Sicherungskopie von 12_Kausative

January 15, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Schreiben, Grammatik
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1. KAUSATIVE VERBEN UND DEKOMPOSITION Das Programm Wir haben uns in vorigen Abschnitt intensiv mit Positionsverben wie stehen beschäftigt. Dies führ mehr oder weniger von selbst zu der Frage, wie die kausativen Pendants wie stellen analysiert werden. Ein Augenblick des Nachdenkens überzeugt uns, dass wir hier vollständig neues Gelände in Syntax und Semantik betreten. Wir sind plötzlich tief in die Geheimnisse der lexikalischen Semantik und der Syntax/Morphologie/SemantikSchnittstelle. In diesem Abschnitt lernen wir den Zusammenhang zwischen stehen und stellen. Stehen ist ein Zustandsverb, stellen ist die kausative Variante dazu. Wir erhalten kausative Verben durch die Operation CAUSE, die wir hier studieren. Die Methoden, die wir dabei lernen ermöglichen einen ernsthaften Einstieg in die lexikalische Semantik der Verben. Der Gang ist dieser. 1. Wir erläutern anhand von Daten was es an kausativen Verben gibt. 2. Wir führen die übliche Klassifikation der Aktionsarten ein, die Zeno Vendler zurückgeht. Wir lernen dabei die Begriffe State/Zustand, Activity, Achievement und Accomplishment. Jeder benutzt diese Begriffe, und man muss sie kennen. Accomplishments sind die Verben, die mittels der Operation CAUSE aus States erzeugt werden. 3. Wir analysieren CAUSE in zwei Schritten. (a) Wir nehmen an, dass CAUSE ein Operator ist, der in LF tatsächlich als eigenes Verb vorhanden ist. (b) Wir fragen uns dann, ob man CAUSE nicht einfach in die kausativierten Verben selber stecken soll. 4. Wir werden zeigen, dass es zwei Arten von kausativen Verben gibt, solche die in CAUSE + ein statives Verb zerlegt sind (z.B. stellen) und solche, die nicht zerlegt werden (z.B. putzen). Der Lackmustest, der dieses zeigt, wird der wieder-Test sein. 5. Es schließt sich eine Betrachtung der Syntax dekomponierter Verben an. Wir werden sehen, dass unser LF sehr gut zu dem Auxiliarprinzip passt, das wir in Kapitel 10 kennen gelernt haben.

Daten Hier ist eine Liste des kausativen Verbs stellen/legen in verschiedenen europäischen Sprachen. (1-1) Basis: Positionsverb

a.

Fritz stellte das Bier in den Eisschrank.

b.

Фриц

поставил

Fritz

stell-Past-Perf Bier

пиво в in

холодильник.
 (Russisch) Kühlschrank

c.

Hedde legde het bier in de ijskast

(Niederländisch)

d.

Pierre ha mis la bière dans le frigo.

(Französisch)

e.

Toto ha messo la birra nel frigorifero. (Italienisch)

f.

Scooter put the beer in the fridge

(Englisch)

g.

Sven stillede ølet i iskabet.

(Dänisch)

Die Liste zeigt, dass die Konstruktionen fast identisch sind. Es gibt eine ganz systematische Alternation zwischen steht und stellen: (1-2) a. b.

Das Bier im Eisschrank steht. Nom Dat Fritz das Bier in den Eisschrank stellt Nom Akk

Akk

Im Positionssatz regiert die lokale P den Dativ. Nachdem das Verb kausativiert ist, regiert die lokale P den Akkusativ. Das Subjekt das Positionsverbs steht erhält nun von stellt den Akkusativ zugewiesen und der Verursacher, also Fritz, steht im Nominativ. Hier sind weitere Beispiele, welche unter dasselbe Schema fallen. (1-3) a. b.

Die Katze liegt auf dem Bett. Alla legte die Katze auf das Bett.

(1-4) a. b.

Auf jedem Stuhl saß ein Kind. Alla setzte ein Kind auf jeden Stuhl.

(1-5) a. b.

Der Teppich hängt an einer Wand. Alla hängte den Teppich an eine Wand.

In den vorhergehenden Beispielen ist der verursachte Zustand durch ein Verb ausgedrückt. Der verursachte Zustand, d.h., die Derivationsbasis des kausativen Verbs, kann aber auch ein Adjektiv oder ein Zustandspassiv sein: (1-6) Basis: Adjektiv a. Die Bierdose ist offen. b.

Ede öffnete eine Bierdose.

(1-7) Basis: Zustandspassiv a. Die Sandburg ist gebaut. b.

Valentin baute eine Sandburg.

(1-8) Basis: Zustandspassiv

a.

Das Bild ist gemalt.

b.

Leonardo malte ein Bild.

Bei anderen Sprachen ist damit zu rechnen, dass der Resultatszustand durch eine Präposition ausgedrückt wird, etwa nach dem Schema: (1-9) Das Auto ist in der Garage. *Ede inner das Auto der Garage. Beispiele dazu in (Baker, 1988) nachschlagen. Problem beim Schöpfungsverben: Vor dem Erschaffen gibt es das erschaffene Objekt nicht. Worüber wird geredet?

Was sind kausative Sachverhalte? Kausative Sachverhalte sind spezielle Accomplishments. Wir führen in diesem Abschnitt Vendlers Aktionsarten ein; vgl. (Vendler, 1957). Wir klassifizieren dann Kausative als Accomplishments. Die im vorigen Abschnitt betrachteten Verben drückten mit ihren Ergänzungen so genannte Zustände (States) aus. Zustände sind Sachverhalte, die keine interne Entwicklung haben. Ein Zustand, der zu einer Zeit t besteht, besteht zu jedem Teilintervall t’ von t.1 Wenn das Bier zur Zeit t im Eisschrank steht, dann auch zu jedem Teilintervall von t. Man sagt deswegen auch, dass Zustände divisiv sind oder die Teilintervall-Eigenschaft haben.2 Beispiele: (1-10) a.

Das Bier steht im Eisschrank. b. Der Kapitän ist betrunken.

Achievements sind VPs, die nur auf Zeitpunkte zutreffen. Beispiele: (1-11) a.

Fritz erblickt Maria. b. Graham erreicht den Gipfel.

Activities sind Eigenschaften, die kumulativ sind. Wenn Fritz zu t und zu t’ arbeitet, dann arbeitet Fritz zu t  t’. Beispiel: (1-12) Napoleon tanzt mit Desirée. Uns interessieren hier Accomplishments. Das sind Sachverhalte, die eine Dauer haben, die nicht divisiv sind und auch nicht kumulativ sind. Ein Accomplishment trifft stets auf genau eine Zeitspanne zu: nicht auf eine größere, nicht auf eine kleinere davon. Neben den im vorigen Abschnitt genannten Sachverhalten gehören noch viele andere dazu: (1-13) a.

1

Alla ging von der Post zum Bahnhof.

Eine präzise Definition lautet also: Für jedes P it gilt: P ist ein Zustand/State, wenn für beliebige Zeiten t, t’ gilt: Falls t’  t & P(t), dann ist P(t’) 2 Der Terminus divisiv geht auf (Quine, 1960)

b. Wolfgang betete ein Vaterunser. c. Maria zog ihr neues Kleid an. Kausative Sachverhalte sind solche, die einen Verursacher haben, der zur Zeit t einen Zustand bewirkt, der am Ende von t besteht. Sie sind temporale Eigenschaften P, die auf ein t zutreffen, wenn es einen Verursacher x gibt und einen Zustand Z, so dass x zur Zeit t bewirkt, dass Z am Ende von t besteht.3 Hier ist die Anwendung dieser Terminologie auf das Paar in (1-2): (1-14) State: Das Bier im Eisschrank steht. Accomplishment: Fritz das Bier in den Eisschrank stellt. Der semantische Zusammenhang zwischen diesem State und diesem Accomplishment kann durch die folgende Paraphrase beschrieben werden: (1-15) State: Das Bier im Eisschrank steht. Accomplishment: Fritz bewirkt, dass das Bier im Eisschrank steht. „Bewirkt“ muss hier in einem sehr speziellen Sinn verstanden werden, nämlich so, dass der Resultatszustand die unmittelbare Folge einer Aktivität von Fritz ist. „Bewirken“ kann sehr indirekt sein, z.B., dass Fritz dem Max eine Belohnung in Aussicht stellt, wenn er das Bier in den Eisschrank stellt. Max stellt darauf hin das Bier tatsächlich in den Eisschrank. In einem solchen Szenario würden wir nicht davon sprechen, dass Fritz das Bier in den Eisschrank stellt. Außerdem setzt „Bewirken“ voraus, dass der Resultatszustand zu Beginn der Handlung des Subjekts nicht besteht, mit anderen Worten, das Bier darf nicht schon im Eisschrank stehen. Ferner darf der Resultatszustand nicht bereits zu Beginn der Handlung bestehen. Diesen technischen Sinn von „Bewirken“ nennt man in der Literatur CAUSE + BECOME.4 Konzeptuell ist „Bewirken“ also ein sehr schwieriger Begriff. Wir analysieren diesen Sinn hier nicht weiter, sondern markieren den intendierten technischen Gebrauch des Wortes mit einem Stern, d.h., wir schreiben in der Metasprache bewirkt* und notieren in der Syntax das abstrakte Verb durch CAUSE. Die Kausativierung beschreiben wir also nach dem folgenden Schema: (1-16) Kausativierung State: Accomplishment:

