Merkblatt zur Dramenanalyse

January 15, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Darstellende Kunst, Drama
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HEINRICH VON KLEIST: Prinz Friedrich von Homburg

Lk12

(Lenk)

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Dramenanalyse Das Aufbauprinzip der Analyse: Kurze Einleitung mit Verfasser, Titel, Erscheinungsjahr, ggf. Uraufführung und vor allem Themenangabe Die einleitenden Informationen sollen knapp gehalten werden. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, alle Informationen in einen einzigen Einleitungssatz zu zwängen. Man läuft dadurch Gefahr, gleich zu Beginn einen monotonen Schreibstil einzuschlagen, der sich verselbständigt und das Schreib-, aber auch das Lesevergnügen nicht gerade fördert.

Situativer Kontext: Stellung der Szene/ des Textauszugs im Handlungsverlauf des Gesamtdramas (Vorstellung der Gesprächsparten (Haupt-, Nebenfiguren; Mit-, Gegenspieler), Entwicklungsstand der Handlung, Anlass für das Gespräch etc.) Aufbau der Szene/ des Textauszugs: Angaben zu strukturellen Besonderheiten der Szene/n: z.B. Auf-, Abtritte, Raumsymbolik, Nebenhandlungen etc. Inhaltsangabe Inhaltliche Gliederung des Gesprächs (kurze Inhaltsangabe) Deutungshypothese Im ersten Schritt wird das so genannte Vorverständnis formuliert. Beim ersten Lesen des Textes nimmt man nicht den vollen Gehalt des Stückes wahr, erkennt auch nicht alle wesentlichen Einzelheiten, gewinnt aber einen vorläufigen Eindruck. Man hat eine Anmutung beim Lesen des Textes. Daraus entwickelt sich später mit Hilfe der Textanalyse Erkenntnis. Über die Anmutung wird das Vorverständnis des Textes formuliert, in das erste Vermutungen über Sinn und Deutung mit einfließen. Daraus entwickelt sich eine Deutungshypothese, die quasi als Frage an den Text gerichtet wird. Es können auch mehrere Hypothesen aufgestellt werden, die anhand der Analyse zu überprüfen sind. Die Hypothesen sollen nach der Textanalyse sowohl verifiziert als auch falsifiziert, also als richtig oder falsch erwiesen werden. -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- --------------

Hauptteil (aspektorientierte Vorgehensweise! nach inhaltlichen Aspekten, Themen, Problemen, etc.) -

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Gesprächstypus des Dialogs (z.B. Streitgespräch, Verhör, Liebesdialog,..) Gesprächsbeteiligung Anteil der verbalen und nonverbalen Sprechakte der einzelnen Figuren Störungen, Unterbrechungen, Wendepunkte Verhalten der Figuren im Einzelnen und in der kommunikativen Situation mit anderen Kommunikativer Bezug (das Eingehen aus einander/ Vorbeireden); Differenz zwischen Gesagten und Gemeinten, Abweichung oder Authentizität von Inhalts- und Beziehungsaspekt der Sprechakte (Bühler/ Watzlawick) Motivation der Figuren und deren Begründung in Charakter und/oder Situation Gefühle, Charaktereigenschaften, Beziehung der Gesprächspartner zueinander (auch Regieanweisungen beachten) Widerspiegelung dessen in der Sprache (Sprachanalyse zur Unterstützung der Analyseergebnisse; Sprachebene der Figuren: Hochsprache, Dialekt, Soziolekt, rhetorische Figuren etc.)

HEINRICH VON KLEIST: Prinz Friedrich von Homburg

Lk12

(Lenk)

Die detaillierte Analyse des Textauszugs bildet sicherlich den Kern der Interpretation. Dabei ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass die genannten Aspekte nicht alle mit gleicher Gewichtung behandelt werden müssen. Das kann sogar soweit gehen, dass bei der schriftlichen Darlegung auf einzelne, für das Verstehensinteresse belanglose Aspekte gar nicht eingegangen wird. Ebenso ist festzuhalten, dass es sich bei den genannten Aspekten nicht um einen Katalog von zu analysierenden Kriterien handelt, die nacheinander in der schriftlichen Analyse dargelegt werden. Vielmehr besteht eine wesentliche Leistung darin, die einzelnen Punkte unter dem leitenden Verstehensaspekt miteinander in der Darstellung zu verzahnen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Schluss/ Gesprächsauswertung Zusammenfassende Darstellung der wesentlichen Ereignisse Rückbezug zur Deutungshypothese Bedeutung für das Verständnis des Aktes und den Verlauf des dramatischen Konflikts Bedeutung für das Verständnis des Dramas Wirkung auf den Zuschauer Die Deutung ist mehr als die wiederholende Zusammenfassung der einzelnen Analyseergebnisse, sondern führt diese auf eine höhere Erkenntnis- und Abstraktionsstufe. Sicherlich ist es zu diesem Zweck sinnvoll, sich vor der Niederschrift dieses letzen Interpretationsteils die bisherigen Ausführungen noch einmal durchzulesen, um sich die einzelnen Aspekte noch einmal zu vergegenwärtigen. Auf der Ebene der Deutung findet erst die eigentliche Beantwortung der in der Aufgabenstellung formulierten und das Erkenntnisinteresse der gesamten Arbeit leitenden Fragestellung statt. Bei allgemeiner, unspezifizierter Formulierung ist es sicherlich sinnvoll, auf den besonderen inhaltlichen, thematischen, ggf. auch formalen Stellenwert des analysierten Textauszuges für das Drama einzugehen und damit die Funktion der Szene genau zu bestimmen.

Achtung! Auf korrektes Zitieren (Wortlaut, Einpassen des Zitats in die eigene Syntax, Zeilen- oder Seitenbeleg) sollte geachtet werden. Mit Textbelegen erhöht man die Anschaulichkeit der Analyse, diese sollten sinnvoll und nachvollziehbar eingesetzt werden. Die im Unterricht erarbeiteten Fachbegriffe sollen in der Szenenanalyse angemessen verwendet werden.

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