Programmheft - Theater- und Konzertkreis Neustadt

January 9, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Darstellende Kunst, Theater
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Venedig im Schnee Komödie von Gilles Dyrek

Spielzeit 2014/15

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Dennis Habermehl und Katharina Wilberg.

Venedig im Schnee Patricia und Christophe haben sich gestritten, und ausgerechnet jetzt wird sie von ihm zu einem Abendessen bei Jean-Luc und Nathalie mitgeschleppt. Christophe und Jean-Luc sind alte Studienfreunde, die sich nach zehn Jahren zufällig auf der Straße begegnet sind und gleich für den Abend verabredet haben. In Hinblick auf einen harmonischen Abend liegt dieser Essenstermin auch für Nathalie und Jean-Luc nicht optimal: Sie stecken mitten in den Hochzeitsvorbereitungen und ihre Wohnung ist noch im Umbau. Die Ausgangsbedingungen sind also denkbar ungünstig, oder – wie Regisseur Wolfgang Hofmann es beschreibt: „Niemand ist entspannt an diesem Abend. Es soll ein, wie man so sagt, netter Abend werden, aber alle Umstände sprechen dafür, dass der Abend nicht nett wird. Dieses Versprechen löst sich ein, und die Unnettigkeiten, die nach und nach zu Tage treten, dienen ausschließlich dem Vergnügen des Publikums.“ Der besondere Clou der Geschichte: Patricia ist zu Beginn des Abends so wütend auf Christophe und genervt von dem verliebt dauerturtelnden Gastgeberpaar, dass sie erstmal schweigt. „Vielleicht ist sie Ausländerin. Wenn sie unsere Sprache nicht so gut kann, dann ist es doch ganz normal, dass sie kein Wort sagt“, lautet die logische Schlussfolgerung des Gastgeberpaares. Perfide und mit diabolischem Vergnügen lässt Patricia die beiden in dem Glauben: Plötzlich redet sie in einer Fantasiesprache und erfindet ein vom Krieg heimgesuchtes Land, aus dem sie angeblich stammt: Chouvenien. Die Gelegenheit für Nathalie und Jean-Luc, „alle Klischees des Gutmenschentums an ihr abzuarbeiten, von der einfachen Mitleidsbekundung bis zum ausgewachsenen Spendenmarathon“, so Wolfgang Hofmann. „Wie verhält man sich Leuten gegenüber, die aus einem Bürgerkriegsland kommen? Wie versucht man, den besten Eindruck zu machen? Wie versucht man zu helfen? Mit diesen und anderen Fragen sind Jean-Luc und Nathalie, aber auch wir als Zuschauer konfrontiert. Das Verhalten, das die Antworten auf diese Fragen nach sich ziehen kann, wird in VENEDIG IM SCHNEE prägnant und pointiert, wie es sich für eine gute Komödie gehört, dargestellt.“ Und Patricias Freund Christophe? Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Spiel seiner Freundin mitzuspielen, das immer absurdere Blüten treibt.

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Gilles Dyrek Gilles Dyrek, 1966 in Paris geboren, ist ein gefragter Schauspieler und Regisseur an den Pariser Theatern sowie bei Film und Fernsehen. Bereits seine ersten Stücke „L’éléphant s’enferme dans la salle de bain pour jouer avec les robinets“ und „Le Projet – Titre Provisoire“ wurden in Frankreich erfolgreich aufgeführt, doch seine Komödie „Venise sous la neige“ (VENEDIG IM SCHNEE) entwickelte sich nach der Uraufführung 2003 im Pariser Théâtre de la Pépinière-Opéra regelrecht zu einem Kassenschlager mit über 400 Vorstellungen auf Tournee. Zurzeit steht in Paris sein neuestes Werk „La touche étoile“ auf dem Spielplan. Gilles Dyrek arbeitet aus der Tradition des französischen Lustspiels heraus. Komik entsteht unter anderem dadurch, dass das Publikum immer mehr weiß als die handelnden Personen. Man amüsiert sich über Missverständnisse, Verwechslungen und Orientierungslosigkeit. So wird auch in VENEDIG IM SCHNEE mit dem von Patricia erfundenen Land und ihrer „Muttersprache“ eine unaufhaltsame Mechanik in Gang gesetzt, gespickt mit Running Gags, bis ins Groteske gesteigert und durch eine überraschende Schlusspointe gekrönt.

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Katharina Wilberg, Dennis Habermehl,. Michaela Allendorf und Gotthard Hauschild.