Das Bier steht im Eisschrank. Fritz bewirkt* das Bier im Eisschrank stehen

Die Paraphrase für das Accomplishment ist kein korrektes Deutsch. Sie signalisiert, dass 3

Man kann also definieren: Ps(it) ist kausativ gdw. (xe)(Zs(it))(s)(t)[P(s)(t) gdw. x bewirkt in s zu t s’[Z(s’)(Ende(t)]] 4 Das semantische Standardwerk für die Analyse von Kausativen ist (Dowty, 1979: Kap. 3). Die konzeptuellen Grundlagen für eine Analyse der Kausativierung sind in (Lewis, 1973a) entwickelt worden. Die genaue Analyse des Begriffs CAUSE ist sehr komplziert. Die Relation besteht letztlich zwischen einer Kette von Ereignissen e1,...,en von denen jedes vom Vorgängerereignis in der Welt s kausal abhängt. Das beideutet, dass ei und ei+1 beide in s vorkommen und wenn ei nicht in s vorgekommen wäre, wäre auch ei+1 in s nicht vorgekommen. Um dies zu verstehen, muss man noch klären was „wäre vorgekommen“ bedeutet. Wir verwenden den Begriff bewirkt* unanalysiert. Das einzig Wichtige ist, dass CAUSE ein intensionaler Funktor sein muss, weil die Wirkung eine Proposition ist.

das Komplement von bewirkt* kein eigenes semantisches Tempus hat. Ein Tempus im Komplement können wird deshalb nicht brauchen, weil der Resultatszustand erst am Ende der Zeit des Bewirkens eintritt, also nicht zur ganzen Zeit des Matrixtempus. Mehr dazu gleich. Eine Bemerkung zu Ereignissen. Im Prinzip muss man Ereignisse in die Semantik einführen, denn eine Acitivity wie arbeiten bezeichnet ganz klar Handlungen/Ereignisse. Das unterbleibt hier noch, da wir alle wichtigen Punkte ohne Ereignisse machen können, wie dies auch in (Dowty, 1979) geschieht. Man muss bei Ereignissen aber einige Komplikationen beachten. Zum Beispiel wird eine Aktivität wie Ede grinste ungefähr analysiert als (1-17) cs.(e)[(e)  Pastc & grinsens(e) & Agenss(e)(Ede)] Für diese Analyse brauchen wir einige neue Bestandteile, z.B. den Existenzquantor über Ereignisse, die thematische Rolle Agens und eine etwas andere Verbsemantik. Alles dieses muss genau in der Syntax verankert sein. Wir brauchen vorher noch eine Reihe von anderen Unterscheidungen. Wenn wir diese erarbeitet haben, können wir die Ereignissemantik einführen. Zum Beispiel wird der eben genannte Existenzquantor über Ereignisse gerade der Perfektivoperator sein, denn wir noch in diesem Kapitel kennen lernen. Mit Ereignissen wird alles noch ein wenig komplizierter werden, aber an den folgenden Überlegungen wird sich nichts Wesentliches ändern. Man kann nicht alles auf einmal machen. Vergiss nicht: die Vorlesung heißt Schritte zur Satzsemantik.

CAUSE 1..1.

Drei Analyseschritte

Wie in der Literatur üblich, stellen wir die Kausativierung durch einen Operator CAUSE dar, den wir als ein abstraktes Verb auffassen. Wie wir bald sehen werden, ist diese Auffassung sehr sinnvoll. Unsere Analyse vollzieht sich in drei Schritten. 1. Schritt: Wir analysieren CAUSE als eigenes Verb in der Syntax nach dem folgenden Muster: (1-18) S

Pres

VP Fritz

VP VP DP das Bier

CAUSE V'

PP im Eisschrank

V stehen

Der Sinn dieses Schrittes besteht darin, dass wir Klarheit gewinnen, was CAUSE bedeuten muss. 2. Schritt: Wir reanalysieren CAUSE als Derivationssuffix, d.h. wir bauen ein komplexes Verb nach dem folgenden Muster:

(1-19) V steh

CAUSE

Dieser Schritt wird zu einer neuen syntaktischen bedeuten wird, wie die vorherige:

Struktur führen, die aber Dasselbe

(1-20) S

Pres

VP Fritz

S DP das Bier

VP PP im Eisschrank

V steh CAUSE

3. Schritt: Wir formulieren einen eigenständigen Eintrag für stellen. Anschließend werden wir uns fragen, ob die syntaktische Analyse, die Dekomposition genannt wird, zu etwas gut ist. 1..2.

1. Schritt: CAUSE als eigenes Verb

Wir überlegen uns zunächst nach Freges Kontextprinzip, welchen Charakter der Baum (1-20) ausdrücken soll: (1-21) c.s. ∃ l[l ist im Eisschrank in s ∧ Fritz bewirkt* in s zu Pastc s’. das Bier steht in s’ zu Ende(Pastc) an l] Für jede Zeit t ist Ende(t) der letzte Augenblick von t. Um die Bedeutungsregeln für CAUSE zu schreiben, überlegen wir uns zunächst, wie die Typen für den Baum (1-20) aussehen müssen: (1-22) Baum (1-20) mit Typen

S

i Pres

VP e Fritz

VP it VP e DP das Bier

? CAUSE e it V'

lt t PP  im Eisschrank

l e it V steh

Der Baum stimmt so noch nicht, weil die Quantoren das Bier und im Eisschrank noch nicht QR-t worden sind. Wir überlegen nun, welchen logischen Typ das Verb CAUSE haben muss. Der Charakter in (1-21) zeigt, dass das Objekt des Verbs eine Proposition sein muss. Propositionen haben den Typ st. Wenn das eingebettete S den Typ t hätte, könnte CAUSE den Typ (st)(et) haben, und wir könnten das Objekt und CAUSE mittels IFA komponieren. Da wir für den eingebetteten Satz aber kein eigenes semantisches Tempus angenommen haben, können wir diesen Typ nicht annehmen, und wir versuchen es mit (s(it))(et). Dieser Typ erlaubt es tatsächlich, die Bedeutungsregel für CAUSE dem Charakter abzulesen. (1-23) CAUSE : Typ (s(it))(et) ⟦ CAUSE⟧ = λc.λs.λPs(it).λxe.λti. x bewirkt* in s zu t die Proposition [λs’.P(s’)(End(t))] Die korrekte LF für unseren Baum ist nach QR-en von im Eisschrank also die folgende: (1-24)

t

lt t PP 

lt

lt e lt P in

t S

1

e dem Eischrank i Pres

VP e Fritz

VP it VP e DP das Bier

s it et CAUSE

e it V' l e it e V t1 steh

Diese LF ist noch vereinfacht, weil das Bier und der Eisschrank hier als Namen dargestellt sind, obwohl sie eigentlich Quantoren sind. Wenn man von dieser Vereinfachung einmal absieht, kann man ausrechnen, dass diese Struktur tatsächlich genau den Charakter in (1-21) ausdrückt. Diese Rechnung ist völlig mechanisch, aber man kann sich wegen der relativ komplexen Struktur leicht vertun. Bevor man den Charakter ausrechnet, sollte man sich durch Kontemplation davon überzeugen, dass der Baum den Charakter tatsächlich ausdrückt. Man kann die Struktur wie folgt lesen: „Es gibt einen Ort im Eisschrank und Fritz bewirkt*, dass das Bier dort steht.“ Durch eine etwas umständliche Rechnung überzeugt man sich, dass der Baum tatsächlich diese Bedeutung hat; siehe Behauptung 1 im Appendix. Man sieht dem Baum übrigens an, dass unsere Bedeutung noch nicht ganz sinnvoll ist. Ein Accomplishment braucht Zeit zur Durchführung, und Pres bezeichnet nur einen Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt muss in der Verlaufszeit der Handlung liegen. Dieses erzwingt die Einführung eines Progressivoperators, der für eine Handlung deren mögliche Verlaufszeit liefert.5 Diese Komplikation ignorieren wir aber hier und im Folgenden. 1..3.

Zweiter Schritt: CAUSE als Derivationssuffix

Wir überlegen uns zunächst, welchen Typ das kausativierte Verb steh+CAUSE haben muss, damit es zum Baum ((1-20) passt. Ganz offensichtlich muss dies der Typ l(e(e(it)). Da stehden Typ l(e(it)) hat, sieht es so aus, als müsste CAUSE ein Funktor des Typs (l(e(it)))( l(e(e(it))) sein. Man kann sich aber sofort überlegen, dass man damit nicht zurande kommen wird. In der Bedeutung muss ja irgendwo der Resultatszustand stecken, und dieser ist eine Intension. Deswegen muss das Argument den Typ s(l(e(it))) haben. Für den Typ von CAUSE ergibt sich deshalb der Typ (s(l(e(it))))(l(e(e(it))). Die Bedeutungsregel für CAUSE muss also entlang dieses Typs geschrieben werden. Es ist offensichtlich, wie sie aussehen muss:

(1-25) CAUSE als Derivationssuffix: Typ (s(l(e(it))))(l(e(e(it))) 5

Ein solcher Operator PROG wird in (Dowty, 1979) eingeführt.

