Der Mainzer Katholizismus und der Erste Weltkrieg

January 8, 2018 | Author: Anonymous | Category: Geschichte, Weltgeschichte
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Der Mainzer Katholizismus und der Erste Weltkrieg

Hausarbeit zur Erlangung des Akademischen Grades

Master of Education vorgelegt dem Fachbereich 01 – Katholische Theologie und Evangelische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

von

Simon Brößner geboren am 24.03.1989 in Viernheim Matrikelnummer: 2663632

2015

Studienfächer:

Katholische Religionslehre Geschichte Bildungswissenschaften

Erstgutachter: Zweitgutachter:

Univ.-Prof. Dr. theol. Claus Arnold PD Dr. theol. Christoph Nebgen

Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ................................................................................................................................... 3 1.1 Ausgangssituation und Forschungsstand............................................................................. 3 1.2 Herleitung der Fragestellung ............................................................................................... 5 1.3 Forschungsmethode............................................................................................................. 9 1.4 Aufbau der Arbeit ............................................................................................................. 11 2 Die Lehre vom gerechten Krieg ............................................................................................... 13 2.1 Der deutsche Katholizismus und die Lehre vom gerechten Krieg .................................... 13 2.2 Der Mainzer Katholizismus und die Lehre vom gerechten Krieg ..................................... 15 3 Die Causa Belgien .................................................................................................................... 17 3.1 Die Verletzung der Neutralität Belgiens ........................................................................... 17 3.1.1 Der Deutsche Katholizismus und die Verletzung der Neutralität Belgiens ............... 18 3.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Verletzung der Neutralität Belgiens ................. 18 3.2 Der Vorwurf der Gräueltaten ............................................................................................ 20 3.2.1 Der Vorwurf der Gräueltaten und der deutsche Katholizismus ................................. 21 3.2.2 Der Vorwurf der Gräueltaten und der Mainzer Katholizismus .................................. 23 4 Die Causa Frankreich ............................................................................................................... 26 4.1 Die Absprache der Religiosität Frankreichs ...................................................................... 26 4.1.1 Die Absprache der Religiosität Frankreichs im deutschen Katholizismus................. 26 4.1.2 Die Absprache der Religiosität Frankreichs im Mainzer Katholizismus ................... 28 4.2 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ ....................................................................... 32 4.2.1 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ und der deutsche Katholizismus ............ 32 4.2.2 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ und der Mainzer Katholizismus ............ 33 4.3 Die Kathedrale von Reims ................................................................................................ 36 4.3.1 Der deutsche Katholizismus und die Kathedrale von Reims ..................................... 37 4.3.1 Der Mainzer Katholizismus und die Kathedrale von Reims ...................................... 37 5 Die Causa Italien ...................................................................................................................... 39 5.1 Die Lösung der Römischen Frage ..................................................................................... 39 5.1.1 Der deutsche Katholizismus und die Lösung der Römischen Frage .......................... 40 5.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Lösung der Römischen Frage........................... 41 5.2 Die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung ................................................................................................................................................. 46 5.2.1 Der deutsche Katholizismus und die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung ............................................................................. 46 5.2.2 Der Mainzer Katholizismus und die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung ............................................................................. 46 6 Die Päpste Pius X. und Benedikt XV. ...................................................................................... 53 6.1 Die Friedensbemühungen der Päpste ................................................................................ 53 6.1.1 Der deutsche Katholizismus und die Friedensbemühungen der Päpste ..................... 54 1

6.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Friedensbemühungen der Päpste ...................... 55 6.2 Die deutsche Friedensinitiative von 1916 ......................................................................... 65 6.3 Die Neutralität des Papstes ................................................................................................ 66 6.3.1 Der deutsche Katholizismus und die Neutralität des Papstes ..................................... 66 6.3.2 Der Mainzer Katholizismus und die Neutralität des Papstes ..................................... 67 7 Fazit .......................................................................................................................................... 70 7.1 Ergebnisse der Arbeit ........................................................................................................ 70 7.2 Ausblick auf weiterführende Studien ................................................................................ 72 8 Literaturverzeichnis.................................................................................................................. 74 8.1 Quelle ................................................................................................................................ 74 8.2 Sekundärliteratur ............................................................................................................... 74 8.3 Internetquellen................................................................................................................... 86 Selbstständigkeitserklärung ......................................................................................................... 87

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1 Einleitung

1 Einleitung 1.1 Ausgangssituation und Forschungsstand Im August vor hundert Jahren brach er aus1: Der Erste Weltkrieg. 2 Dieser Krieg, der für die Deutschen bis zum 11. November 1918 dauerte,3 sollte im Nachhinein als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts („the great seminal catastrophe of this century“4) in die Forschung eingehen.5 Bis heute ist der Erste Weltkrieg ein viel diskutiertes Themenfeld in der Geschichtsschreibung.6 Dementsprechend hat die historische Forschung zum Ersten Weltkrieg mittlerweile eine gewaltige Menge an Literatur hervorgebracht, 7 selbst wenn der Geschichtsschreibung zum Zweiten Weltkrieg lange Zeit eine höhere Bedeutung zugekommen ist.8 Vor allem in der letzten Dekade ist dabei ein wesentlicher Zuwachs an Forschungsliteratur zu verzeichnen.9 Dabei lag der Schwerpunkt in der westdeutschen Geschichtsschreibung nach dem Zweiten Weltkrieg10 bis in die 1960er Jahre auf der Politikgeschichte. Diese wurde in den 1970ern von sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Untersuchungen abgelöst.11 Seit den 1 2

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Der Großteil dieser Arbeit wurde im Jahr 2014 verfasst. Die Bezeichnung „Erster Weltkrieg“ wurde von Oberst Charles à Court Repington einem Militärkorrespondent der Londoner Times in seinem 1920 erschienen Werk „The First World War, 1914-1918“, geprägt. Manche Historiker denken, dass eher der Siebenjährige Krieg (1756-1763) diesen Namen beanspruchen kann. Für die meisten Zeitgenossen war es „the great war“/„la Grande Guerre“/„la Grande Guerra“. Nur die Deutschen bezeichneten ihn von Beginn an als Weltkrieg. Vgl. Howard, Weltkrieg, S. 19f. Auch wenn manche Forscher den Zeitraum von 1914 bis 1945 als „Zweiten Dreißigjährigen Krieg“ zusammenfassen und bereits einige Zeitgenossen den Friedenschluss 1918/19 nicht als Endes des Krieges ansahen (vgl. Greschat, Kirchen, S. 109; Winter [u.a.], Einleitung S. 10f.), gibt es viele Argumente die für eine Eigenständigkeit des Ersten Weltkrieges sprechen. Vgl. Neitzel, Ursachen, S. 13. Daher hat sich der überwiegende Teil der Forscher für den 11. November 1918, an dem es zur Unterzeichnung des Waffenstillstands kam als Ende des Ersten Weltkrieges entschieden. Vgl. Bihl, Weltkrieg, S. 248; Lätzel, Kirche, S. 56. Diese Bezeichnung, die von der aktuellen Forschung weitestgehend akzeptiert ist, geht auf den amerikanischen Historiker und Diplomaten George F. Kennan zurück. Vgl. Kennan, decline, S. 3. Vgl. Berghan, Weltkrieg, S. VII; 11. Vgl. Geinitz, Kriegsfurcht, S. 9; Winter [u.a.], Einleitung, S. 7. Auch in Mainz hat der Erste Weltkrieg aktuell eine große Bedeutung. Dies beweisen die anlässlich des Zitadellenfestes am 13.9.2014 gehaltenen Vorträge über die Rolle von Mainz im Ersten Weltkrieg und die Ausstellung auf der ehemaligen Festung. Vgl. Flyer, Zitadellenfest. Vgl. Fesser, Deutschland, S. 114; Neitzel, Ursachen, S. 13. Vgl. Hummel/Kösters, Einführung, S. 10f., Neitzel, Ursachen, S. 16, Scheidgen, Bischöfe, S. 1. Vor allem der 90. und 100. Jahrestag des Ausbruches des Ersten Weltkrieges haben zu einem gewaltigen Anstieg der Weltkriegsforschung geführt. Vgl. Berghan, Weltkrieg, S. VIII; Nübel, Forschung S. 1. Da die vorherige Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg meist den heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt, wird hier darauf verzichtet diese Entwicklung zu skizzieren. Sie kann bei Krumeich/Hirschfeld, Geschichtsschreibung, S. 304-308 und Neitzel, Ursachen, S. 13 nachverfolgt werden. Vgl. Bauerkämper/Julien, Einleitung, S. 11; Geinitz, Kriegsfurcht, S. 11; König, Agitation, S. 23; Nübel, Forschungen S. 1.

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1 Einleitung

1980er Jahren dominieren die erfahrungsgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen12 Fragestellungen, wobei vor allem der Alltag und die Mentalitäten berücksichtigt werden.13 So gerieten Tagebücher, Fotografien, Feldpost und Frontzeitungen in den Fokus der Historiker.14 Nach der Jahrtausendwende kam es zu einer Vielzahl von Gesamtdarstellungen und kurzen Überblickwerken, in denen sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte zusammengeführt wurden. Hier ist Neitzels „Weltkrieg und Revolution“ zu nennen. Daneben bietet die von Hirschfeld [u.a.] herausgegebene „Enzyklopädie Erster Weltkrieg“, in der mehr als 140 internationale Experten zu Wort kommen, einen globalen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Ersten Weltkrieg.15 Innerhalb des weiten Forschungsgebietes des Ersten Weltkrieges befindet sich die vorliegende Studie in der Schnittmenge von Katholizismusforschung und regionalgeschichtlicher Studien zu Mainz. Bemängelt Scheidgen noch 1991, dass der Katholizismus im Ersten Weltkrieg nicht umfangreich genug erforscht sei,16 behauptet Geinitz sieben Jahre später, dass die Forschung über die katholischen Kirche im Ersten Weltkrieg auf einem breiten Fundament an wissenschaftlicher Literatur beruhe.17 Mittlerweile existieren neben vielen grundlegenden überblicksartigen Werken über den Katholizismus im Ersten Weltkrieg18 auch wenige regionalgeschichtliche Studien.19 Ebenfalls gibt es Untersuchungen zu einzelnen Gruppierungen innerhalb des deutschen Katholizismus, wie beispielsweise Untersuchungen zur Zentrumspartei20, zu deutschen Soldaten21 und zum Episkopat und anderen Geistlichen.22 Eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse, die sich gut für einen Einstieg in die Thematik eignet, gelang vor kurzem Lätzel, wobei er, wie er selbst zugibt, keine neuen wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert und sich größtenteils auf den deutschen Katholizismus beschränkt. 23 Um einen ersten internationalen

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Einen umfassenden Überblick über aktuelle Forschungstendenzen zur Kultur und Sozialgeschichte des Ersten Weltkrieges in Großbritannien und Deutschland bietet Nübel, Forschungen. Vgl. König, Agitation S. 23; Krumeich/Hirschfeld, Geschichtsschreibung, S. 312. Vgl. Krumeich/Hirschfeld, Geschichtsschreibung, S. 310f. Vgl. Nübel, Forschungen, S. 31f. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 4-10. Vgl. Geinitz, Kriegsfurch S. 184. Baumeister, Parität; Gatz, Kirche; Gründer, Nation; Hürten, Katholizismus; Ders. Kirche; Lutz, Katholiken; Loth, Katholizismus; Strötz, Katholizismus. Geinitz, Kriegsfurcht; Göbel, Katholiken. Loth, Katholiken. Haidl, Ausbruch. Scheidgen, Bischöfe; Missalla, Gott. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 10.

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1 Einleitung

Überblick zu erhalten, sei auf Greschat verwiesen, der skizzenartig die staatsübergreifende Rolle des Christentums behandelt.24 Die jüngste Katholizismusforschung beschäftigt sich vor allem mit der religiösen Deutung des Krieges.25 Schließlich sei auf den von Berkessel herausgegebenen Band „Mainz und der Erste Weltkrieg“ hingewiesen. Dort wird allerdings nicht explizit auf den Katholizismus im Ersten Weltkrieg eingegangen. Stumme vertritt in seinem Beitrag „Kriegsbeginn und ,Augusterlebnis‘ im Spiegel der Mainzer Presse“ lediglich die These, dass dort der erste Weltkrieg vom Mainzer Katholizismus begrüßt worden sei.26

1.2 Herleitung der Fragestellung Der Erste Weltkrieg stellte gerade für den Katholizismus27 im Deutschen Kaiserreich eine besondere Chance, aber zugleich auch eine Herausforderung dar. Die aktuelle Forschung ist sich weitestgehend darin einig, dass die Katholiken den Ersten Weltkrieg als Gelegenheit sahen, ihren Pariahstatus28 im protestantisch-liberal geprägten Deutschen Reich zu überwinden. Wenn man, so die damals gängige Meinung der Katholiken, die nationale Zuverlässigkeit unter Beweis stelle, könne man dem Vorwurf der Reichsfeindlichkeit29 widerlegen und somit die Integration in den 1871 geschaffenen Nationalstaat vollenden.30 Dies würde zu der lang ersehnten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Gleichberechtigung führen.31 Zwar waren die Katholiken 1914 bereits weitestgehend in den Nationalstaat integriert32 und hatten vor allem im Südwesten Deutschlands seit Beginn des

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Vgl. Greschat, Christenheit, S. 13. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 37; Hummel/Kösters, Einführung S. 13. Hier sei auf Holzem, Krieg und Christentum und den von Korff herausgegebenen Sammelband: Alliierte im Himmel verwiesen. Ebenso gehören Holzem/Holzapfel, Kriegserfahrung und Schlager, Kult dazu. Vgl. Stumme, Kriegsbeginn, S. 50. Mit Katholizismus sind in der vorliegenden Studie alle Anschauungen und Haltungen, die sich an den Grundvorgaben der römisch-katholischen Kirche orientieren, gemeint. Vgl. Beinert, Katholizismus, Sp. 888; Haidl, Katholizismus, S. 607. Entlehnung vom amerikanisch-englischen pariah für „Ausgestoßene“/„Außenseiter“. Vgl. Mommsen, Umdeutung, S. 252; Mommsen, Erster Weltkrieg, S. 170. Der Vorwurf der Staatsfeindlichkeit ergab sich daraus, dass den Katholiken „Ultramontanismus“, also eine besondere Rom- und Papsttreue vorgeworfen wurde. In den Augen der Protestanten konnte man aber nur entweder dem Papst, oder dem Kaiser und der Nation gegenüber loyal zu sein. Die Katholiken hätten sich für den Papst entschieden. Während des Kulturkampfes wurde Ultramontanismus daher oft auch als Schimpfwort genutzt. Vgl. Conzemius, Katholizismus, Sp. 893; Ders., Kirchen S. 49; Göbel, Katholiken S. 19; Lätzel, Kirche, S. 22; 39ff.; Weiß, Ultramontanismus, S. 512f.; 528f. Vgl. Burkard, Kaiser, S. 46; Geinitz, Kriegsfurcht, S. 185; Göbel, Katholiken S. 12; Kretschmann, Herr, S. 58; Lätzel, Kirche, S. 32; Leonhard, Weltkrieg Sp. 1443; Loth, Katholiken, 280; Lutz, Demokratie, S. 21; Schatz, Kirchengeschichte, S. 132; Strötz, Katholizismus, S. 216. Vgl. Betker, Einleitung, S. 21; Bruendel, Zeitenwende, S. 61; Göbel, Katholiken S. 12; Loth, Katholiken, S. 279; Schlager, Kult, S. 40. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 195f; Strötz, Katholizismus, S. 181.

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19. Jahrhunderts einen großen Anteil an der Nationalisierung,33 dennoch fühlten sie sich kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges als „Bürger zweiter Klasse“34 behandelt und meinten, im Vergleich zur protestantischen Mehrheit35 benachteiligt zu werden.36 Tatsächlich waren die Katholiken in den hohen gesellschaftlichen Ämtern unterrepräsentiert, wie ein Blick in die Leitungsfunktionen des Militärs, der Politik, der Wissenschaft und der Staatsverwaltung bestätigt. Entsprechend hatten sie im Schnitt ein geringeres Einkommen als ihre protestantischen Mitbürger.37 Lätzel weist darauf hin, dass dies auch der niedrigeren Bildung geschuldet gewesen sein könne.38 Die Katholiken waren überzeugt, wenn sie sich in der Stunde der Gefahr von niemandem an nationaler Gesinnung überbieten ließen, müssten alle Zweifel und Vorurteile im Blick auf die nationale Zuverlässigkeit verstummen und man könne sie nach dem Krieg nicht länger von der Teilhabe an der Macht ausschließen.39 Bestärkt wurde diese Hoffnung durch eine Rede Kaiser Wilhelms II. Anfang August 1914, in der er statt unterschiedlicher Klassen, Parteien und Konfessionen nur noch Deutsche kennen wollte.40 Doch war es für die Katholiken überhaupt legitim solch eine Chance zu nutzen? Gerieten sie nicht vielmehr durch einen Krieg automatisch in einen Konflikt mit dem traditionell katholischen Prinzip des Universalismus?41 Der Erste Weltkrieg bedeutete für den deutschen Katholizismus dementsprechend eine Herausforderung. So war jeder Katholik einerseits Staatsbürger einer Nation und somit gegenüber dem protestantischen Kaisertum und dem deutschen Nationalstaat verpflichtet. Andererseits war man aber auch Katholik und dadurch Mitglied einer universalen Kirche

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Vgl. Lätzel, Kirche, S. 43, Scheidgen, Bischöfe, S. 20; Stambolis, Nationalisierung, S. 96. Vor allem die konfessionelle Inhomogenität der Vereinskultur im Südwesten des Deutschen Reiches begünstigte diese Nationalisierung. Vgl. Stambolis, Nationalisierung, S. 69-73. Burkard, Kaiser, S. 46; Strötz, Katholizismus, S. 175. Bei der letzten Volkszählung 1910 waren 36,7% (23,8 Millionen) aller Deutschen katholisch. Zudem war das Zentrum mit 16,3% der Stimmen im Reichstag vertreten. Als Katholik gehörte man dement sprechend zu einer zahlenmäßig starken sowie, zu einer politisch einflussreichen, aber wenig geachtet Minderheit im Deutschen Kaiserreich. Vgl. Fesser, Tagen, S. 128; Hürten, Kirche S. 725; Haidl, Katholizismus, S. 607; Lutz, Demokratie S. 9; 16; Strötz, Katholizismus, S. 172. Vgl. Burkard, Kaiser, S. 46; Greschat, Christenheit S. 17. Vgl. Baumeister, Parität; S. 23ff; 33ff.; Göbel, Katholiken, S. 74; Lätzel, Kirche, S. 32. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 32. Vgl. Greschat, Christenheit, S. 17; Loth, Katholiken S. 28, Strötz, Katholizismus, S. 216. Auch im Mainzer Journal (in Zukunft mit MJ abgekürzt) wird diese Hoffnung geäußert. Vgl. Kriegserkenntnisse, in: MJ 26.11.1915. Vgl. Loth, Katholiken, S. 279; Schlager, Kult, S. 40. Auch das MJ berichtet von dieser Rede. Vgl. Ansprachen des Kaisers und des Reichskanzlers, in: MJ 03.08.1914. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 89; Lutz, Demokratie S. 47. Dass sich der Mainzer Katholizismus dieser Problematik durchaus bewusst war, beweisen Artikel wie beispielsweise: Papsttum und Weltfriede, in: MJ 24.02.1917; Papsttum und Weltfriede, in: MJ 05.05.1917 und Der Internationalismus der katho lischen Kirche, in: MJ 20.07.1918.

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mit dem Papst als Oberhaupt.42 Anders ausgedrückt stand der Katholizismus während des Weltkrieges im Spannungsverhältnis zwischen Nationalismus43 auf der einen und Universalismus sowie Ultramontanismus44 auf der anderen Seite.45 Viele Historiker sind sich dahingehend einig, dass sich der deutsche Katholizismus im Ersten Weltkrieg mehrheitlich46 für die Nation und gegen die christlichen Werte entschieden habe. Die deutschen Katholiken hätten vor allem beweisen wollen, dass sie gute Deutsche seien. 47 Aus der völkerverbindenden kirchlichen Gemeinschaft sei so eine Kirche geworden, die ausblendete, dass in anderen Ländern ebenfalls Katholiken mit derselben Tradition, den gleichen Dogmen und Hierarchien und vor allem dem gleichem Credo wohnten.48 „Aus der Friedensbotschaft des Evangeliums und der universalen göttlichen Liebe wurde die Verkündigung eines brutalen nationalen Götzen.“49 Doch gerade die neuere Forschung weist darauf hin, dass die Haltung der Katholiken differenzierter betrachtet werden muss.50 Dies beweisen Spezialstudien, wie die von Scheidgen, Göbel und Geinitz.51 Daher bieten sich weitere Detailstudien an. Gerade der Mainzer Katholizismus ist in dieser Hinsicht ein interessantes Beispiel, da Mainz an der Entstehung des Ultramontanismus während der Napoleonischen Zeit entscheidenden Anteil hatte und daher als extrem ultramontan galt.52 Zwar hatte diese Haltung zwischenzeitlich durch Einwirken der hessischen Landesregierung nachgelassen, doch die Einstellung der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandenen „zweiten Mainzer Theologenschule“ kann wieder als kirchenstreng und papstloyal bezeichnet werden.53 So lehnten ihre Anhänger moderne philosophische und theologische Ansätze ab 42

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Vgl. Göbel, Katholiken, S. 34; Hürten, Kirche, S. 725; Kretschmann, Herr, S. 58; Lätzel, Kirche, S. 177; Pollard, Pope, S. 94; Schlager, Kult, S. 42. Die vorliegende Arbeit verwendet den Begriff „Nationalismus“ im Sinne einer politisch gesellschaftlichen Einstellung, die der Nation den absoluten Vorrang vor anderen Bindungen, wie zum Beispiel der Religion, zumisst. Vgl. Koschorke, Nationalismus, Sp. 68. Auch wenn Weiß schreibt die Definition Ultramontanismus als Papsttreue sei zu kurz gegriffen, ist dies für die vorliegende Arbeit ausreichend. Vgl. Weiß, Ultramontanismus S. 514 und Anm. 29 der vorliegenden Arbeit. Zur genaueren Definition siehe Weiß, Ultramontanismus und Schulte Umberg, Berlin. Vgl. Göbel, Katholiken S. 14f.; Hürten, Kirche S. 725; Haidl, Katholizismus, S. 607. Eine Ausnahme war zum Beispiel Julius Bachem. Vgl. Loth, Katholiken, S. 285. Vgl. Greschat, Kirchen, S. 105; Hope, world wars, S. 131f.; Hürten, Geschichte, S. 183; Kirchner, Papsttum, S. 80f; Lätzel, Kirche, S. 31; 41; Maron, Kirche, S. 262; Schlager, Kult, S. 42; Schreiner, Helm, S. 96. Vgl. Kretschmann, Herr S. 59; Lätzel, Kirche, S. 199. Greschat, Christenheit, S. 13. Vgl. Werner, Gott, S. 69. Geinitz, Göbel und Scheidgen kommen zu dem Schluss, dass der jeweils von Ihnen untersuchte Teil des Katholizismus keinem bedingungslosen Nationalismus, der jeden Gedanken an die Universalität des Christentums ausblendete, verfiel. Vgl. Geinitz, Kriegsfurcht, S. 195; Göbel, Katholiken, S. 64; Scheidgen, Bischöfe, S. 60; S. 362. Im Hauptteil dieser Studie wird darauf genauer eingegangen. Vgl. Weiß, Ultramontanismus, S. 518f. Vgl. Arnold, Friedrich, S. 16f; Braun, Bistum, S. 1169; Ders., Mainz, S. 947; Kläger, Mainz, S. 442.

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und versprachen sich „Orientierung von dem Blick über die Alpen nach Rom“54. Geprägt wurde diese „zweite Mainzer Theologenschule“ vor allem durch Bischof Haffner55, Domdekan Heinrich56, Regens Moufang57 sowie Bischof Brück58, der als konservativ und antiaufklärerisch galt.59 Auch der 1848 von Domdekan Lennig60 gegründete „Verein für religiöse Freiheit“61 demonstriert die ultramontane Einstellung der damaligen Mainzer Katholiken, indem er sich bei seiner ersten Mitgliederversammlung in „Piusverein“ umbenannte.62 Ein weiterer Beleg für die papsttreue Haltung der Mainzer Bistumsleitung ist, dass Domkapitular Schneider63 auf Grund seines Versuchs in den 1880er Jahren sich von einer ultramontanen Sichtweise zu lösen eine Außenseiterrolle in Domkapitel und Diözese innehatte und angesichts der kirchenpolitischen Verhältnisse in Mainz unter den Bischöfen Brück und Kirstein64 resignierte.65 Allerdings schien kurz vor dem Ersten Weltkrieg die Hochburg des Ultramontanismus umgeschwenkt zu sein, wie der Gewerkschaftsstreit belegt. In dieser Auseinandersetzung innerhalb des deutschen Katholizismus, ging es darum, ob die Zentrumspartei und die christlichen Gewerkschaften autonom oder von Rom abhängig und der katholischen Hierarchie untergeordnet sein sollten.66 Der deutsche Katholizismus teilte sich dabei in zwei Lager: Die Anhänger der „Berliner Richtung“ wollten eine engere Bindung an Rom und befürworteten den antimodernistischen Weg Pius X.67 Die Gegenseite, die „Köln-Mönchengladbach Richtung“, vertrat einen Reformkatholizismus mit einer stärkeren Unabhängigkeit von Papst und kirchlicher Hierarchie.68 Die katholischen Arbeiter des Bistums Mainz waren mehrheitlich im „Verband 54 55 56

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Arnold, Friedrich, S. 14. Paul Leopold Haffner (1829-1899) ab 1886 Bischof von Mainz Vgl. Braun, Bistum, S. 1142;1168. Domdekan Johann Baptist Heinrich (1816-1891) war ab 1869 Mainzer Generalvikar. Zudem war er Professor für Dogmatik. Vgl. Braun, Bistum, S. 1168; Schwerdtfeger, Kirche, S. 21. Franz Christoph Ignaz Moufang (1817-1890) war nach dem Tode Bischof Kettelers 1977 bis zu der Ernennung Haffners Bistumsverweser und später Regens in Mainz. Braun, Bistum, S. 1168; Schwerdtfeger, Kirche, S. 21. Dr. Heinrich Brück (1831-1903), ab 1899 Bischof von Mainz. Vgl. Braun, Bistum S.1146f; Vgl. Jürgensmeier, Bistum, S. 302. Adam Franz Lennig (1803-1866), ab 1856 Domdekan. Vgl. Reusch, Lennig, S. 261. Die bekanntesten Gründungsmitglieder neben Lennig waren Moufang, Heinrich, der Kirchenhistoriker Kaspar Riffel (1807-1856) und der Laie Johann Falk. Vgl. Jürgensmeier, Bistum, S. 283. Vgl. Schwerdtfeger, Kirche, S. 18. Friedrich Schneider (1836-1907), wurde 1891 zum Mainzer Domkapitular ernannt. Vgl. Arnold, Friedrich, S. 14. Georg Heinrich Maria Kirstein war von 1903/4 bis 1921 Bischof von Mainz. Vgl. Braun, Bistum, S. 1147f.; Jürgensmeier, Bistum, S. 303f. Vgl. Arnold, Friedrich, S. 21-29. Lätzel, Kirche, S. 29 Berühmteste Vertreter dieser Richtung waren der Trierer Bischof Michael Felix Korum (1881-1921 Bischof von Trier) und der Breslauer Kardinal Georg Kopp (1887-1914 Bischof von Breslau). Vgl. Lätzel, Kirche, S. 29. Generell war der Osten eher der „Berliner-„ und der Westen, mit Ausnahme von Trier, eher der „KölnMönchengladbach Richtung“ zugetan. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 29.

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katholischer Arbeitsvereine Westdeutschlands“ vertreten, der der „Köln-Mönchengladbach Richtung“ zugeneigt war. Bischof Kirstein, der Nachfolger des 1903 verstorbenen Brück, ließ sich nicht festlegen, schien aber laut Braun eher „die Köln-Mönchengladbach Richtung“ zu bevorzugen. Gleichwohl hatte die „Berliner Richtung“ ebenfalls Vertreter im Bistum Mainz, wie beispielweise den Domkapitular Bendix.69 Insgesamt habe Bischof Kirstein versucht allen Konflikten aus dem Weg zu gehen und hielt sich politisch eher bedeckt.70 Auch dem Krieg gegenüber sei er eher zurückhaltend gewesen.71 Gerade die Fragestellung, wie sich der Mainzer Katholizismus im Spannungsverhältnis Nationalismus und Ultramontanismus verhielt, bietet sich daher für Mainz an, da es lange als extrem papsttreu galt und auch wenn die Stimmung kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu kippen schien, doch noch immer starke Vertreter des Ultramontanismus sowie einen Bischof der dem Krieg eher reserviert gegenüberstand, hatte.