Michaela Allendorf und Gotthard Hauschild

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Das Einzige, was für mich zählt, ist Leuten in Not zu helfen. Jean-Luc in VENEDIG IM SCHNEE

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Katharina Wilberg und Michaela Allendorf

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Glückliche Menschen spenden mehr Warum spenden Menschen und andere nicht? Sozialforscher Eckhard Priller erklärt im Gespräch mit Claudia Bleier, woraus Hilfsbereitschaft resultiert. Herr Priller, ist der Impuls zu helfen angeboren oder ist Helfen etwas, das man lernt? Eckhard Priller: Beides. Hilfsbereitschaft entspringt einem prosozialen Handeln. Der Mensch ist Teil einer Gemeinschaft, deshalb liegt das Helfen durchaus in seinem Wesen. Hinter der Hilfsbereitschaft steckt die Erwartung: Wenn ich helfe, wird vielleicht auch mir geholfen, wenn ich irgendwann einmal Hilfe benötigte. Doch das steht nicht im Vordergrund. Ausschlaggebend sind die Erfahrungen, die ich mit dem Helfen verbinde: Viele Menschen, die helfen, haben positive Erfahrungen gemacht, also selbst viel Unterstützung bekommen. Sie möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben, das sie von der Gesellschaft bekommen haben.

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Michaela Allendorf, Katharina Wilberg, Gotthard Hauschild. und Dennis Habermehl.

Sind Menschen, die für andere etwas tun, glücklicher und zufriedener? Priller: Tatsächlich haben unsere Untersuchungen ergeben: Menschen, die spenden, sind glücklicher. Doch wissen wir noch nicht, was ist Henne und was ist Ei. Führt Spenden dazu, dass ein Mensch glücklicher ist – oder sind glückliche Menschen eher bereit zu spenden? Psychologisch gesehen ist es so: Beim Helfen werden Endorphine, also Glückshormone freigesetzt, deshalb hat man ein gutes Gefühl dabei. Ist Spenden ausschließlich positiv? Priller: Es gibt durchaus auch kritische Aspekte. Einer davon ist, dass nicht immer dem geholfen wird, der die meiste Hilfe benötigt. Denn Spenden sammelnde Organisationen wählen Projekte aus und der Spender entscheidet, wer Unterstützung bekommt. Dr. sc. Eckhard Priller ist Leiter der Projektgruppe Zivilengagement am Wissen­schafts­zentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Gotthard Hauschild, Michaela Allendorf und Katharina Wilberg

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WIE MAN DURCH SCHÜTTELN RÜHRT Geschichte, Magie und Geheimnis der original Wiener Schneekugel […] Die Geschichte der Schneekugel begann vor über hundert Jahren, im experimentierfreudigsten Wien, das es je gab. Alles machte große Sprünge, auch die Medizin. Das Kohlefadenlicht des Thomas Alva Edison glitzerte in den Augen der Chirurgen. Dieses kalte, saubere Licht wollten sie im Operationssaal haben. Erwin Perzy, ein geschätzter, für seine präzisen chirurgischen Instrumente bekannter Werkzeugmacher, sollte es taghell machen. Auf der Suche nach Modellen verfiel er auf die Schusterlampe. Das ist ein birnenförmiges, wassergefülltes Glas, das Lichtstrahlen wie eine Lupe bündelt und helle Flecke auf die Operationsgebiete der Schuhmacher warf – zu wenig, um in Fleisch zu schneiden. Perzy ließ Metallspäne, Flitter, Grieß ins Wasser rieseln. Das steigerte kurz die Leuchtkraft, dann sanken die Materialien langsam zu Boden wie Schnee vor der Wallfahrtskirche in Mariazell, wo ein Freund von ihm Andenken verkaufte. Kugel, Schnee, Andenken, Mariazell. Aus diesen Gedanken wurde die erste Schneekugel geboren.

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Gotthard Hauschild, Katharina Wilberg, Dennis Habermehl. und Michaela Allendorf.