[[CAUSE]] = c.s.Ps(l(e(it))).l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’.P(s’)(l)(x)(Ende(t))] Dieser Regel kann man durch Introspektion sofort entnehmen, dass das Verb steh+CAUSE den folgenden Charakter ausdrückt: c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t s’.[x steht in s’ zu End(t) an l]] Der genaue Nachweis ist wieder recht umständlich. Siehe dazu Behauptung 2 des Appendix. Die LF, in welcher dieses Suffix vorkommt, ist die folgende. Wie bisher haben wir die lokative PP, die wie ein Direktional aussieht, QR-t. (1-26) Fritz stellt das Bier in den Eisschrank

(LF)

t

lt t PP



lt

lt e lt P in

e das Regal

t S



i Past

it VP

e it VP

e Ede

s it e it CAUSE

it it it wieder

it VP e DP die Bibel

e it V' l t2

l e it V steh

c.s.(l)[l ist im Eisschrank & Fritz bewirkt* in s zu Presc [s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an l]] Der LF kann man diesen Charakter mehr oder weniger direkt ablesen. Die konkrete Berechnung des Charakters ist wieder einigermaßen langwierig, wobei die schwierigen Rechenschritte allerdings in der Semantik des Verbs stecken. Wir beschließen diesen Abschnitt mit einem Vergleich zwischen lokativen PPs in kausativen Konstruktionen und direktionalen PPs. (1-27) a.

Das Fahrrad stand im Keller. b. Wladimir stellte das Fahrrad in den Keller. c. Wladimir ging in den Keller.

Die PPs in (a) und (b) bedeuten genau Dasselbe, nämlich „ein Ort im Keller“. Der Akkusativ der zweiten PP kommt vom kausativierten Verb: er wird der Präposition zugewiesen, die ihn an ihr DP-Objekt weiter gibt. Die einschlägigen Mechanismen der Kasuszuweisung sind in (Sternefeld, 2006) genau beschrieben. Es handelt sich um eine lokative PP. Die PP in (c) sieht zwar genau so aus, aber sie hat eine andere Bedeutung. Der Satz bedeutet nämlich ungefähr das Folgende:

Es gibt einen Pfad p & Wladimir begeht p zu Pastc & das Ende von p zu Pastc ist im Keller Die direktionale PP in (c) bedeutet also „das Ende von p zu Past c“, wobei das Stück des Pfades gemeint ist, an dem Wladimir am Ende des Intervalls Past c ist. In diese Bedeutung geht natürlich auch die lokale Bedeutung ein, aber es kommt noch eine andere Bedeutungskomponente hinzu, die mit Bewegung zu tun hat. Wir haben in dieser Einführung keine Zeit mehr, auf Bewegungsverben und Direktionale einzugehen. Insbesondere müssten wir dazu den Begriff des Pfads präzisieren. Der Punkt der hier gemacht wird ist der, dass nicht alle PPs, die an der Oberfläche gleich aussehen, auch gleich interpretiert werden. Mehr über Direktionale kann man in (Cresswell, 1978a) und (Herweg and Wunderlich, 1991). 1..4.

Dritter Schritt: stellen als Lexikoneintrag

Nach diesen Vorüberlegungen können wir stellen als eigenständigen Eintrag ins Lexikon stellen: (1-28) stellen (unzerlegt): Typ l(e(e(it)) [[ stellt]] = c.s.l.x.y.i.y bewirkt* in s zu t [s’.x steht in s’ zu Ende(t) an l] Wir haben uns davon überzeugt, dass dieser Eintrag korrekt ist. Den dazu gehörigen Baum kennen wir schon. Es handelt sich um (1-26). Wenn man mit diesem Verbeintrag arbeitet, wird die Berechung des Charakters wesentlich einfacher, weil die konzeptuelle Komplexität in der Berechnung des komplexen Verbs liegt. Wenn man diese Bedeutung einmal hat, wird alles ganz einfach: man arbeitet mit FA und QR.

Wann wird dekomponiert? Der wieder-Test Wie wir eben gesehen haben, ist der konzeptuelle Umgang mit nicht dekomponierten Verben einfacher als mit Verben, welche die Zerlegung CAUSE + STATE haben. Müssen wir überhaupt dekomponieren? Dekomponieren ist der terminus technicus für die Zerlegung eines Verbs in mehrere semantische Bestandteile. Die Antwort lautet: 

Dekomponieren müssen wir, wenn ein Satz eine Lesart hat, die wir ohne Dekomposition nicht erzeugen können. Der wieder-Test sagt uns, wann das der Fall ist.

Wir betrachten in diesem Abschnitt die kausativen Verben stellen und putzen und zeigen, dass stellen es bei wieder stellen eine Mehrdeutigkeit gibt, bei wieder putzen dagegen nicht. Diese Mehrdeutigkeit werden wir dann so erklären, dass stellen dekomponiert werden muss, putzen dagegen nicht. Betrachte den folgenden Satz: (1-29) Ede stellte die Bibel wieder ins Regal. Der Satz hat eine restitutive und eine repetitive Lesart, die wir nun erläutern. Das restitutive Szenario Bis zum Zeitpunkt t1 hat Ede noch nie in die Bibel geschaut. t1:

Ede nimmt die Bibel aus dem Regal.

Ede liest eine Weile voller Interesse in der Bibel. Dann kommt die Zeit t2. t2:

Ede stellt die Bibel ins Regal.

Zum Zeitpunkt t2 hat Ede die Bibel niemals zuvor ins Regal gestellt. Trotzdem ist das Adverb wieder angemessen. Es beschreibt den Sachverhalt, dass ein vorher bestehender Zustand wieder hergestellt wird. Diese Verwendung von wieder wird in der Literatur restitutiv genannt. Das repetitive Szenario Es ist eine Weile vergangen. Die Bibel hat Ede beeindruckt. t3:

Ede nimmt die Bibel aus dem Regal.

Ede schlägt die Geschichte von Josef und seinen Brüdern auf und liest sie mit Begeisterung. t4:

Ede stellt die Bibel ins Regal.

Zum Zeitpunkt t4 stellt Ede die Bibel ins Regal. Wir stellen fest: Wir können Satz (1-29) sowohl benutzen, wenn wir über t2 reden als auch, wenn wir über t4 reden. Betrachte nun den folgenden Satz: (1-30) Randi putzte Valentin wieder. Das Szenario ist dieses: t0:

Valentin wird geboren.

Es vergeht eine längere Zeit. Jetzt kommt die Zeit, zu der Valentin das erste Mal wirklich in die Windeln macht. t1:

Valentin macht in die Windeln.

t2:

Randi putzt Valentin.

t3:

Valentin macht in die Windeln.

t4:

Randi putzt Valentin.

Ich denke, wir sind uns einig: Für den Zeitpunkt t2 können wir den Satz (1-30) nicht benutzen. Für den Zeitpunkt t4 können wir Satz (1-30) dagegen sehr wohl benutzen. Diese Beobachtungen fassen wir zu der folgenden Generalisierung zusammen: (1-31) a.

wieder stellen hat eine restitutive und eine repetitive Lesart. b. wieder putzen hat nur eine repetitive Lesart.

Diese Fakten können wir erklären, wenn wir stellen in die Bestandteile steh+CAUSE dekomponieren. Wir müssen das Adverb wieder dann so interpretieren, dass es zwischen steh und CAUSE eine restitutive Lesart erzeugt, über CAUSE dagegen eine repetitive Lesart. Dekomponierte kausative Verben erlauben also eine Skopusmehrdeutigkeit auf LF. Nicht zerlegte Verben enthalten CAUSE zwar in ihrer Bedeutung, aber das Adverb kann nicht unter den Skopus von CAUSE schlüpfen. Wir fragen uns deshalb als nächstes, ob diese Dekomposition in der Morphologie oder in der Syntax stattfinden muss.