1.3 Forschungsmethode Eine geeignete Methode zur Meinungsforschung ist die Zeitungsanalyse,72 denn mit Zeitungen ist man am „historischen Puls der Zeit. Sie kommentieren und registrieren fast alle Ereignisse“73 als subjektive Beobachter des Zeitgeschehens und versuchen die Leser im Sinne ihrer Meinung zu lenken.74 Auch wenn nie genau gesagt werden kann, inwiefern die Leserschaft der geäußerten Meinung zustimmt, sagen Zeitungsartikel etwas über die öffentliche Stimmung der zeitgenössischen Akteure aus, da sie wie auch Hirtenbriefe, die in den Zeitungen abgedruckt sind, auf die Bedürfnisse der Leser und der Gemeinde eingehen müssen, um erfolgreich zu sein.75 Zeitungen leisten somit einen unerlässlichen Beitrag zu der Untersuchung zeitgenössischer Einstellungen zu einzelnen politischen, wirtschaftlichen, historischen oder kulturpolitischen Vorgängen.76 Um die Meinung der Mainzer Katholiken im Bezug auf die vorgestellte Fragestellung hin zu untersuchen, wurde dementsprechend mit dem „Mainzer Journal“ (im Folgenden MJ abgekürzt) eine Katholische Mainzer Tageszeitung verwendet.

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Dr. Ludwig Bendix (1857-1923). Vgl. Braun, Bistum S. 1157ff. Vgl. Jürgensmeier, Bistum, S. 304; Schwerdtfeger, Kirche, S. 26. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 92. Vgl. Wieseotte, Mainzer Journal, S. 17. Matzerath, Zeitungen, S. 190. Vgl. Wieseotte, Mainzer Journal, S. 17f. Vgl. Geinitz, Kriegsfurcht, S. 204f.; Göbel, Katholiken, S. 40; König, Agitation, S. 28; Verhey, Geist, S. 33. Vgl. Wieseotte, Mainzer Journal, S. 17f.

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Dieses Blatt eignet sich gut zu einer Analyse, da es „bis 1933 die maßgebende öffentliche Stimme der Katholiken am Mittel und Oberrhein“77 und das „wichtigste Organ der katholischen Laien von 1848-1942“78 war. Im Gegensatz zu der 1821 gegründeten kirchenpolitischen Zeitschrift „der Katholik“, die 1909 nur noch 542 Abonnenten hatte und 1918 ganz den Betrieb einstellte, 79 hatte das MJ nach eigenen Angaben während des Weltkriegs über 19.000 Abonnementen80 und erreichte so einen weit größeren Teil des Mainzer Katholizismus als „der Katholik“. Gegründet wurde das MJ nach Aufhebung der Pressezensur im Juni 184881, unter der Redaktion Franz Sausens (1810-1866), der der „zweiten Mainzer Theologenschule“ und dem „Piusverein“ nahestand.82 Das Blatt war dementsprechend ultramontan eingestellt und sollte das politische Geschehen aus romtreuer katholischer Sicht kommentieren.83 Nach der Reichsgründung stand das Blatt dem Zentrum nahe84 und repräsentierte so gewissermaßen als „das führende hessische Zentrumsblatt“85 in dieser Region den politischen Katholizismus.86 Da das MJ von Laien betrieben wurde, in ihm aber auch Hirtenbriefe und Artikel über Vereinsversammlungen abgedruckt sind, deckt es eine große Bandbreite des Mainzer Katholizismus ab. Es erschien sechsmal wöchentlich und erreichte bald eine Auflage von 1.000 Exemplaren.87 Damit gehörte es zu den am weitest verbreiteten Zeitungen im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Kurz darauf wurde es ebenso in Bayern, Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg und Nassau gelesen. Mit diesem überregionalen Charakter sicherte sich das MJ auch eine führende Rolle unter den katholischen Tageszeitungen Deutschlands.88 Entsprechend seiner weiten Verbreitung in Süddeutschland89 kann durch die Verwendung 77 78 79

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Braun, Mainz, S. 940. Jürgensmeier, Bistum, S. 283. Laut Kornfeld bestand es nur bis 1941. Kornfeld, Entwicklung, S. 83. Vgl. Braun, Mainz, S. 937; Kornfeld, Entwicklung, S. 202; Schmolke, Entwicklung, S. 236; Roegele, Presse, S. 399. Vgl. MJ vom 20.03.1915. Nach Verkündigung der Pressefreiheit am 30.03.1948 erschien die erste Probenummer am 06.06.1948. Vgl. Kornfeld, Entwicklung, S. 174. Regelmäßig erschien das MJ ab 16.07.1948. Vgl. Schmolke, Katholiken, S. 81. Vgl. Arnold, Friedrich, S. 14; Kornfeld, Entwicklung, S. 174; Wieseotte, Mainzer Journal, S. 79. Vgl. Braun, Mainz, S. 940; Kornfeld, Entwicklung, S. 174; Wieseotte, Mainzer Journal, S. 27. Vgl. Braun, Bistum, S.1152; Schütz, Weltkrieg, S. 489; Stumme, Kriegsbeginn, S. 45. Grundsätzliches zur hessischen Zentrumspolitik, in: MJ 11.12.1917. Im Folgenden werden alle direkten Zitate aus dem MJ kursiv abgebildet um diese hervorzuheben. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 22. Im Jahre 1883 lag die Auflagenhöhe bei etwa 4800, 1887 bei circa 5000 Exemplaren. Vgl. Kornfeld, Entwicklung, S. 83f. Vgl. Kornfeld, Entwicklung, S. 175. Obwohl das MJ seine Auflagen ständig steigerte und im ganzen Südwesten Deutschlands gelesen wurde, konnte es die führende Rolle unter den katholischen Blättern bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs nicht beibehalten. Die zwei großen katholisch überregional anerkannten Tageszeitungen, in dieser Zeit waren die Kölnische Volkszeitung und die Germania in Berlin. Vgl. Schmolke, Entwicklung, S. 239; Roegele, Presse, S. 420. Vgl. Roegele, Presse, S. 410.

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dieser Tageszeitung als Quelle nicht nur die Stimmung der Stadt Mainz, sondern auch die des gesamten Bistums Mainz im Ersten Weltkrieg veranschaulicht werden. Über die Biographie und kirchenpolitische Stellung des Chefredakteurs zur Zeit des Ersten Weltkriegs Franz Koepgen ist nichts bekannt. Allerdings erschwert die staatliche Pressezensur während des Ersten Weltkriegs den Umgang mit Zeitungen in diesem Zeitraum. So ging bei Kriegsbeginn gemäß Artikel 68 der Reichsverfassung die vollziehende Gewalt im Kaiserreich auf die 62 lokalen Militärbefehlshaber90 über, die somit auch für die Pressezensur zuständig waren.91 Jedoch fehlten bis zum Kriegsende einheitliche und transparente Richtlinien92 und die Zensur war fast ausschließlich auf die öffentliche Kriegszieldiskussion sowie auf militärische Meldungen beschränkt.93 Weiterhin waren die politischen Grundüberzeugungen der Journalisten in ihren Beiträgen zu erkennen, 94 obgleich sie sich quasi eine Selbstzensur95 auferlegten, indem sie ihr Schreiben in den Dienst des Vaterlandes stellten, um ihren Beitrag zum erfolgreichen Ausgang des Krieges zu leisten.96 Daher kann eine Untersuchung des MJ trotz Zensurbestimmungen für die dieser Arbeit zugrunde liegende Frage zielbringend sein.

1.4 Aufbau der Arbeit Zunächst wird in Kapitel 2 die damals in der katholischen Moraltheologie herrschende Lehre des gerechten Krieges vorgestellt, da dies die Voraussetzung ist, um die Argumentationsstruktur des Katholizismus, während des Ersten Weltkrieges zu verstehen. Um herauszufinden wie der Mainzer Katholizismus mit der Spannung zwischen Ultramontanismus/Universalismus und Nationalismus umging, wird in den Kapiteln 3 bis 5 analysiert, wie im MJ mit der Rechtfertigungsproblematik einen Krieg gegen Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung, wie Belgien, Frankreich und Italien führen zu

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In Mainz war dies der Gouverneur Hugo von Kathen. Vgl. Schütz, Weltkrieg, S. 475. Vgl. Fesser, Tagen, S. 143; König, Agitation, S. 54ff. Vgl. Bohrmann, Zeitung, S. 974; Creutz, Pressepolitik, S. 5; 296f.; König, Agitation, S. 54-64; Jeismann, Propaganda, S. 203. Vgl. Albes, Zensur, S. 975; Bohrmann, Zeitung, S. 974; Creutz, Pressepolitik, S. 291-96. Lipp sieht das allerdings kritischer als die meisten ihrer Forscherkollegen. Laut ihr habe sich zwar die Zensur offiziell nur auf militärische Berichte erstreckt, aber indem man politische und wirtschaftliche Fragen zu militärischen Angelegenheiten erklärte, habe die Zensur beliebig ausgeweitet werden können. Vgl. Lipp, Meinungslenkungen, S. 18. Vgl. Creutz, Pressepolitik, S. 8. Vgl. Jeismann, Propaganda, S. 203; Mommsen, Deutschland, S. 19. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 40.

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1 Einleitung

müssen umgegangen wurde.97 Dabei wird untersucht ob der Mainzer Katholizismus tatsächlich vergaß, dass in diesen Ländern Glaubensbrüder mit derselben Tradition wohnten. Anschließend wird in Kapitel 6 die Position zum Papst erforscht. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, wie der Mainzer Katholizismus seiner doppelten Verpflichtung gegenüber Vaterland und dem Oberhaupt seiner Kirche Folge leisten konnte, wo doch der Pontifex zu Neutralität und Frieden aufrief.98 Da Regionalgeschichtliche Studien nie einen Selbstzweck haben, sondern erst wissenschaftlichen Wert erlangen, wenn sie in einen größeren Zusammenhang gebracht werden,99 sind die Kapitel zweigeteilt. Zunächst wird das entsprechende Thema, soweit dies möglich ist, im Gesamtkontext der bisherigen Katholizismusforschung dargestellt.100 Danach wird die Mainzer Sichtweise in diesen Kontext eingeordnet.

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Vgl. Hürten, Kirche, S. 725; Kretschmann, Herr, S. 58; Lätzel, Kirche, S. 150; Roegele, Presse, S. 422. Vgl. Becker, Religion, S. 194; Schatz, Kirchengeschichte, S. 131. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 39. Die Problematik eines Vergleichs ergibt sich daraus, dass es bis auf die Studie von Göbel keine weiteren vergleichbaren regionalen Studien zum Katholizismus gibt. Oft wird nur pauschalisierend über „den deutschen Katholizismus“ gesprochen. Es kann deshalb lediglich auf Tendenzen der Forschungen und auf Studien zu einzelnen Gruppierungen des Katholizismus zurückgegriffen werden.

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2 Die Lehre vom gerechten Krieg

2 Die Lehre vom gerechten Krieg Um die in den Kapiteln 3-6 vorgestellte Argumentationsstruktur des Katholizismus während des Ersten Weltkrieges besser nachvollziehen zu können, wird in diesem Kapitel die damals in der katholischen Moraltheologie herrschende Lehre des gerechten Kriegs vorgestellt.

2.1 Der deutsche Katholizismus und die Lehre vom gerechten Krieg Den Kernpunkt der zeitgenössischen Rechtfertigungsversuche des deutschen Katholizismus während des Ersten Weltkriegs bildet die in der damaligen katholischen Moraltheologie vorherrschende Lehre des bellum iustum.101 Auch wenn Benedikt XV. 102 in der gängigen Historiographie als der erste Papst angesehen wird, der diese Lehre in Frage stellte, hat er die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg nie offiziell wiederrufen. 103 Die Idee des gerechten Krieges stammt aus der Antike. Bereits Cicero verstand darunter den Vergeltungs- und Verteidigungskrieg. Der Kirchenvater Augustinus und Thomas von Aquin griffen diesen Grundgedanken auf. Laut ihnen ist die Teilnahme am Krieg für Christen erlaubt, wenn er durch die oberste Autorität des Staates erklärt wird, ein gerechter Kriegsgrund vorliegt und er auf rechte, das heißt völkerrechtlich gebilligte Weise geführt wird.104 Als gerechter Kriegsgrund gilt die Selbstverteidigung. Der ungerechte Angreifer hingegen stehe abseits der göttlichen Ordnung, welche durch den Kampf erneut hergestellt werden müsse.105 Dementsprechend strafe der Krieg das Unrecht und sollte zur Umkehr des Sünders führen. Der Krieg war demgemäß zur Zeit des Ersten Weltkrieges in den Augen der Katholiken ein zulässiges Mittel zur Wiederherstellung des Rechts und sogar sozialethische Pflicht. 106 Da es der deutschen Regierung gelang das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn als angegriffenes Opfer zu stilisieren, das sich lediglich verteidige und dem Gerechtigkeit zustehe,107 dachte die Mehrheit der Deutschen, die Bestrafung der Sünder und Wiederherstellung der göttlichen Ordnung sei die Aufgabe der 101 102

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Vgl. Beestermöller, Krieg, Sp. 476f.; Reuter, Krieg, Sp. 1770f. Benedikt XV., als Giacomo Marchesa della Chiesa 1854 in Genua geboren, war vom 3. September 1914 bis 22. Januar 1922 Papst. Vgl. Becker, Benedikt XV, S. 376; Lätzel, Kirche, S. 149. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 156; Morozzo della Rocca, Benedikt, S. 188f. Vgl. Holzem/Holzapfel, Kriegserfahrung, S. 287; Kretschmann, Herr, S. 56f.; Greschat, Christenheit, S. 20f.; Reuter, Krieg, Sp. 1770f. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 63; Alzheimer, Einführung, S. 18. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 64. Die deutsche Regierung stellte Russland als Auslöser des Krieges dar und verbreitete durch amtliche Propaganda die Legende von der Einkreisung Deutschlands und dem Überfall durch die Ententemächte. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 90; Berghan, Weltkrieg, S. 30f.; Fesser, Deutschland, S. 36; Jeismann, Propaganda, S. 200; Mommsen, Zeitalter, S. 284; Ders., Deutschland, S. 16f.

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2 Die Lehre vom gerechten Krieg

Mittelmächte, die somit zum Werkzeug Gottes wurden. Da Gott die gerechte Sache unterstütze, würde er auch den Deutschen zum Sieg verhelfen und sie im gegenwärtigen Weltkrieg unterstützen. So kam es gleichzeitig zu einer nationalen Vereinnahmung Gottes für die Interessen des Deutschen Reiches durch die deutschen Katholiken.108 Im deutschen Katholizismus herrschte uneingeschränkt die Auffassung, der Krieg sei nicht vom Deutschen Reich verschuldet und somit ein von außen aufgezwungener, gerechter Verteidigungskrieg.109 Für den höheren Zweck der Selbstverteidigung durfte auch der Christ zur Waffe greifen.110 Sowohl die Zentrumspartei111, als auch die deutschen Bischöfe waren von der Unschuld der Deutschen am Kriegsausbruch überzeugt. Sie waren der Meinung, das Deutsche Reich führe einen gerechten Verteidigungskrieg, in den es entgegen seiner ehrlichen Friedensabsichten hineingezogen worden sei.112 Berühmt wurde die Aussage des Speyrer Bischofs von Faulhaber113, der Weltkrieg sei „das Schulbeispiel eines gerechten Krieges“114. Auch die Überzeugung, man kämpfe für die Sache Gottes und die Darstellung Gottes als Sieghelfer der eigenen Sache, war in öffentlichen Verlautbarungen des Klerus zu finden,115 wie zahlreiche Kriegspredigten beweisen.116 Auch der Freiburger Katholizismus117 und die Fuldaer Katholiken übernahmen die Parole vom aufgezwungenen Krieg und damit von der Gerechtigkeit der nationalen Sache. In Fulda ist die Formel des aufgezwungenen Krieges allerdings nur im ersten Kriegsjahr zu finden. Göbel vermutet, dass die weitere Betonung im Verlauf des Krieges nicht mehr notwendig war, so sehr hätte die Bevölkerung das Argument des gerechten Verteidigungskriegs verinnerlicht.118 Dass Gott das Deutsche Reich unterstützte, wurde dahingegen in Fulda während des gesamten Krieges betont.119

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Vgl. Becker, Religion, S. 193; Greschat, Christenheit, S. 20f.; Krumeich, Gott, S. 278; Lätzel, Kirche, S. 91. Vgl. Kirchner, Papsttum, S. 81; Lätzel, Kirche, S. 68; Lutz, Demokratie, S. 43; Gatz, Kirche, S. 56; Strötz, Katholizismus, S. 190. Auch alle anderen kriegführenden Staaten sahen sich als die Angegriffenen und behaupteten einen Verteidigungskrieg zu führen. Vgl. Greschat, Weltkriege, S. 105; Bihl, Weltkrieg, S. 66. Vgl. Geinitz, Weltkrieg, S. 684; Lätzel, Kirche, S. 63. Vgl. Gatz, Kirche, S. 60; Loth, Katholiken, S. 279. Vgl. Burkhard, Kaiser, S. 56; Gatz, Kirche, S. 58; Geinitz, Kriegsfurcht, S. 188; Schlager, Kult, S. 56; Scheidgen, Bischöfe, S. 356; Werner, Gott, S. 72f. Bischof Faulhaber (1869-1952) wurde 1917 Erzbischof von München-Freising. Vgl. Schmaus, Faulhaber, S. 31. Gatz, Kirche, S. 58. Diese Aussage wird auch im MJ abgedruckt, siehe: Bischof Dr. Faulhaber über Krieg und Christentum, in: MJ 26.3.1915. Vgl. Holzem/Holzapfel, Kriegserfahrung, S. 287. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 110. Vgl. Geinitz, Weltkrieg, S. 682. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 87ff.; 135f. Vgl. ebd., S. 93f.

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2 Die Lehre vom gerechten Krieg

2.2 Der Mainzer Katholizismus und die Lehre vom gerechten Krieg Auch im MJ erscheinen durchweg Artikel, die beweisen, dass der Mainzer Katholizismus den Weltkrieg als einen gerechten Verteidigungskrieg ansieht.120 Das Deutsche Reich sei zum Krieg gezwungen worden: Durch Frankreich, das eine Revanche für die Niederlage des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wolle. Durch Russland, das von slawischer Leidenschaft gegen das Germanentum gepackt sei und durch England, das von Deutschland nicht auf dem Weltmarkt überholt werden wolle.121 Daher könne man „mit reinem und gutem Gewissen in den Kampf“122 ziehen. Selbst Papst Pius X. sei von der Gerechtigkeit des Sache Österreichs überzeugt.123 Im Gegensatz zum Fuldaer Katholizismus findet sich diese Deutung aber nicht nur im ersten Kriegsjahr, sondern es wird durchweg betont, dass das Deutsche Reich aus Notwehr zu diesem Krieg gezwungen wurde und laut christlicher Moral ein gerechter Verteidigungskrieg, wie ihn das Kaiserreich führt, durchaus legitim sei.124 Ebenso ist man im Mainzer Katholizismus durchgängig der Meinung, dass Gott auf Seiten der Deutschen sei und man durch seine Hilfe den Sieg erlangen werde.125 Hieraus den Umkehrschluss zu Göbels These zu ziehen, würde bedeuten, dass im Mainzer Katholizismus der Gedanke eines gerechten Krieges nicht verbreitet war, weshalb dies immer wieder betont werden musste. Doch zur Bestätigung einer solchen These fehlen weitere Belege, sodass dieser Umkehrschluss nicht schlüssig erscheint.

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Vgl. Vor dem Kriege, in: MJ 03.08.1914; Lokales und Vermischtes. Krieg, in: MJ 03.08.1914; England hat Deutschland den Krieg erklärt, in: MJ 05.08.1914; Wenn es denn sein soll, in: MJ 07.08.1914; Krieg-Kirche, in: MJ 07.08.1915; Kaltes Blut!, in: MJ 26.05.1915; Große vaterländische Kundgebung des Volksvereins für das katholische Deutschland (Ortsgruppe Mainz), in: MJ 14.12.1914; Gebet und Krieg, in: MJ 18.12.1914; Neujahr, in: MJ 31.12.1914; Zum Geburtstag Kaiser Wilhelm II., in: MJ 26.01.1915; Kriegs-Mai, in: MJ 06.05.1915. Vgl. Ein deutsches Ultimatum an Rußland, in: MJ 31.07.1914; Im Kriegszustand, in: MJ 01.08.1914; Vaterländische Versammlung in Mainz, in: MJ 10.08.1914; Nationalstaat und Weltreich im Weltkriege, in: MJ 23.09.1915; Auslandsstimmen zum Kriege, in: MJ 06.05.1915; Der Jahrestag des großen Krieges, in: MJ 31.7.1915; Eine französische Anklage und eine deutsche Verteidigung, in: MJ 04.03.1916; Poincare, Frankreich und die Revanche, in: MJ 21.10.1916. Auch die nicht Waffenfähigen können nützen!, in: MJ 11.08.1914. Vgl. Papst Pius X. und der Krieg, in: MJ 26.08.1914; Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 23.06.1917. Dazu mehr in Kapitel 6.3. Vgl. Kriegserkenntnisse, in: MJ 26.11.1915; Karfreitag, in: MJ 20.04.1916; Am Beginn des dritten Kriegsjahres, in: MJ 31.07.1916; Sozialdemokraten über die Schuldfrage am Kriege, in: MJ 19.10.1916; Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 23.06.1917; Das Geheimnis deutscher Stoß kraft, in: MJ 19.01.1918; Vier Jahre Weltkrieg, in: MJ 30.07.1918. Vgl. Im Kriegszustand, in: MJ 01.08.1914; Der Krieg, in: MJ 07.08.1914; Vertrauen, in: MJ 14.08.1914; Kaltes Blut!, in: MJ 26.05.1915; Am Beginn des dritten Kriegsjahres, in: MJ 31.07.1916; Weihnachten, in: MJ 23.12.1916; Die dritte Osterfeier im Weltkriege, in: MJ 07.04.1917; Dies und das, in: MJ 24.02.1917; Gottesgericht!, in: MJ 02.11.1917; Italiens Zusammenbruch und die Entente, in: MJ 10.11.17.

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2 Die Lehre vom gerechten Krieg

Auch der Mainzer Bischof Kirstein ist von der Gerechtigkeit der Sache der Mittelmächte während des gesamten Kriegszeitraumes überzeugt.126 Vergleicht man den Mainzer mit dem bereits erforschten Katholizismus zum Themengebiet des gerechten Krieges, so sind keine wesentlichen Unterschiede festzustellen. Durchgängig waren sowohl der bisher erforschte Teil des deutschen, wie auch der Mainzer Katholizismus der Meinung, dass Gott die eigene Angelegenheit unterstütze, da man sich in einem gerechten von den Feinden aufgezwungenen Verteidigungskrieg befinde. Auch das Mainzer Journal fordert seine Leser auf die nationale Sache zu unterstützen und das Vaterland zu verteidigen. Ob dabei das Verbundenheitsgefühl zu den Katholiken der Länder gegen die man Krieg führte, verlorenging, ist in den folgenden Kapiteln zu klären.

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Hirtenbrief Georg Heinrich Kirsteins, in: MJ 05.10.1914; Fastenhirtenbrief Georg Heinrich Kirsteins, in: MJ 19.02.1917.

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3 Die Causa Belgien

3 Die Causa Belgien In diesem Kapitel wird untersucht, wie der Mainzer Katholizismus den Einmarsch in Belgien legitimierte und mit den Völkerrechtsbrüchen der deutschen Regierung gegenüber der belgischen Bevölkerung umging, wo doch die katholische Kirche als Staatskirche dort einen zentralen Platz in der Gesellschaft einnahm.127 Stellte man sich auf die Seite der eigenen Nation oder trat man für die Glaubensbrüder in Belgien ein und wies darauf hin, dass ein gerechter Krieg im Sinne der christlichen Moraltheologie auch eine rechte Kriegsführung beinhalte?128

3.1 Die Verletzung der Neutralität Belgiens Am 2. August 1914 stellte die deutsche der belgischen Regierung ein Ultimatum, in dem sie Belgien aufforderte den deutschen Truppen bei ihrem Durchmarch nach Frankreich keinen Widerstand zu leisten. Da die Belgier nicht wie gefordert reagierten, marschierten am 4. August die deutschen Truppen völkerrechtswidrig in das neutrale Belgien ein129 und besetzten es bis zum 25. August fast vollständig.130 Den Neutralitätsbruch verteidigte der damalige Reichskanzler Bethmann Hollweg131 mit Notwehr, obwohl man offensichtlich in ein anderes Land eingedrungen war.132 Um den Angriff auf Belgien trotzdem als Verteidigungskrieg darzustellen, berief man sich auf den nach Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913) benannten und von seinem Nachfolger Helmuth Johannes Ludwig von Moltke (1848-1916) weiterentwickelt Plan. Dieser sogenannte Schlieffenplan sah bei der Gefahr eines Zweifronten Krieges vor zuerst im Westen Frankreich zu besiegen, um dann die gesamte Heeresstärke im Osten gegen Russland einsetzten zu können. Dazu musste Frankreich allerdings schnell besiegt werden, um Russland möglichst wenig Zeit für sein Vorrücken im Osten zu gewähren. Deshalb sollten die deutschen Truppen völkerrechtswidrig durch die neutralen Länder Belgien, Holland und Luxemburg vordringen, anstatt über die stark befestigte Französisch-Lothringische-Grenze vorzustoßen.133

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Vgl. Benvindo/Majerus, Belgien, S. 138; Gatz, Kirche, S. 56f.; Ypersele, Belgien, S. 44. Vgl. Kapitel 2.1. Vgl. Bihl, Weltkrieg, S. 51; 89; Berghan, Weltkrieg, S. XI; Fesser, Deutschland, S. 42; Meseberg-Haubold, Widerstand, S. 45; Ypersele, Belgien, S. 44. Bruendel und Greschat meinen, der Einmarsch hätte bereits am 3. August stattgefunden. Vgl. Bruendel, Zeitenwende, S. 97; Greschat, Christenheit, S. 15. Vgl. Fesser, Tagen, S. 140. Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann Hollweg (1856 - 1921) war Reichskanzler von 1909 bis 1917. Vgl. Frauendienst, Bethmann, S. 188ff. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 294. Vgl. Berghan, Weltkrieg, S. 28f.; Fesser Deutschland 23f.; Greschat, Christenheit, S. 15.

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3 Die Causa Belgien

3.1.1 Der Deutsche Katholizismus und die Verletzung der Neutralität Belgiens Auch die deutschen Katholiken meinten in Anlehnung an die augustinische Lehre vom gerechten Krieg,134 dass die Verteidigung ein derart hohes Gut sei, dass sie die deutsche Missachtung der Neutralität Belgiens rechtfertige.135 Die Reaktion des Fuldaer und Freiburger Katholizismus auf die Neutralitätsverletzung Belgiens werden in den betreffenden Arbeiten nicht genauer erläutert.

3.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Verletzung der Neutralität Belgiens In der Rechtfertigung der Verletzung der belgischen Neutralität ist beim Mainzer Katholizismus eine Entwicklung zu erkennen. An dem Tag, an dem die Deutschen unter Missachtung der belgischen Neutralität in Belgien einmarschierten, also am 4. August 1914, wirft das MJ den Franzosen vor, unter Verletzung der belgischen Neutralität zahlreiche Fliegerangriffe auf deutsche Eisenbahnlinien in Süddeutschland durchgeführt zu haben.136 Zudem übernimmt das MJ die Rechtfertigungsstruktur des Reichskanzler Hollweg in Bezug auf die Verletzung der Neutralität Belgiens. Das Deutsche Reich hätte aus Notwehr und zur Selbsterhaltung gehandelt.137 So habe man gewusst, dass Frankreich eine starke Verteidigungslinie in Elsass-Lothringen aufgebaut habe, die nur mit großem Zeitaufwand und unter heftigen Verlusten überwunden werden könne. Dies hätte aber Russland zu viel Zeit für die Mobilmachung gegeben. Deshalb sei man gezwungen gewesen durch Belgien, Holland und Luxemburg einzumarschieren, um Frankreich schnell zu besiegen und so einen Zweifrontenkrieg zu verhindern.138 Hier wird also, wie von offizieller deutschen Seite auch, auf den sogenannten Schlieffenplan verwiesen. Gleichzeitig wird betont, dass man den Einmarsch bedauere und man deshalb bereit sei nach Beendigung des Krieges Belgien sofort wieder zu räumen.139 Zunächst wird also ein Völkerrechtsbruch zugegeben, der aber nur gezwungenermaßen stattgefunden habe und den vorher bereits Frankreich, ebenso begangen habe. Dementsprechend zeigt man sein Bedauern und versichert den Völkerrechtsbruch sofort nach Beendigung des Krieges wieder gut zu machen.

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Zur Lehre des gerechten Kriegs siehe das vorherige Kapitel. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 62; Meseberg-Haubold, Widerstand, S. 102. Vgl. Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Frankreich, in: MJ 04.08.1914. Auch am Ende des Krieges wird im Mainzer Katholizismus noch behauptet in Notwehr gehandelt zu haben. Vgl. Die Wiederherstellung Belgiens, in: MJ 16.02.1918. Vgl. Der Krieg, in: MJ 07.08.1914; Deutschland und Belgien, in: MJ 11.08.1914; Die geographische Lage Belgiens und Luxemburgs, in: MJ 08.08.1914; Englands Bruch mit Deutschland. Der 4. August, in: MJ 08.09.1914; Die Neutralität des Papstes, in: MJ 10.08.1915. Vgl. Deutschland und Belgien, in: MJ 11.08.1914; Deutschland und Belgien, in: MJ 18.08.1914.

