichzeitigkeit/Überlappung von Ereignis- und Äußerungszeit (ich arbeite gerade, heute fällt mir nichts ein) auch Zukunftsbezug (Morgen gehe ich ins Kino) und Vergangenheitsbezug (historisches Präsens) (Am 1. September 1939 beginnt der 2. Weltkrieg) möglich

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Präteritum (im Dt auch irrtümlicherweise: Imperfekt): Vergangenheitstempus, bezeichnet vergangene Ereignisse (E > S) – Bsp.: gestern ging ich ins Kino

Formen: starke vs. schwache Verben Stark: stammvokalverändernd (heute: unregelmäßig) sprach – sprachst – sprach – sprachen – spracht – sprachen Schwach: Zusatz von –t, Stammvokal unverändert (heute: regelmäßig) lieb-t-e – lieb-t-est – lieb-t-e – lieb-t-en – lieb-t-et – lieb-t-en Gemischt: Ablaut plus –t (brach-t-e, ...) auch Unterschiede beim Partizip: gesprochen vs. geliebt

Präs & Prät werden im Deutschen einfach (synthetisch) gebildet (durch Flexion am Verb) und sie werden – zusammen mit dem Futur I – auch als absolute Tempora bezeichnet (weil nur E & S eine Rolle spielen)

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Die

übrigen

Tempora

werden

zusammengesetzt

(analytisch/

periphrastisch) gebildet (d.h. mithilfe eines Auxiliars) und sie sind relationale Tempora (außer Futur I), weil hier noch die sog. Referenzzeit (R) bedeutsam ist.

 Futur I: zur Bezeichnung zukünftiger Ereignisse (S > E) Bildung: werden + Infinitiv (ich werde morgen ins Kino gehen)

Gegenwartsbezug, wenn modale Bedeutung vorhanden (vermutlich wird er jetzt zuhause sein) Präsens vs. Futur I: nicht synonym a) Gegenwartsbezug: modale Komponente fehlt bei Präsens, muß gesondert (Adverb z.B.) ausgedrückt werden, d.h. er wird jetzt zuhause sein  er ist jetzt zuhause, sondern = vermutlich ist er jetzt zuhause b) Zukunftsbezug: muß bei Präsens besonders angezeigt werden (morgen gehe ich ...), d.h. ohne Kennzeichnung kein Zukunftsbezug (ich gehe ins Kino  ich werde ins Kino gehen) 4

 Perfekt: drückt ein in der Vergangenheit abgeschlossenes Ereignis aus, das in die Gegenwart hineinwirkt, d.h. Referenzzeit (der zeitliche Bezugsrahmen) ist die Gegenwart und damit gleich der Äußerungszeit (E > R = S), d.h. abgeschlossene Ereignisse mit Bezug auf Gegenwart Bildung: präsentisches AUX (sein/haben) + Partizip II

Präteritum vs. Perfekt: a) Abgeschlossenheit wird bei Perf impliziert, nicht notwendigerweise aber bei Prät, d.h. häufig sind beide äquivalent (ausstauchbar): gestern kaufte er ein Auto/hat gekauft Es gibt aber auch Kontexte, in denen das nicht der Fall ist: Peter schaut am Morgen aus dem Fenster, es ist strahlend blauer Himmel, es hat den ersten Schnee dieses Jahres, er sagt zu seiner Frau: (i)

es hat geschneit

(ii)

*es schneite

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Konsequenz für Zeitenfolge in komplexen Sätzen: da Abgeschlossenheit Vorzeitigkeit gegenüber R impliziert, folgt daraus auch: ich sehe, daß es geschneit hat/*schneite (vgl. auch: plötzlich spürte ich, daß es regnete/*geregnet hat: hier ergibt nur Gleichzeitigkeit eine sinnvolle Lesart)

Unterschied: bei Perf primär Abgeschlossenheitsaspekt, bei Prät Vergangenheitsaspekt, daher b) Perfekt erlaubt auch Zukunftsbezug, wenn R gleich Zukunft (morgen hab ich das Geld besorgt) c) generische Aussagen: ein Tor liegt vor, wenn der Ball die Torlinie in vollem Umfang überschritten hat/*überschreitet

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 Plusquamperfekt: (lat. ‚mehr als vollendet‘) abgeschlossene Ereignisse/Vorzeitigkeit mit Bezug auf Vergangenheit (E > R > S) Als er eintrat, hatte/verließ Peter das Zimmer verlassen Bildung: präteritales AUX (sein/haben) + Partizip II

 Futur II: Futurum exactum, vollendete Zukunft (S > E > R) Bildung: werden plus Perfekt (AUX + Partizip II) Er wird das Kapitel morgen abgeschlossen haben Meistens ersetzbar durch Perfekt, daher ziemlich ungebräuchlich: sobald ich es gefunden haben werden/habe, rufe ich ich Dich an Außer bei modaler Gebrauchsweise (ohne entsprechendes Adverb): F: Wo war Peter gestern? A: da wird er wohl zuhause gewesen sein/Er ist gestern zuhause gewesen