Die Syntax von wieder Wir lernen in diesem Abschnitt die Skopusinteraktion von wieder mit der Syntax dekomponierter Verben. Wir betrachten dazu Satz (1-29): (1-32) Ede stellte die Bibel wieder ins Regal. Der Satz hat zwei Charaktere, die wir herleiten wollen. (1-33) Die restitutive Lesart c.s.(l)[l ist im Regal & Ede bewirkt* in s zu Pastc s’[die Bibel steht in s’ an l zu End(Pastc)]] Präsupposition: (t)[t < Pastc & die Bibel steht in s an l zu t]] Man beachte, dass die Präsupposition die Zeit des Stellens, die Welt des Stellens und den Zielort betrifft, d.h., man darf die Bedeutung im Grunde nicht so schreiben. Mehr dazu unten. Das restitutive Szenario: ------------(-----)----------[------]--------------------tc------- [------]:

Ede die Bibel ins Regal stellen

(------):

Die Bibel dort stehen

(1-34) Die repetitive Lesart c.s.(l)[l ist im Regal & Ede bewirkt* in s zu Pastc s’[die Bibel steht in s’ an l zu End(Pastc)]] Präsupposition: (t)[t < Pastc & Ede bewirkt* in s zu t [s’.die Bibel steht in s’ an l zu End(t)]] Hier redet die Präsupposition über eine frühere Zeit, ein früheres Stellen, aber dasselbe Buch und denselben Ort. Das repetitive Szenario: ------------(-----)----------[------]--------------------tc------- [------]:

Ede die Bibel ins Regal stellen

(------):

Ede die Bibel dorthin stellen

In diesem Szenario hat Ede also genau dieselbe Handlung schon einmal vollzogen. Wir haben prinzipiell zwei Möglichkeiten: 1. Wir können das Verb morphologisch dekomponieren und die restitutiv/repetitiv Mehrdeutigkeit an der Morphologie festmachen. 2.

Wir dekomponieren in der Syntax, wie wir das in Abschnitt 1..2. gelernt haben.

(1-35) Die morphologische Option

a.

Restitutiv Ede die Bibel ins Regal [[wieder steh-]-CAUSE]-te

b.

Repetitiv Ede die Bibel ins Regal [wieder [[steh-]-CAUSE]]-te

Hier ist also wieder ein Präfix des Verbs. Je nach Skopus von wieder bedeutet dann das Verb etwas anderes. Allerdings können wir diese Möglichkeit sofort ausschließen, denn es gibt keine Möglichkeit diese Lösung mit der Syntax zusammen zu bringen. Als Wortbestandteil kann sich wieder nur mit dem Verb zusammen bewegen. Unsere Beispiele zeigen aber, dass wieder eine eigenständige syntaktische Position haben muss. Es steht ganz klar vor der lokalen Ergänzung. Als D-Struktur von (1-32) kommt nur ein Baum in Frage, in der wieder weiten Skopus über das Lokal hat, z.B.: (1-36) Gegen eine morphologische Lösung Ede die Bibel wieder [VP ins Regal stellte] Damit ist gezeigt, dass wir eine syntaktische Lösung wählen müssen. Tatsächlich liefert unsere Semantik für CAUSE eine ganz einfache Erklärung für die Mehrdeutigkeit von wieder-Sätzen für dekomponierte Verben. Unsere Analyse wird diese sein: (1-37) Die Dekompositionsanalyse a. Restitutiv Ede1 die Bibel2 [t1 CAUSE wieder [t2 ins Regal stellte]] = [Ede CAUSE wieder [die Bibel im Regal stehen]] b.

Repetitiv Ede1 die Bibel2 wieder [t1 CAUSE [t2 ins Regal stellte]] = wieder [Ede CAUSE [die Bibel im Regal stehen]]

Die Spuren zeigen die D-Positionen von Subjekt und Objekt an. Hier liegt also eine Skopuslösung vor: CAUSE ist ein abstraktes Verb. Deswegen sieht man auf der S-Struktur nicht, ob wieder weiten oder engen Skopus bezüglich CAUSE hat, und die Mehrdeutigkeit kommt zustande. Bei Verben, die nicht dekomponiert sind, kann natürlich keine Mehrdeutigkeit auftreten: (1-38) Keine Mehrdeutigkeit bei putzen Randi1 Valentin2 wieder [t1 t2 putzte]] Da putzen nicht dekomponiert, gibt es keine Quelle für eine Skopusmehrdeutigkeit von wieder, und wir haben nur eine Lesart. Der nächste Schritt besteht darin, eine Semantik für wieder anzugeben, welche diese Fakten herleitet.

Die Semantik von wieder Die Semantik von wieder ist ganz einfach: die Partikel sagt für ein temporales Prädikat, dass es schon zu früheren Zeiten instantiiert war. (1-39) wieder: Typ (it)(it)

[[ wieder]] = c.s.Pit.t:(t’)[t’ < t & P(t’)].P(t) (Wir führen nebenbei eine Terminologie ein, die seit einiger Zeit für Adverbien dieser Art in der Literatur benutzt wird: die Eigenschaft, welche durch wieder modifiziert wird, heißt „prejacent“. Ein Prejacent ist weder ein Argument (da ja keine Argumentstelle abgesättigt wird) noch ist es ein Adjunkt, da für die Komposition nicht die Regel PM benutzt wird). Wir haben hier das erste Mal mit einer Präsupposition gearbeitet. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, dass unsere Bedeutungen in der Regel partielle Funktionen sind, die nicht für alle Dinge ihres Definitionsbereichs definiert sein müssen. Die Voraussetzung, die ein Argument erfüllen muss, damit man die Funktion darauf anwenden kann, steht hinter dem Doppelpunkt. Das ist die Konvention Heim & Kratzer. Beim Rechnen mit Präsuppositionen muss man einiges beachten. Darüber reden wir in einem eigenen Kapitel über Präsuppositionen. Das kümmert uns im Augenblick nicht. Wir werden gleich sehen, wie diese Bedeutung mit den Bedeutungen interagiert, die wir bereits haben. Hier sind die Bäume für die beiden Lesarten unseres Satzes. (1-40) Ede stellte die Bibel wieder ins Regal

LF(restitutiv)

t

lt t PP



lt

lt e lt P in

e das Regal

t S



i Past

it VP

e it VP

e Ede

s it e it CAUSE

it it it wieder

it VP e DP die Bibel

e it V' l t2

l e it V steh

c.s.(l)[l ist in dem Regal in s & (t’: t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an l) Ede bewirkt* in s zu Pastc s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an l] Die Präsuppositionen haben wir hinter den Doppelpunkt geschrieben. Die Präsupposition betrifft die Referenzzeit. Zugleich aber enthält sie auch die durch QR gebundene Ortsvariable. Man kann den Charakter so lesen: „Es gibt einen Ort l in dem Regal an den Ede die Bibel zur Zeit Past c stellt. Für diesen Ort ist vorausgesetzt, dass die Bibel dort schon mal stand“ Man kann den Charakter also erst einmal ohne die Präsupposition lesen. Die Präsuppositon trägt man dann im zweiten Schritt nach. Die Präsupposition ist sozusagen eine Apposition, welche besagt, was wir für die Dinge voraussetzen, über die wir reden. Wir müssen sie an

die Stelle schreiben, wo sie eingeführt wird, denn sie kann gebundene Variablen enthalten. Den Umgang mit Präsuppositionen beim Berechnen lernt man am besten durch die Praxis. Im Präsuppositionskapitel werden wir die Theorie dazu genauer erläutern. Im Appendix habe ich den Charakter zu diesem Baum ausgerechnet. Siehe dazu Behauptung 3. Es ist auch klar, wie man diese LF ganz systematisch aus der Oberfläche bzw. der D-Struktur erzeugt. Für die Herleitung des Baums für die repetitive Lesart müssen wir die Typen anschauen. wieder verlang eine Eigenschaft vom Typ it als Prejacent. Die Partikel soll über CAUSE stehen. Die CAUSE-VP hat den korrekten Typ. Die Partikel modifiziert also diesen. Das semantische Tempus steht dann darüber. Dies führt zu dem folgenden Baum (1-41) Ede stellte die Bibel wieder ins Regal t

lt t PP



LF(repetitiv)

lt

lt e lt P in

e das Regal



t

i Past

it

it it wieder

VP it e Ede

VP e it s it e it CAUSE

it VP e DP die Bibel

e it V' l t2

l e it V steh

c.s.(l)[l ist in dem Regal in s & (t’: t’ < Pastc & Ede bewirkt* in s zu t’ s’.Die Bibel steht in s zu t’ an l) Ede bewirkt* in s zu Pastc s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an l] Für diesen Charakter ist präsupponiert, dass Ede die Bibel vor der Referenzzeit schon mal an den Ort l gestellt hat. Auch diesen Charakter kann man ganz systematisch berechnen, so wie wir das für den vorigen Charakter in Appendix vorgeführt worden ist. Übungsaufgabe.

wieder putzen Putzen ist ein kausatives Verb, das nicht dekomponiert wird. Der Lexikoneintrag ist der folgende: (1-42) putzen: Typ (e(e(it)) [[ putzen]] = c.s.x.y.t.y bewirkt* in s zu t s’.x ist in s’ zu Ende(t) geputzt. Der Eintrag sieht im Prinzip genau so aus wie für das Verb steh+CAUSE, aber es gibt einen wichtigen Unterschied: die Dekomposition findet hier nicht in der Syntax statt. Deswegen kann es keinerlei Skopusmehrdeutigkeiten in wieder-Sätzen geben, weil die Mehrdeutigkeiten durch den relativen Skopus von wieder bezüglich CAUSE zustande kommen. Die Vorhersage ist, dass wir für (1-30) nur die repetitive Lesart vorfingen, und so

ist es auch: (1-43) Randi putzte Valentin wieder Past [it wieder [it Randi Valentin putzte]]

(LF)

c.s(t < Pastc) Randi bewirkt in s zu t s’.Valentin ist in s’ zu Ende(t’) geputzt. Randi bewirkt in s zu Pastc s’.Valentin ist in s’ zu Ende(Pastc) geputzt. In der LF gibt es keinen anderen Platz für wieder. Der Charakter lässt sich leicht ausrechnen.