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3 Die Causa Belgien

Ab Mitte Oktober 1914 wird von einem Dokumentenfund in Brüssel berichtet, der beweisen würde, dass Belgien bereits seit 1906 ein Geheimverbündeter Englands und Frankreichs gewesen sei. Diesem Vertrag gemäß habe England schon damals geplant im Falle eines deutsch-französischen Krieges 100.000 Soldaten nach Belgien zu schicken und dazu einen gemeinsamen Vorgehensplan mit der belgischen Armee entworfen. Zudem hätte Frankreich bereits seit dem 24. Juli 1914 französisches Militär in Belgien stationiert. Diese Tatsachen bewiesen, dass nicht das Deutsche Reich, sondern die belgische Regierung selbst die Neutralität Belgiens gebrochen habe.140 Dadurch dürfe wohl auch der Reichskanzler nicht mehr der Meinung sein, dass der Einmarsch in Belgien ein Unrecht sei, „weil ja die belgische Neutralität gar nicht mehr bestand, sondern vielmehr ein englisch-belgischer Freundschaftsvertrag.“141 Darüber hinaus habe sich Belgien schon im Juli 1914 auf einen Krieg vorbereitet, indem es unter anderem deutsche Funkgeräte auf Schiffen zerstört hätte, woraus hervorgehe, dass Belgien sich offen als Feind des Deutschen Reiches bekannt habe, noch ehe ein deutscher Soldat auf belgischem Boden stand. Belgien sei demzufolge bereits vor Kriegsausbruch von einer neutralen zu einer kriegsführenden Macht geworden, gegen die man sich nur verteidigt habe.142 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bis Mitte Oktober 1914 in Mainz noch eine gewisse Verbundenheit zu den belgischen Glaubensbrüdern zu erkennen ist, die durch ein Bedauern und das Versprechen auf Wiedergutmachung zu erkennen ist. Doch ab da übernimmt der Mainzer Katholizismus kritiklos und ohne zu hinterfragen, wie auch der übrige bereits erforschte deutsche Katholizismus, das nationale Legitimationsmuster, nach welchem kein Völkerrechtsbruch stattgefunden habe. So wird aus einem anfänglichen Eingestehen, man habe aus Notwehr ein Unrecht getan, um dem höheren Zweck der Selbsterhaltung zu entsprechen, die vollkommene Verleugnung der Schuld. Man habe überhaupt keinen Völkerrechtsbruch begangen, da die Neutralität faktisch bei Kriegsausbruch nicht mehr bestanden habe. Dies muss aber nicht die vollkommene Abwehr vom Ultramontanismus bedeuten, da der deutsche Katholizismus, wie beispielsweise auch die Sozialdemokraten, von den deutschen Verantwortlichen getäuscht worden waren.

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Vgl. Englands und Belgiens Schuld. Aufgefundene Dokumente, in: MJ 14.10.1914; Belgiens Abfall von der Neutralität, in: MJ 28.10.1914; Tolle Ansprüche, in: MJ 23.01.1915; England und die belgische Neutralität. Eine neue Erklärung der deutschen Regierung, in: MJ 29.01.1915; Die Belgische Neutralität und die griechische Neutralität, in: MJ 06.10.1915. König Albert über Belgiens Neutralität, in: MJ 13.04.1915. Vgl. Belgien verletzt selbst seine Neutralität, in: MJ 24.10.1914; Wie Belgien sich auf den Krieg vorbereitet hat, in: MJ 28.10.1914; Hat Belgien seine Neutralität gewahrt? Eine holländische Antwort, in: MJ 05.01.1915

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3 Die Causa Belgien

3.2 Der Vorwurf der Gräueltaten Bei der Durchquerung Belgiens im August 1914 kam es zu brutalen Ausschreitungen deutscher Truppenteile gegen die Zivilbevölkerung Belgiens, denen mindestens 5.000 Menschen zum Opfer fielen. Massaker143 und Brandschatzungen begleiteten die deutschen Siege. Die deutsche Regierung rechtfertigte dieses Vorgehen gegen die belgische Zivilbevölkerung mit dem Hinweis auf belgische Freischärler, die Franktireur genannt wurden.144 Man warf der belgischen Zivilbevölkerung vor, Grausamkeiten an in Belgien wohnenden Deutschen145 sowie an verletzten deutschen Soldaten verübt zu haben und als Heckenschützen auf das deutsche Heer zu schießen.146 Die deutschen Maßnahmen seien nur eine gerechte Antwort auf solche Tätigkeiten. Doch die Franktireur-Angst hatte noch eine weitere Ursache. So stammten die meisten Truppenteile, die für den Einmarsch in Belgien eingesetzt wurden, aus Preußen und waren somit antikatholisch eingestellt. Laut ihnen waren die belgischen Geistlichen die Rädelsführer des Volkskrieges. Das Zusammenwirken dieser Beiden Dimensionen lässt sich gut am Beispiel Löwens, das zum Symbol der deutschen Kriegsgräuel weltweit wurde, veranschaulichen. Sowohl die wertvolle Bibliothek, als auch erhebliche Teile der Stadt wurden zerstört und circa 250 Zivilisten getötet. Dabei war Löwen am 19. August 1914 zunächst kampflos eingenommen worden. Am 25. desselben Monats kam es dann zu Schusswechseln. Historiker glauben heute, dass es sich um friendly fire handelte. Deutsche hätten aus Versehen auf eigene Kameraden geschossen, die sie in der Dunkelheit für Gegner hielten. Dadurch gerieten die kampfunerfahrenen Soldaten in Panik und fühlten sich von Franktireur umzingelt. In der folgenden fünftägigen Strafaktion wurden ein Großteil der Stadt sowie die berühmte Bibliothek zerstört. Hierbei wurde die Bibliothek Löwens irrtümlicherweise für die katholische Universität gehalten, weshalb Löschversuche von deutschen Truppen verhindert wurden.

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Vgl. Benvindo/Majerus, Belgien, S. 130. In Dinant wurde beispielsweise etwa ein Zehntel (circa 675 Zivilisten) der Gesamtbevölkerung ermordet. Auch in anderen Orten wie Tamines (heute Sambreville) und Aarschot kam es zu Massakern. Vgl. Fesser, Tagen, S. 180; Ypersele, Belgien, S. 45. Die Franktireur-Angst stammt aus den Erfahrungen von französischen Freischärler Überfällen auf deutsche Truppen während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Diese noch im kollektiven Gedächtnis der Deutschen gespeicherte Angst vor solchen Partisanen wuchs zu einer wahren Phobie, welche die Wahrnehmung dahingehend trübte, dass auch versehentliche Schüsse undisziplinierter Sol daten, oder friendly fire als heimtückische Überfälle interpretiert wurden. Vgl. Bruendel, Zeitenwende, S.75; 94f.; Ypersele, Belgien, S. 46. Am 3. August 1914 kam es tatsächlich zu vier Tagen andauernden antideutschen Ausschreitungen in Antwerpen und Brüssel. Vgl. Benvindo/Majerus, Belgien, S. 129. Auch hatte es 1914 wahrscheinlich wirklich Sabotageakte und Übergriffe auf deutsche Soldaten gegeben. Diese sind aber nicht auf einem organisierten Volkswiderstand der Belgier und Franzosen zurückzuführen. Vgl. Bruendel, Zeitenwende, S. 94f. Vgl. Bihl, Weltkrieg, S. 90; Bruendel, Zeitenwende, S. 94f.; Greschat, Christenheit, S. 25; Ypersele, Belgien, S. 47.

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Zudem kam es zu Erschießungen.147 Neben dem Franktireur-Wahn sieht die Forschung einen weiteren Grund für die Gräueltaten deutscher Truppen darin, dass die deutsche Armee infolge des Schlieffenplans unter erheblichem Zeitdruck stand. Bruendel fasst dies gut zusammen: eine fatale Mischung aus Angst, Überanstrengung und Wut habe zu einer Überreaktion geführt, sodass „vermeintliche Übergriffe mit zum Teil drakonischen aber nach Meinung deutscher Soldaten legitimen Maßnahmen“148 vergolten wurden. Die deutschen Ausschreitungen begrenzten sich zwar auf die ersten Wochen des Krieges, doch die Propaganda der Entente benutzte diese bis zum Ende des Krieges, um deutsche Grausamkeit zu verdeutlichen.149 Zudem schmückte sie die tatsächlich begangenen Gräueltaten zum Teil erheblich aus. So kursierten beispielsweise Gerüchte, nach denen deutsche Soldaten Kindern die Hände abgehackt hätten.150 Ein weiterer offensichtlicher Bruch des Völkerrechts in Bezug auf Belgien war die Zwangsrekrutierung von etwa 60.000 belgischer Arbeiter nach Deutschland ab Oktober 1916, um dem Arbeitskräftemangel in der deutschen Industrie zu begegnen. Dies wurde nach außen hin als soziale Maßnahme zugunsten arbeitsloser Belgier dargestellt.151 Doch bereits im März 1917 wurden die Arbeiter wieder zurückgeschickt, da man die „verheerende außenpolitische Wirkung“152 erkannte. Die Bedingung eines gerechten Krieges, dass dieser auch auf völkerrechtlich anerkannte Weise zu führen sei, wurde demnach nicht eingehalten. Im Folgenden soll geklärt werden, wie das Verhalten der Mainzer Katholiken in den Kontext der bisherigen deutschen Katholizismusforschung eingeordnet werden kann.

3.2.1 Der Vorwurf der Gräueltaten und der deutsche Katholizismus Die Reaktion des deutschen Katholizismus auf die Vorwürfe von Gräueltaten fiel differenziert aus. Die einen beriefen sich auf das deutsche „Weißbuch“153 und sagten, alles sei 147

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Vgl. Bihl, Weltkrieg, S. 90; Bruendel, Zeitenwende, S. 94; Gatz, Kirche, S. 57; Greschat, Christenheit, S. 25; Kramer, Löwen, S. 683; Salden, Horde, S. 96f.; Ypersele, Belgien, S. 45. Heutige Historiker sind sich größtenteils einig, dass die Zerstörung Löwens nicht geplant war. Auch für einen Angriff aus der belgischen Bevölkerung gibt es keine Belege. Vgl. Salden, Horde, S. 98. Bruendel, Zeitenwende, S. 95. Vgl. Greschat , Weltkrieg, S. 25. Vgl. Kramer, Kriegsgreuel, S. 647; Ypersele, Belgien, S. 46. Vgl. Benvindo/Majerus, Belgien, S. 140; Mommsen, Deutschland, S. 22; Scheidgen, Bischöfe, S. 315. Greschat und Ypersele sprechen von mehr als 120.000 Belgiern, von denen 3600 in Deutschland starben. Vgl. Greschat, Christenheit, S. 30; Ypersele, Belgien, S. 48. Neitzel, Revolution, S. 95. Sowohl Deutschland als auch Belgien stellten offizielle Untersuchungen bezüglich der Vorwürfe von Gräueltaten an. Das Deutsche Reich veröffentlichte seine Resultate im deutschen „Weißbuch“ am 10. Mai 1915, in dem es alle Vorwürfe zurückwies. Belgien antwortete mit dem „Graubuch“. In der aktuellen Forschung wird davon ausgegangen, dass die deutsche Armee, vor allem zu Beginn des Krieges,

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gelogen, die anderen, zu denen auch die über die Vorgänge in Belgien gut informierten Erzberger, Kardinal Hartmann154, Bischof Faulhaber und der in Belgien stationiert Militäroberpfarrer Middendorf (1867-1930) gehörten, schwiegen aus Gründen der Staatsräson und Furcht vor innenpolitischen Schwierigkeiten.155 Wenn der deutsche Katholizismus die deutsche Verwaltung in Belgien kritisierte, dann nur wegen des angenommenen Unverständnisses preußischer Beamter für Belange der katholischen Konfession.156 Dies war beispielsweise im Winter 1917 und Frühjahr 1918 der Fall. So sollten 1917 Metallgegenstände der Universität Löwen und 1918 Kirchenglocken zum Einschmelzen eingezogen werden.157 Beides konnte Hartmann, der sich bereits 1914 für belgische Katholiken eingesetzt hatte, 158 verhindern.159 Auch im Mai 1915 konnte der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz ein für Belgien geplantes Verbot der Fronleichnamsprozession abwenden.160 Ebenso intervenierte er im Mai 1918 gegen die Überweisung belgischen Jesuiten aus Tournai in deutsche Gefangenenlager, da sie unerlaubt Briefschmuggel zwischen Belgiern und deren Angehörigen an der Front betrieben hatten. Allerdings war sein Bemühen sie stattdessen auf Jesuiten Klöster in Belgien zu verteilen, erfolglos.161 Die Anschuldigung, die belgische Geistlichkeit würde die Zivilbevölkerung gegen die deutsche Besatzung aufstacheln und daher die Ursache des Franktireur-Krieges sein, wurde im deutschen Katholizismus zurückgewießen. So versuchte die Kölnische Volkszeitung aufkommenden Anschuldigungen, katholische belgische Geistliche würden Gräueltaten an deutschen Soldaten verüben, zu unterbinden, indem sie sich an die oberste Kommandobehörde in Berlin wandte. Diese untersagte tatsächlich am 16. September 1914 solche Anschuldigungen zu veröffentlichen.162 Auch in Fulda wurden die vermeintlichen Gräueltaten belgischer Geistlicher als Verleumdungen bezeichnet. 163

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tatsächlich Verbrechen an der belgischen Zivilbevölkerung beging. Vgl. Bihl, Weltkrieg, S. 90, Bruendel, Zeitenwende S. 94f.; Fesser, Tagen, S. 181;Ypersele, Belgien, S. 47. Bruno Felix Bernard Albert von Hartmann (1851-1919), seit 1912 Erzbischof von Köln, war der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Vgl. Plum, Hartmann, S. 781. Vgl. Meseberg-Haubold, Widerstand, S. 103. Vgl. ebd., S. 102f. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 317; 360. Kardinal Hartmann setzte sich erfolgreich erstens für die in Deutschland internierten belgischen Geistlichen ein. Falls sie keine Straftat begangen hatten, sollte ihnen die Rückkehr nach Belgien erlaubt werden. Zweitens sollte der Briefverkehr der belgischen Bischöfe untereinander freigegeben werden. Drittens sollte die Zensur des Briefverkehres zwischen Bischöfen und dem Heiligen Stuhl aufgehoben werden. Viertens sollte die Enzyklika Benedikts auch in Belgien veröffentlicht werden. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 297f. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 318. Vgl. ebd., S. 298. Vgl. ebd., S. 319f. Vgl. ebd., S. 295. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 55.

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3.2.2 Der Vorwurf der Gräueltaten und der Mainzer Katholizismus Die Ausschreitungen gegen die belgische Zivilbevölkerung werden im MJ auf zweifache Art kommentiert. Einerseits werden sie als Lügen und Verleumdungen dargestellt.164 So hätte sich auch das päpstliche Staatssekretariat über die angeblichen Gräueltaten bei den in Rom ansässigen belgischen Ordensoberinnen und bei durchreisenden Nonnen sowie dem Bischof von Namur erkundigt, „die alle aussagten nichts von den Greultaten (sic!) zu wissen.“165 Andererseits werden sie als rechtmäßiges Vorgehen gegen Franktireur Angriffe dargestellt, also indirekt zugegeben. So tauchen zahlreiche Artikel auf, die von heimtückischen Überfällen aus dem Hinterhalt auf deutsche Truppen berichten. Immer wieder seien bestialische Grausamkeiten auch unter Missachtung des Roten Kreuzes an deutschen Verwundeten verübt worden. Sogar Frauen hätten sich an diesen Vergehen beteiligt. Die Verantwortung für die Schärfe des deutschen Vorgehens trügen die belgischen Behörden, die die Bürger mit Waffen versehen und zur Teilnahme am Krieg aufhetzen würden. Überall dort, wo sich die Bevölkerung den deutschen Truppen gegenüber nicht feindselig verhalten habe, sei auch niemand zu Schaden gekommen.166 Auch die Ausschreitungen in Löwen werden mit einer Strafaktion und Selbstverteidigung gegen belgische Franktireurs gerechtfertigt. Belgische Zivilisten hätten am 25. August aus Häusern auf deutsche Truppen geschossen, wogegen man sich nur gewehrt habe. Bei diesem Gefecht sei unabsichtlich ein Großteil der Stadt zerstört worden, was einem selbstverständlich Leid täte.167 Die Verantwortung für das Geschehen trage erstens die belgische Bevölkerung selbst, da sie sich außerhalb von Recht und Gesetz gestellt habe und zweitens die belgische Regierung, die die Bevölkerung zum Widerstand antreibe.168

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Vgl. Belgische Verleumdung deutscher Truppen, in: MJ 20.01.1915; Der Gegenbeweis, in: MJ 14.09.1914; Die „deutschen Greuel“ in Belgien, in: MJ 21.05.1915; Große vaterländische Kundgebung des Volksvereins für das katholische Deutschland (Ortsgruppe Mainz), in: MJ 14.12.1914; Die mechelner Kathedrale, in: MJ 21.11.1914; Wie die Wahrheit sich Bahn bricht!, in: MJ 22.1.1915. Das Märchen von den deutschen Greueltaten in Belgien, in: MJ 11.07.1916. Vgl. Belgische Schandtaten und ihre Strafe, in: MJ 19.08.1914; Verschiedene Nachrichten. Aus dem Hinterhalt erschossen, in: MJ 20.08.1914; Ein Protest der deutschen Heeresleitung, in: MJ 29.08.1914; Denkschrift deutscher Katholiken über den gegenwärtigen Weltkrieg, in: MJ 05.09.1914; Im deutschen Belgien, in: MJ 12.09.1914; Eine englische Bestätigung der Franktireurangriffe, in: MJ 10.09.1914; Die Deutschen in Gent, in: MJ 10.9.14; Vom westlichen Kriegsschauplatz. Landbewohner im Kriege, in: MJ 10.08.1914; Die Franktireurs und Löwen, in: MJ 07.09.1914; Eine Strafexpedition nach Arlon, in: MJ 26.08.14; Wie die Deutschen in Brüssel einzogen, in: MJ 25.08.1914; Bei Aachen und Lüttich. Bericht eines Augenzeugen, in: MJ 11.08.1914; Deutsche Warnungen an Frankreich und Belgien, in: MJ 17.08.1914; Vom westlichen Kriegsschauplatz, in: MJ 12.08.1914; Belgische Greuel, in: MJ 11.8.14. Vgl. Löwen, in: MJ 31.08.1914. Ein Ueberfall der Bürger von Löwen auf die deutschen Truppen, in: MJ 29.8.14; Die Wahrheit über Löwen, in: MJ 03.09.1914; Die Wahrheit über Löwen. Amtliche deutsche Darstellung, in: MJ 05.09.1914; Das Schicksal der Stadt Löwen, in: MJ 31.08.1914; Der Zustand Belgiens. Englische Ge-

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Deutsche Soldaten hingegen hätten das gotische Rathaus, die Peterskirche und deren Schatz sowie weitere wertvolle Kunstschätze vor der Zerstörung gerettet.169 Überdies sei Löwen, entgegen der Verleumdungen ausländischer Blätter, nicht vollkommen zerstört worden, sondern nur die Stadtteile seien zu Schaden gekommen, in denen sich die Bevölkerung am Franktireur-Kampf beteiligt habe.170 Hier wird also die amtliche Legitimierung übernommen, aber zusätzlich wird aber auch ein Bedauern über das Schicksal Löwens ausgedrückt. Gegen die Vorwürfe an den Franktireur-Angriffen seien die klerikalen Kreise Belgiens Schuld, bringt das MJ immer wieder in Artikeln, die die Unschuld belgischer katholischer Priester beweisen und deren deutschlandloyale Haltung herausstellen. 171 Die belgischen Geistlichen verhielten sich sehr „freundlich und gefällig […] was auch mein Kamerad, der protestantisch ist, bestätigte und lobte“172. Die Wegführung belgischer Arbeiter wird als Gegenmaßnahme zur Arbeitslosigkeit begründet. Wegen der Seeblockade Englands könnten keine Rohstoffe mehr nach Belgien gelangen und auch keine Industrieprodukte mehr exportiert werden, weshalb es in Belgien etwa 1,2 Millionen Arbeitslose gebe. Da dies der belgischen Wirtschaft und Moral schade und nicht genug Arbeit in Belgien geschaffen werden könne, habe man sie zur Arbeit im Deutschen Reich angewiesen, „wo bereits eine große Anzahl belgischer Arbeiter freiwillig tätig ist und sich bei hohen Lohnsätzen und weitgehender Bewegungsfreiheit durchaus wohl fühlt.“173 Völkerrechtlich würde die Zwangsrekrutierung durch den Artikel 43 der Haager Landkriegsordnung abgesichert, wonach die besetzende Macht zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in dem besetzten Gebiet zu sorgen habe. Es müsse demzufolge dafür gesorgt werden, dass „die Arbeitsfähigen nicht der Öffentlichkeit zur Last fallen und durch Müßiggang eine öffentliche Landplage bilden.“174 Artikel, in denen sich die Mainzer Katholiken über die deutsche Verwaltung in Belgien beschweren oder sich für die Belange der Katholiken, ähnlich wie Kardinal Hartmann,

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fangene in Maubeuge, in: MJ 10.09.1914; Hat Belgien seine Neutralität gewahrt? Eine holländische Antwort, in: MJ 05.01.1915; Ueber die Schreckensnacht in Löwen, in: MJ 04.09.1914. Vgl. Ein amtlicher Bericht über die Lage in Löwen, in: MJ 19.09.1914; Die Beschießung von Reims u. das Schicksal der Kathedrale, in: MJ 23.09.1914; Der Dom zu Reims, in: MJ 29.09.1914; Kunstschätze Löwens unversehrt. Rettungsarbeiten der deutschen Soldaten, in: MJ 09.09.1914. Vgl. Wie es in Löwen aussieht. Drei Viertel der Stadt unversehrt, in: MJ 09.09.1914; Die Wahrheit unerwünscht, in: MJ 11.11.1916. Vgl. Das klerikale Belgien, in: MJ 03.09.1914; Für die Nichtkämpfer, in: MJ 10.09.1914; Falsche Be schuldigung belgischer Geistlicher, in: MJ 21.09.1914; Die katholischen Geistlichen und der Krieg!, in: MJ 18.09.1914; Die Vorwürfe gegen die Geistlichen im Feindesland, in: MJ 02.10.1914. Das Verhalten belgischer Geistlicher, in: MJ 28.11.1914. Die Wegführung der belgischen Arbeiter, in: MJ 13.12.1916. Ebd..

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einsetzen, finden sich im MJ nicht. Dass die Mainzer Katholiken etwas von der Einschmelzung belgischer Kirchenglocken wussten, beweist ein Artikel, der in einem Nebensatz erwähnt, dass Papst Benedikt XV. sich dafür ausgesprochen habe, die belgischen Kirchenglocken nicht einzufordern.175 Kommentiert wird das im MJ zwar nicht, aber da der Mainzer Katholizismus auch nicht gegen den Einzug der eigenen Kirchenglocken war,176 ist davon auszugehen, dass er auch nichts gegen den der Belgier einzuwenden hatte. Wie auch bei der Rechtfertigung für den Einmarsch in Belgien übernimmt sowohl der Mainzer als auch er bisher erforschte deutsche Katholizismus die von nationaler Seite aus vorgegebene Argumentationsstruktur gegenüber den vorgeworfenen Gräueltaten an der belgischen Zivilbevölkerung und der Zwangsrekrutierung belgischer Arbeiter. Gleichwohl drückt das MJ sein Bedauern über die Zerstörung Löwens aus, was doch eine gewisse Verbundenheit zu den Katholiken Belgiens vermuten lässt. So verteidigt der Mainzer Katholizismus auch die katholische belgische Geistlichkeit, gegen die Vorwürfe für den Franktireur-Kampf in Belgien verantwortlich zu sein und dementiert dies, genauso wie der restliche bisher erforschte Katholizismus. Dafür, dass sich der Mainzer Katholizismus für die Belange belgischer Katholiken so massiv einsetzt wie Kardinal Hartmann, finden sich allerdings keine Belege. So kritisiert das MJ in keiner Weise das Vorgehen der deutschen Verwaltung gegenüber Belgien, vielmehr sei es dieser zu verdanken, dass in Belgien wieder Ordnung herrsche und die Flamen, die eine Mehrheit der belgischen Bevölkerung stellen würden, nicht mehr unterdrückt seien.177 Doch auch hier kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Verhalten des Mainzer Katholizismus mit Nichtwissen der tatsächlichen Umstände oder Ausblendung des katholischen Universalismus-Gedanken zu tun hatte.

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Vgl. Der Papst und der Krieg, in: MJ 24.06.1918. Im MJ erklärt man sich grundsätzlich zur Beschlagnahmung bereit, fordert aber eine angemessene Bezahlung. Vgl. Beschlagnahmung der Bronze-Glocken, in: MJ 31.03.1917; Die Beschlagnahmung der Kirchenglocken und Orgelpfeifen, in: MJ 24.05.1917; Zur beschlagnahme der Glocken, in: MJ 19.06.1917. Vgl. Deutsche Verwaltung in Belgien, in: MJ 21.07.1917.

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4 Die Causa Frankreich Der Erste Weltkrieg stellte die deutschen Katholiken vor das Problem einen Krieg gegen das vornehmlich aus Katholiken bestehende Frankreich legitimieren zu müssen, das zudem im Volksmund als „älteste Tochter der Kirche“ galt.178 Besonders Herausgefordert wurden sie dabei durch den französischen Sammelband La Guerre Allemande et le Catholicisme (künftig mit La Guerre abgekürzt), der ihnen vorwarf dem Katholizismus entgegengesetzt zu handeln. Eine weitere Belastungsprobe stellt die Beschießung der katholischen Kathedrale in Reims dar, die als das Symbol des katholischen Frankreichs galt.179 Im folgenden Kapitel wird dargestellt, wie der Mainzer im Vergleich zu dem bisher erforschten deutschen Katholizismus mit diesen Angelegenheiten umging.

4.1 Die Absprache der Religiosität Frankreichs Obwohl sich auch Ende des 19. Jahrhunderts die Franzosen noch fast ausnahmslos als Katholiken bezeichneten, war es doch seit der Französischen Revolution 1789 in Frankreich sukzessive zu einer vollständigen Laizität gekommen, die 1905 mit dem Gesetz der strikten Trennung von Kirche und Staat abgeschlossen wurde.180 Diese Tatsache nutzte der Deutsche Katholizismus zur Legitimierung eines Krieges gegen Frankreich. Wie genau er das tat und ob dabei jeglicher Verbundenheitsgedanke mit den Glaubensbrüdern fallen gelassen wurde, ist im folgenden Kapitel zu klären.

4.1.1 Die Absprache der Religiosität Frankreichs im deutschen Katholizismus Der deutsche Katholizismus rechtfertigte den Krieg gegen Frankreich, indem er den Franzosen ihre Religiosität absprach.181 Dabei kam den Deutschen die politische Geschichte Frankreichs entgegen. Denn 1905 war in der Dritten Französischen Republik die vollkommene Trennung von Kirche und Staat beschlossen worden. Dementsprechend warfen die deutschen Katholiken nun den Franzosen Atheismus und Laizismus vor. Man führe einen Kampf gegen die kirchenfeindliche Einstellung der Franzosen und sorge somit für

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Vgl. Lätzel, Kirche, S. 55; Geinitz, Weltkrieg, S. 687. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 258. Vgl. Cabanel, Laizität, S. 141f. Dieses Argumentationsmuster taucht bereits im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 auf. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 141.

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einen Aufschwung der katholischen Kirche in Frankreich,182 da nur ein besiegtes Frankreich wieder den Weg zur Kirche finden werde.183 Ein Beweis für die katholikenfeindliche Haltung in Frankreich wurde darin gesehen, dass das während des Ersten Weltkrieges vom Papst für die gesamte katholische Kirche verfasste und gleichlautende Bittgebet um Frieden von der französischen Regierung konfisziert wurde. Erst nachdem der Erzbischof von Paris, Kardinal Amette184, interveniert hatte, wurde es zwar wieder freigegeben, aber zuvor in einem nationalen Sinne verändert. Statt, wie vom Papst gedacht, für einen allgemeinen Frieden zu beten, bat man nun um den Sieg Frankreichs.185 Auch in Fulda und Freiburg versuchten die Katholiken den Krieg gegen Frankreich hauptsächlich zu rechtfertigen, indem sie den Franzosen ihre Religiosität absprachen und die Säkularisation von 1905 verurteilten.186 Allerdings wurde in Fulda nicht Frankreich als Ganzes als atheistisch abgestempelt. So wurden die Priester bereits am Anfang des Weltkrieges als gute Katholiken, die nur Opfer des religionsfeindlichen Staates sind, angesehen. Im Verlauf des Krieges wird noch weiter differenziert. Ab 1915 gab man nicht mehr dem gesamten französischen Volk, sondern nur noch der sogenannten freimaurerischen Regierung die Schuld am religiösen Verfall Frankreichs.187 In Freiburg ging die religiöse Abgrenzung zunächst so weit, dass dort sogar von einem Kreuzzug zur Verteidigung der christlichen Kultur gesprochen wurde. Doch bald schon sollten Geistliche dort gegenteilige Erfahrungen mit der vermeintlichen Ungläubigkeit der Franzosen sammeln.188 Ein Blick in die Feldpostbriefe beweist ebenfalls, dass viele katholische Soldaten der Meinung waren, dass gegen den Laizismus und Atheismus in Frankreich gekämpft werden müsse.189

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Vgl. Betker, Einleitung, S. 23; Lätzel, Kirche, S. 45;111; Loth, Katholiken, S. 268. Die französischen Katholiken wiederum rechtfertigten ihren Einsatz im Krieg als Kampf gegen das preußisch lutherische Kaisertum und sprachen den Deutschen den rechten Glauben ab. Vgl. Becker, Religionsgeschichte, S. 36; Greschat, Christenheit, S.23; Morozzo della Rocca, Benedikt, S. 192; 202. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 45; Lutz, Demokratie, S. 44. Léon-Adolphe Kardinal Amette (1850-1920) war seit 1908 Erzbischof von Paris. Vgl. Bräuer, Handbuch, S. 215f. Vgl. Burkard, Kaiser, S. 58. Vgl. Geinitz, Kriegsfurcht, S. 202; Göbel, Katholiken, S. 114. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 116f.; 141. Vgl. Geinitz, Kriegsfurcht, S. 203. Ob im Laufe des Krieges in Freiburg eine Wandlung des Frankreichbildes, wie in Fulda, stattfindet, kann nicht beurteilt werden, da Geinitz nur die ersten Kriegsmonate untersucht. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 138f.