Tausende Figuren, Gebäude und Miniaturlandschaften wurden seitdem in Wien ersonnen, ihre Negative in stählerne Formen geschnitten, mit Metall, später mit Kunststoff ausgegossen. Tüchtige Hände bemalten sie mit wasserfesten Farben und steckten sie in Kugeln aus hauchdünnem Glas, die auf Sockeln aus Holz, Keramik oder Plastik millionenfach darauf warten, dass man sie anfasst, wie Firmeninhaber Erwin Perzy III., erklärt: „Das Schlechteste für eine Schneekugel ist, wenn man sie nie schüttelt. […] Zwischen Kugel und Sockel ist ein Spalt, da liegt der Schnee. Wenn er jahrelang dort liegt, klebt er. Man muss dann die Schneekugel sehr lange schütteln, bis sich die Flocken wieder schön verteilen.“ […] Die Flocken sind des Hauses höchstes Geheimnis. Erwin der Großvater erfand unverderbliche Flocken, Erwin der Vater machte sie flockiger, Erwin der Enkel schuf die gültige Mischung aus Kunststoff und Quarz. Die vierte Generation der Perzys, sie heißt Sabine und ist 14 Jahre alt, wird auf diesem Feld nicht mehr viel forschen müssen. Die Formel liegt, gut gehütet wie die von Coca-Cola, in einem Tresor […]. Wenn man genau in so ein Aquarium der Sehnsucht schaut, sieht man deutlich seine anemonische Schönheit: „Die Schneekugel ist eine in sich geschlossene Welt ohne Umweltverschmutzung, Mord und Totschlag. Schneefall vermittelt Friede und Stille. Das Betrachten einer Schneekugel beruhigt und erfreut.“ Deshalb kommen Perzy keine Schusswaffen in die Kugel; diesbezügliche Wünsche hat er stets zurückgewiesen. „Kaiserin Elisabeth und Riesenrad passen in den Schnee, kleine Skulpturen passen auch in den Schnee.“ Über einen Penis im Schnee lässt sich allenfalls streiten, aber dieses Sondermodell hat erstens mit Liebe zu tun, erfreut sich zweitens einer gewissen Beliebtheit und erscheint deshalb von Zeit zu Zeit in neuer Auflage. Im offiziellen Katalog des Onlineshops dominieren die klassischen Modelle, „Teddy mit Herz“ etwa oder „Pinguinfamilie“ und „Weihnachtsmann mit Hirsch“. […] Wie man durch Schütteln rühren kann, zeigt auch eine Geschichte aus den arabischen Emiraten. Von Lehrern dort wurde bekannt, dass sie im Naturkundeunterricht Schneekugeln hervorholen, damit die Kinder der Wüste eine Vorstellung von jener weißen Kühle bekommen, die bei uns einfach vom Himmel fällt, den Boden bedeckt und Schnee heißt. 11

Venedig im Schnee

(Venise sous la neige) Komödie von Gilles Dyrek Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker Premiere

15. November 2014 in Barsinghausen 22. November 2014

Hildesheim-Premiere Aufführungsdauer Aufführungsrechte Inszenierung

ca. 2 Stunden, inklusive einer Pause Theater Verlag Desch, München

Wolfgang Hofmann Esther Bätschmann Cornelia Pook

Bühne und Kostüme Dramaturgie

Nathalie Michaela Allendorf Jean-Luc Gotthard Hauschild Patricia Katharina Wilberg Christophe Dennis Habermehl

Wolfgang Hofmann

Esther Bätschmann

Michaela Allendorf

Gotthard Hauschild

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Katharina Wilberg

Dennis Habermehl

Regieassistenz und Abendspielleitung Anna Sophie Grünwald Inspizienz Mick Lee Kuzia Soufflage Heinrich Maas Technik/Werkstätten

Technische Direktion Guido aus dem Siepen*, Ringo Günther Ausstattungsleitung Steffen Lebjedzinski*, Anne-Katrin Gendolla, Elisabeth Benning Technische Leitung Produktion Andrea Radisch* Bühnentechnik Eckart Büttner*, Jenny Nobbe, Andreas Sander Beleuchtung Lothar Neumann*, Sven Feikes, Janine Christ Ton Thomas Bohnsack-Pätsch*, Dirk Kolbe Maske Carmen Bartsch-Klute*, Birgit Heinzmann, Ines Keßler Requisite Silvia Meier* Schneidereien Annette Reineking-Plaumann*, Egon Voppichler*, Anne Lehnberg Werkstättenleitung Werner Marschler* Tischlerei Johannes Niepel* Malsaal Thomas Mache* Schlosserei Joachim Stief* Dekoration Danja Eggers-Husarek, Anita Quade * Abteilungsleiter/-in

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Impressum

TfN · Theater für Niedersachsen Theaterstr. 6, 31141 Hildesheim www.tfn-online.de Spielzeit 2014/15 Intendant Jörg Gade Prokuristen Claudia Hampe, Werner Seitzer Redaktion Cornelia Pook Probenfotos Andreas Hartmann Porträtfotos T.Behind-Photographics, privat Texte S. 9/10: Kölner Stadt-Anzeiger, 20.12.2012; S. 10/11: Franz Zauner in NZZ Folio, Dezember 2003. Die anderen Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft. Gestaltung ProSell! Werbeagentur GmbH, Hannover Layout Jolanta Bienia Druck Gerstenberg Druck & Direktwerbung GmbH

Gefördert durch:

Partner:

Sponsoren: Freunde des Theater für Niedersachsen e. V.

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Katharina Wilberg

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Strupiè!

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