Quantoren und perfektiver Aspekt Wir betrachten in diesem Abschnitt einen auf (Cresswell, 1979) zurückgehenden Satz: (1-44) John polished every boot. Um diesem Satz zu analysieren, benötigen wir einen Operator, der die einzelnen Putzereignisse auf ein großes Putzintervall verteilt. Der Operator, der dies leistet ist der perfektive Aspekt, Perfektiv genannt, der in slavischen Sprachen durch eine eigene Verbmorphologie ausgedrückt wird. Diesen Operator führen wir hier ein. Angenommen, es gibt im Kontext 4 relevante Stiefel. Dann beschreibt der Satz das folgende Szenario: Das Stiefelputzszenario: ------[----[S1]-----[S2]-------[S3]-----[S4]------]---------------tc---- [-------]:

Pastc

[Si]:

Intervall zu dem John den i-ten Stiefel putzt

Mit unseren bisherigen Methoden können wir dieses Szenario nicht beschreiben. Wir erhalten nach QR-en des Objekts die folgende LF: (1-45) jeden Stiefel 1 Past John t1 putzte c.s.(x)[x ist ein Stiefel in s  John bewirkt* in s zu Pastc s’.x ist in s’ zu Ende(Pastc) geputzt]

(falsch!)

Dieser Charakter bezeichnet ein Szenario, in dem John alle Stiefel zu derselben Zeit putzt. Das ist aber nicht gemeint. Es putzt jeden Stiefel zu einem anderen Teilintervall von Past c: (1-46) Gewünschter Charakter c.s.(x)[x ist ein Stiefel in s  (t)[t  Pastc & John bewirkt* in s zu t s’.x ist in s’ zu Ende(t) geputzt]] Wir benötigen also ein Operator, der die Information (t)[t  Pastc & ...t...] in die Bedeutung bringt. Dieser Operator besagt, dass die Ereigniszeit in der Referenzzeit enthalten ist.6 Hier ist die korrekte LF für den Satz: 6

Diesen Perfektivoperator gibt es in der Literatur mindestens seit (Krifka, 1989b). Es gibt verschiedene Versionen davon. Hier sind einige Autoren, die den Operator annehmen: (Herweg and Wunderlich, 1991), (Klein, 1994), (Kratzer, 1998), (Paslawska and von Stechow, 2003). (Cresswell, 1979) steckt die Information in den Quantor jeder und in die Konjunktion und. (Dowty, 1979) übernimmt das. Dies führt zu ganz komplizierten,

(1-47) Hans putzte jeden Stiefel

(LF mit Aspekt)

t

et t jeden Stiefel

et t TP

1 i Past

it AspP it it Asp PF

it VP e Hans

e it e t1

e e it putzte

PF ist gerade der Perfektivoperator. Die Standardsemantik für das Perfektiv ist die folgende: (1-48) Perfektiver Aspekt Perfektiv: Typ (it)(it) [[ PF]] = c.s.Pit.t.(t’)[t’  t & P(t’)] Der Perfektive Aspekt PF darf natürlich nicht mit dem Relativtempus Perfekt PERF verwechselt werden. Man kann ausrechnen, dass dieser Baum genau den Charakter in (1-46) ausdrückt. Übungsaufgabe. Im Deutschen werden Aspekte morphologisch nicht ausgedrückt, im Russischen dagegen wohl. Es gibt dazu eine Bemerkung im Abschnitt über Syntax 0. Der PF-Operator ist auch dann notwendig, wenn ein Quantor an Subjektstelle steht: (1-49) Jeder Gast putzte das Waschbecken. jeder Gast 1 Past PF t1 das Waschbecken putzte Auch hier gibt es für jeden Gast ein eigenes Putzintervall, und die LF muss wie angegeben mittels des PF-Operators dargestellt werden. Im Zusammenspiel mit wieder erzeugt der Universalquantor natürlich wieder Mehrdeutigkeiten: (1-50) a.

Hans putzte wieder jeden Stiefel. b. Hans putzte jeden Stiefel wieder/erneut.

Beide Sätze haben eine repetitive Lesart, aber die Präsuppositionen sind verschieden. Im ersten Fall gibt es vor der Zeit des Putzens eine frühere Zeit, zu der Hans jeden Stiefel geputzt hat. Im zweiten Fall gibt es für jeden Stiefel eine frühere Zeit, zu der Hans diesen geputzt hat. Die Wahrheitsbedingungen sind zwar dieselben, aber sie werden anderes berechnet. Wir beginnen mit der Analyse von (1-50b), weil sie einfacher ist. (1-51) Hans putzte jeden Stiefel wieder

unübersichtlichen Systemen.

(LF)

jeden Stiefel 1 Past wieder PF Hans x putzte c.s: (x)[x ist ein Stiefel in s  (t)[t < Pastc & (t’)[t’  t & Hans putzt x zu t’ in s]]]. (x)[x ist ein Stiefel in s  (t)[t  Pastc & Hans putzt x zu t in s]] „Hans putzt x in s zu t“ steht hier für „Hans bewirkt in s zu t s’.x ist in s’ zu Ende(t) geputzt“. Man sieht hier, dass es ganz schön schwierig ist, den Charakter hinzuschreiben, weil er eben eine Präsupposition enthält, die eine gebundene Variable enthält. Das Notieren von Präsuppositionen geschieht hier noch ganz intuitiv. Der genaue Umgang mit Präsuppositionen wird später präzisiert, wie schon gesagt. Man sieht das der Perfektivoperator sowohl in der WB als auch in der Präsupposition seine Spuren hinterlässt. Die Information, die der Perfektivoperator beiträgt, haben wir unterstrichen. Hier ist nun auch die LF für (1-50a). (1-52) Hans putzte wieder jeden Stiefel

(LF)

t

i Past

it

it it wieder

it

1

t

et t jeden Stiefel

et 2

t i t1

it it it PF

it e Hans

e it t2

e e it putzte

c.s:(t)[t < Pastc & (x)[x ist ein Stiefel in s  (t’)[t’  t & Hans putzt x in s zu t]]].(x)[x ist ein Stiefel in s  (t)[t  Pastc & Hans putzt x in s zu t]] Wieder habe ich die Informationen unterstrichen, die der Perfektiv-Operator beisteuert. Der Baum enthält eine Besondertheit: Wir haben zunächst für das Tempus eine freie Variable t 1 eingesetzt, um das Objekt QR-en zu können. Bevor wir dann wieder anwenden, binden wir diese Variable wieder ab und erhalten genau den Typ it, welcher das Prejacent von wieder ist. Hinter der Erzeugung dieses Baums steckt eine allgemeine Methode, nämlich der Umgang mit dem semantisch leeren Pronomen PRO. Davon werde ich im nächsten Kapitel sprechen.

Für die adäquate Analyse fehlt noch eine Kleinigkeit. Es geht ja nicht um alle Stiefel, sondern nur um vier kontextuell saliente. Die in dem Determinator jede steckende Quantifikation muss also kontextuell beschränkt sein. Seit (von Fintel, 1994) ist es üblich, diese Art von Beschränkung durch eine Variable C vom Typ et auszudrücken, die ein weiteres Argument von jeder ist. Diese Variable wird durch die Belegung g interpretiert, welche mit dem Kontext gegeben ist. Der Quantor in dem Beispielsatz hat demnach die folgende Analyse: (1-53) jederC Stiefel (LF mit Kontextrestriktion) et t et NP Stiefel

Det Det et et et t jeder

et C

c.s.Pet.(x)[x  g(C) & x ist ein Stiefel in s  P(x)] Die Bedeutungsregel für jeder ändert sich nicht viel. Man muss lediglich dafür sorgen, dass die zusätzliche Restriktion C mit berücksichtigt wird. Dasselbe macht man natürlich auch für andere Determinatoren. (1-54) Kontextbeschränkte Determinatoren jede, eine : Typ (et)((et)((et)t)) a. [[ jede]] = c.s.Cet.Pet.Qet.C  P  Q. b.

[[ eine]] = c.s. Cet.Pet.Qet.C  P  Q.

C ist ein weiteres Argument des Determinators, aber in der LF wird es als freie Variable realisiert. Die LF für (1-44) ist also genauer die folgende: (1-55) jedenC Stiefel 1 Past PF John t1 putzte Da C eine freie Variable ist, benötigen wir ein g, welches sie mit einer Menge von Individuen belegt, in diesem Fall mit vier bestimmten Stiefel. Da die kontextuelle Beschränkung der Quantifikation eine Selbstverständlichkeit ist, lassen wir die Variable C meistens weg und arbeiten mit der einfacheren Version der Determinatoren.