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4.1.2 Die Absprache der Religiosität Frankreichs im Mainzer Katholizismus Auch das MJ spricht Frankreich seine Religiosität ab. Bereits zu Beginn des Weltkrieges wird behauptet, Frankreich sei von der katholischen Kirche und dem katholischen Glauben abgefallen.190 Demgemäß wird Frankreich immer wieder als atheistische Republik191 sowie „Land der Katholikenverfolgung und des Religionshasses“192 dargestellt. Dabei wird stets auf die 1905 erfolgte Trennung von Staat und Kirch angespielt. 193 Ein Beleg für den Abfall Frankreichs vom Glauben sei, so das MJ, dass Geistliche nicht vom Militärdienst befreit würden.194 Sogar Bischöfe würden zum Dienst an der Waffe gezwungen.195 Ein weiterer Beweis für die Gott- und Kirchenfeindlichkeit der Franzosen sei, dass kriegsgefangene französische Geistliche von den eigenen mitinternierten Kameraden beschimpft und verspottet würden. In Deutschland hingegen würde man die gefangenen Kleriker wie Offiziere behandeln.196 Bei allen Vorwürfen der Ungläubigkeit Frankreichs macht das MJ aber Abstufungen zwischen den einzelnen Franzosen. So verteidigt es die französischen Geistlichen, die „ihre Gläubigen zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen und von Unrecht abhalten“197 von Anfang an. Ab Ende November 1914 wird dann weiter differenziert. So gebe es in der Bevölkerung Frankreichs „noch edle Katholiken, aber die, die den Ton angeben, haben Gottlosigkeit auf ihre Fahnen geschrieben, sie haben das Volk mit allen Mitteln von Gott und der Religion fortgerissen“. 198 Das MJ macht demnach vor allem die Regierung für das gottlose Verhalten Frankreichs verantwortlich, wie auch die Artikel der nächsten Zeit beweisen. So findet sich im Folgenden im MJ die Unterscheidung zwischen der kirchen-

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Vgl. Se. Heiligkeit Papst Pius X. gestorben, in: MJ 20.08.1914. Vgl. Der Krieg und der Katholizismus, in: MJ 24.02.1915; Krieg-Kirche, in: MJ 07.08.1915. Konferenz der katholischen Männer und Arbeitervereine, in: MJ 05.01.1915. Vgl. Der Krieg und Christus, in: MJ 01.05.1915; Die Stellung der Kirche zum Kriege. Benedikt XV. als Friedenstifter, in: MJ 21.04.1915. Vgl. Eingezogene Priester im französischen Heere, in: MJ 10.09.1914; Konferenz der katholischen Männer und Arbeitervereine, in: MJ 05.01.1915; Die französischen Geistlichen und der Krieg, in: MJ 04.12.1915; Die Kriegsleistungen der Priester, in: MJ 01.04.1916; Ueber den Geistlichen im französischen Heere, in: MJ 21.10.1916; Dies und das, in: MJ 24.02.1917. Vgl. Bischöfe im französischen Heere, in: MJ 06.10.1914. Vgl. Die gefangenen französischen Militärgeistlichen, in: MJ 05.10.1914; Das Schreiben des Hl. Vaters Papst Benedikt XV., in: MJ 24.10.1914; Der Papst und Deutschland, in: MJ 24.10.1914; Ein Gespräch mit dem preußischen Gesandten beim Vatikan, in: MJ 09.11.1914. Die katholischen Geistlichen und der Krieg!, in: MJ 18.9.1914. Auch die Elsässischen Priester, denen eine deutschlandfeindliche Haltung vorgeworfen wird, verteidigt das MJ, indem es ihnen ein dem Deutschen Reich wohlgesonnenes Verhalten attestiert. Vgl. Die Stimmung in Straßburg, in: MJ 10.08.1914; Die Lügen über das Kloster Delenberg im Elsaß, in: MJ 26.08.1914; Amtliche Ehrenrettung der katholischen Geistlichkeit, in: MJ 08.09.1914. „Thron und Altar“. Apologetischer Vortrag, in: MJ 20.11.1914.

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feindlichen Freimaurerregierung Frankreichs, die Schuld am Weltkrieg habe und sich antikatholisch, antikirchlich und antipäpstlich verhalte199 und der katholischen Bevölkerung Frankreichs, die von dieser Regierung unterdrückt werde und die „in den Krieg hineingestoßen“200 wurde, fortwährend wieder. So habe die französische Regierung den „Kriegswillen des Volkes gefälscht und mit Lügen angestachelt“.201 Die Katholiken Frankreichs aber hätten bedauernswerterweise keinen Einfluss auf ihre Regierung. 202 Vielmehr würden sie von der Regierung „fortwährend wie arme Verwandte und wie Franzosen zweiter Klasse behandelt. […] [und] von der öffentlichen Macht und von den Verantwortungen ferngehalten“203. Die feindliche Haltung der Regierung gegenüber Papst und Kirche wird im MJ ständig mit Beispielen belegt. Ein erster Beweis wird darin gesehen, dass das Gebet des Papstes für den Frieden im Februar 1915 erst erlaubt wurde, nachdem es auf einen national französischen Sinn, also einem dem Papst zuwiderlaufenden Sinn begrenzt wurde. 204 Ein nächster Beweis besteht darin, dass die Regierung die Hirtenbriefe der französischen Bischöfe beschneide.205 Die französische Regierung treibe „ihre feindliche Haltung gegenüber dem Heiligem Stuhl soweit, daß (sic!) sie die Auslieferung der bei französischen Banken deponierten Geldern des Vatikan verweigert.“206 Ein weiterer Anlass auf die Papst- und Kirchenfeindlichkeit der französischen Regierung aufmerksam zu machen ist das Bekanntwerden, dass die französische Regierung der italienischen Forderung entsprochen hat, sich niemals auf die Internationalisierung oder Veränderung der bestehenden römischen Garantiegesetze zugunsten des Papsttums einlassen zu wollen, was einer Missachtung der Rechte und Interessen des Heiligen Stuhles und der katholischen Kirche gleichkomme.207 Auch hier unterscheidet das MJ zwischen den Katholiken Frankreichs

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Vgl. Die Kurie und der Weltkrieg, in: MJ 03.05.1915; Gotteslästerliche Geschmacklosigkeiten in Frankreich, in: MJ 14.08.1915; Der Sinn von diesem „großen Sterben“, in: MJ 14.12.15; Zur Lage des Papstes, in: MJ 02.02.1916; Weltkrieg und Jakobinertum, in: MJ 10.05.1916; Die unbelehrbaren französischen Katholiken, in: MJ 19.10.1916; Papst und Friedensfrage, in: MJ 28.07.1917; Der Hl. Stuhl und die Katholiken, in: MJ 27.12.1917; Demokratisches Ideal und die Wirklichkeit in Frankreich, in: MJ 05.03.1918; Die letzten Friedensschritte Benedikts XV. in Frankreich, in: MJ 04.04.1918; Der Papst und der Krieg, in: MJ 07.06.1918. Die Auguren Frankreichs, in: MJ 19.04.1916. Verantwortungsgefühl gegenüber der Menschheit, in: MJ 21.12.1917. Vgl. Frankreich und der Vatikan. Französisches Liebeswerben, in: MJ 06.03.1915. Die neue Regierung und die Katholiken in Frankreich, in: MJ 13.11.1915. Vgl. Das verbotene Friedensgebet, in: MJ 04.02.1915; Der Krieg und die französischen Katholiken, in: MJ 21.04 1915; Der Friedens-Aufruf des Papstes, in: MJ 03.08.1915. Vgl. Frankreich und der Vatikan. Französisches Liebeswerben, in: MJ 06.03.1915; Die Kurie und der Weltkrieg, in: MJ 03.05.1915. Der Heilige Stuhl und der Weltkrieg, in: MJ 08.04.1915. Vgl. Der Vierverband als Feind des Hl. Stuhles, in: MJ 08.01.1916; Die russischen Geheimakten und der päpstliche Stuhl, in: MJ 08.12.1917. Mehr dazu in Kapitel 5.1.

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und der Regierung der französischen Republik. So schreibt das MJ: „Das haben die französischen Katholiken wahrlich nicht verdient“208 und „Die Katholiken Frankreichs sehen die Londoner Klausel als Beleidigung an und setzten sich mit aller Macht für die Wiederherstellung der offiziellen diplomatischen Beziehung Frankreichs mit dem Vatikan ein."209 Auch wird ein Brief des Kardinal Dubois, Erzbischof von Rouen 210, im MJ abgedruckt, in dem er dem Papst sein Bedauern und Protest gegenüber dem Londoner Vertrag ausdrückt.211 Die Einstellung der Pariser Regierung zeige sich auch darin, dass „Frankreich bei der chinesischen Regierung gegen die Anknüpfung diplomatischer Beziehungen zwischen China und dem Vatikan […] Einspruch erhoben hat. Der Protest werde damit begründet, daß (sic!) gemäß dem Vertrage von 1858 die katholischen Organisationen unter französischem Schutz stehen. Es ist eine unerträgliche Bevormundung, die sich das offizielle Frankreich damit gegenüber dem Heiligen Stuhle herausnimmt […] China wie der Vatikan erhalten, damit einen neuen Vorgeschmack davon, was es mit der Freiheit auf sich hat, die der Sieg der Verbandsmächte der Welt bringen soll.“212 Auch die päpstliche Friedensnote vom August 1917213 bietet dem MJ einen Anlass die französischen Glaubensbrüder in einem guten und die französische Regierung in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. So sei das französische Volk für den Frieden und pro Papst eingestellt.214 Die friedensbefürwortenden und der Papstnote freundlich gegenüberstehenden Hirtenbriefe katholischer Bischöfe würden aber in Frankreich zensiert werden und Anlass für eine antikirchliche Hetze sein.215 Selbst das antideutsche Verhalten französischer Katholiken wird in einem Artikel des MJ entschuldigt. Dass sie „so aufgebracht gegen uns sind, liegt an der unverantwortlichen Hetze gegen uns, bei den französischen Katholiken, soweit sie kirchentreu sind, herrscht eine Vorstellung von deutschen Verhältnissen vor, die ihren schädlichen Einfluß (sic!) auch auf die Beurteilung der deutschen

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Die Ausschließung des Papstes von den Friedensverhandlungen, in: MJ 19.12.1917. Der Papst und der Krieg, in: MJ 24.06.1918 Louis-Ernest Kardinal Dubois (1856-1929) war ab 1916 Erzbischof von Rouen und ab 1920 Erzbischof von Paris. Vgl. Bräuer, Handbuch, S. 238. Vgl. Die antivatikanische Klausel im Londoner Vertrag, in: MJ 29.06.1918. Frankreich und der Hl. Stuhl, in: MJ 20.08.1918. Dazu mehr in Kapitel 6.1. Vgl. Für und gegen den Frieden, in: MJ 01.09.1917. Vgl. Frankreichs Priester und der Frieden, in: MJ 21.11.1917. Laut Baadte lehnte die Mehrheit der französischen Bischöfe diesen Friedensvorschlag Benedikts XV. ab. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 103.

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Katholiken ausübt, wonach das deutsche Volk im allgemeinen protestantisch also ketzerisch sei“216. In diesem Sinne veröffentlicht das MJ auch Artikel, die nach dem Erscheinen des Buches La Guerre die Katholiken Frankreichs verteidigt.217 Der Kampf gegen die Dritte Französische Republik im Weltkrieg wird nun damit gerechtfertigt, dass ein Sieg des sitten- und gottlosen Frankreichs im gegenwärtigen Weltkrieg verhindert werden müsse, denn dadurch würde das dortige „atheistische Regiment gefestigt und der Sturz des Katholizismus“218 in der gesamten Welt herbeigeführt. Wenn die Mittelmächte aber gewinnen, würde „dadurch der Geist der Religion des Christentums und der christlichen Sitte in die ganze Welt getragen werden.“219 „So ist das deutsche Schwert gezogen auch für Frankreichs Katholiken […] fürwahr das Schwert ist gezogen wie für des Reiches so für der katholischen Weltkirche Freiheit […] Jedesmal (sic!) wenn wir rufen es lebe das Vaterland, klingt […] mit der Ruf - es lebe die Kirche!“220 Die Interpretation, dass ein Sieg Frankreichs ein großes Unglück für die katholische Welt bedeuten würde, ein Sieg des Deutschen Reiches dagegen Frankreich und der gesamten Welt den Glauben wieder bringe und man daher auch im Dienste der französischen Glaubensbrüder kämpfe, findet sich immer wieder in Artikeln des MJ.221 Darüber hinaus wird hier deutlich, wie die nationale Sache, der Sieg des Vaterlandes, mit der katholischen Sache, der Stärkung der Kirche und der Verbreitung des katholischen Glaubens, miteinander in Einklang gebracht werden. Sowohl der bisher erforschte deutsche als auch der Mainzer Katholizismus rechtfertigen den Krieg gegen die ehemals „älteste Tochter der Kirche“, indem sie das ehemals betonen. Nun sei Frankreich Kirchen-, Katholiken- und Papstfeindlich eingestellt. Allerdings differenzieren der Fuldaer Katholizismus ab 1915 und der Mainzer Katholizismus bereits im November 1914 zwischen der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung und den treuen Katholiken Frankreichs.222 Der Mainzer Katholizismus betont immer wieder, dass es in Frankreich noch kirchen- und papsttreue Katholiken gebe. Er blendet also keineswegs

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Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 30.06.1917. Siehe dazu das folgende Kapitel. P. Cohausz über den Weltkrieg und die deutschen Katholiken, in: MJ 18.06.1915. Pater Otto Cohausz SJ (1872-1938) diente freiwillig im Weltkrieg als Feldgeistlicher. Vgl. Hillig, Nachruf, online unter: http://www.con-spiration.de/syre/files/rothe-nr/cohauss.html „Thron und Altar“. Apologetischer Vortrag, in: MJ 20.11.1914. Krieg-Kirche, in: MJ 24.08.1915. Vgl. „Thron und Altar“. Apologetischer Vortrag, in: MJ 20.11.1914; Konferenz der katholischen Männer und Arbeitervereine, in: MJ 05.01.1915; Die Stellung des Papstes, in: MJ 07.01.1915; Die sittliche Erneuerung durch den Krieg, in: MJ 12.02.1915; Der Krieg und der Katholizismus, in: MJ 24.02.1915. An dieser Stelle bieten sich weitere regionale Studien an um herauszufinden ob es diese Differenzierung auch außerhalb von Mainz und Fulda gab.

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aus, dass in anderen Ländern Glaubensbrüder mit der gleichen Tradition lebten. Um eben diese Glaubensbrüder von der atheistischen Regierung zu befreien, müsse man im Dienste der gesamten katholischen Kirche die nationale Sache unterstützen. Denn nur durch einen Sieg der Mittelmächte würde die katholische Kirche gestärkt aus dem Weltkrieg hervorgehen. So werden durch den Mainzer Katholizismus deutsche/nationale mit katholischen/ weltkirchlichen Zielen gleichgesetzt.

4.2 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ Obwohl sich die deutschen Katholiken im Ersten Weltkrieg patriotisch und nationalistisch gaben, lehnten sie doch den Hass gegenüber anderen Nationen ab.223 Diese Einstellung wurde durch die Ende April 1915 vom französischen Kirchenhistoriker Baudrillart224 herausgegebene und von einigen Bischöfen aus Frankreich empfohlene Sammelschrift La Guerre auf die Probe gestellt.225 In diesem Buch warfen unterschiedliche Autoren in sieben Beiträgen der Regierung und Intellektuellen des Deutschen Reiches vor, einen Kampf gegen den Katholizismus zu führen. Frankreich hingegen sei der Kirche treu ergeben. Veranschaulicht wurde dies durch einen zeitgleich veröffentlichten Bildband.226 Dieses Werk war hauptsächlich als Propagandaschrift für die Katholiken in den neutralen Ländern gedacht und wurde daher in mehrere Sprachen übersetzt.227 Im Folgenden soll betrachtet werden, wie der Mainzer Katholizismus im Vergleich zum deutschen Katholizismus auf dieses Buch reagierte.

4.2.1 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ und der deutsche Katholizismus Auch wenn sich die Vorsitzenden der Fuldaer228 und Münchner Bischofskonferenz229 über diese Aufsatzsammlung beim Papst beschwerten, unterließen die Bischöfe doch im päpstlichen Sinne eine direkte Entgegnung.230 So unterschrieb auch kein Mitglied des

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Vgl. Gatz, Kirche, S. 64. Alfred Henri Marie Kardinal Baudrillart (1859-1942) war ab1907 Leiter des Institut catholique de Pa ris. Ab 1921 war er Titularbischof von Hemeria und Weihbischof in Paris. Vgl. Bräuer, Handbuch, S. 286. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 97; Burkard, Kaiser, S. 57f.; Gatz, Kirche, S. 64. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 258f.; Arnold, Guerre, S. 3. Eine Zusammenfassung der einzelnen Artikel findet sich bei: Lätzel, Kirche, S. 71ff. und Scheidgen, Bischöfe, S. 261-268. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 98. Zu Kardinal Hartmann vgl. Anm. 152. Vorsitzender der Münchner Bischofskonferenz war zu diesem Zeitpunkt Franziskus Kardinal von Bettinger (1850- 1917), der ab 1909 Erzbischof von München und Freising war. Vgl. Krausen, Bettinger, S. 195. Im August 1915 beschwerten sich deutsche Bischöfe beim Papst. Dieser betonte, dass er nicht wolle, dass man ein anderes Volks durch Wort oder Schrift herabsetzen würde. Letztendlich verzichteten die

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Episkopats die von Theologie-Professor Rosenberg und 125 weiteren namenhaften Vertretern des deutschen Katholizismus herausgebrachte „Denkschrift deutscher Katholiken gegen das französische Buch: ,La Guerre allemande et le Catholicisme‘“231. Auch der Kirchenhistoriker Pfeilschifter232 brachte 1915 zusammen mit anderen Gelehrten einen, die französischen Vorwürfe abwehrenden, Sammelband heraus.233 In beide Schriften bemühten sich die Autoren um einen ruhigen wissenschaftlichen Ton.234

4.2.2 „La Guerre Allemande et le Catholicisme“ und der Mainzer Katholizismus Nach der Herausgabe des Buches La Guerre erscheinen im MJ Artikel, die die Argumente der Schrift und des Fotobuches zusammenfassen und widerlegen.235 Ebenso werden die Gegenschriften von Rosenberg236 und von Pfeilschifter237 mit ihren Argumenten vorgestellt. Dabei reagiert das MJ ähnlich wie der restliche bereits erforschte Katholizismus in Deutschland. So wird betont, dass im Gegensatz zu den französischen Katholiken, die „selbst mitten im blutigen Völkerringen ihrem religiösen Hasse keine Zügel anlegen“238 und daher vom Evangelium Jesu abfielen,239 man selbst vollkommen sachlich bleiben wolle und auf jede Art von Beleidigung verzichten würde240, um „die letzten Verbindungsfäden nicht zu zerschneiden, welche für die Zukunft geblieben sind […]. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß (sic!) der im Angriffsbuch vertretene Katholizismus nicht den gesamten französischen Katholizismus darstellt.“ 241 Das beste Beispiel biete hierfür ein

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Bischöfe auch auf eine Reaktion, um der Weltgeschichte das Schauspiel eines sich streitenden Episkopats zu ersparen. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 100; Burkard, Kaiser, S. 57f.; Gatz, Kirche, S. 64. Vgl. Gatz, Kirche, S. 64. Eine Zusammenfassung der Kapitel bietet Lätzel, Kirche, S. 79-83. Bereits zuvor hatte Alfred Rosenberg unter dem Titel: „Der deutsche Krieg und der Katholizismus. Deutsche Abwehr französischer Angriffe“ eine Schrift gegen die Vorwürfe verfasst. Vgl. Arnold, Guerre, S. 308. Georg Pfeilschifter (1870-1936). Vgl. Faller, Pfeilschifter, Sp. 1090. Dieser erschien unter dem Titel: „Deutsche Kultur, Katholizismus und Weltkrieg. Eine Abwehr des Buches `La guerre allemande et le catholicisme´“. Wie La Guerre war es vor allem an neutrale Nationen gerichtet, weshalb es auch in die Weltsprachen übersetzt wurde. Vgl. Arnold, Guerre S. 308. Eine Zusammenfassung der Artikel findet sich bei Lätzel, Kirche, S. 74-79. Vgl. Gatz, Kirche S. 64f.; Strötz Katholizismus, S. 187. Vgl. Eine Widerlegung der französischen Anschuldigungen, in: MJ 28.06.1915. Zudem erscheinen im MJ sechs Artikel, die alle mit „Eine französische Anklage und eine deutsche Verteidigung“ überschrieben sind an folgenden Tagen: 29.01.1916; 11.02.1916; 19.02.1916; 23.02.1916; 26.02.1916; 04.03.1916. Vgl. Der deutsche Krieg und der Katholizismus, in: MJ 04.06.1915; Der deutsche Katholizismus im Weltkriege, in: MJ 09.10.1915. Vgl. Eine neue Abwehrschrift der deutschen Katholiken, in: MJ 06.01.1916. Eine französische Anklage und eine deutsche Verteidigung, in: MJ 23.02.1916. Vgl. Frankreichs im Chauvinismus ertrunkener Katholizismus, in: MJ 30.09.1915. Vgl. „Der deutsche Krieg und die katholische Kirche“ in: MJ 16.03.1915; Der deutsche Krieg und der Katholizismus, in: MJ 02.06.1915; „Der deutsche Krieg und der Katholizismus“, in: MJ 10.06.1915; Eine französische Anklage und eine deutsche Verteidigung, in: MJ 29.01.1916. Die Katholiken in Deutschland und Frankreich während des Weltkrieges, in: MJ 15.09.1915.

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französischer Benediktinerpater, der das Buch kritisiert.242 Zudem wird daran erinnert, dass sehr viele französische Katholiken, auch solche, die La Guerre unterstützen, den deutschen Kriegsgefangenen gegenüber großartige, versöhnend wirkende Werke der Caritas ausgeübt hätten.243 Dementsprechend findet sich hier erneut die Mahnung nicht zu Verallgemeinern. Selbst über die französischen Glaubensgenossen, die die Anklageschrift unterstützen, solle nicht zu hart geurteilt werden, da sie in ihrer Jugend Zeugen der furchtbaren Katastrophe des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 gewesen seien und sie von Jugend auf nichts anderes gehört hätten, als dass „Frankreich die erstgeborene Tochter der Kirche“244 sei. Außerdem wird ein Artikel abgedruckt, in dem Kardinal Hartmann die Beteiligung seiner Mitbrüder im Episkopat damit verteidigt, dass sie auch durch die falsche Entente-Presse aufgestachelt worden seien.245 Ebenso findet sich im MJ auch ein Artikel, der das Darmstädter Tageblatt kritisiert, da es anlässlich des Buches La Guerre Folgendes schreibt: „wo käme es mit der Vaterlandsliebe hin, wenn man die Herzen der Jugend nicht mehr entflamme zum Hasse gegen unsere heimtückischen Feinde.“246 Dagegen wendet das MJ ein, es sei zwar gestattet, „Entrüstung zu haben […], ebenso, den Angreifer so niederzuwerfen, wie es die eigene Sicherheit verlangt; aber nie kann gestattet sein der Haß (sic!), das heißt die blindwütige Sucht, ein Volk, […], wo und wann sich Gelegenheit bietet zu vernichte. […] Insbesondere die katholische Kirche, die Weltkirche, die die Menschen aller Völker, aller Zonen, aller Farben ihrer erhabenen Bestimmung der Gotteskindschaft entgegenführen soll und will, kann nie schweigen zur Predigt des Hasses unter den Völkern […] wohl aber kann der Fall eintreten, daß (sic!) man der Ansicht sein darf, im Interesse der Kirche sei der Sieg der einen oder anderen Partei wünschenswert, ja notwendig. [...] Die Katholische Kirche muss gegen den Haß (sic!) protestieren. Hinweg mit der blasphemischen Sprache vom deutschen Gott, es gibt keinen deutschen Gott. […] Gott ist auch der liebevolle Gottvater des armen betörten Franzosenvolkes. […] Echtes Christentum gibt es auch in gallischen, d.h. französischen, in gelben, braunen und schwarzen Menschenherzen. […] alle sind gleichberechtigte Kinder derselben heiligen Gotteskirche, alle bestimmt zur selben himmlischen Gottesgemeinde.“247 Dieser Artikel ist kein Einzelfall: Immer wieder betont das MJ, dass der deutsche Katholizismus es aus Liebe zur katholischen Einheit ablehne 242 243 244 245 246 247

Vgl. An die belgischen Katholiken, in: MJ 12.10.1915. Vgl. Die Katholiken in Deutschland und Frankreich während des Weltkrieges, in: MJ 15.09.1915. Eine französische Anklage und eine deutsche Verteidigung, in: MJ 19.02.1916. Vgl. Geistliche Würdenträger ueber den Krieg, in: MJ 12.06.1918. Krieg-Kirche, in: MJ 24.08.1915. Krieg-Kirche, in: MJ 24.08.1915.

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anderen Nationen mit Hass zu begegnen, da dies gegen das Evangelium der christlichen Liebe wäre.248 Selbst wenn das französische Verhalten dem deutschen Katholizismus noch so sehr geschadet habe, so dürfe das die deutschen Katholiken nicht von einem entgegengesetzten Handeln abhalten.249 Wenn man auf den Hass gegen andere Völker verzichtet, würde man ganz im Sinne des Papstes handeln. So wird ein Papstschreiben im MJ veröffentlich, das er an die Bischöfe der Fuldaer Konferenz sendet, in dem es heißt, dass es keinem Katholiken erlaubt sei „die Handlungen der Katholiken eines anderen Volkes durch Wort und Schrift in einer Weise herabzusetzen, daß (sic!) sie, wie der Apostel sagt ,einander, herausfordern, einander beneiden‘ und so neuen Zunder zu der Erbitterung liefern […] Daher ermahnen Wir alle Katholiken, daß (sic!) sie jede Zwietracht meiden und durch christliche Bruderliebe miteinander zur Wiederherstellung eines solchen Friedens allesamt beitragen müssen.“250 Ein Beweis für die Menschlichkeit und den Hassverzicht sieht das MJ darin, dass die Deutschen in den von ihnen besetzten Gebieten Gelder an hilfsbedürftige Franzosen gespendet hätten.251 Diese vorgestellten Zeitungsartikel sind klare Belege dafür, dass sich der Mainzer Katholizismus dem Gedanken des Universalismus bewusst und nicht einem übertriebenen Nationalismus verfallen war. Auch wird es im Mainzer Katholizismus gutgeheißen, dass sich die deutschen Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe nicht an der Erwiderung des Buches La Guerre beteiligen. So sei „das rein politische Ziel und die Art der Polemik über Katholizismus und Weltkrieg nicht mit der Würde und den Aufgaben des bischöflichen Hirtenamtes vereinbar.“252 Vielmehr hätten „die beiden deutschen Kardinäle im Namen des gesamten deutschen Episkopats inzwischen durch ihre Beschwerde beim Heiligen Vater den ihnen offenstehenden und gebotenen Weg beschritten.“253 Hierbei hätten „die deutschen Kirchenfürsten den ausdrücklichen Wunsch des Papstes vor den Augen, Streitigkeiten zwischen Mitgliedern der katholischen Hierarchie zu vermeiden. Die deutschen Bischöfe haben stets diese Verhaltungsmaßregeln befolgt, auch wenn sie dabei Opfer bringen mußten (sic!).“254

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Vgl. Der deutsche Krieg und der Katholizismus, in: MJ 04.06.1915; Patriotismus, ein schönes aber auch viel mißbrauchtes Wort, in: MJ 28.12.1915; Fastenhirtenbrief Georg Heinrichs, in: MJ 19.02.1917. Vgl. Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 28.06.1917. Eine Mahnung des Papstes, in: MJ 27.09.1915. Vgl. Deutsche Hilfstätigkeit im besetzten Frankreich, in: MJ 22.02.1917. Denkschrift deutscher Katholiken gegen das französische Buch „La Guerre allemande et le Catholicisme“, in: MJ 18.06.1915. „Der deutsche Krieg und der Katholizismus“, in: MJ 10.06.1915. Geistliche Würdenträger ueber den Krieg, in: MJ 12.06.1918.