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4) Modus (Modi): Aussageweise, zum Ausdruck einer subjektiven Einstellung bzw. Einschätzung des Sachverhalts, im Dt existieren drei Formen: Indikativ (Wirklichkeitsform): neutraler Modus

Konjunktiv: allgemein zum Ausdruck irrealer/möglicher Sachverhalte a) Konjunktiv I: Präsensstamm (z.B. lieb) + -e/est/e/en/et/en unterscheidet sich also nur in 2./3.Sg. sowie 2.Pl. vom Indikativ Funktionen: im Hauptsatz Wunsch, Bitte, Aufforderungen (mögest Du gesund bleiben, seien Sie doch vernünftig), im Nebensatz Wunsch- (ich bat ihn, er möge von seiner Forderung Abstand nehmen) oder Finalsatz (Paß auf, damit es dir nicht zum Nachteil gereiche)

b) Konjunktiv II: Präteritumstamm (z.B. liebt) + -e/est/e/en/et/en bei regelmäßiger Konj sind im Prät Indikativ und Kon II formengleich, bei unregelm unterscheiden sich 1/3.Sg (blieb – bliebe) und 2.Sg/Pl (blieb(s)t – bliebe(s)t) sowie im Umlaut (sang – sänge) 8

Funktionen: im Hauptsatz als Coniunctivus Irrealis/Potentialis, wobei Vergangenheit durch periphrastische Form (er wäre gern gekommen) und Nicht-Vergangenheit durch einfache Form (er käme gern). In der Ugs gern durch würde umgangen (er würde gerne kommen) Im Nebensatz: z.B. kontrafaktische Konditionalsätze (wenn sie die letzte Frage noch gewußt hätte, hätte sie die Million gewonnen; hätte sie die letzte Frage noch gewußt, hätte sie ...)

Imperativ: Befehlsform Im Dt nur 2.Sg/Pl: komm/kommt

5) Genus Verbi Verbalgenus, Handlungsform, Diathese, engl. voice Bestimmt

das

Verhältnis

zwischen

syntaktischen Funktionen

9

semantischen

Rollen

und

In Nominativsprachen (wie Deutsch) existieren drei Genera: Aktiv: Bildung synthetisch (s. oben) Peter grüßt Paul (Peter = Subjekt und Agens; Paul = Objekt und Patiens) Passiv: Bildung analytisch mit werden als AUX plus Partizip II Paul wird (von Peter) gegrüßt (Paul = Subjekt und Patiens; Peter: präp. Angabe, Agens und – wichtig! – ist fakultativ)

[NB: Aktiv und Passiv stehen in einer systematischen Relation zueinander: A-P-Umwandlung beinhaltet Argumentreduktion (d.h. Deagentivierung) und Deakkusativierung

[Medium: bezeichnet eine Handlung, die von einem Subjekt ausgeht und auf dieses bezogen ist. Als Teil der Konjugation vorhanden im Sanskrit und

Altgriechischen,

in

heutigen

ide.

Sprachen

reflexivischen Konstruktionen (er kauft sich ein Auto)]

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vergleichbar

Sonderformen:

a) Zustandspassiv: Bildung analytisch mit sein als AUX plus Partizip II Die Tür ist geschlossen Unterschied zu echtem oder Vorgangspassiv: kein(e) Ableitung/Bezug aus/zu Aktivform

b) Mittelkonstruktionen: Bildung aktive Verbalform, zugrundliegende Objekte (Patiens) als Oberflächen-Subjekte, Reflexivpronomen (im Dt) Diese Autos verkaufen sich gut Der neue Roman von X. ließt sich sehr schön

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6) Finitheit: finit vs. infinit finite Formen: für Num/Pers/Temp usw. flektierte Formen infinite Formen: a) Infinitiv (Nenn-, Grundform) einfacher/reiner und erweiterter Infinitiv (lesen, zu lesen) b) Partizip (Mittelwort) Partizip Präsens (Partizip I) und Partizip Perfekt (Partizip II) Partizip II dient zur Bildung periphrastischer Formen (Tempus, Passiv); beide können auch als Attribute (wie Adjektive) verwendet werden: Der Vater liest/las das Buch Partizip I: Prädikation über das Subjekt (der lesende Vater) Partizip II: Prädikation über das Objekt (das gelesene Buch) Systematik der infiniten Verbalformen (nach G. Bech) Stufe I: Supinum

Stufe I: Partizipium

1. Status lieben (reiner Infinitiv)

liebend(er) (Partizip I)

2. Status zu lieben (zu-Infinitiv)

zu liebend(-er) (Gerundivum)