Zur Syntax kausativer Verben: die Merkmale [cause] und [pf] Wir müssen uns nun noch überlegen, wie der Lexikoneintrag für ein kausatives Verb aussehen muss, das in der Syntax dekomponiert wird. Im Geist der bisherigen Theorie sagen wir, dass es ein uninterpretiertes Merkmal [cause] hat, das von dem CAUSE-Operator selegiert wird. Entsprechend haben perfektive Verben das uninterpretierte Merkmal [pf]. Wir merken uns: 

Verben, die unter CAUSE eingebettet sind, haben das uninterpretierte Merkmal [cause], welches durch das interpretierte Merkmal CAUSE (Zeijlstras „semantischen Operator“) lizensiert ist.



Verben, die unter PF eingebettet sind, haben das uninterpretierte Merkmal [pf].

Für das semantische CAUSE nehmen wir also das Merkmal [i-cause] an. Der Lexikoneintrag für öffnen sieht also folgendermaßen aus:

(1-56) öffnet: Type (e(it)) Merkmale: 3.Person, pres, singular, cause [[ öffnet]] = c.s.x.t.x ist offen in s zu t. Das Verb öffnet bedeutet also „offen“. Das ist natürlich verwirrend, aber gerade der wesentliche Vorschlag. Die Merkmale müssen auf der D-Struktur lokal überprüft werden. Wie das für Präsens funktioniert, wissen wir schon. Person und Numerus richten sich selbstverständlich nach dem Subjekt. Für CAUSE brauchen wir aber gerade den semantischen Operator, welcher das Merkmal lizenziert. Hier ist die relevante D-Struktur: (1-57) Ede öffnet den Eisschrank

(Merkmale) t TP

i Pres

T'

it VP

T pres

e NP 3.sing pres Ede

e it VP

it VP

s it e it V CAUSE

e it e V DP de n Eisschrank 3. sing pres cause öffne t



öffnet ist ein Zustand! Das Verb bedeutet ‚offen’. Das Merkmal [cause] erzwingt die Einbettung unter CAUSE. Es gibt Mehrdeutigkeiten mit wieder.

Zum Vergleich dazu betrachten wir den Eintrag für putzen: (1-58) putzte: Typ e(e(it)) Merkmale: 3. Person, singular, past [[ putzte]] = c.s.x.y.y bewirkt in s zu t s’.x ist in s’ zu Ende(t) geputzt. 

Das Verb hat kein Merkmal [cause], obwohl es ein kausatives Accomplishment ist. Die Verursachung steckt allein in der Semantik und spielt syntaktisch keine Rolle.

Entsprechend einfach ist die D-Struktur für Satz: (1-59) Randi putzte Valentin

(Merkmale)

t TP i P ast

T' it VP

T past e NP 3.sing Ran di



e it V' e e it e V NP Vale ntin 3. sing past pu tz te

putzte ist semantisch kausativ hat aber nicht das uninterpretierbare Merkmal [cause] und ist deswegen nicht unter CAUSE eingebettet. Es gibt keine Mehrdeutigkeiten mit wieder.

Hier ist ein Beispiel aus dem Russischen für ein Verbs mit perfektiver Morphologie, die hier durch das Präfix po- ausgedrückt wird: (1-60) Alla

pozvonila Alla

v vosem chasov anrief-pf um acht

Uhr

Hier ist der Eintrag für das perfektive Verb „anrufen“: (1-61) pozvonila: Typ e(it) Merkmale: 3. Person, singular, femininum, past, perfektiv (= pf) [[ pozvonila ]] = c.s.x.t.x ruft in s zur Zeit t an. Das perfektive Verb hat also unter anderem die uninterpretierten Merkmale [past] und [pf], aber semantisch ist es zeit- und aspektlos. Das ist das zunächst Verwirrende. Die semantischen Operatoren stehen an einer anderen Stelle in der Syntax und lizensieren die uninterpretierten Merkmale über Kongruenz oder Rektion. Hier ist die D-Struktur für den russischen Satz: (1-62) Alla pozvonila v vosem chasov

(Merkmale)

TP

PP  v vosem chasov Past

T' T past

AspP Asp PF

VP NP 3.sg. f Alla

V 3.sg. f .past.pf pozvonila

c.s.(t)[t ist um 8 Uhr in Pastc & Alla ruft in s zu t an] Das Russische unterscheidet sich also vom Deutschen vor allem dadurch, dass der perfektive Aspekt obligatorisch in der Morphologie sichtbar gemacht wird, wenn er semantisch da ist. Darüber hinaus kongruiert das Verb auch noch in Bezug auf Genus mit dem Subjekt. Semantisch gesehen sind diese Unterschiede aber nicht bedeutend. In beiden Sprachen gibt es den perfektiven Aspekt als semantische Operation. Die Probleme für den deutschen Lerner bestehen darin, dass wir uns keine Gedanken machen müssen, wann dieser Aspekt verwendet wird und wann nicht. Dass etwas eine ganz einfache Bedeutung hat, bedeutet nicht, dass man im Satzverbund damit auch einfach umgehen kann, wenn man es nicht von Jugend auf gelernt hat. Ähnlich machen die Russinnen ständig Fehler im Deutschen mit der Wahl des bestimmten oder unbestimmten Artikels. Nicht weil das besonders schwierig wäre, sondern weil es ungewohnt ist. Das Fazit dieses Abschnitts besteht darin, dass wir dekomponierende kausative Verben in unsere allgemeine Theorie des Morphologie-Semantik-Schnittstelle eingeordnet haben, wonach die uninterpretierten Merkmale eines Verbs durch einen semantischen Operator sichtbar gemacht werden müssen. Wir haben das für die Merkale [pres], [past], [fut], [perfekt] gesehen. Jetzt ist noch [cause] dazu gekommen. Ebenso machen wir es mit dem Aspekt.

Zusammenfassung In diesem Kapitel haben wir die folgenden Dinge gelernt. 1. Wir sind in die Vendlersche Theorie der Aktionsarten eingestiegen, die jeder Semantiker zur semantischen Klassifikation von Verbphrasen benutzt. Es ging um die Begriffe Accomplishment, Achievement, Activity und State. 2. Wir haben uns dann mit kausativen Verben beschäftigt, also mit kausativen Accomplishments. Wir wollten wissen was ein Verb wie stellen bedeutet. Auf dieses Verb sind wir automatisch durch unsere Betrachtung der Positionsverben im letzten Kapitel gekommen. 3. Wir haben stellen als CAUSE + stehen analysiert. CAUSE ist ein abstraktes Verb, für das wir eine präzise Semantik im Stil von Dowty/Lewis angegeben haben. 4. Wir haben uns dann gefragt, man diese Dekomposition in der LF durchführen soll, oder ob stellen nicht einfach ein unanalysierter Eintrag für ein transitives Verb ist. Der wieder-Test entscheidet diese Frage zugunsten der syntaktischen Dekomposition: für stellen + wieder beobachten wir der repetitiv/restitutiv-Mehrdeutigkeit. Ein kausatives Verb wie putzen zeigt bei wieder nur die repetitive Lesart. Stellen wird in der Syntax dekomponiert, putzen dagegen nicht. Die Mehrdeutigkeit wird als Skopusambiguität erklärt. Dieser Abschnitt gibt auch eine Semantik für wieder an. 5. Sobald ein Quantor als ein Argument eines kausativen Verbs vorkommt, stellen wir fest, dass unsere bisherige Semantik die falschen Vorhersagen macht. Wir benötigen beim Verb einen Aspektoperator, der die Ereigniszeiten über die betrachtete Referenzzeit distribuiert. Hier geht es um den Perfektivoperator PF. Dieser Operator wird im Deutschen nicht morphologisch markiert. Er ist aber so wichtig, dass es in den slavischen Sprachen fast für jedes Verb eine Perfektiv/Imperfektiv-Morphologie gibt. 6. Im Zusammenhang mit Quantoren haben wir auch gezeigt, wie man den Quantifikationsbereich eines Quantors durch eine Kontextvariable beschränkt.

7. In einem abschließenden Abschnitt sind wir auf die Syntax/Morphologie /Semantik-Schnittstelle eingegangen, indem wir die Einträge für die hier betrachteten Verben genauer betrachtet haben. Verben, die wir in der Syntax dekomponieren, haben das uninterpretierte Merkmal [cause], welches durch das semantisch koverte Verb CAUSE unter Rektion/Kongruenz lokal lizenziert wird. Der semantische Eintrag dieser Verben ist ein Zustand, d.h. stellen bedeutet „stehen“. Ebenso verweist bei perfektiven Verben das uninterpretierte Merkmal [pf] auf den semantischen Aspekt Perfektiv (PF). Russische Verben mit perfektiver Morphologie haben keine anderen Bedeutungen als die entsprechenden Verben des Deutschen, bei denen diese Morphologie fehlt. Fazit: Wir haben gelernt wie kausative Konstruktionen syntaktisch und semantisch zu analysieren sind.