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Die Berichterstattung des MJ in Bezug auf das Buch La Guerre verdeutlicht, dass im Mainzer Katholizismus der Gedanke des Universalismus auch im Weltkrieg noch verankert war. Die Reaktion des Mainzer Katholizismus unterscheidet sich hierbei nicht wesentlich von der des übrigen bereits untersuchten deutschen Katholizismus. So überwiegen die Stimmen, die dazu auffordern, die Reaktion auf La Guerre solle nicht in gleicher polemischer Weise ausfallen, in der das Buch verfasst sei. Vielmehr wird betont dem Feinde Nächstenliebe statt Hass entgegen zu bringen. Gleichwohl gibt es auch ein paar spitze Andeutungen, die darauf abzielen sich selbst als moralisch besser darzustellen, indem darauf hingewiesen wird, dass man im Gegensatz zu den französischen Katholiken die Grundsätze der Christenheit und des Papstes beherzige.

4.3 Die Kathedrale von Reims Zwischen dem 4. und 12. September besetzten die deutschen Truppen die französische Stadt Reims, ohne dass dabei die Kathedrale, die als Symbol für das katholische Frankreich galt, 255 beschädigt wurde. Mitte September mussten die Deutschen sich allerdings bis auf einige Kilometer nördlich von Reims zurückziehen. Am 19. September beschoss die deutsche Artillerie die Kathedrale. Dadurch fingen die Gerüste an der Westfassade und das Dach Feuer, wodurch zahlreiche Skulpturen und mittelalterliche Glasfenster zerstört wurden. Die Deutschen behaupteten, sie hätten die Kathedrale nur beschossen, da die Franzosen Artillerie in ihrer Nähe stationiert hätten und die Türme der Kathedrale als Beobachtungs- und Winkerstation benutzt hätten, was der Erzbischof von Reims Luçon256 verneinte.257 Auch im weiteren Verlauf des Krieges rechtfertigten die Deutschen die Beschießungen der Kathedrale mit dem Vorwurf die Franzosen würden in ihrer Nähe Artillerie aufstellen und die Kathedrale als Beobachtung und Winkerstation missbrauchen.258 Im Folgenden wird analysiert, wie sich der Mainzer Katholizismus im Vergleich zu dem übrigen deutschen Katholizismus zu der Beschießung der Kathedrale von Reims verhielt.

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Die dortige aus dem 13. Jahrhundert stammende Kathedrale war der Krönungsort der französischen Könige und hatte damit einen großen Symbolwert für den französischen Katholizismus. Vgl. Greschat, Christenheit, S. 25; Horne, Reims, S. 790; Meseberg-Haubold, Widerstand, S. 79. Louis-Henri-Joseph Kardinal Luçon (1842-1930) war ab 1906 Erzbischof von Reims. Vgl. Lohmann, Lucon, Sp. 308. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 285. Laut Horne war in der Nähe Kathedrale keine französische Artillerie stationiert. Dass die Türme als Beobachtungstürme genutzt worden seien, könne dagegen zugetroffen haben. Allerdings hätte es sich dabei auch um zivile Schaulustige handeln können. Vgl. Horne, Reims, S. 790. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 285-293.

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4.3.1 Der deutsche Katholizismus und die Kathedrale von Reims Kardinal Hartmann hatte schon durch den Verzicht der direkten Antwort auf die Schrift La Guerre zum Ausdruck gebracht, dass die nationale Begeisterung der deutschen Bischöfe durchaus seine Grenzen kannte. Noch deutlicher ist dies in seinem Einsatz für die Kathedrale von Reims zu erkennen. Ihre Beschießung konnte er zwar anfangs, aber nicht dauerhaft verhindern.259 Wie sich andere Gruppierungen im deutschen Katholizismus zu der Beschießung der Kathedrale äußern, ist bisher nicht erforscht worden.

4.3.1 Der Mainzer Katholizismus und die Kathedrale von Reims Über die Beschießung der Kathedrale von Reimes wird im MJ zum ersten Mal am 22. September 1914 berichtet. Der Dom sei bei der Beschießung der Stadt geschont worden, trotzdem seien die Türme des Doms in Rauch gehüllt, da er „insgesamt während der dreitägigen Beschießung achtmal getroffen wurde. Der Schaden [sei] aber sehr geringfügig.“260 Auch einen Tag später schreibt das MJ, dass man es sehr bedauern würde, wenn der alte prächtige Dom in Reims bei der Beschießung beschädigt würde, und so würde man die Kathedrale nach Möglichkeit schonen. „Wenn die Franzosen aber ihre Geschütze bei dem kostbaren Bauwerk aufstellen und es als Deckung nutzen, dann hört die Möglichkeit der Schonung auf und die Franzosen üben selbst den Vandalismus aus, den sie den Deutschen vorwerfen. […] Kostbarer als das Bauwerk ist uns das Menschenleben.“261 In der Folgezeit erscheinen immer wieder Artikel, die beschreiben, dass die Kathedrale nur geringfügige Schäden erlitten habe und man nur gezwungenermaßen die Kathedrale beschieße, da die Franzosen vor der Kathedrale Artillerie zur Beschießung deutscher Truppen aufgestellt hätten und die Türme als Signal- sowie Beobachtungsstationen missbrauchen würden. Alleinige Schuld an der Zerstörung der Kathedrale trügen daher die Franzosen selbst.262 Außerdem veröffentlicht das MJ einen Artikel, in dem es sarkastisch feststellt, dass es sonderbar sei, mit welchem Eifer nun auf einmal Frankreich auf 259

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Am 20.05.1915 bat Kardinal Hartmann auf Wunsch des Papstes Kaiser Wilhelm II. bei einer Beschießung Reims Rücksicht auf die Kathedrale zu nehmen. Die deutsche Führung sicherte Hartmann zu von einer Beschießung der Kathedrale abzusehen, wen diese nicht zu militärischen Zwecken miss braucht würde. Anfang Mai 1917 bekam Hartmann die Nachricht, die Kathedrale sei erneut bombardiert worden. Auf seine Nachfrage hin, wurde dies damit begründet, dass die Franzosen bei ihrer Frühjahrsoffensive in der Nähe der Kathedrale Geschütze aufgestellt hätten. Zudem seien ab Anfang Oktober 1917 ihre Türme zu Beobachtungs- und Meldezwecken missbraucht worden. Am 7. November sei sogar eine Antenne und am 4. Dezember eine Blinkstation eingerichtet worden. Die Franzosen seien daher selbst Schuld, wenn die Kathedrale zerstört würde. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 285-293. Die Beschießung von Reims, in: MJ 22.09.1914. Die Beschießung von Reims u. das Schicksal der Kathedrale, in: MJ 23.09.1914. Vgl. Die Kathedrale von Reims steht noch, in: MJ 24.09.1914; Eine vernünftige italienische Stimme, in: MJ 24.09.1914; Die Kathedrale in Reims, in: MJ 25.09.1914; Der Dom von Reims, in: MJ

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den Schutz seiner Kirchen bedacht sei. Seit Jahren hätten die Franzosen nicht das geringste Interesse für ihre Kirchen gezeigt und sie größtenteils nicht kirchlichen Zwecken zugeführt, manche seien sogar als Pferdestall missbraucht worden.263 Das Thema der Beschießung der Kathedrale von Reims wird im MJ dann erst im April 1918 wieder im Zuge des deutschen Rückzuges virulent. Erneut wird das Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, aber die Kathedrale sei zum wiederholten Mal zu militärischen Zwecken missbraucht worden.264 Der Mainzer Katholizismus protestiert im Gegensatz zu Hartmann nicht gegen die Beschießung der Kathedrale. Er glaubt und verbreitet die von der Regierung propagierte Begründung, dass die Franzosen selbst Schuld seien, wenn die Kathedrale beschädigt würde, da sie den Dom zu militärischen Zwecken missbrauchen würden. Kostbarer als Bauwerke seinen nun einmal Menschenleben. Allerdings bringt der Mainzer Katholizismus wie schon im Fall Löwens sein Bedauern mehrmals zum Ausdruck, was auf eine gewisse Verbundenheit mit den französischen Glaubensbrüdern schließen lassen kann.

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26.09.1914; Der Dom von Reims, in: MJ 28.09.1914; Der Dom zu Reims, in: MJ 29.09.1914; Zur Kriegslage, in: MJ 30.10.1914; Ein Gespräch mit dem preußischen Gesandten beim Vatikan, in: MJ 09.11.1914; Die Kathedrale von Reims, in: MJ 15.11.1915; Zerstörung von Kunstschätzen, in: MJ 27.11.1914; Der Dom von Reims, in: MJ 02.11.1914. Vgl. Frankreich und seine Kirchen, in: MJ 08.10.1914. Vgl. Die Schuld, in: MJ 06.04.1918; Die Beschießung von Reims, in: MJ 23.04.1918.

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5 Die Causa Italien

5 Die Causa Italien Obwohl Italien seit 1882 mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich in einer Allianz verbunden war, erklärte es am 3. August 1914 seine Neutralität. Seitdem bemühten sich beide kriegsführenden Parteien durch territoriale Zugeständnisse Italien für sich zu gewinnen. Im April 1915 unterzeichnete das Königreich Italien einen Geheimpakt mit der Entente und erklärte am 23. Mai 1915 den Habsburgern sowie am 28. August 1916 dem Deutschen Reich den Krieg.265 Der Kriegseintritt Italiens stellte die deutschen Katholiken vor die Herausforderung ihren Einsatz im Weltkrieg zu legitimieren, da Italien eine traditionell katholische Nation war266 und nach wie vor die katholische Kirche eine entscheidende Rolle in Italien spielte.267 Vor allem zwei Argumente werden hier vom deutschen Katholizismus verwendet: Erstens: Durch den Krieg könne die Römische Frage zugunsten des Papstes gelöst werden und zweitens: Man führe den Krieg lediglich gegen die Freimaurerregierung Italiens. Dies wird im Folgenden weiter ausgeführt.

5.1 Die Lösung der Römischen Frage Als Römische Frage wird der von 1870 bis 1929 andauernde Konflikt zwischen katholischer Kirche und italienischem Staat bezeichnet, in dem es einerseits um den Status Roms als Hauptstadt und andererseits um die staatsrechtliche Stellung des Vatikans in Rom ging. Die national-liberale italienische Einigungsbewegung (Risorgimento) hatte bereits seit den 1830er Jahren die Forderung nach der weltlichen Herrschaft über Rom vertreten, da sie die „Ewige Stadt“ als die natürliche Hauptstadt des italienischen Königreiches ansah. Dagegen wehrte sich der damalige Papst Pius IX. Bis 1870 sicherte eine französische Garnison die päpstliche Herrschaft im noch verbliebenen Kirchenstaat (Latium mit der Stadt Rom). Doch als die französischen Truppen im Sommer 1870 im Zuge des DeutschFranzösischen Krieges nach Frankreich abberufen wurden, konnte das italienische Heer ohne nennenswerten Widerstand Rom einnehmen und die weltliche Herrschaft des Papsttums dort beenden sowie den Kirchenstaat in den seit 1861 bestehenden Nationalstaat Italien integrieren. Im folgenden Jahr wurde die italienische Hauptstadt von Florenz nach Rom verlegt und ein Garantigesetz von der italienischen Regierung erlassen, welches von Pius IX. als ungenügend abgelehnt wurde, obwohl es dem Pontifex Souveränitätsrechte, 265

Vgl. Berghan, Weltkrieg, S. 40f.; Greschat, Kirchen, S. 105; Lätzel, Kirche, S. 152. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 121. 267 Vgl. Greschat, Christenheit, S. 45. 266

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freie Ausübung seines geistlichen Amtes, eine jährliche Vergütung, eine diplomatische Vertretung sowie die Benutzung der vatikanischen Paläste, Gärten und anderen Gebäude versicherte. Überdies erklärte sich der Papst zum Gefangenen im Vatikan und forderte die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papsttums. Auch die nachfolgenden Päpste versuchten die Wiedererrichtung des Kirchenstaates zu erreichen. Endgültig geklärt wurde die Römische Frage erst unter Pius XI. durch die 1929 geschlossenen Lateranverträge mit der faschistischen Regierung Italiens unter Benito Mussolini. Rom wurde hierbei von der katholischen Kirche als Hauptstadt Italiens anerkannt. Im Gegenzug garantierte die italienische Regierung dem Vatikan als Vatikanstadt die volle staatliche Souveränität und politische Unabhängigkeit.268

5.1.1 Der deutsche Katholizismus und die Lösung der Römischen Frage Der Deutsche Katholizismus legitimierte den Krieg gegen Italien damit, dass man mit einem Sieg über Italien etwas zur Verbesserung der Lage des Papsttums beitragen könne.269 So sah man eine Möglichkeit die Römische Frage zu Gunsten des Papstes zu entscheiden und den Papst somit wieder zu einem Souverän mit eigenen Territorien zu machen.270 Immer wieder wurde erörtert, wie die territoriale, die rechtliche und die finanzielle Situation des Papstes verbessert werden könne.271 Dabei kam den deutschen Katholiken entgegen, dass das Königreich Italien im Londoner Geheimvertrag (26. April 1915)272, bei dem es einen Kriegseintritt auf Seiten der Entente zusagte, in Artikel 15 seine künftigen Bündnispartner dazu verpflichtete, jedwede Beteiligung des Papstes an Friedensverhandlungen oder auch nur den Einfluss auf die künftige Friedensordnung zu verhindern.273 Auch die Fuldaer katholische Presse äußert die Hoffnung durch den Krieg die Stellung der Kirche und des Papsttums in Deutschland und der ganzen Welt zu verbessern sowie die Italienische Frage zugunsten des Papstes entscheiden zu können und den Kirchenstaat in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen.274

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Vgl. Gelmi, Römische Frage, Sp. 1286f. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 134; Loth, Katholiken, S. 286. Vgl. Hürten, Kirche, S. 729. Vgl. Lutz, Demokratie, S. 44; Strötz, Katholizismus, S. 192. Vgl. Maron, Kirche, S. 214. Bereits 1899 und 1907 verhinderte Italien, dass der Heilige Stuhl zu Haager Friedenskonferenzen eingeladen wurde, da es ihn als italienischen Staatsbürger und Untertan des Königreichs Italien ansah. Vgl. Hürten, Kirche, S. 726. An den Friedensverhandlungen am Ende des Ersten Weltkrieges war der Papst dann tatsächlich auf Wunsch der italienischen Regierung nicht beteiligt. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 172. Vgl. Göbel, Katholiken, S.77f.; 121ff.

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5.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Lösung der Römischen Frage Bis zum Kriegsbeitritt Italiens betont das MJ regelmäßig, wie sich durch den Krieg die Stellung des Papsttums gebessert habe. So würden sogar die Protestanten schreiben, dass mit dem Krieg ein Wachstum der päpstlichen Macht und eine Festigung seiner Stellung einhergehen275. Dies sei vor allem darin erkennbar, dass nun wieder zahlreiche, dem Vatikan eigentlich fern stehende Staaten, unter anderem auch das kirchenfeindliche Frankreich, das orthodoxe Russland, aber auch Japan und England diplomatische Beziehungen zum Vatikan aufnehmen wollen. Durch den Weltkrieg sei das Papsttum längst nicht mehr eine bloße moralische Instanz, sondern ein gewichtiger politischer Faktor geworden.276 So sei der „Papst heute die meist umworbene Persönlichkeit“277 und Rom wieder caput mundi.278 Doch dies änderte sich mit dem drohenden Kriegseintritt Italiens. Bereits wenige Monate vor der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn erscheinen Artikel, die sich mit der Römischen Frage auseinandersetzen und auf die Lückenhaftigkeit des italienischen Garantigesetzes von 1871 sowie auf die vielen unklaren Fragen bezüglich des Papsttums hinweisen. 279 Wie der Mainzer Katholizismus zur Römischen Frage und dem Garantiegesetz von 1871 steht, verdeutlicht ein Artikel, in dem es heißt: „Der päpstliche Stuhl hat dies Gesetz aber nie anerkannt, vielmehr wiederholt gegen den Rechtsbruch und die Beraubung der Kirche Protest erhoben, so daß (sic!) ein Rechtsverhältnis auf Grund des Garantiegesetzes zwischen dem italienischem Staate und dem Heiligen Stuhle nicht besteht, rechtlich vielmehr das Verhältnis des Papstes zum König von Italien hinsichtlich des Kirchenstaates das eines seiner territorialen Souveränität beraubten Herrschers zu einem Usurpator ist.“280 Da der Papst das Garantiegesetz nicht anerkannt hat, könne es allerdings auch jederzeit von der italienischen Regierung zurückgezogen werden und biete daher als einseitige Abmachung keine Grundlage zum Erheben von Rechtsansprü-

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Vgl. Die Stellung des Papstes, in: MJ 07.01.1915. Vgl. Die gegenwärtige Stellung des Heiligen Stuhles, in: MJ 17.02.1915; Der Heilige Stuhl und der Weltkrieg, in: MJ 08.4.1915; Der Papst im Völkerkrieg, in: MJ 09.04.1915; Papst Benedikt XV. und der Weltkrieg, in: MJ 24.03.1915; Der wahre Friedensfürst, in: MJ 11.05.1915; Rom. Anerkennung des Papsttums, in: MJ 17.07.1915; Weltkrieg, Weltfriede und Papsttum, in: MJ 15.09.1915; Papst Benedikt XV., in: MJ 02.09.1916. Papst Benedikt XV., der Krieg und Italiens Neutralität, in: MJ 30.01.1915. Vgl. Die Kurie und der Weltkrieg, in: MJ 03.05.1915. Vgl. Stellung der Kurie bei einem Kriege Italiens, in: MJ 25.03.1915; Die Lage des Heiligen Stuhls, in: MJ 24.04.1915; Die Souveränität des Hl. Stuhles in einem italienischen Krieg, in: MJ 24.04.1915; Die Sorge des Heiligen Stuhles, in: MJ 08.05.1915; Italien und der Heilige Stuhl, in: MJ 15.05.1915. Italien und der Heilige Stuhl, in: MJ 15.05.1915.

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chen, weder durch den Vatikan noch durch einen anderen Staat. Diese Lücken- und Mangelhaftigkeit des bisherigen Garantiegesetzes werde durch die zahlreichen sich stellenden Fragen verdeutlicht, die durch den Ersten Weltkrieg offen gelegt geworden seien. So ist ungeklärt, ob „die italienische Regierung, falls sie zum Kriege sich entschließt, das Garantiegesetz noch weiter als sie verpflichtende anerkennen [wird]? Wird sie die Exterritorialität des Papstes und damit auch das Recht der beim Vatikan beglaubigten Gesandten auf Exterritorialität respektieren? Wird sie vor allem der persönlichen Freiheit des Papstes, seinem Rechte als Oberhaupt der Kirche mit all seinen Bischöfen in Verbindung zu treten, keine Schranken auferlegen?“281 Auch sei in den Gesetzen nichts „über die große Anzahl von Personen der verschiedensten Staatsangehörigkeiten vorgesehen, die als Prälaten, Beamte oder Hofwürdenträger zur Kurie oder zum päpstlichen Hofe gehören, ihren Wohnsitz, oft auch ihren Amtssitz aber nicht in dem exterritorialen vatikanischen Gebiet, sondern in der Stadt Rom haben. In welcher Weise garantiert beispielsweise Italien im Falle eines Kriegs die Unverletzlichkeit der Prälaten des internationalen Gerichtshofes, der Rota, der Protonotare „di numero“, der päpstlichen Kammerherren, der Ordensgenerale und -prokuratoren und aller sonstigen derartigen Kurialbeamten, soweit diese nach ihrer Staatszugehörigkeit Bürger jener Staaten sind, mit denen Italien in den Kriegszustand eintreten würde [….] Doch nicht nur persönliche Fragen kommen hier in Betracht, sondern auch materielle. […] Ebenso wie die Nationalstiftungen ist auch das Vermögen der nationalen Ordenskongregationen im Kriegsfall in einem völligen Ex lex-Zustand“282. Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente werden nun genau diese Fragen immer wieder aufgegriffen, um die Kirchen- und Papstfeindlichkeit der italienischen Regierung zu verdeutlichen und auf die Mangelhaftigkeit des bisherigen Garantiegesetzes hinzuweisen. Das italienische Garantiegesetz sei völlig wertlos und die Lage des Heiligen Stuhls unhaltbar geworden. 283 So hätten mit dem Tag der Kriegserklärung die Rechte des Papstes faktisch aufgehört zu existieren. Benedikt XV. könne sein Hirtenamt nun nicht mehr ungestört ausüben und die Kirche unbehindert regieren, da er nicht mehr in der Lage sei mit den Gläubigen im Ausland frei zu verkehren und die italienische Regierung allen

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Italien und der Heilige Stuhl, in: MJ 15.05.1915. Lage des päpstlichen Stuhles im Kriegsfalle, in: MJ 22.05.1915. Der Papst selbst bezeichne den jetzigen Stand der Römischen Frage als unhaltbar und ungenügend. Vgl. Die Ansprache des Hl. Vaters Papst Benedikt im Konsistorium, in: MJ 08.12.1915; Die Friedensrede Papst Benedikts XV., in: MJ 09.12.1915; Die Ansprache des Heiligen Vaters im Konsistorium am 6. Dezember, in: MJ 14.12.1915.

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Verkehr mit den Mittelmächten abgeschnitten habe. Gerade aber für die katholische Kirche als Universalkirche ist es „einleuchtend, daß (sic!) sowohl die Staaten, als auch die katholischen Bürger in einem ständigen und ununterbrochenen Verkehr mit der Kurie und mit dem Papst stehen müssen.“284 Nach der Kriegserklärung Italiens aber hätten der preußische und bayrische Gesandte beim Heiligen Stuhle, der österreichische Botschafter sowie alle am Vatikan lebenden Geistlichen der sich mit Italien im Krieg befindenden Länder Rom und die Kurie verlassen müssen, da sie sich dort nicht mehr sicher fühlten. Das habe beispielsweise auch den Generalabt der Benediktiner Freiherr von Stotzingen betroffen.285 Des Weiteren sei ein telegraphischer Verkehr mit dem Vatikan für die Mittelmächte nur noch bedingt möglich, der Postverkehr sogar vollkommen unterbrochen. Auch der diplomatische Kurier darf seit der vollkommenen italienisch-schweizerischen Grenzsperrung nun nicht mehr verkehren. „So ist es einem großer Teil der katholischen Bevölkerung unmöglich mit dem Papst in Kontakt zu treten, […] nicht einmal das offizielle Amtsblatt des Hl. Stuhles („Acta Apostolicae Sedis“), oder das offiziöse vatikanische Blatt „Osservatore Romano“ können aus Italien herauskommen, und so sind die unentbehrlichen Beziehungen zwischen dem Vatikan und einem großen Teil des Episkopates und den Gläubigen unterbunden“286. Zudem sei der päpstliche Nachrichtenverkehr einem Zensus unterlegen. Es würden Briefe geöffnet287 und päpstliche Kundgebungen im Osservatore Romano zensiert.288 Ebenfalls seien vielfach Briefe und Telegramme der Kurie von den italienischen Behörden zurückgehalten und unterschlagen worden, selbst mit amtlichen Kundgebungen des Papstes sei so verfahren worden. 289 Beispielsweise sei „eine Depesche an den päpstlichen Nuntius in München nicht angekommen, die aller Wahrscheinlichkeit nach von italienischer Zensur zurückgehalten wurde.“290 Gleichsam sei die finanzielle Lage des Papstes auf Grund der Annexion des Kirchenstaats gefährdet. Denn der Papst benötige jährlich eigentlich circa 7,2 Millionen Lire, bekam

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Die Stellung des Papstes, in: MJ 18.08.1915. Vgl. Das Papsttum im Kriege, in: MJ 27.05.1915; Abreise der deutschen Gesandten beim Vatikan, in: MJ 28.05.1915; Die augenblickliche Lage des Papsttums in Rom, in: MJ 29.05.1915; Die Gesandten beim Vatikan, in: MJ 29.05.1915; Die Römische Frage, in: MJ 04.11.1915; Bedrohliche Gestaltung der Lage des Papstes, in: MJ 22.01.1916. Der Papst als Gefangener im Vatikan, in: MJ 28.11.1917. Die Acta Apostolicae Sedis seien seit 1. Januar 1916 nicht mehr an die bischöflichen Ordinariate in Deutschland weitergeleitet worden. Vgl. Kirchliche Nachrichten, in: MJ 16.04.1916. Vgl. Die Römische Frage, in: MJ 26.06.1915; Die Freiheit der Meere und die Freiheit des Papstes, in: MJ 02.10.1916. Nach dem Kriegseintritt Italiens wurde der Osservatore Romano, wie jede andere italienische Zeitung auch, der Pressezensur unterzogen. Vgl. Pollard, Pope, S. 100. Vgl. Die Römische Frage, in: MJ 04.11.1915. Die finanzielle Lage des Papstes, in: MJ 14.09.1915.

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aber von italienischer Seite in den Garantiegesetzen nur 3,5 Millionen angeboten. Auch hier sei demnach die unabhängige und freie Ausübung des päpstlichen Amtes eingeschränkt. Wenn also, wie man hoffte, nach dem Weltkrieg die Römische Frage einer befriedigenden Lösung zugeführt werden solle, müsse dabei auch der materielle Aspekt bedacht werden.291 Dabei wird den Mainzer Katholiken suggeriert, dass sie gegen Italien in den Krieg ziehen, um die Stellung des Papsttums in der Welt zu verbessern und die Römische Frage zu seinen Gunsten zu entscheiden.292 Dies wird besonders in folgenden drei Artikeln deutlich. Erstens „Darum ist es die Pflicht aller Katholiken, darauf hinzuarbeiten, daß (sic!) Rom seinem rechtmäßigen Besitzer, dem Papsttum, zurückgegeben wird. Hierdurch wird das Unrecht, das vor 45 Jahren begangen wurde, wieder gut gemacht. […] Alle Katholiken der Welt setzten ihre Hoffnung auf Deutschland und Oesterreich und wünschen, daß (sic!) es den Heeren dieser beiden Mächte gelingen wird, das Haupt der katholischen Kirche wieder in den Besitz seines Eigentumes zu setzten […] der Sieg Italiens [würde] auch den Sieg der Feinde des Christentums bedeuten“293. Zweitens: „Hoffentlich wird aber die Lösung der Römischen Frage nicht von Italien, sondern von anderer Seite diktiert, und aus diesem Grunde wünschen wir den beiden Kaiserreichen einen glorreichen Sieg auf allen Punkten.“294 Drittens: „durch unseren Sieg soll auch dem Vater der Christenheit Recht und Gerechtigkeit teil werden, daß (sic!) die Siegesglocken, wenn sie einmal läuten werden, auch den Sieg seiner Sache verkünden werden. Der Hl. Vater will nicht, daß (sic!) um seinetwillen der Krieg nur einen Tag länger dauert; es soll kein Schuß (sic) mehr abgegeben werden, um seiner Sache zum Siege zu verhelfen. Aber wir wollen zu Gott bitten, er möge es fügen, daß (sic!), wenn wieder Weltfrieden ist, auch […] der Papst, frei sei.“295 Obgleich hier zugegeben wird, der Papst wolle nicht, dass man seine Rechte mit Waffengewalt erzwinge, wird doch der Weltkrieg vom Mainzer Katholizismus dadurch verteidigt, auch für eine Verbesserung der Lage des Papsttums zu kämpfen. Ganz in diesem Sinne ist auch in einem anderen Artikel zu lesen, dass Benedikt XV. zwar nicht wolle, dass der Krieg für die Rechte des Papsttums weitergeführt werde, aber es bedarf nun einmal der Korrektur des Garantiegesetztes. Es könne dem Papst allerdings

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Vgl. Dies und das, in: MJ 05.06.1915; Die finanzielle Lage des Papstes, in: MJ 14.09.1915; Die finanzielle Unabhängigkeit des Heiligen Stuhles, in: MJ 02.11.1915. Vgl. Die Stellung des Papstes, in: MJ 18.08.1915; Die Lage des Papstes in dem gegenwärtigen europäischen Kampfe, in: MJ 08.10.1915. Die Römische Frage, in: MJ 16.06.1915. Die Einigung Italiens, in: MJ 03.07.1915. Papst und Weltkrieg, in: MJ 22.04.1916.