3. Status geliebt (Partizip II)

geliebt(-er) (Partizip II) 12

7) Verbale Subklassen

a) syntaktisch Kopulaverben: konstruieren mit adjektivischen und substantivischen Prädikativen (Dt: sein, werden, bleiben – Peter ist/wird/bleibt Lehrer)

Hilfsverben: Auxiliare, nehmen Partizip oder Infinitiv zu sich, dienen zur Bildung analytischer Formen (Tempus, Modus, Genus verbi), Dt: sein, haben plus Partizip II (periphrastische Tempora), d.h. regieren den 3. Status Werden plus Partizip II (Passiv), d.h. regiert den 3. Status Werden plus Infinitiv (Futur), d.h. regiert den 1. Status

Vollverben: nehmen substantivische Ergänzungen (Argumente) zu sich

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Modalverben:  Syntaktisch: nehmen reine Infinitive zu sich, d.h. regieren den 1. Status Weitere Besonderheiten: haben keine Imperativform, Ersatzinfinitiv (er hat das nicht lesen wollen), nicht-passivierbar (Hans will Maria küssen > *Maria wird küssen gewollt), außer wenn als Vollverb verwendet (das wurde eben nicht gewollt)  Semantisch-funktional: 1) modale, deontische, zirkumstantielle Bedeutung: spezifizieren Verhältnis zwischen Subjekt und Verbalvorgang, z.B. Peter geht heute ins Kino > Peter kann/darf/muß heute ins Kino gehen (Möglichkeit, Erlaubnis, Notwendigkeit) 2) epistemische, inferentielle, subjektive Bedeutung: Vermutung des Sprechers Peter dürfte/könnte/mag heute im Kino sein (häufig mit Konjunktiv) Peter konnte nicht im Kino sein (d.h. nicht zwangsläufig an Konjunktiv gebunden) 14

b) nach Valenz (Wertigkeit, Stelligkeit, Fügungspotential), auf L. Tesnière (1959) zurückgehend DEF: Fähigkeit, Ergänzungen zu sich zu nehmen und deren gramm. Erscheinung festzulegen: grüßen: 2 Ergänzungen, beide Substantive, eines NOM, das andere AKK helfen: 2 Ergänzungen, beide Substantive, eines NOM, das andere DAT glauben: 2 Ergänzungen, eines Substantiv im NOM, das andere Satz/ Infinitivkomplement

 nullwertige (avalente) V: Witterungsverben, mit expletivem es als Subjekt, dieses ist jedoch kein Argument, da es keine semantische Rolle inne hat (vgl. auch ital. piove ‚es regnet‘)  einwertige (monovalente) V: schlafen, blühen  zweiwertige (bivalente) V: essen, singen  dreiwertige (trivalente) V: schenken, geben

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Einteilung nach der Transitivität (transire ‚hinübergehen‘):  transitive V: die ein DO zu sich nehmen  intransitive V: null-, einwertige V und diejenigen zweiwertigen ohne DO (helfen, schaden) häufig gelten alle Verben ohne Objekt als intrV, es gibt zwei Klassen:  Unergative Verben: (i) haben-Perfekt, Subjekt = Agens (der die Handlung ausführt), innere Objekte möglich (einen Walzer tanzen, den Schlaf des gerechten schlafen); daher (ii) unpersönliches Passiv (jetzt wird aber geschlafen), (iii) kein attributives Partizip II (*der geschlafene Lehrer), aber er-Nominalisierung (der Schläfer)  Unakkusativische Verben: sein-Perfekt, Subjekt = Patiens (der vom Vorgang betroffen ist), Subjekte sind eigentlich Objekte, die Verben können keinen Akk vergeben, daher die Bezeichnung; daher auch (Lesart als) Zustandspassiv möglich: ich bin im Augenblick erkrankt (vs. bevor der Urlaub begann, ist Otto erkrankt = Perfekt), aber kein unpersönliches Passiv (heute wird erkrankt); attributives Partizip II (der erkrankte Lehrer), keine er-Nominalisierung (*der Erkranker) 16

c) nach Aktionsart (manner of action, aspect) d) nach Präsuppositionsverhalten e) weitere Subklassen (syntaktisch) Kontrollverben: nehmen Infinitive zu sich, deren unausgedrücktes, aber mitverstandenes Subjekt entweder mit dem Subjekt oder Objekt identisch ist, bzw. davon kontrolliert wird (SK, OK) Subjektskontrollverben: ichi verspreche dir PROi rechtzeitig zu kommen Objektskontrollverben: ich rate diri PROi rechtzeitig zu kommen Empfindungsverben (psychologische/kognitive Verben): vergeben zwei semantische Rollen, nämlich Thema (Patiens) und Experiencer TH = Nom, EXP = Dat

(der Film gefällt mir)

TH = Akk, EXP = Nom

(ich mag den Film)

TH = PrO, EXP = Nom

(ich freue mich über den Film)

Anhebungsverben: scheinen Hans scheint zu gewinnen vs. Es scheint, daß Hans gewinnt

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