Bemerkungen zur Literatur Der Ursprung der Dekompositionstheorie und damit der Analyse von kausativen Verben ist die Generative Semantik mit den großen Namen Lakoff, Ross und McCawley. Klassiker sind (Lakoff, 1971), (McCawley, 1971), (Ross, 1972). In dieser Theorie bestand die Tiefenstruktur aus Formeln, die ungefähr wie Prädikatenlogik aussahen und dann durch Transformationen in die Oberfläche übersetzt wurden. Die logischen Formen bestanden im Wesentlichen aus uninterpretierten Zeichen, die in großen Buchstaben geschrieben wurden. Es gab DO, CAUSE und BECOME. Man schrieb Formeln hin, assoziierte etwas damit und übersetzte diese dann in der Oberfläche durch eine Reihe von wilden Transformationen wie Prädikatssenkung, Prädikatsverschmelzung und Dergleichen. Da sich die Vertreter dieser Schule mit Chomsky anlegten und dieser zurück schlug, ist diese Methode in den 70er Jahren gründlich in Misskredit geraten. Mehr zu diesen linguistischen Kriegen kann man nachlesen in (Newmeyer, 1980). Unter ernsthaften Semantikern galt diese Richtung seitdem als unseriös. Abstrakte Morpheme wie DO, CAUSE und BECOME hatten nichts mehr in der Syntax zu suchen. Die Semantiker lehnten überwiegend auch Chomsky als zu abstrakt ab. Die Syntax hatte einfach zu sein: die Strukturen sind so wie du sie siehst (WYSIWYG 7). Die Semantik darf dagegen kompliziert sein. Montague hat das mit seiner IL vorgemacht, und diese ist zweifellos ernsthafte Wissenschaft. Dies ist (nach meiner Einschätzung) der wissenschaftspsychologische Hintergrund von Dowtys Schriften und der Tradition, die sie begründet haben. Der locus classicus für die Analyse von Kausativen und für die Dekompositionstheorie allgemein ist nämlich (Dowty, 1979). Dowty’s Intensionale Logik kennt abstrakte Operatoren wie DO, CAUSE und BECOME, aber er verbietet jede Art von abstrakter Syntax. Den BECOME-Operator haben wir in diesem Kapitel nicht benutzt. Er hat die folgende Semantik: (1-63) BECOME : Typ (it)(it) [[ BECOME]] = c.s.Pit.t:P(Anfang(t)).P(Ende(t)). Ein kausatives Verb wie öffnen wird bei Dowty im einfachsten Fall in den IL-Ausdruck x.y.CAUSE(y,^BECOME(open’(x))) übersetzt. Tatsächlich ist die Übersetzung noch viel komplizierter. Diese Übersetzung wird dann semantisch gedeutet. Weil es nur eine Übersetzung für öffen gibt, weiß man nicht, wie die repetitiv/restitutiv-Mehrdeutigkeit analysiert werden soll, da eine Skopusmehrdeutigkeit in der Syntax nicht existiert. Dowty nimmt zwei Bedeutungen für wieder an, nämlich wieder1 und wieder2. 7

What you see is what you get.

Bedeutungspostulate sollen dann sicherstellen, dass bei den Übersetzungen in IL bei wieder1 die repetitive Lesart raus kommt, bei wieder2 die restitutive: (1-64) a.

[Ede den Eisschrank wieder1 öffnet]’ (repetitiv) wieder’ CAUSE(Ede’,^BECOME(open’(der_Eisschrank’))) b. [Ede den Eisschrank wieder2 öffnet]’

(repetitiv)

CAUSE(Ede’,^BECOME(wieder’ open’(der_Eisschrank’))) Auch großen Experten ist völlig unklar, wie Dowtys Bedeutungspostulate funktionieren, die diese Übersetzung leisten. Ede Zimmermann hat in zwei Arbeiten behauptet, dass Dowtys Postulate sogar widersprüchlich sind; siehe dazu (Zimmermann, 1993). Selbst wenn Zimmermanns Argumente nicht ganz schlüssig sein sollten (was ich glaube), bleibt bestehen, dass die Methode Dowtys im Grund rein ad hoc ist und sicher nicht kompositional. (von Stechow, 1996a) weist darauf hin, dass Dowtys Methode ein einfaches Faktum des Deutschen nicht erklären kann. Wenn wieder im Mittelfeld links von einer definiten DP steht, liegt nur die repetitive Lesart vor. Dieses Faktum wird heute von jedermann anerkannt. (1-65) weil Ede wieder den Eisschrank öffnete

(nur repetitiv)

Eine strukturelle Erklärung geht von der Beobachtung aus, dass definite Terme im Mittelfeld aus der VP heraus gescrambelt werden. Da Partikel nicht bewegt werden, muss wieder an einer sehr hohen Position stehen, nämlich über CAUSE. Für Dowty muss es geheimnisvoll bleiben, warum in diesem Satz die restitutive Lesart verloren geht. Zur restitutiv/repetitiv-Mehrdeutigkeit gibt es eine Reihe von wichtigen Arbeiten von Fabricius-Hansen, z.B. (Fabricius-Hansen, 1983). Fabricius-Hansen möchte im Prinzip mit einem wieder auskommen. Ebenso wie Dowty lehnt sie aber abstrakte Operatoren in der Syntax ab. Deswegen bleibt ihr der Weg zu einer konsequenten Skopusanalyse verstellt. Ihr Werk enthält aber viele scharfsinnige Beobachtungen zu den Fakten des Deutschen. Das Papier ist auch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert: es ist der erste Vorschlag, in dem in einer Präsupposition eine gebundene Variable vorkommt. Das Standardwerk zur rekursiven Berechnung von Präsuppositionen (auch konventionelle Implikaturen genannt), war damals noch (Karttunen and Peters, 1979). In dieser sehr komplizierten Arbeit werden Präsuppositionen so berechnet, dass sie niemals Variablen enthalten, die durch einen Quantor der Satzintension gebunden sind. Sätze wie Hans putzte jeden Stiefel wieder/erneut können Karttunen und Peters nicht behandeln. Ebenfalls ein axiomatischer Ansatz zu Mehrdeutigkeiten, die bei Kausativen + wieder entstehen, liegt mit (Kamp and Rossdeutscher, 1994a, Kamp and Rossdeutscher, 1994b) vor. Es ist schwierig, etwas zur Einordnung dieses Systems zu sagen, da sich die Darstellung innerhalb der DRT bewegt, ohne das diskutiert wird, wie die als DRSen dargestellen LFs aus der Syntax gewonnen werden. (Klein, 2001) enthält viele Daten zu wieder, die zeigen, dass die hier vorgestellte Semantik für wieder noch zu einfach ist („Hier ist wieder ein Baum“). Kleins Ansatz wird in (Beck and Snyder, 2001) präzisiert. Die Grundidee ist, dass wieder noch eine anaphorische Variable enthält, die sich auf das Vorgängerereignis bezieht. Stimmt nicht. Eine neue Arbeit, die Dekomposition in der Syntax ablehnt, ist (Jäger and Blutner, 2000) und 000. Die Autoren führen ein Beispiel an, dass die Dekompositionstheorie angeblich nicht behandeln kann: (1-66) In New Jersey haben sich wieder Delawaren angesiedelt. Jäger & Blutner haben eine Lesart im Sinn, bei der Delawaren durch Übersiedlung

bewirken, dass es dort wieder welche angesiedelt sind. Es sind also nicht dieselben, die dort schon mal gesiedelt haben. Man kann den Satz also nicht einfach analysieren als: (1-67) (x)[Delawaren x & wieder CAUSE(x, x sind in N.J. angesiedelt)] Unser System legt tatsächlich so etwas zunächst nahe, aber das kann es eben nicht sein. Die Alternative, die Jäger & Blutner vorschlagen, ist ein axiomatischer Ansatz, der mit undurchsichtigen Postulaten arbeitet, aus denen die Fakten irgendwie hergeleitet werden. Ich habe mich dazu in (von Stechow, 2003) geäußert. Diese Arbeit steht also auch in der alten axiomatischen Tradition Dowtys, welche die Tugend in einer komplizierten Logik, aber dafür einfachen Syntax sieht. Ich meine, die Lösung von Jäger und Blutners Problem sieht ungefähr so aus. CAUSE darf hier nicht persönlich interpretiert werden, sondern die Ursache für das Übersiedeln ist ein Ereignis. Die Analyse sieht etwa so aus: (1-68) (e) CAUSE(e, wieder Delawaren sind in N.J. angesiedelt) Der Satz sagt nicht, wer das Agens des Ereignisses ist. Die plausible Annahme ist, dass es sich dabei um Delawaren handelt. Freilich muss dies präzisiert werden. Das Tempus muss integriert werden, und Ereignisse müssen in die Semantik. Hier ist das noch nicht geleistet. Ich denke also, dass der differenzierte dekompositionelle Ansatz, der hier vorgestellt ist, der meistversprechende ist. Er ist im Vergleich mit allen Konkurrenten bei weiten am einfachsten und liefert eine prinzipielle Erklärung für die beobachteten Mehrdeutigkeiten: es handelt sich um eine Skopusmehrdeutigkeit. Das in Abschnitt 0 angesprochene Problem, dass Allquantoren in Kausativen eine Distribution der Ereigniszeit über die Referenzzeit erfordern, ist zuerst in (Cresswell, 1979) gesehen worden. Cresswells Formalisierung ist ganz kompliziert. Er steckt die Distribution in den Allquantor, also in jeder. Dies führt zu einem völlig undurchsichtigen System, das von Dowty übernommen wird. Die Erklärung dieses Phänomens mittels des Perfektivoperators stammt nach meiner Kenntnis von mir. Die hier angenommene Grammatikarchitektur hat sich für mich über die Jahre entwickelt. Die wesentlichen Bestandteile sind in (von Stechow, 1996a) und (Rapp and von Stechow, 1999) eingeführt worden. Eine sehr ähnliche Konzeption der Syntax/Semantik-Schnittstelle liegt in (Kratzer, 1998) vor. Sehr viele Arbeiten zur Dekomposition wollen klären, was das Zustandspassiv ist. Das Zustandspassiv wird in meiner Analyse als Grundbegriff angenommen. Aber es gibt offensichtlich einen semantischen Zusammenhang zwischen schreiben und geschrieben sein. Es ist nur sehr schwierig zu sagen, worin der genau besteht. Alle Theorien, die ich kenne, stimmen irgendwo nicht. Das gilt auch für meine eigenen Vorschläge. Meilensteine zum Zustandspassiv sind (Kratzer, 1994), (Kratzer, 2000), (Kratzer, 2003). Für das Deutsche ist (Rapp, 1996, Rapp, 1997) wichtig. Rapp gibt allerdings keine Semantik für ihre Notationen an. Sie sind im Stil der generativen Grammatik gehalten, und man muss sich die Interpretation hinzu denken. Die wesentlichen Fundstellen für den Zusammenhang von interpretierten und nichtinterpretierten Merkmalen sind die Schriften von Hedde Zejlstra.