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lediglich mit Waffengewalt zu seinem Recht verholfen werden.296 Vorsichtiger formuliert es Bischof Kirstein in seinen Hirtenbriefen. In diesen ruft er nicht zu Waffengewalt, sondern zum Gebet für den von Feinden umringten Papst auf, dass Gott ihn aus dieser Lage errette, beschütze und Benedikt XV. noch „die Wiederherstellung der Freiheit des päpstlichen Stuhles erleben lasse“.297 Damit wählt er das Mittel, das Benedikt XV. erlaubt, nämlich das Gebet.298 Daneben fordert das MJ unablässig die Internationalisierung der Römischen Frage, da die katholische Kirche eine Weltkirche sei und daher „nicht bloß 35 Millionen Italiener, sondern 270 Millionen Katholiken daran unmittelbar beteiligt sind.“299 Es sei Aufgabe der internationalen Diplomatie, die völlige Unantastbarkeit und Unabhängigkeit des Papstes als „wirklichen weltlichen Souveränität mit Gebietshoheit über irgendein Territorium“300 zu gewährleisten und ihn nicht dem Belieben des Königreiches Italien zu überlassen.301 Die Berechtigung dieser Forderung ergebe sich nicht zuletzt daraus, dass auch viele nicht katholische Kreise für die völlige Freiheit des Papstes eintreten würden.302 Die Zeitungsartikel, die die Römische Frage betreffen, verdeutlichen demnach, dass die Mainzer Katholiken ihr nationales Engagement quasi damit rechtfertigen, die Universalität der Kirche schützen zu müssen. Damit der Katholizismus seinen länderübergreifenden Charakter wahren könne, müsse Italien besiegt werden, um die Römische Frage zu Gunsten des Papsttums entscheiden zu können. Durch den Ersten Weltkrieg scheint endlich das machbar, was die Ultramontanen seit 1871 unablässig gefordert hatten. Der Mainzer Katholizismus argumentiert demnach wie der bisher erforschte Katholizismus. Der Tatsache, dass der Papst nicht will, dass für seine Sache der Krieg weitergeführt wird, wird wenig Beachtung geschenkt. Obgleich sich zumindest Bischof Kirstein nur für das

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Vgl. Franz Ehrle S. J. zur Lösung der Römischen Frage, in: MJ 26.09.1916. Der Jesuit Franz Ehrle (1845 -1934, ab 1922 auch Kardinal) war bis 1914 Präfekt der Vatikanischen Bibliothek. Während des Ersten Weltkrieges war er Chefredakteur und Herausgeber der katholischen Zeitschrift: „Stimmen aus Maria Laach“. Vgl. Holtzmann, Ehrle, S. 360. Georg Heinrich: Fastenhirtenbrief, in: MJ 07.03.1916. Auch in seinem „Hirtenschreiben des Hochwürdigen Herrn Bischofs Dr. Georg Heinrich Kirstein betr. die Feier der Herz-Jesu-Festes“ in: MJ 05.06.1915 ruft er lediglich zum Gebet auf. Um die Haltung Kirsteins zu untersuchen, würde sich eine Studie anbieten, die seine während des Ersten Weltkrieges gehaltenen Predigten analysiert. Die Römische Frage, in: MJ 04.11.1915. Die Forderung nach Lösung der Römischen Frage, in: MJ 17.10.1916. Vgl. Die „Römische Frage“, in: MJ 05.06.1915; Die Römische Frage, in: MJ 26.06.1915.; Die völker rechtliche Stellung des Papstes, in: MJ 09.07.1915; Die Sicherung der Unabhängigkeit des Heiligen Stuhles, in: MJ 03.01.1916; Bedrohliche Gestaltung der Lage des Papstes, in: MJ 22.01.1916; Die Römische Frage und die Pflicht der Katholiken aller Nationen, in: MJ 08.03.1916; Dies und das, in: MJ 11.11.1916. Vgl. Der Papst und die kriegsführenden Mächte, in: MJ 26.06.1915; Die Römische Frage, in: MJ 26.06.1915.

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Gebet und nicht für die Weiterführung eines Kampfes zur Verbesserung der Lage des Papstes einsetzt. Auch wird der Wunsch Benedikts XV. nicht einfach verschwiegen, sondern erwähnt. Dies sollte wohl den Friedenswunsch des Papstes, auf den im folgenden Kapitel eingegangen wird, hervorheben.

5.2 Die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung Im Folgenden soll das Argument des deutschen Katholizismus, man führe den Krieg nur gegen die von Freimaurern durchdrungene Regierung Italiens, nicht aber gegen die katholische Bevölkerung des Königreiches näher beleuchtet werden.

5.2.1 Der deutsche Katholizismus und die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung Das zweite Argument, mit dem der deutsche Katholizismus seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg gegen Italien legitimiert, ist, dass das italienische Volk den Krieg nicht gewollt habe, sondern durch die kirchenfeindliche von Freimaurern durchdrungene Regierung zu einem Krieg gezwungen worden sei. Die italienischen Katholiken lehnten einen Kriegseintritt Italiens sogar ausdrücklich ab. Man führe den Krieg, um die Katholiken Italiens von eben dieser Regierung zu befreien.303 Auch die Fuldaer Katholiken argumentieren auf diese Weise.304

5.2.2 Der Mainzer Katholizismus und die Befreiung des italienischen Volkes von der kirchenfeindlichen Freimaurerregierung Schon vor dem Eintritt Italiens in den Weltkrieg schildert das MJ, dass es im neutralen Italien zwei Strömungen gebe. Einerseits die Prodeutsche und andererseits die Antideutsche. Diejenigen, die gegen das Deutsche Reich agitieren würden, seien die Freimaurer. „Mit vielem Geld unterstützen die Freimaurer, die die gehässigsten Feinde des Christentums sind, die deutschfeindlichen Zeitungen.“305 Unablässig erscheinen Artikel, die behaupten, dass die italienischen Katholiken deutschlandfreundlich seien und entweder an der Seite der Mittelmächte kämpfen oder zumindest wohlwollende Neutralität wahren

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Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass dies wahrscheinlich nicht so war. Zwar distanzierten sich die Katholiken Italiens zunächst vom Weltkrieg. Doch spätestens seit Ausbruch des Krieges unterstützten sie den Weltkrieg vorbehaltlos. Auch die Kirchenhierarchie zeigte sich patriotisch. Vgl. Greschat, Christenheit, S. 46; Pollard, Pope, S. 102f.; Stevenson, Weltkrieg, S. 345. Vgl. Göbel, Katholiken, S.121-124; 142. „Thron und Altar“. Apologetischer Vortrag, in: MJ 20.11.1914.

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wollten,306 während die demokratischen Parteien, die von den Freimaurern durchdrängt seien, versuchen würden mit allen Mitteln Italien gegen den Willen des Volkes zu einem Krieg gegen die Mittelmächte zu drängen.307 Dass das MJ dabei grundsätzlich eine italienfreundliche Haltung einnimmt, beweisen Artikel, die das Königreich gegen die deutschen Stimmen verteidigt, die Italien dafür kritisieren, dass sie nicht an der Seite der Mittelmächte in den Krieg eintreten.308 Die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn wird vom MJ heftig kritisiert. Es stellt sie als Treuebruch, wie ihn in der Geschichte zuvor noch nie gegeben hat, dar.309 Doch von Anfang an unterscheidet das MJ, wie in Frankreich, auch in Italien zwischen dem Volk auf der einen und der Regierung auf der anderen Seite. Es erscheinen fast täglich Artikel, die den Kriegseintritt Italiens damit begründen, dass es den italienischen Freimaurern durch „Unterwühlung (sic!) der öffentlichen Meinung in Italien, Druck auf die Regierung und Aufpeitschen der italienischen Bevölkerung […] gegen Deutschland und Oesterreich (sic!)“310 gelungen sei „die Regierung und den Koenig (sic!) in den vergangenen Woche ins Bockshorn zu jagen und ihr, wenn sie sich nicht für den Krieg gegen Oesterreich (sic!) erkläre, mit der Empörung des Volkes zu drohen“311. Der Hass gegen Österreich als älteste Monarchie und Personalisierung der Theokratie sowie die Abneigung gegen das Papsttum seien die Ursachen für das Handeln der antiklerikalen italienischen Freimaurerlogen,312 denn „[d]en Weltkrieg halten sie [die Freimaurer] für die beste Gelegenheit, die Menschheit von ,Thronen und Altären´ zu befreien.“313 Auch der „Ausspruch eines italienischen Freimaurerhäuptlings, daß (sic!) durch das Eingreifen Italiens in den Weltkrieg die Hoffnung bestehe, dem ,heiligen Gaukler´ in Rom den Garaus zu machen und mit ihm die ganze christliche Religion zu vernichten“314 belegt diese

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Vgl. Zur Neutralitätserklärung Italiens, in: MJ 12.08.1914; Die Haltung Italiens, in: MJ 21.04.1915; Dies und das, in: MJ 15.05.1915. Vgl. Die italienischen Parteien und der Krieg, in: MJ 30.01.1915; Die Haltung Italiens, in: MJ 21.04.1915; Die Haltung Italiens, in: MJ 11.05.1915; Dies und das, in: MJ 15.05.1915; Die romanischen Freimaurer gegen Deutschland. Geheime Rundschreiben der Mailänder Großloge, in: MJ 26.05.1915; Ueber die wirtschaftliche Kriegsrüstung Italiens, in: MJ 27.05.1915. Vgl. Der Krieg. Italiens Haltung, in: MJ 07.08.1914; Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem König von Italien. Das Verhalten Italiens, in: MJ 12.08.1914; Italien und der Weltkrieg. Etwas zum Rätselraten, in: MJ 01.05.1915. Vgl. Wie der Dreibund gekündigt wurde, in: MJ 22.05.1915; Italiens Vertragsbruch, in: MJ 22.05.1915; Italiens Treuebruch, in: MJ 25.05.1915; Von der Extratour zum Treuebruch, in: MJ 1.6.1915; Schadet uns der italienische Verrat?, in: MJ 11.06.1915. Feldzug der italienischen und französischen Freimaurerlogen gegen die Zentralmächte, in: MJ 28.05.1915. Die Politik der romanischen Freimaurerei, in: MJ 05.06.1915. Vgl. Italiens Stellung zu Deutschland und Oesterreich, in: MJ 30.05.1916. Zur 200 jährigen Jubelfeier der Freimaurerei, in: MJ 27.06.1917. Die Einigung Italiens, in: MJ 03.07.1915.

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antipäpstliche Haltung. Die Kirchenfeindlichkeit der italienischen Freimaurer gehe sogar so weit, dass sie „Verbrecher und bezahlte Kreaturen in geistliche Gewänder steckt, die nun unter dem Volk agitieren, als wäre der italienische Klerus selbst gegen den Papst. Natürlich hat die italienische Geistlichkeit nicht den geringsten Anteil an der Hetze“315. Bei ihrer Kriegstreiberei würden die italienischen Freimaurer von ihren englischen und französischen Gesinnungsgenossen unterstützt,316 „um das Werk der Zerstörung der Kirche, das so gut in Frankreich gelungen ist mit Hilfe der italienischen Freimaurerlogen zu vollenden.“317 Der Kriegseintritt Italiens stelle dementsprechend „einen Sieg der republikanischen Partei und der verbrüderten französisch-italienischen Freimaurerei unter dem antikirchlichen Logenbruder Sonnino318 dar.“319 Schuld am Bündnisbruch und an dem Kriegseintritt auf Seite der Entente ist dem MJ zu Folge die „radikal freimaurerische Regierung in Italien“320, die gegen den Willen des Volkes handelt.321 Die „Antikatholiken gaben in Italien den Ausschlag zum Krieg.“322 Die Katholiken Italiens hingegen hätten alles getan, um den Verrat zu verhindern. Deshalb würden sie auch „blutenden Herzes und mit der Schamesröte im Angesichte“

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in den

Krieg ziehen. Gleichwohl erschien Mitte Juli 1915 ein Artikel, der den italienischen Katholiken zwar attestiert bis Mai 1915 dem Neutralitätsprinzip treu geblieben zu sein, doch nach der Kriegserklärung hätte die katholische Presse in die nationale Begeisterung ohne Einschränkung mit eingestimmt und der Aufmarsch der Truppen habe unter begeisternden Kundgebungen der Bischöfe und Seelsorger stattgefunden. Dabei hätten die italienischen Katholiken zu den Ersten gehört, „die unter Hintansetzung aller entgegenstehenden früheren Anschauungen sich voll aufrichtigem italienischem Patriotismus für den Nationalkrieg gegen Oesterreich-Ungarn (sic!) erklärten.“324 Dieser Artikel bleibt aber der einzige, in dem die Katholiken Italiens für ihr Verhalten kritisiert werden. Auch gegen Ende des Kriegs vertritt das MJ die Meinung, dass die italienischen Katholiken an der

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Der Papst in Gefahr, in: MJ 03.07.1915. Vgl. Die Politik der romanischen Freimaurerei, in: MJ 05.06.1915; Gegen wen führt Italien eigentlich Krieg? Italienischer Freimaurer und Vatikan, in: MJ 07.07.1915; Weltkrieg und Jakobinertum, in: MJ 10.05.1916; Wann kann der Friede kommen?, in: MJ 13.01.1917. Die Römische Frage, in: MJ 16.06.1915. Baron Sidney Costantino Sonnino (1847-1922) war während des Ersten Weltkrieges italienischer Außenminister. Vgl. Pollard, Pope, S. 95f. Benedikt XV. und Italien im Weltkrieg, in: MJ 14.06.1915. Prozeß des Bischofs von Sutri-Nepi, in: MJ 08.01.1916. Vgl. Italiens militärische Mißerfolge, in: MJ 22.05.1915; Der Vierverband als Feind des Hl. Stuhles, in: MJ 08.01.1916; Ein Jahr italienischer Krieg, in: MJ 24.05.1916. P. Cohausz über den Weltkrieg und die deutschen Katholiken, in: MJ 18.06.1915. Feindeshaß oder Feindesliebe?, in: MJ 11.06.1915. Zur Römischen Frage, in: MJ 15.07.1916.

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Kriegserklärung unschuldig seien.325 So bringt es anlässlich der dritten Wiederkehr des Tages der italienischen Kriegserklärung gegen Österreich einen Artikel, der betont, dass die Katholiken den „Krieg nicht gewollt [haben]. Sie haben niemals Umzüge mit Fahnen durch die Straßen veranstaltet […] aber trotzdem haben sie immer treu die Pflicht der Bürger eines kriegsführenden Staates erfüllt.“326 Ebenso sei zu bedenken: „der Einzelne tut nur seine Pflicht und darob verdient er unsere Achtung. […] Diese Leute haben auch ein Herz im Bußen, das schlägt für Vaterland und Soldatenehre.“327 Hier wird also zum einen zwischen dem einzelnen Soldaten und der feindlichen Regierung differenziert. Zum anderen werden die Katholiken Italiens in diesem Artikel als treue Staatsbürger des eigenen Vaterlandes dargestellt. Dies soll einerseits das Verhalten der italienischen Katholiken entschuldigen. Anderseits kann dies aber auch in Bezug auf die in der Einleitung erwähnte Integration in den Nationalstaat gelesen werden. So wird hier deutlich, dass Katholizismus und Nationalismus sich nicht ausschließen. Auch als Katholik könne man treu zum eigenen Vaterland stehen. Dass auch im Mainzer Katholizismus die Angst vor einem erneuten Kulturkampf nach Ende des Weltkrieges und die Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der Staatsfeindlichkeit virulent waren, beweisen einige Artikel.328 Dabei wird betont, dass der „völkerumspannende Charakter der katholischen Kirche […] eine nationale Entwicklung der Kultur keineswegs [ausschließe] […] Die katholische Kirche huldigt keinem verschwommenen, nivellierenden Internationalismus, […] sondern sie betrachtet die einzelnen Völker als ihre Kinder, deren jedes seine Eigenart in vollem Maße, trotz aller Harmonie in den Grundwahrheiten des Glaubens entfalten kann und soll.“329 So wird einerseits den eigenen Lesern verdeutlicht, dass man sich durchaus als Katholik für die nationale Sache einsetzen dürfe, andererseits wird gegen Stimmen argumentiert, die den Katholiken Reichsfeindlichkeit vorwarfen. Dass der Mainzer Katholizismus dabei durchaus Grenzen des Nationalismus sieht und den Gedanken des Universalismus nicht aufgibt, beweisen die bereits in Kapitel 4.2.2 erwähnten Artikel. 330 Auch der Forderung, die deutschen Katholiken sollen sich in Zukunft deutsch-katholisch statt römisch-

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Vgl. Die italienischen Katholiken und der Krieg, in: MJ 16.05.1918. Ebd.. Feindeshaß oder Feindesliebe?, in: MJ 11.06.1915. P. Cohausz über den Weltkrieg und die deutschen Katholiken, in: MJ 18.06.1915; Für die kommenden Aufgaben des deutschen Katholiken, in: MJ 13.11.1917; Bedauerliche Entgleisungen, in: MJ 29.05.1918; Burgfriede und Kulturkampf, in: MJ 05.06.1918. Der Internationalismus der katholischen Kirche, in: MJ 20.07.1918. Siehe dazu Kapitel 4.2.2 und die Artikel: Feindeshaß oder Feindesliebe?, in: MJ 11.06.1915; Pfingsten, in: MJ 10.06.1916.

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katholisch nennen, entgegnet das MJ: „das kommt nicht in Frage. Die enge Anbindung an Rom ist Pflicht und Ruhm.“331 Genau wie die katholische Bevölkerung Italiens, so seien auch der Vatikan und der italienische Klerus gegen diesen Krieg332, weshalb von Seiten der italienischen Freimaurerregierung „dem italienischen Volk vorgeschwindelt würde, der Papst trage die Schuld, am ganzen Mißerfolge (sic!) [um so] den Pöbel gegen den Vatikan aufzuhetzen“333, wodurch die persönliche Sicherheit des Papstes gefährdet sei.334 Der Papst befinde sich daher in einer gefährlichen Lage. Demzufolge würden die Mittelmächte auch für die Sicherheit des Papstes kämpfen.335 Kurz vor Ende des Krieges würde sogar fast jeder Tag Nachrichten über Verhaftungen von italienischen Priestern bringen, da diese sich für den Frieden einsetzen und deshalb als Pazifisten angeklagt werden.336 Ein weiterer Beleg für die Kirchen- und Papstfeindlichkeit der italienischen Regierung sei die Verfolgung und Verleumdung des Bischofs Döbbing von Nepi-Sutri 337 durch italienischen Freimaurer, die behauptet hätten, das Volk sei gegen ihn. Die rege Teilnahme des Volkes an der Trauerfeier aber bewiese laut MJ das Gegenteil.338 Auch die Beschlagnahmung des österreichischen Botschaftspalastes durch die italienische Regierung, gegen die auch der Papst protestiert habe, gebe die Katholiken und Kirchenfeindlichkeit der Regierung Italiens zu erkennen, so sei dieser Palast trotz der Abwesenheit des österreichungarischen Botschafters doch immer noch Eigentum des Vatikans.339 Einen weiteren Anlass die Papstfeindlichkeit der italienischen Regierung zu betonen, bietet dem MJ die Offenlegung der Verträge der Entente durch die russische Regierung, nachdem Russland aus dem Krieg ausgetreten war. Dadurch wurde bekannt, dass Italiens Regierung in Artikel 15 des Londoner Vertrages tatsächlich340 die Forderung an seine Bündnispartner

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„Römisch-katholisch“ oder „deutsch-katholisch“, in: MJ 25.06.1918. Vgl. Zum Krieg mit Italien. Preßfehde, in: MJ 28.05.1915. Italienische Hetze gegen den Vatikan, in: MJ 15.01.1916. Die finanzielle Lage des Papstes, in: MJ 14.09.1915; Zur Lage des Papstes, in: MJ 02.02.1916. Dieses Argument wurde bereits im vorherigen Kapitel ausführlich erläutert. Vgl. Der Papst und der Krieg, in: MJ 07.06.1918. Der Franziskaner Bernhard (Taufname Josef Heinrich Maria) Döbbing (1855-1916) war ab 1900 Bischof von Nepi-Sutri. Vgl. Hardick, Döbbing, S. 10. Vgl. Eine Ehrenerklärung für Bischof Doebbing, in: MJ 03.04.1916. Vgl. Die Protestnote des Papstes über die Wegnahme des Palazzo Venezia, in: MJ 28.09.1916; Der Mummenschanz der italienischen Kriegshetzer, in: MJ 04.10.1916. Bereits in den Artikeln des MJ „Der Vierverband als Feind des Hl. Stuhles“ vom 08.01.1916, „Bedrohliche Gestaltung der Lage des Papstes“ vom 22.01.1916 und „Der Römischen Frage Ende und Anfang“, von 03.03.1916 wird dies behauptet. Allerdings wird hier im MJ darauf verwiesen, dass man sich nicht sicher sei, ob es sich dabei um eine Tatsache oder nur ein Gerücht handele, was vor allem der Artikel im MJ: „Die römische Frage und die Pflicht der Katholiken aller Nationen“, vom 08.03.1916 beweist.

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stellte, Italien zu unterstützen den Heiligen Stuhl daran zu hindern, jedwede diplomatischen Schritte für die Erreichung eines Friedensschlusses oder die Regelung von mit dem gegenwärtigen Krieg zusammenhängenden Fragen zu unternehmen. Zudem wurde vereinbart die Römische Frage nicht zu einer internationalen Angelegenheit werden zu lassen und sich auf Änderungen des Garantiegesetzes zu Gunsten des Heiligen Stuhles einzulassen.341 Die Artikel zu diesem öffentlichen Bekanntwerden zeigen noch einmal deutlich, dass das MJ zwischen den Katholiken Italiens und ihrer Regierung differenziert. So sei damit bewiesen, dass die führenden Männer Italiens antikatholische Freimaurer und Atheisten seien342, die Katholiken Italiens hingegen seien enttäuscht und verärgert343 über den Artikel 15 des Londoner Vertrages, der auf Veranlassung des „kleinen Gernegroß[es] auf dem italienischen Königsthrone und seiner freimaurerischen Regierung“344 zustande kam. Im Gegensatz zu ihrer Regierung fordern die italienischen Katholiken die Zulassung und Mitwirkung des Vatikans bei einer künftigen Friedenskonferenz.345Auch anlässlich der Friedensnote des Papstes 1917 wird darauf verwiesen, dass das italienische Volk im Allgemeinen und vor allem die Katholiken für den Frieden und daher papstfreundlich gesinnt seien.346 Dahingegen untersage die paspstfeindliche Regierung Italiens „den katholischen Blättern die Friedensnote des Papstes […] zu verbreiten.347 Dass das MJ nicht alle Italiener vorbehaltlos verurteilt, sondern wie bereits mehrfach erwähnt, zwischen den Kriegshetzern und dem katholischen Volk, dass den Krieg überhaupt nicht gewollt habe, differenziert, beweisen auch Artikel, die zur Besonnenheit gegen die in Deutschland lebenden Italiener aufrufen. Es liege kein Grund vor diesen die Gastfreundschaft zu versagen und sie in irgendeiner Weise zu belästigen,348 denn zahlreiche Italiener wollen sogar für die Mittelmächte in den Kampf ziehen, wie badische Behörden mitteilen.349 Es sei „zu hoffen und zu wünschen, daß (sic!) der gerechte Zorn des deutschen Volkes gegen die italienischen Kriegshetzer und Kriegsmacher niemand zu einer unfreundlichen Behandlung der Italiener verleite, die auf deutschem Boden für und

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Vgl. Die russischen Geheimakten und der päpstliche Stuhl, in: MJ 08.12.1917; Der Vatikan und die Entente, in: MJ 11.12.1917; Die Ausschließung des Papstes von den Friedensverhandlungen, in: MJ 19.12.1917. Vgl. Der Hl. Stuhl und die Katholiken, in: MJ 27.12.1917. Vgl. Die Klausel gegen den Vatikan, in: MJ 20.2.1918. Was sagen dazu die Katholiken der Welt?, in: MJ 06.12.1917. Vgl. Italien, der Papst und die künftige Friedens-Konferenz, in: MJ 14.7.16, Nr. 162. Vgl. Friedensbestrebungen in Italien, in: MJ 28.08.17; Die Friedensnote des Papstes, in: MJ 28.08.1917; Für und gegen den Frieden, in: MJ 01.09.1917. Unterdrückung der Verbreitung der Papstnote an der italienischen Front, in: MJ 01.09.1917. Vgl. Mahnung zur Besonnenheit, in: MJ 22.05.1915. Vgl. Italiener in Deutschland, in: MJ 01.06.1915.

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mit uns arbeiten, […] und den verräterischen Krieg ebenso verdammen wie wir selber“350 Man dürfe niemals vergessen, dass es in Italien noch Gerechte gebe351 und große Volksteile Italiens sowie Vertreter der verschiedensten Stände und Berufskreise gegen den Krieg waren. Deshalb wird auch ein Artikel der Darmstädter Zeitung kritisiert, der dazu aufruft fünf Jahre lang nicht nach Italien zu reisen. Das MJ hingegen legt entschiedenen Widerspruch gegen solche Boykotterklärungen für die Zeit nach dem Kriege ein, die ein ganzes Volk für die fanatischen Entgleisungen weniger verantwortlich machen würden. „Alle Verallgemeinerungen sind bedenklich, also Vorsicht oder sagen wir lieber Gerechtigkeit“352. Dieser Artikel ist nicht nur deshalb wichtig, da er die Differenzierung des Mainzer Katholizismus verdeutlicht, sondern auch, weil er beweist, dass es in der deutschen Bevölkerung durchaus Stimmen gab, die nicht so dachten wie der Mainzer Katholizismus. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Mainzer Katholizismus von dem übrigen bereits erforschten deutschen Katholizismus in der Rechtfertigung des Weltkrieges gegen das italienische Königreich nicht unterscheidet. So differenziert das MJ im Falle Italiens, zwischen der freimaurerische kirchen- und papstfeindliche Regierung und der katholischen Bevölkerung Italiens, die einen Krieg gegen das Deutsche Reich nicht wolle. Ein Sieg gegenüber Italien würde sich positiv für den Heiligen Vater und die Katholiken Italiens auswirken und zu einer für das Papsttum erfreulichen Klärung der Römischen Frage führen. Das nationale Ziel: Der Sieg der Mittelmächte, würde dementsprechend auch eine Verbesserung der Situation der Kirche und des Papstes bewirken.

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Der Krieg mit Italien, in: MJ 05.06.1915. Vgl. Eine Audienz beim Papste, in: MJ 30.10.1915. Nicht zu hitzig!, in: MJ 02.11.1915.

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6 Die Päpste Pius X. und Benedikt XV. Durch den Krieg befanden sich die Katholiken in dem Dilemma, wie sie ihren Einsatz für die Nation legitimieren konnten, wo doch ihr geistliches Oberhaupt, der Papst, die Neutralität und den Frieden predigte.353 Wie sie damit umgingen, wird im Folgenden analysiert.

6.1 Die Friedensbemühungen der Päpste Bereits Pius X.354 rief in seinem apostolischen Schreiben Dum Europa fere am 2. August 1914 die Katholiken auf der ganzen Welt auf, Buße zu tun und für den Frieden zu beten.355 Sein Appell verhallte aber ohne große Resonanz.356 Auch sein Nachfolger Benedikt XV. setzte sich immer wieder für den Frieden ein und forderte die deutschen katholischen Bischöfe auf, den Hassgefühlen ihrer Gläubigen entgegen zu wirken.357 Bereits in seiner ersten offiziellen Ansprache vom 8. September 1914, einem Mahnruf an alle Katholiken weltweit (Exhortatio: Ad universos orbis catholicos), verlangte Benedikt XV. die rasche Beendigung des Krieges.358 Auch in seiner ersten Enzyklika Ad beatissimi apostolorum principis359, die am 1. November 1914 veröffentlicht wurde, forderte das katholische Oberhaupt die Katholiken zum Frieden auf und bat sie von jedweder Zwietracht untereinander und von gegenseitigen Beschuldigungen abzusehen.360 Zudem schrieb der Papst Bittandachten für den Frieden für den 7. Februar sowie 21. März 1915 vor und verfasste in diesem Zusammenhang auch ein Gebet für den Frieden361, das verbindlich bei jeder Messe gebetet werden sollte.362 Zum ersten Jahrestag der österreich-ungarischen Kriegserklärung an Serbien, also am 28 Juli. 1915, veröffentlichte Benedikt XV. ein Apostolisches Mahnschreiben an die sich im Kriege befindenden Völker und deren Regierenden

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Vgl. Becker, Religion, S. 194; Kretschmann, Herr, S. 59; Lätzel, Kirche S. 177; Mommsen, Anfang, S. 175; Schatz, Kirchengeschichte, S. 131. Pius X. wurde als Giuseppe Melchiorre Sarto 1835 geboren und war von 4. August 1903 bis 20. August 1914 Papst. Vgl. Maron, Kirche, S. 209; 212. Vgl. Strötz, Katholizismus, S. 200f. Vgl. Schlager, Kult, S. 55. Vgl. Morozzo della Rocca, Benedikt XV., S. 201. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 150f.; Pollard, Pope, S. 85; Scheidgen, Bischöfe, S. 322. Die Originalfassung ist in: AAS VI (1914), S. 565-581 (lat.); S. 630-646 (dt.) zu finden. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 152; Pollard, Pope, S. 85ff.; Strötz, Katholizismus, S. 202. Dieses Gebet wurde in Frankreich zunächst verboten und erst erlaubt, nachdem es mit einem Zusatz versehen wurde, in dem es ausdrücklich für den Sieg Frankreichs bat. Vgl. Kapitel 4.1 der vorliegenden Studie. Vgl. Strötz, Katholizismus, S. 203; Lätzel, Kirche, S. 171.

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(Exhortation: Allorché fummo chiamati)363, in dem er ausdrücklich dazu aufrief den Krieg zu beenden.364 Dabei verurteilte er den Ersten Weltkrieg als „grauenhafte nutzlose Schlächterei“, was in den deutschen Übersetzungen mit „entsetzlichem Kampf“ verharmlost wurde. 365 Da alle diese Anregungen kaum etwas brachten,366 beschloss Benedikt XV. im Sommer 1917 den kriegsführenden Mächten konkrete Friedensvorschläge zu unterbreiten. So kam es ab Juli zu Vorverhandlungen mit dem Deutschen Reich um die Bedingungen auszuloten, auf deren Basis das Kaiserreich gewillt gewesen wäre einem Frieden zuzustimmen.367 Am 9. August wurde den kriegsführenden Nationen die auf den 1. August 1917, also den dritten Jahrestag des Krieges, zurückdatierte Friedensnote Dès le début368 übergegeben. In dieser betont der Papst erneut seine Neutralität und den Wunsch nach einem gerechten und dauerhaften Frieden und mahnt die Regierenden der kriegführenden Länder unter anderem zur Abrüstung und dem Verzicht auf Gebietserweiterungen und gegenseitige Kriegsentschädigung. Zudem fordert er die Freiheit der Meere und eine Räumung Belgiens. Dabei orientierte sich der Papst größtenteils am Status quo ante bellum.369 Während die Regierung des Deutschen Reiches und seine Verbündeten formell und ausweichend reagierten, stellte die USA Bedingungen, die einer Ablehnung gleichkamen. Frankreich, Großbritannien, Russland und Italien antworteten sogar überhaupt nicht, was mit einer schroffen Ablehnung vergleichbar war.370

6.1.1 Der deutsche Katholizismus und die Friedensbemühungen der Päpste Der deutsche Katholizismus reagierte unterschiedlich auf die vielen Friedensbestrebungen Benedikts. Der patriotisch gesinnte Teil des Katholizismus verschwieg oder kritisierte sie sogar, um nicht in den Verdacht der Reichsfeindlichkeit oder der nationalen Unzuverlässigkeit zu geraten. 371 Die Bischöfe wiederum unterstützten die päpstlichen

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Der Wortlaut ist in: AAS VII (1915), S. 365-368 (lat.); S. 372-374 (dt.) zu finden. Zudem ist er online unter: http://w2.vatican.va/content/benedict-xv/de/apost_exhortations/documents/hf_ben-xv_exh_191 50728_ fummo-chiamati.html abrufbar. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 153ff. Vgl. Alzheimer, Einführung, S. 17. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 172; Strötz, Katholizismus, S. 206. Den genauen Ablauf der Vorverhandlungen nachzuzeichnen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, deshalb sei hier auf Neitzel, Revolution, S. 107, Lätzel, Kirche, S. 159-163 und Scheidgen, Bi schöfe, S. 328-330 verwiesen. Offizieller lateinischer Text in: AAS IX (1917), S. 417-420. Vgl. Alzheimer, Einführung, S. 17; Burkard, Kaiser, S. 58; Greschat, Christenheit, S. 80; Kirchner, Papsttum, S. 82; Lätzel, Kirche, S. 164; Pollard, Pope, S. 123-128; Scheidgen, Bischöfe, S. 330. Vgl. Burkhard, Kaiser, S. 58f.; Gatz, Kirche, S. 59; Greschat, Christenheit, S. 80f.; Hoff, Friedeninitiative, S. 511; Lätzel, Kirche, S. 169; Neitzel, Revolution, S. 108; Schatz, Kirchengeschichte, S. 133; Scheidgen, Bischöfe, S. 331. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 137; Morozzo della Rocca, Benedikt XV., S. 192; 195.

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Anordnungen der allgemeinen Gebettage und des allgemeinen Friedensgebets.372 Zudem veröffentlichten die Amtsblätter der einzelnen Diözesen ab 1916 verstärkt Auszüge aus Friedensbotschaften des Papstes.373 Auch die Reaktion auf Dès le début fiel im deutschen Katholizismus unterschiedlich aus. Während die deutschen Zentrumsabgeordneten, allen voran Erzberger, die Initiative des 1. Augusts 1917 fast gänzlich begrüßten,374 reagierte die Zentrumspresse uneinheitlich auf diesen Friedensvorschlag. Die Berliner Germania befürwortete die päpstliche Note. Dahingegen hielt sich die Kölnische Volkszeitung mit einer Beurteilung zurück, da laut ihr die nationale Kriegszielpolitik nicht mit den Vorstellungen des Papstes vereinbar sei.375 Fast bis Kriegsende tritt sie für eine Hegemonialstellung des Deutschen Reiches ein.376 Die Bischöfe trugen die Friedensinitiative von 1917 zwar inhaltlich,377 allerdings hielten sie sich im Gegensatz zu den anderen Friedensbekundungen in der Öffentlichkeit mit Stellungnahmen zurück, um den diplomatischen Erfolg nicht zu gefährden.378 Auch die Fuldaer katholische Presse hält die Friedensnote des Papstes inhaltlich für akzeptabel und berichtet daher, im Gegensatz zu einem Großteil des deutschen Katholizismus, positiv über sie.379 Anhand der Stellungnahmen zu den Friedensinitiativen des Papstes lässt sich demnach ablesen, ob man eher ultramontan oder eher national orientiert war.380

6.1.2 Der Mainzer Katholizismus und die Friedensbemühungen der Päpste Das MJ verschweigt weder die Einstellung der Päpste zum Krieg noch die der Friedensinitiativen. So berichtet es bereits am 7. August 1914, dass Papst Pius X. von „tiefste[m] Schmerz erfüllt“381 sei und alle Christen aufrufe zu Gott zu beten, damit „Gott die unheilvolle Kriegsstachel wieder abwendet und den obersten Leitern der Nationen Gedanken des Friedens eingebe“.382 Auch in den folgenden Wochen wird immer wieder berichtet, dass Pius X. durch den Ausbruch des Krieges sehr gelitten habe und ihn der Krieg mit

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Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 124; 357. Vgl. Burkard, Kaiser, S. 58; Scheidgen, Bischöfe, S. 327. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 157; Schlager, Kult, S. 38; 43. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 104; Heinen, Zentrumspresse S. 112-121. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 133. Vgl. Burkhard, Kaiser, S. 58f.; Kirchner, Papsttum, S. 83; Scheidgen, Bischöfe, S. 331f. Weder der Wortlaut, noch ein Kommentar zu der Friedennote findet sich in einem Amtsblatt. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 331f.; 359. Vgl. Göbel, Katholiken, S. 61; 137. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 103; Schatz, Kirchengeschichte, S. 132. Kundgebung des Papstes Pius X. an die katholische Christenheit, in: MJ 07.08.1914. Ebd.

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großer Sorge und Trauer erfülle,383 was auch der Grund für den besorgniserregenden Gesundheitszustand des Papstes sei384 und sogar zu seinem Tod geführt habe.385 Auch die erste offizielle Ansprache Benedikts XV., in der er den Weltkrieg als „schreckliches kriegerisches Schauspiel […], [das] Europa unter der Herrschaft des Feuers und des Schwertes rot färb[t] vom christlichen Blut“386 beschreibt und in dem er auffordert, für die Beendigung der Weltkrieges zu beten, wird in einer deutschen Übersetzung im MJ abgedruckt.387 Dieses Schreiben wird ebenso vom Mainzer Bischof Kirstein in seinem am 5. Oktober 1914 im MJ abgedruckten Hirtenbrief erwähnt. In diesem fordert der Mainzer Bischof ganz im Sinne des Papstes: „gerade der Rosenkranzmonat soll genutzt werden den Frieden vom himmlischen Vater zu erflehen.“388 Auch alle weiteren Friedensbemühungen Benedikts XV. werden vom MJ bekanntgegeben. So wird dort die Enzyklika Ad beatissimi Apostolorum princips vom 1. November 1914 erstmals am 17. November erwähnt und ihr gesamter Wortlaut in einer deutschen Übersetzung auf drei Ausgaben verteilt abgedruckt.389 In dieser Enzyklika, so das MJ, zeichne der Papst ein furchtbares Bild des gegenwärtigen Krieges. Er bezeichnet ihn als „Schauspiel von Blut. […] Das Unglück, das daraus hervorgehe, mache es ihm [dem Papst] zur Pflicht sich wie sein Vorgänger dafür einzusetzen, dass er [der Krieg] beendet wird, indem er Fürsten und Völker beschwört dem brudermordenden Streit ein Ende zu machen. […] Die Enzyklika schließt, wie sie beginnt, mit dem innigen Wunsche für den Frieden […] Der Papst empfiehlt zum Schluss zu Gott um Frieden zu beten und die Fürbitte der Allerheiligsten Jungfrau anzurufen.“390 Außerdem fordere der Papst in der Enzyklika, „daß (sic!) jeglicher Streit und jeglichen Zwiespalt zwischen den Katholiken welcher Art er auch sei vollständig aufhöre und in Zukunft kein neuer Streit entstehe“391. Der Friedenswunsch des Papstes und die Verurteilung des Krieges durch Benedikt XV. werden demnach im MJ nicht verschwiegen. Ebenso werden sie auch nicht negativ kommentiert. Im Gegenteil: Die Darlegungen

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Vgl. Zum Tode des Hl. Vaters, in: MJ 24.08.1914; Se. Heiligkeit Papst Pius X. gestorben, in: MJ 20.08.1914. Vgl. Erkrankung des Hl. Vaters Papst Pius X., in: MJ 19.08.1914. Vgl. Wir haben einen Papst!, in: MJ 04.09.1914; „Was tat der Papst, um den Krieg zu verhindern?“, in: MJ 15.01.1916. Die erste Enzyklika des Papstes Benedikt XV.. Eine Ergreifende Bitte an die Staatsoberhäupter für den Frieden, in: MJ 15.09.1914. Vgl. ebd. Hirtenbrief Georg Heinrich Kirsteins, in: MJ 05.10.1914. Vgl. Eine Enzyklika für den Frieden, in: MJ 17.11.1914; Enzyklika des Papstes Benedikt XV., in: MJ 24.11.1914; Enzyklika des Papstes Benedikt XV., in: MJ 26.11.1914; Enzyklika des Papstes Benedikt XV, in: MJ 27.11.1914. Die erste Enzyklika des Papstes Benedikt XV., in: MJ 18.11.1914. Enzyklika des Papstes Benedikt XV., in: MJ 26.11.1914.

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Benedikts XV. seien „nüchtern, klar und von stählerner Logik“392. Auch das Apostolische Mahnschreiben, das Papst Benedikt XV. 1915 aus Anlass des Jahrestages des Krieges herausbringt und in dem sich der Pontifex klar gegen den Krieg ausspricht und die Regierenden erneut aufruft endlich Frieden zu schließen, wird in einer Übersetzung im MJ veröffentlicht. So ist dort zu lesen, dass der Papst den Weltkrieg als „Brudermörderische[n] Kampf, […] furchtbare Geißel […] [und] entsetzliches Blutbade“393 bezeichnet. Erneut werden im MJ die Aussagen des Papstes auf keinerlei Weise kritisiert. Vielmehr gebe es wohl „niemanden, der den warmherzigen Aufruf des Papstes […] ohne Bewegung und Zustimmung lesen müßte (sic!). Der Aufruf […] verdient ob seiner […] edlen Absichten die ernste und aufrichtige Beobachtung aller Christen auf dem Erdenrund, […] Wir wünschen dem Heiligen Vater, daß (sic!) es ihm gelingen möge eine Verständigung anzubahnen und daß (sic!) sein Friedensaufruf vom 28. Juli erfolgreich sein möge, auf daß (sic!) der Friede bald komme. In diesem Sinne werden alle Freunde der Religion, der Kultur und der Zivilisation am heutigen Jahrestag des Weltkrieges dem Vater der katholischen Christenheit gern die Hand reichen und seine Wünsche in christlicher Liebe erfüllen“394. Auch wird der Papst gegenüber protestantischen Pressestimmen, die den Friedensaufruf des Papstes wenig freundlich kommentieren, verteidigt und zahlreiche Beispiele nicht-katholischer Blätter geliefert, die den päpstlichen Bemühungen Anerkennung zollen.395 Ein Indiz dafür, dass es auch von katholischer Seite Bedenken daran gab, die päpstlichen Friedensvorstellungen zu verwirklichen, ist ein Artikel vom Juni 1917, in dem explizit die Frage gestellt wird: „Dürfen und können wir katholischen Christen auch wirklich mit mutigem Vertrauen daran arbeiten, daß (sic!) das päpstliche Friedensprogramm seine Verwirklichung finde?“396. Hätte es in katholischen Kreisen keine Zweifel an der Unterstützung des Papstes in seinen Friedensbestrebungen gegeben, hätte es eines solchen Artikels wohl nicht bedurft. Welcher Standpunkt im MJ vertreten wird, darüber gibt der Artikel auch Auskunft, so heißt es dort: „Gewiß: ja wir müssen sogar daran arbeiten“ […]Wer sich einen Sohn des Friedenspapstes nennt, kann sich daher der Mitarbeit an diesem - wie Leo XIII. sagt - ,außerordentlich christlichen und wohltätigen Werke‘ nicht entschlagen […].397

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Zur päpstlichen Enzyklika. Eine zusammenfassende Betrachtung, in: MJ 28.11.1914. Eine Friedensbotschaft des Papstes. Ein Aufruf des Papstes an die Völker und Fürsten, in: MJ 31.07.1915. Der Friedens-Aufruf des Papstes, in: MJ 03.08.1915. Vgl. Protestantische Stimmen zum Friedenswerk des Papstes, in: MJ 06.10.1915. Das päpstliche Friedensprogramm und die christliche Diesseitshoffnung, in: MJ 25.06.1917. Ebd.

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Allerdings ist anlässlich des päpstlichen Mahnschreibens im MJ auch zu lesen, dass sich „eine glänzendere Rechtfertigung und Verteidigung der Verbündeten Kaiserreiche, als es mittelbar durch die päpstliche Ausrufung der Leitsätze einer wahren Friedenspolitik geschieht kaum denken [lässt]. Niemals wollten die verbündeten Kaiserreiche andere Staaten und Nationen vernichten und auch nur sie erniedrigen oder unterdrücken. Immer haben sie die […] die Würde der anderen geachtet. Immer waren sie bereit zu einer Politik des wechselseitigen Wohlwollens überzugehen, aber das gerade Gegenteil von all dem haben unsere Gegner getan. Sie haben das Unrecht und ungerechte Aspirationen auf ihre Fahnen geschrieben [...] Auf dem Banner, daß (sic!) die Verbündeten Kaiserreiche durch die blutigen Grausen dieses Weltkriegs hindurch getragen haben, strahlen die Grundsätze, welche auch der Papst in den Mittelpunkt seiner Friedensmahnung gerückt hat. […] zum Friedenschließen gehören zwei [...] Aus dem unfreundlich-hämischen Wiederhall, den die päpstliche Friedenskundgebung in der maßgebenden italienischen Presse gefunden hat, [...] scheint der Schluß (sic!) zulässig, [...], dass die Kriegsraben noch einige Zeit um den Berg kreisen und unsere unvergleichlichen Armeen noch manche Großtat zu verrichten haben werden, ehe die Stimmung unserer Feinde soweit gebracht ist, daß (sic!) die Friedensvermittlung des Papstes bei ihnen Aussicht auf Erfolg hat.“398 Ähnlich wird auch im Dezember 1915 berichtet: Das Deutsche Reich sei zwar zum Frieden bereit, „aber zum Frieden gehören zwei und die Staatsmänner der uns bekämpfenden Nationen, wollen gar nicht daran denken mit uns Frieden zu machen, so lange sie uns nicht niedergerungen haben. Trotzdem sind wir Papst dankbar für seine Friedensbemühungen und nehmen sie willigendes Herzen entgegen. Wir haben diesen Krieg weder gewollt noch heraufbeschworen. Nur ein dauerhafter und gerechter Friede, wie ihn auch der Heilige Vater empfiehlt, ist unser Ziel.“399 Es erscheinen nun unablässig Artikel, die betonen, dass es nicht am Deutschen Reich und seinen Verbündeten liege, wenn der Wunsch des Papstes nach Frieden unerfüllt bleibe, sondern an der Entente und ihren Verbündeten. Denn im Gegensatz zur Entente habe das Deutsche Reich den Friedensappell des Papstes wohlwollend entgegengenommen und sei gewillt ihn umzusetzen.400 Auch das Friedensangebot der Mittelmächte im Dezember 1916401 beweise, dass jedes weitere Blutvergießen nur

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Der neue Vermittlungsversuch des Papstes, in: MJ 6.8.1915. Die Friedensrede Papst Benedikts XV, in: MJ 09.12.1915. Vgl. Die Ansprache des Heiligen Vaters im Konsistorium am 6. Dezember, in: MJ 14.12.1915; Dies und das., in: MJ 24.12.1915; Neujahr 1916, in: MJ 31.12.1915; Der Papst über des Kaisers Friedensliebe, in: MJ 21.07.1916. Der Katholizismus und der Friede, in: MJ 07.07.1917. Siehe dazu Kapitel 6.2

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die Schuld der Entente sei402, wie auch Bischof Kirstein in seinem Fastenhirtenbrief von 1917 betont: „Lieber wollten unsere Feinde die ungeheure Last des Weltkrieges tragen, lieber sollten Hunderttausende bluten und sterben, lieber sollten Güter aller Art zu Grunde gehen, als daß (sic!) man die zum Frieden dargebotene Hand eines edlen Monarchen ergreift“403 Daher gebe es momentan „keinen anderen Weg zum Frieden zu gelangen als durch eine Fortsetzung unseres Siegeszuges.“404 Der Friedensaufruf des Papstes wird dementsprechend vom MJ zwar durchweg positiv dargestellt, aber er wird auch gleichermaßen dazu verwendet sich selbst als gerecht und die Mächte der Entente als Schuldige darzustellen. Ebenso wird die Weiterführung des Krieges legitimiert. Dementsprechend kann man an diesen Stellen von einer Umdeutung des päpstlichen Friedensaufrufes im Sinne des nationalen Ziels des Deutschen Kaiserreiches sprechen. Dieses Argumentationsmuster spielt auch bei der Beurteilung der großen Friedensinitiative des Papstes vom August 1917, die kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges vom MJ als das „für alle Zeiten […] reinste und leuchtendste Zeugnis dieser Geschichtsperiode“405 bezeichnet wird, eine große Rolle. Bereits bevor diese große Friedensinitiative Benedikts XV. erfolgte, schriebt das MJ, der Papst plane, am bevorstehenden Jahrestag des Kriegsausbruches eine Note mit einem Friedensvorschlag an die kriegsführenden Staaten zu richten. Während vom Deutschen Reich und seinen Verbündeten angenommen werden dürfe, dass sie auf die Stimmen des Papstes hören, könne man nicht davon ausgehen, dass „die von einem jakobinistisch-sozialistischem Freimaurerflügel beherrschte Französische Republik, die eben den tollsten Kulturkampf hinter sich hat und […] die Regierungen in London, Rom und Washington, die fasst einseitige Freimaurerregierungen sind“ 406 auf das päpstliche Friedensangebot positiv eingehen würden. Am 17. August 1917 wird dann der Wortlaut der Note auf der Titelseite des MJ abgedruckt407 und im Folgenden immer wieder betont, dass sich die Vorahnung bestätigt habe. So seien das deutsche Volk und die deutsche Regierung zur Vermittlung und zum Frieden bereit und der Note positiv gegenüber gestellt,408 was durch die Zufriedenheit des Papstes mit der 402

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Vgl. Ein Friedensangebot der Mittelmächte, in: MJ 13.12.1916; Der Katholizismus und der Friede, in: MJ 07.07.1917. Fasten-Hirtenbrief Georg Heinrichs, in: MJ 19.02.1917. Friedensvermittlung?, in: MJ 16.12.1915. Die Weltkrisis und ihre Entwicklung, in: MJ 12.09.1918. Papst und Friedensfrage, in: MJ 28.07.1917. Vgl. Der Wortlaut der Friedensnote Papst Benedikts XV., in: MJ 17.08.1917. Vgl. Die Friedensnote des Papstes, in: MJ 18.08.1917; Des Papstes Friedensbemühen, in: MJ 21.08.1917; Die Note des Hl. Vaters, in: MJ 21.08.1917; Die päpstliche Note im Hauptausschuß, in: MJ 28.08.1917.

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Antwortnote der Mittelmächte bewiesen sei. 409 Aber wie bereits im Zuge vorheriger Friedensvorschläge vom MJ angeführt, brauche es zum Friedenschließen zwei. Die Entente trage die Schuld, dass es zu keinem Frieden komme, da sie der Note ablehnend gegenüber stehe. Jeder Tropfen Blut, der in Zukunft noch vergossen wird, jeder Schaden, der in Folge des Krieges noch angerichtet wird, sei demgemäß der Entente zuzuschreiben.410 „Je freundlicher, je entgegenkommender wir sprechen, je dringender die Verbandsvölker selber durch unsere freundliche Sprache ermuntert nach dem Frieden rufen, umso ärger treiben es die Verbandsstaatsmänner, umso halsstarriger und trotziger widersetzen sie sich allen Geboten der Billigkeit und Vernunft und der Sehnsucht der Menschheit.“411 Deutlich wird an diesem Artikel aber auch, dass das MJ zwischen dem Volk der feindlichen Mächte, das den Frieden will und den Regierenden der Völker, die den Krieg wollen, unterscheidet. Sowohl die französischen, als auch die italienischen Katholiken seien dem Papst und dem Frieden zugeneigt, weshalb sie durch ihre Regierungen verfolgt würden.412 Anlässlich der Friedensnote des Papstes erschienen im MJ allerdings auch zwei Artikel, die verdeutlichen, wie der deutsche Katholizismus durch die Friedensinitiative Benedikts XV. in das Spannungsverhältnis zwischen Universalismus und Nationalismus gerieten und wie versucht wurde dieses zu lösen. So veröffentlicht das MJ, einen Tag nachdem es die Friedenote Benedikts XV. abgedruckt hatte, einen Artikel der liberalen Kölnischen Zeitung. Diese schreibt, dass aus deutschem Blickwinkel der päpstliche Vorschlag aus territorialer und materieller Sicht unannehmbar erscheine. „Derartiges bietet aber noch keinen ausreichenden Grund, die Hand, die hier der Menschheit den Frieden zurückgeben will, zurückzuweisen, der päpstlichen Note ein schroffes Nein entgegenzusetzen. Deutschlands Ansprüche, die es um seiner Selbsterhaltung in der Zukunft willen stellen

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Vgl. Das Urteil des „Osservatore Romano“, in: MJ 25.09.1917; Friedensbestrebungen des Hl. Vaters, in: MJ 26.09.1917; Zur Lage, in: MJ 28.09.1917; Zufriedenheit des Papstes mit der Antwort der Mittelmächte, in: MJ 11.10.1917. Vgl. Die Auffassung der Entente, in: MJ 17.08.1917; Die Friedens-Note des Papstes, in: MJ 17.08.1917; Der Friedensschritt des Papstes, in: MJ 20.08.1917; Die Erklärung der französischen Regierung, in: MJ 20.09.1917; Preßstimmen zur Antwortnote, in: MJ 22.09.1917; Unsere Feinde haben das Wort, in: MJ 22.09.1917; Die Friedensfrage, in: MJ 23.10.1917; Was sagen dazu die Katholiken der Welt?, in: MJ 06.12.1917. Ein kräftiges Wort an die friedlosen Verbandsmächte, in: MJ 03.11.1917. Vgl. Frankreichs Priester und der Friede, in: MJ 21.11.1917; Für und gegen den Frieden, in: MJ 01.09.1917; Unterdrückung der Verbreitung der Papstnote an der italienischen Front, in: MJ 01.09.1917. Zu der Differenzierung zwischen Volk und Regierung vergleiche auch die Kapitel 4.1 und 5.1.

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muß, sind so bescheiden, daß (sic!) sie auf einer Friedenskonferenz kein ernstliches Hindernis der Einigung bilden werden.“413 Ein zweiter Artikel betont, die deutschen Katholiken hätten dankbar die päpstlichen Friedensbemühungen aufgenommen. Bei dieser Friedensinitiative des Papstes sei allerdings zwischen allgemein religiösen Mahnungen und konkreten politischen Vorschlägen zu unterscheiden. „Die Stellung der deutschen Katholiken […] ist gegeben, vom religiösen und nationalen Standpunkt aus. Vom religiösen Standpunkt aus nehmen sie die Mahnungen des Hl. Vaters mit Ehrerbietung und Genugtuung auf, ist es doch christliche Pflicht, alles zu tun, was Menschenkraft vermag, die Welt von diesem furchtbaren Kriegselend zu befreien. Sie sind mit dem Hl. Vater einig, daß (sic!) nicht die Gewalt der Waffen […] einen dauerhaften Frieden bringen können, sie erkennen deshalb die Notwendigkeit eines Verständigungsfriedens an. Mit besonderer Genugtuung erfüllt es die deutschen Katholiken, daß (sic!) dieser Wunsch nach Verständigungsfrieden von der Mehrheit des deutschen Reichtags und auch von dem Kaiser und der Regierung geteilt wird […]. Der Hl. Vater hat aber auch bestimmte politische diplomatische Vorschläge zur Beilegung des Völkerkonflikts gemacht, die zwar auch mit der dem Papste zustehenden Ehrerbietung beurteilt werden müssen, denen gegenüber aber der Katholik religiös nicht gebunden ist. Diese konkreten politischen Vorschläge des Papstes […] werden bei den deutschen Katholiken auch vom politischen und nationalen Standpunkt aus zu bewerten sein. Diese Vorschläge macht der Papst als neutraler Souverän, der den Meinungen und Forderungen der beiden kriegsführenden Gruppen gerecht werden muß, wenn er den Boden zu einer Verständigung ebnen will […]. So finden wir bei den Vorschlägen des Papstes solche, die den Forderungen Deutschlands entgegenkommen und solche, die den Wünschen der Entente Rechnung tragen. Die Forderung der Entente, die volle Unabhängigkeit Belgiens herzustellen, wird berücksichtigt, Rechnung getragen wird aber auch der deutschen Forderung auf Herausgabe der deutschen Kolonien und der Sicherung der Freiheit der Meere. Bei den besonders komplizierten Fragen wie Elsaß-Lothringen […] vermeidet der Papst bestimmte Vorschläge, er überlässt diese den Verhandlungen der kriegsführenden Länder. An diese Fragen wird der Katholik von seinen nationalen Grundsätzen aus heranzutreten haben; so betrachten es die deutschen Katholiken als selbstverständlich, daß (sic!) sie nur bei voller Sicherung der Lebensinteresse des deutschen Volkes, gelößt (sic!) werden können. […] Die deutschen Katholiken waren noch immer gute Katholiken und gute Deutsche, sie haben es schon immer verstanden ihre Pflichten gegenüber dem Oberhaupt ihrer Kirche und gegen 413

Deutschland und die päpstliche Note, in: MJ 18.8.17.

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ihr Vaterland in Einklang zu bringen, weil diese Pflichten sich niemals widerstreiten können. Zwei Vorschläge liegen dem Hl. Vater besonders am Herzen: Abrüstung und Schiedsgericht zur Verhinderung weitere Kriege. Welcher Christ sollte diesen idealen Gedanke des Papstes nicht zustimmen […] Die deutschen Katholiken hoffen, daß (sic!) die Friedensbemühungen des HL. Vaters Erfolg haben, daß (sic!) seine Vorschläge als Grundlage von Verhandlungen genommen und ein Friede erzielt wird, durch den der Welt Ruhe und Zufriedenheit gegeben, dem deutschen Volke Sicherung seiner politischen und wirtschaftlichen Existenz gewährleistet wird.414 Es wird also deutlich, dass der Mainzer Katholizismus der päpstlichen Note grundsätzlich positiv gegenübersteht. Die Vorschläge, die der Pontifex macht, seien als Grundlage für Verhandlungen geeignet. Bei den Verhandlungen müssten dann aber auch nationale Standpunkte eine Rolle spielen: Einem Frieden um jeden Preis befürwortet das MJ nicht.415 Es bringt zwar seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Friedensnote des Papstes zu einem Frieden führe, ist aber „gleichzeitig eisern entschlossen so lange weiterzukämpfen bis zu einem ehrenvollen Frieden.“416 Gleichzeitig wird in diesem Artikel deutlich, dass der Mainzer Katholizismus es vermeiden will in den Verdacht der Reichsfeindlichkeit zu geraten. Man leugnete in einen Interessenkonflikt zwischen Papst und Nation zu geraten, da ja die deutsche Regierung und der Kaiser die Forderungen des Papstes unterstützten. Man kämpfe nur weiter, um einen gerechten Frieden, wie ihn sich auch Benedikt XV. wünsche, zu erreichen. Nicht nur anlässlich der großen Friedensinitiativen wird im MJ auf den päpstlichen Wunsch nach Frieden hingewiesen. Vielmehr wird kontinuierlich berichtet, dass der Papst den Weltkrieg verurteilt und sich für den Frieden einsetze. 417 Dabei ruft das MJ dazu auf alle Friedensinitiativen des Papstes zu unterstützen.418 Auch die zahlreichen 414 415

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Die deutschen Katholiken und die Friedensvermittlung des Papstes, in: MJ 25.08.1917. Das beweisen auch die Artikel „Erzbischof Dr. v. Hauck über die Friedensfrage, in: MJ 26.05.1917; Grundlagen zum Frieden, in: MJ 13.06.1917. Johannes Jakobus von Hauck (1861-1943) war ab 1912 Erzbischof des Erzbistums Bamberg. Vgl. Albrecht, Hauck, S. 78. Der Papst und der Friede, in: MJ 18.08.1917. Vgl. Kirchliche Nachrichten, in: MJ 18.12.1914; Von Papst Benedikt XV., in: MJ 17.04.1915; Der Papst und der Krieg. Ein Aufruf zur Dankesbezeugung, in: MJ 27.04.1915; Der wahre Friedensfürst, in: MJ 11.05.1915; „Zwischen Krieg und Frieden“, in: MJ 18.11.1915; Die Ansprache des Hl. Vaters Papst Benedikt XV. im Konsistorium, in: MJ 07.12.1915; Eine Weihnachtsansprache des Papstes, in: MJ 27.12.1915; Das Papstschreiben an Kardinalvikar Pompili, in: MJ 11.03.1916; Gemeinschaftliche Hl. Kommunion der Kinder am 30. Juli 1916, in: MJ 21.07.1916; Eine Ansprache des Papstes an die Kinder von Rom, in: MJ 01.08.1916; Papst Benedikt XV., in: MJ 02.09.1916; Antwort des Papstes an die deutschen Bischöfe, in: MJ 10.10.1916; Ein Friedensruf des Papstes, in: MJ 10.05.1917; Papsttum und Friede, in: MJ 22.09.1917; Das Friedenswerk Benedikts XV., in: MJ 04.09.1918. Vgl. Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 30.06.1917; Die Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands entbieten ihren Gläubigen Gruß und Segen in unserem Herrn Jesus Christus, in: MJ 27.11.1917.