Appendix: Rechnungen Behauptung 1.

Wir zeigen, dass der Baum (1-24) den folgenden Charakter ausdrückt: c.s.(l)[l ist im Eisschrank in & [Fritz bewirkt* in s zu Presc [λ s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an l]] Beweis Sei (c,s) ein beliebiger Referenzpunkt [[  in dem Eisschrank l [[CAUSE [das Bier tl steh]] Fritz] Pres] ]] (c)(s) = [[  in dem Eisschrank ]] (c)(s)( [[l [[CAUSE [das Bier tl steh]] Fritz]Pres]]] (c)(s)) FA = Plt.(l)[l ist im Eisschrank in & Plt(l)] ([[l [[CAUSE [das Bier tl steh]] Fritz]Pres]]] (c)(s)) (*) Bed. von [[  in dem Eisschrank ]] (c)(s) Zwischenrechnung 1: [[l [[CAUSE [das Bier tl steh]] Fritz]Pres]]] (c)(s) = xl.[[ [[CAUSE [das Bier tl steh]] Fritz]]]] g[1/x](c)(s)(Presc) Abstraktion, FA, Bedeutung von Pres und -Konversion = [xl.[[ CAUSE ]] (c)(s)( [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c))([[ Fritz]] (c)(s))(Presc)] FA mit -Konversion; IFA: das s-Argument von des CAUSE-Komplements verschwindet; g[1/x] ist bei den Argumenten ohne freie Variablen fortgelassen (Koinzidenzlemma) = [xl.[[ CAUSE ]] (c)(s)( [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c))(Fritz)(Presc)] Bed. von Fritz, -Konversion = [xl[c.s.Ps(it).y.t. y bewirkt* in s zu t [s’.P(s’)(End(t))]](c)(s) ( [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c))(Fritz)(Presc)] Bed. CAUSE = [xl[Ps(it).y.t. y bewirkt* in s zu t [s’.P(s’)(End(t))]] ( [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c))(Fritz)(Presc)] -Konversion = [xl[y.t. y bewirkt* in s zu t [s’. [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c)(s’)(End(t))]] (Fritz)(Presc)] -Konversion = [x  Dl[Fritz bewirkt* in s zu Presc [s’. [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c) (s’)(End(Presc))]] (**) Zwischenrechnung 2: s’. [[ das Bier tl steh ]] g[1/x](c)(s’)(End(Presc)) = s’. [[ steh]] (c)(s’)([[ t1]] g[1/x](c)(s’))([[ das Bier]] (c)(s’))(End(Presc)) FA = s’. [[ steh]] (c)(s’)(x)([[ das Bier]] (c)(s’))(End(Presc)) Variablenregel = s’.das Bier steht in s’ zu End(Presc) an x Bed. von steh und das Bier, 4 X -Konversion Also gilt: (**) = xl[Fritz bewirkt* in s zu Presc [s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an x] (**) in (*) eingesetzt ergibt: Plt(l)[l ist im Eisschrank in & P lt(l)]

(xl[Fritz bewirkt* in s zu Presc [s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an x]) = (l)[l ist im Eisschrank in & xl[Fritz bewirkt* in s zu Presc [λ s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an x](l)]

-Konversion

= (l)[l ist im Eisschrank in & [Fritz bewirkt* in s zu Presc -

[λ s’. das Bier steht in s’ zu End(Presc) an l]] Konversion Q.E.D. Behauptung 2.

Wir zeigen, dass steh + CAUSE den Charakter c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t s’.[x steht in s’ zu End(t) an l]] ausdrückt. [[ stehl(e(it)) CAUSE(s(l(e(it))))(l(e(e(it)))]] = c.s.[[ CAUSE]] (c)(s)([[ steh-]] (c))

IFA

= c.s.[c.s.Ps(l(e(it))).l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’.P(s’)(l)(x)(End(t))](c)(s) ([[ steh-]] (c))

Bed. CAUSE

= c.s.[Ps(l(e(it))).l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’.P(s’)(l)(x)(End(t))]([[ steh-]] (c)) -Konversion = c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’. [[ steh-]] (c) (s’)(l)(x)(End(t))] -Konversion = c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’.[c'.s“.l.z.t.z steht in s“ zu t an l](c)(s’)(l)(x)(End(t))]

Bed. steh-

= c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t [s’.[l.z.t.z steht in s’ zu t an l](l)(x)(End(t))] -Konversion: der Abstraktor c’ läuft leer und verschwindet. = c.s.[l.x.y.t.y bewirkt* in s zu t s’.[x steht in s’ zu End(t) an l]] Man sieht, dass diese Bedeutung korrekt ist. Man sieht auch, dass die Kausativierung kognitiv eine ziemlich komplexe Angelegenheit ist. Um die Verbbedeutung auszurechnen, haben wir sehr viele Schritte benötigt. In der Kognition laufen diese Schritte völlig mechanisch ab, so wie auch diese Rechnung völlig mechanisch ist. Behauptung 3

t

lt t PP



lt

lt e lt P in

e das Regal

t S



i Past 5

it VP

e it VP

e Ede

s it eti CAUSE

it it it wieder

it VP e DP die Bibel

e it V' l t2

l e it V steh

Wir überlegen uns zunächst, welchen Charakter der Teilsatz wieder die Bible t2 steh für eine beliebige Belegung g ausdrückt. [[ wieder die Bibel t2 steh]] g = c.s.[[ wieder]] g(c)(s)([[ die Bibel t2 steh]] g(c)(s)) FA g = c.s.Pit.t:(t’)[t’ < t & P(t’)].P(t) ([[ die Bibel t2 steh]] (c)(s)) Bed. von wieder + -Konversion = c.s.t:(t’)[t’ < t & [[ die Bibel t2 steh]] g(c)(s)(t’)]. [[ die Bibel t2 steh]] g(c)(s)(t) -Konversion = c.s.t:(t’)[t’ < t & Die Bibel in s steht zu t’ an g(t2)]. Die Bibel steht in s’ zu t an g(t2)] Durch eine Rechnung der üblichen Art stellen wir dann fest, dass für dieses g der Baum [[ Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh]]] g = c.s.(t’)[t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an g(t2)]. Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an g(t2)] Im nächsten Schritt wird die Variable t2 durch den QR-ten Quantor  in das Regal gebunden, d.h. unser g muss nun modifiziert werden: [[ 2 Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh]]] g = xl. [[ Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh]]] g[2/x] Abstraktion = c.s.x.(t’)[t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an g[t2/x](t2)]. Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an g[t2/x](t2)] = c.s.x.(t’)[t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an x]. Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an x] Wir setzen voraus, dass wir bereits die Bedeutung für die lokale Ergänzung berechnet haben: [[  in das Regal ]] = c.s.Plt.(l)[l ist in dem Regal in s & P(l)] Damit können wir den Gesamtcharakter mittels FA berechnen, und zwar für eine beliebige Belegung g:

[[ in das Regal 2 Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh] ]] g = c.s.[[  in das Regal ]] g (c)(s) ([[ 2 Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh] 2 Past Ede CAUSE [wieder die Bibel t2 steh]]] g(c)(s)) FA = c.s.Plt.(l)[l ist in dem Regal in s & P(l)](x.(t’)[t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an x]. Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an x) Berechnete Bedeutungen + -Konversion = c.s.(l)[l ist in dem Regal in s & [x.(t’)[t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an x]. Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an x](l)] -Konversion = c.s.(l)[l ist in dem Regal in s & (t’: t’ < Pastc & Die Bibel steht in s zu t’ an l) Ede bewirkt* in s s’.die Bibel steht in s’ zu End(Pastc) an l]]

v.Stechow

Ausdruck:

30

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