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Aufforderungen des Papstes für den Frieden zu beten werden dort abgedruckt und vorbehaltlos befürwortet.419 So wird ab dem 23. Januar 1915 regelmäßig auf die am 7. Februar und in den Diözesen außerhalb Europas am 21. März stattfindenden Gebetsandachten für den Frieden hingewiesen420 und mehrfach dazu aufgefordert dieses Gebet nach dem Willen des Papstes nach jeder Maiandacht zu beten.421 Auch Bischof Kirstein bestätigt im MJ, dass man den Gebets- und Bußaufforderungen des Heiligen Vaters „gerne und willig entsprechen“422 werde und ruft im Sinne des Papstes zu einem Gebet zum Erbitten des Friedens am 17. Juni 1917 im Rahmen des Herz-Jesu-Festes auf.423 Anlässlich eines Motu proprio des Papstes, in dem Benedikt XV. für den 29. Juni 1918 eine Messe in allen kriegsführenden Ländern verordnet, bei der für den Frieden gebetet werden soll,424 versichert das MJ: „Dieser Weisung und Mahnung des Hl. Vaters werden die Priester unserer Diözese gewiß (sic!) bereitwillig entsprechen. Sie werden auch den Gläubigen von den wesentlichen Inhalten des Motu proprio Kenntnis geben und sie einladen, der Hl. Messe an diesem Welt-Opfer- und Bittag (sic!) zahlreich und andächtig beizuwohnen, […] und in der Meinung des Hl. Vaters zu beten“425 Es gibt auch immer wieder Stimmen im MJ, die die Universalität der katholischen Kirche betonen. Stellvertretend sei hier auf einen Artikel verwiesen, der die Leser mahnend fragt: „Sind wir uns allgemein in wirksamer Weise der Verbindung zur einen katholischen Kirche bewußt? […] Die übernatürlichen Bande der kirchlichen Gemeinschaft müssen stärker sein als alle Kriegsgegnerschaft, die um irdische Reiche sich jetzt so blutig abspielt.“426 So wie auch der Papst immer wieder die Geschwisterliebe und den Frieden

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Vgl. Papst Benedikt XV. und der Rosenkranz, in: MJ 06.10.1915; Die Friedensbemühungen des Papstes, in: MJ 06.03.1916; Papst Benedikt XV. ermahnt neuerdings um Erlangung des Friedens zu beten, in: MJ 16.05.1917; Kundgebung des Heiligen Vaters Benedikt XV. um den Frieden von Jesus Christus durch Vermittlung der Allerheiligsten Jungfrau durch eifrige Gebete zu erflehen, in: MJ 27.06.1917; Der Papst für den Völkerfrieden, in: MJ 30.6.1917; Hirtenschreiben des Hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. Georg Heinrich Kirstein, in: MJ 02.10.1917. Vgl. Ein katholischer Weltbettag, in: MJ 23.01.1915; Allgemeines Gebet um den Frieden am 7. Februar 1915, in: MJ 27.01.1915; Buß- und Friedens-Gebet des Heiligen Vaters Papst Benedikt XV., in: MJ 26.01.1915; Um was wir bitten sollen, in: MJ 01.02.1915; Gebet um Frieden, in: MJ 20.03.1915; Eine Übersetzung des Gebetes wird allerdings nur im Artikel vom 23. Januar 1915 veröffentlicht. Ab dann wird nur darauf hingewiesen, dass man das Gebet in einer authentischen Übersetzung nach Wortlaut der acta apostoliicae sedis kaufen kann. Vgl. Buß- und Friedens-Gebet des Heiligen Vaters Papst Benedikt XV., in: MJ 26.01.1915. Vgl. Kirchliche Nachrichten. Friedensgebet, in: MJ 12.04.1915; Für den Maimonat Friedens-Gebet des Heiligen Vaters Papst Benedikt XV., in: MJ 28.04.1915. Zur heiligen Adventszeit, in: MJ 26.11.1915. Vgl. Gebet zur Erflehung eines segenreichen Friedens, in: MJ 11.06.1917. Vgl. Das päpstliche Motu proprio, in: MJ 11.05.1918. Ein päpstliches Motu proprio, in: MJ 28.06.1918. Papsttum und Weltfriede, in: MJ 05.05.1917. Weitere Artikel wurden bereits in Anm. 243-248; 291 aufgegriffen.

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gepredigt habe, sei es Aufgabe aller Katholiken sich für die Nächstenliebe und den Frieden einzusetzen.427 Diese Liebe gebühre auch der Bevölkerung der anderen Länder, vor allem den Kriegsgefangenen, denn die feindlichen Soldaten erfüllen auch nur ihre Pflicht und folgen höheren Befehlen. 428 Die Mainzer Volksversammlung fasst die Einstellung des Mainzer Katholizismus zu den päpstlichen Friedensinitiativen gut zusammen: Laut dieser gebe es in diesem schrecklichen Kriege zwei Lichtpunkte, zu denen die Menschen gläubig hoffend aufblicken könnten. „Papst und Kaiser, Friedensfürsten, Verteidiger und Hüter des Rechts […] Wir können dem Papst keinen besseren Dank erweisen, als den, daß (sic!) wir ihn in seinen Friedensbestrebungen unterstützen […] Also beten wir recht fleißig nach der Meinung des Hl. Vaters für den Frieden. Dann erfüllen wir die Bitte des Hl. Vaters und erweisen uns, unserem Vaterland und der ganzen Welt einen großen Dienst […] Möge Gott […] unserem tapferen Heere zum Sieg und Frieden führen. Wir aber alle beugen in Demut vor Gott unsere Knie und beten: ,Gott erhalte uns den Papst‘, ,Gott erhalte uns den Kaiser‘.429 So wird in diesem Artikel zum Ausdruck gebracht, dass man sowohl dem Papst als auch dem Kaiser gegenüber loyal sei. Indem man die Friedensinitiativen des Papstes unterstütze, diene man auch der eigenen nationalen Sache. Ultramontanismus und Nationalismus würden sich demnach nicht widersprechen, sondern seien deckungsgleich. Sowohl für das Wohlergehen Wilhelms II. als auch Benedikts XV. wird gebetet. Zusammenfassend kann man sagen, dass beide Päpste in Mainz generell einen hohen Stellenwert genossen, was die durchgängig positive Berichterstattung beweist.430 An keiner Stelle in den zahlreichen Artikeln des MJ über die Päpste ist ein Anzeichen von Kritik herauszulesen. Zudem schaffen es nur diese beiden Persönlichkeiten während des Weltkrieges Kriegsnachrichten von der Titelseite zu verdrängen: Das erste Mal geschieht dies am 20. August 1914 anlässlich des Todes Pius X.431 Das zweite Mal am 4. September 1914 anlässlich der Krönung Benedikts XV.432 Auch die Einstellung zum Krieg und die zahlreichen Friedensinitiativen werden im Gegensatz zu eher national orientierten Katholizismuskreisen weder verheimlicht noch kritisiert. Vielmehr wird zu deren Unterstützung aufgefordert und positiv über sie berichtet, wie es auch in Fulda und bei der Germania 427 428 429

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Vgl. Papsttum und Weltfriede, in: MJ 05.05.1917. Vgl. Fasten-Hirtenbrief Georg Heinrichs, in: MJ 19.02.1917. Oeffentliche Versammlung der Ortsgruppe Mainz des Volks-Vereins für das kath. Deutschland, in: MJ 02.02.1916. Vgl. Erinnerung an Papst Pius X., in: MJ 27.08.1914; Zum Gedächtnis Papst Pius X.. „Ignis ardens“, in: MJ 02.09.1914; Papst Benedikt XV., in: MJ 02.09.1916. Vgl. Se. Heiligkeit Papst Pius X. gestorben, in: MJ 20.08.1914. Vgl. Wir haben einen Papst!, in: MJ 04.09.1914.

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der Fall war. Auch anlässlich der großen Friedensinitiative des Papstes 1917 wird betont, man wolle zwar keinen Frieden um jeden Preis, aber die Forderungen des Papstes können als Grundlage zur Verhandlung dienen und seien deshalb akzeptabel. Gleichzeitig wird behauptet, dass man durch die Friedensinitiativen des Papstes nicht in das Spannungsverhältnis von Nationalismus und Ultramontanismus geraten würde, da der Papst und die Regierung des Deutschen Reiches dieselben Friedensvorstellungen hätten.

6.2 Die deutsche Friedensinitiative von 1916 In eine schwierige Lage wurde der deutsche Katholizismus zwischen Dezember 1916 und März 1917 gebracht. So hatte die deutsche Regierung Ende des Jahres 1916 ein Friedensangebot an die Ententemächte gestellt und sowohl die USA als auch den Papst um Unterstützung gebeten. Da Großbritannien und Frankreich dem Pontifex signalisiert hatten nur auf das deutsche Angebot einzugehen, falls der Vatikan sich nicht in die Verhandlungen einmischen würde, kam der Papst der deutschen Bitte nicht nach. Der Grund hierfür wurde allerdings erst im März 1917 bekannt, bis dahin schien es so, als hätte der Papst das Angebot der Mittelmächte abgelehnt, was zu einer Abkühlung der Beziehungen zwischen Papst und Deutschem Reich führte.433 Das MJ berichtet von der Übermittlung der Friedensnote der Mittelmächte an den Papst und der Hoffnung, dass der Versuch der Mittelmächte wohlwollend vom Papst aufgenommen und unterstützt würde.434 Man erwarte mit Spannung die diesjährige Weihnachtsansprache des Papstes im Konsistorium und sei sich sicher „der Papst werde nicht verfehlen, auf den deutschen Friedensvorschlag einzugehen“.435 Doch bei dieser Audienz des Bischofskollegiums wiederholte der Papst zwar seine früheren Friedensmahnungen, aber das Friedensangebot der Mittelmächte erwähnte er nicht. 436 Kritisiert wird der Papst dafür im MJ jedoch nicht.437 Auch von einer Abkühlung der Beziehung ist im MJ nichts zu spüren. Es wird weiter wie bisher positiv über ihn berichtet.

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Vgl. Strötz, Katholizismus, S. 206; Pollard, Pope, S. 120. Vgl. Die Uebermittlung der Note an den Papst, in: MJ 16.12.1916. Die Haltung des Papstes, in: MJ 20.12.1916. Vgl. Des Papstes Friedenswunsch, in: MJ 27.12.1916. Vgl. Die Weihnachtsansprache des Papstes Benedikt XV., in: MJ 28.12.1916.

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6.3 Die Neutralität des Papstes Während Pius X. von der Rechtmäßigkeit des österreichischen Vorgehens gegenüber Serbien überzeugt schien,438 versuchte sein Nachfolger Benedikt XV. fortwährend strikte Neutralität zu wahren und betonte immer wieder seine vollkommene Unparteilichkeit, da er als Stellvertreter Christi der Vater aller Katholiken sei.439 Doch diese Neutralität wurde von beiden kriegsführenden Parteien immer wieder angezweifelt. So warf man ihm entweder vor auf der anderen Seite zu stehen440, oder aber man behauptete, der Papst unterstütze die eigene Sache.441 Wie der Mainzer im Vergleich zum deutschen Katholizismus damit umging wird im Folgenden dargestellt.

6.3.1 Der deutsche Katholizismus und die Neutralität des Papstes Auch von deutscher katholischer Seite wurde die Neutralität des Papstes oft nicht respektiert.442 Entweder wurde versucht den Pontifex für sich zu beanspruchen, oder man warf ihm vor auf der Seite der Entente zu stehen.443 Vielmals wurde der Papst dazu benutzt einen Einsatz im Weltkrieg zu rechtfertigen. So wurde immer wieder betont, ein Sieg würde die Wiederherstellung der traditionellen Schutzfunktion des Deutschen Reiches für das Papsttum bedeuten.444 Besonders seit dem Kriegseintritt Italiens wurde die Meinung verbreitet, der Pontifex sei ein Nutznießer des deutschen Sieges, da dann die Römische Frage zu seinen Gunsten entschieden werden könne.445 Die Fuldaer Katholiken versuchten den Papst für sich zu vereinnahmen: So erschienen in den dortigen Zeitungen immer wieder Artikel, die behaupteten, der Pontifex stünde auf der Seite der Mittelmächte. Andere Zeitungsartikel sollen verdeutlichen, dass nur das Deutsche Reich und

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So bezeichnet er das Vorgehen Franz Josephs I. gegen die Serben als gerecht. Gleichwohl weigert er sich die Waffen Österreich-Ungarns zu segnen. Vgl. Gatz, Kirche, S. 59; Strötz, Katholizismus, S. 199. Siehe hierzu auch Kapitel 2. Dies ging so weit, dass der Papst es vermied Länder wegen Kriegsaktionen, die offenkundig gegen internationales Recht verstießen, wie beispielsweise der Einmarsch des Deutschen Reiches in Belgien, ausdrücklich zu verurteilen. Vgl. Baadte, Universalismus, S. 101; Burkard, Kaiser, S. 57; Gatz, Kirche, S. 59; Greschat, Christenheit, S.78f.; Hürten, Kirche, S. 726; Lätzel, Kirche, S. 150; 157; 172; Morozzo della Rocca; Benedikt XV., S. 189ff.; Scheidgen, Bischöfe, S. 324; Strötz, Katholizismus, S. 202. So sprach man in Frankreich vom „pape boche“ und im Deutschen Reich vom „französischen Papst“. Vgl. Pollard, Pope, S. 87; 94. Vgl. Kretschmann, Herr, S. 59; Mommsen, Umdeutung, S. 258. Vgl. Morozzo della Rocca, Benedikt XV., S. 193; Strötz, Katholizismus, S. 192. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 172.; Becker, Religionsgeschichte, S. 38; Kirchner, Papsttum, S. 82; Maron, Kirche, S. 214. Vgl. Strötz, Katholizismus, S. 191; 197. Siehe hierzu Kapitel 5.1.

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seine Verbündeten im Sinne des Papstes handeln würden.446 Die Bischöfe hingegen betonten die Neutralität Benedikts XV. Sie verteidigten den Papst gegen sämtliche Vorwürfe, die seine Neutralität anzweifelten.447 Vor allem Bischof Hartmann war stets von der Neutralität Benedikts XV. überzeugt, weshalb er sich bei Bethmann Hollweg über einen Zeitungsartikel über ein angebliches Bündnis des Papstes mit der Entente beschwerte.448

6.3.2 Der Mainzer Katholizismus und die Neutralität des Papstes Der Gedanke, dass Papst Pius X. auf der Seite der Mittelmächte stehe und das Vorgehen Österreichs gegen Serbien für ein Gerechtes halte, scheint auch im Mainzer Katholizismus verbreitet zu sein. So berichten zwei Artikel, dass Pius X. auf die Bitte gegen den Krieg zu intervenieren geantwortet hätte: „Der einzige Herrscher, bei dem ich mit Aussicht auf Erfolg intervenieren könnte, weil dieser Monarch stets in Treue dem Heiligen Stuhl ergeben war, ist Kaiser Franz Josef. Aber gerade bei ihm kann ich nicht intervenieren, denn der Krieg den Österreich führt ist gerecht, nur allzu gerecht“449. Gleichzeitig wurde mit dieser Aussage die Vorstellung der Mittelmächte sie würden den Weltkrieg als gerechter Verteidigungskrieg führen, bestärkt.450 Auch über Benedikt XV. behauptet das MJ zunächst, der neue Papst sei österreich- und deutschlandfreundlich.451 Doch im Folgenden wird immer wieder die Neutralität452 und die „vollständige und unbedingte Unparteilichkeit“ 453 des Papstes und des Vatikans betont. Diese habe der Heilige Vater, obwohl er „von beiden Seiten angefeindet worden ist“454, „unter den schwierigsten Umständen vollkommen zu wahren gewusst.“455 So seien alle Versuche ihn auf die eine oder andere Seite zu ziehen fehlgeschlagen. 456 Das MJ

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Vgl. Göbel, Katholiken, S. 95f.;137. Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 359. Vgl. Lätzel, Kirche, S. 158f. Papst Pius X. und der Krieg, in: MJ 26.08.1914; Die Stellung der Katholiken zur Friedensbewegung, in: MJ 23.06.1917. Siehe hierzu Kapitel 2. Vgl. Die Persönlichkeit des Hl. Vaters, in: MJ 12.09.1914. Vgl. Der deutsche Kurienkardinal, in: MJ 20.11.1915; Papsttum und Weltfriede, in: MJ 24.02.1917. Die Objektivität in der Kriegsfrage, in: MJ 08.09.1914; Kirchliche Nachrichten, in: MJ 09.10.1914; Papst Benedikt XV. und die Kirchenfürsten der Entente, in: MJ 19.06.1918. Der Papst und der Friede, in: MJ 18.08.1917. Friedensvermittlung?, in: MJ 16.12.1915. Vgl. Die gegenwärtige Stellung des Heiligen Stuhles, in: MJ 17.02.1915; Papst Benedikt XV., der Krieg und Italiens Neutralität, in: MJ 30.01.1915; Der Papst und die kriegsführenden Mächte, in: MJ 26.06.1915; Der Krieg mit Italien. Der Wortlaut der Unterredung Papst Benedikts XV., in: MJ 29.06.1915; Unterredung des Papstes mit Latapie über die Streitfragen des Krieges, in: MJ 30.06.1915; Die Neutralität des Papstes, in: MJ 10.08.1915; Eine Audienz beim Papste, in: MJ 30.10.1915; Die

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verteidigt dabei den Papst einerseits gegen die Vorwürfe, er stehe auf Seiten der Entente457, die aus dem Inland auch von katholischer Seite, aber überwiegend aus protestantischen Kreisen stammten.458 Andererseits wird den Vorwürfen aus dem Ausland, er sei deutschfreundlich, widersprochen.459 Vielmehr sei sich der römische Pontifex bewusst, dass er als „Vertreter Jesu Christi, der für alle und jeden gestorben ist, mit dem gleichen Gefühl der Liebe alle Kämpfenden umfassen […] müsse, [da] er als gemeinsamer Vater der Katholiken sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite der Kriegsführenden eine große Zahl von Kindern, deren Heil ihm gleichmäßig und ohne Unterschied am Herzen liegen muß (sic!) [hat]“460. Seine vollkommene Neutralität habe der Papst nicht zuletzt damit bewiesen, dass er auch alles daran gesetzt habe, dass Italien neutral bleibe, um den Krieg nicht zu verlängern. Auch dem Vorwurf des Papstes, Neutralität sei in Wahrheit Opportunität, wird im MJ widersprochen.461 Gleichwohl tauchen im MJ immer wieder Artikel auf, die, wie bereits mehrfach erwähnt, versuchen darzulegen, wie man selbst im Sinne der Forderungen des Papstes entsprechend handelt, während die Entente die Wünsche das Papstes missachte. So wird zum Beispiel geschrieben, der Papst habe einen Gesandten nach Frankreich und England geschickt, um den dortigen Episkopat aufzufordern, dass der Gottesdienst „nicht zur Verhetzung gegen andere Nationen mißbraucht (sic!) werde [...] Der päpstliche Vertrauensmann hat den Auftrag, auf das musterhafte Beispiel der deutschen Bischöfe und Geistlichen hinzuweisen.“462 Auch wird in einem Artikel betont, dass im Vatikan Frankreich gegenüber eine ungünstige Stimmung herrsche.463 Neben den Friedensbemühungen kam es zu zahlreichen humanitären Hilfsmaßnahmen von Seiten des Papstes.464 Da solche ka-

457

458 459 460 461 462 463 464

Neutralität des Papstes, in: MJ 17.11.1915; Die Neutralität des Papstes, in: MJ 19.02.1916; Erpressung gegen Vatikan, in: MJ 09.09.1916. Vgl. Eine mißdeutete Stelle der Weihnachtsansprache des Hl. Vaters, in: MJ 05.01.1918; Protestantische Stimmen über die Haltung des Papstes, in: MJ 02.03.1918; Eine Verletzung der Neutralitätspflichten des Vatikans?, in: MJ 15.05.1918; Der Papst und der Krieg, in: MJ 07.06.1918; Papst Benedikt XV. und die Kirchenfürsten der Entente, in: MJ 19.06.1918. Vgl. Die Neutralität des Papstes im Weltkrieg, in: MJ 02.02.1918. Vgl. Die Stellung des Vatikans zum Weltkrieg, in: MJ 30.04.1918. Der Papst über den Krieg, in: MJ 23.01.1915. Vgl. Der Heilige Stuhl und der Weltkrieg, in: MJ 08.04.1915. Der Papst gegen den Mißbrauch der Kanzel, in: MJ 20.02.1915. Vgl. Frankreichs Bemühungen im Vatikan, in: MJ 23.04.1915. So erreichte der Papst beispielsweise einen Austausch von dem für den Militärdienst untauglich gewor denen Kriegsgefangenen. Sein Versuch über Weihnachten 1914 eine vorrübergehende Feuerpause zu erwirken misslang. Vgl. Gatz, Kirche, S. 59; Lätzel, Kirche, S. 172; Schatz, Kirchengeschichte, S. 134; Scheidgen, Bischöfe, S. 322; Strötz, Katholizismus, S. 213.

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6 Die Päpste Pius X. und Benedikt XV.

ritativen Maßnahmen allerdings vorbehaltlos von allen, gleich welcher Konfession, begrüßt wurden465, soll hier im Laufe der vorliegenden Arbeit nicht genauer darauf eingegangen werden.466 In diesem Kontext sind sie aber insofern wichtig, als dass im MJ darauf hingewiesen wird, dass das Deutsche Reich im Gegensatz zur Entente all diese Maßnahmen unterstützt habe.467 Man verteidigt den Papst im Mainzer Katholizismus dementsprechend gegen jede Art von Vorwürfen, die ihm die Neutralität absprechen wollen und gibt sogar im Gegensatz zum Fuldaer Katholizismus zu, dass der Papst nicht auf der Seite der Deutschen stehe. Man respektierte demnach im Gegensatz zu einem Großteil des bisher erforschten Katholizismus den Wunsch des Papstes als neutral angesehen zu werden. Gleichwohl betont man, dass man selbst in jeglicher Hinsicht den Prinzipien des Papstes entspreche, während die Länder der Entente papstfeindlich eingestellt seien. Dadurch konnte man sich, wie bereits in den vorherigen kapiteln erläutert, sowohl als moralisch überlegen, als auch als diejenigen hinstellen, die im Sinne des Katholizismus handeln.

465 466

467

Vgl. Scheidgen, Bischöfe, S. 322. Das MJ berichtet in zahlreichen Artikeln über die humanitären Hilfsmaßnahmen Benedikts XV. während des Krieges. Stellvertretend seien hier genannt: Papst Benedikt XV. und der Weltkrieg, in: MJ 24.03.1915; Der Papst im Völkerkrieg, in: MJ 09.04.1915. Der Vatikan und der Krieg, in: MJ 19.12.1914; Der Papst im Völkerkrieg, in: MJ 09.04.1915; Der Papst und der Krieg. Ein Aufruf zur Dankesbezeugung, in: MJ 27.04.1915.

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7 Fazit

7 Fazit 7.1 Ergebnisse der Arbeit Der Mainzer Katholizismus sieht sich wie der gesamte Katholizismus durch den Ersten Weltkrieg dem Spannungsverhältnis zwischen Universalismus auf der einen und Nationalismus auf der anderen Seite ausgesetzt. Dabei nimmt der Mainzer Katholizismus eine mittlere Position zwischen diesen beiden Extremformen ein. Einerseits wird immer wieder die nationale Zuverlässigkeit der Katholiken betont. So wird während des gesamten Ersten Weltkrieges vom Mainzer Katholizismus, in Anlehnung an die damals gültige moraltheologische Lehre des bellum iustum, der Weltkrieg als gerechter Verteidigungskrieg angesehen, für den auch der deutsche Katholik zur Waffe greifen und somit das Vaterland unterstützen darf. Auch verbreitet das MJ beständig die Meinung, dass Gott den Deutschen im Krieg helfe, da Gott immer auf der Seite der Gerechten stünde. Auch die amtlichen Legitimationsstrukturen im Falle der Rechtfertigung des deutschen Vorgehens gegenüber Belgien -man habe aus Notwehr und zur Selbstverteidigung gehandelt- wird vom Mainzer Katholizismus ohne Kritik übernommen. Sowohl der völkerrechtswidrige Einmarsch als auch das scharfe Vorgehen gegenüber der belgischen Zivilbevölkerung werden im MJ nicht verurteilt. Hier stellt sich die katholische Mainzer Tageszeitung vollkommen in den Dienst der amtlichen nationalen Propaganda. Auch fordert das MJ seine Leser dazu auf den Krieg weiterzuführen und die nationale Angelegenheit zu unterstützen, bis ein gerechter Friede erreicht sei. Andererseits werden dabei nie die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, der völkerumspannende Charakter des Christentums sowie die Verbundenheit mit dem Papst geleugnet. So lehnen die Mainzer Katholiken auch den Vorschlag, der Katholizismus solle sich in Zukunft deutsch-katholisch statt römisch-katholisch nennen, strikt ab. Die in der Einleitung vorgestellte These, dass aus der übernationalen Kirche eine Kirche geworden sei, die ausblendete, dass in anderen Ländern ebenfalls Katholiken mit derselben Tradition, den gleichen Dogmen und Hierarchien und vor allem dem gleichen Credo wohnten468, trifft für den Mainzer Katholizismus demnach nicht zu. Dies wird auch dadurch bewiesen, dass die Mainzer, ebenso wie die Fuldaer Katholiken, deutlich zwischen den Glaubensbrüdern und der Regierung in Frankreichs und Italien differenzieren. So wird

468

Vgl. Kretschmann, Herr S. 59; Lätzel, Kirche, S. 199.

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7 Fazit

immer wieder betont nur gegen die kirchenfeindliche Freimaurerregierung in diesen Ländern Krieg zu führen. Dadurch würde den Glaubensbrüdern in diesen Ländern ein Gefallen getan. Zudem betont das MJ zwar immer wieder, dass die Katholiken dem Vaterland treu ergeben seien und ihm dienen, aber dies dürfe nicht in eine generelle Abneigung gegen andere Völker an sich ausarten. Höchstens die Schandtaten des Feindes dürfen gehasst werden. Vielmehr wird eine Nächstenliebe verkündet, die auch den gefangenen Feinden gezollt werden müsse, da auch diese nur ihre Pflicht gegenüber der Obrigkeit erfüllen. Auch das Bedauern über die Zerstörung Löwens und der Kathedrale von Reims sowie die Reaktion auf das Buch La Guerre belegen, dass man sich im Mainzer Katholizismus durchaus noch einer Verbindung zu den Glaubensbrüdern in den anderen Ländern bewusst war. Die beiden Päpste des Ersten Weltkrieges werden im Mainzer Katholizismus durchweg positiv bewertet. Weder ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Ersten Weltkrieg, noch irgendeine Friedensinitiative von ihnen werden durch das MJ verschwiegen. Vielmehr werden alle Friedensinitiativen Benedikts XV. begrüßt und er wird gegenüber den Vorwürfen, er sei parteiisch, verteidigt. Sogar als der Papst das Friedensangebot der Mittelmächte 1916 nicht unterstützt, wirft man ihm keine Entente-Freundlichkeit vor. Auch verschlechtert sich die Stimmung gegenüber dem Papst, im Gegensatz zu einem Großteil des Deutschen Reiches, dadurch im MJ nicht. Trotzdem missbraucht man den Papst gegen seinen Willen zur Legitimation des Krieges. So wird den Mainzer Katholiken durch das MJ suggeriert, dass durch einen Sieg im Weltkrieg eine bessere Stellung des Papsttums erreicht werden könne. Vor allem mit dem Kriegseintritt Italiens wurde der Wunsch geäußert zu einer Lösung der Römischen Frage zu Gunsten des Papstes beizutragen. Nur wenn der Papst wieder vollkommen frei in der Ausübung seines Amtes sei, könne der Universalismus Gedanke der Katholischen Weltkirche verwirklicht werden. Zudem stärke ein Sieg der Mittelmächte die Position der Kirche in der ganzen Welt und befreie die Katholiken Italiens und Frankreichs von den dortigen kirchenfeindlichen Freimaurerregierungen. Auch werden die päpstlichen Friedensinitiativen dazu benutzt ein Weiterkämpfen zu legitimieren und sich selbst als moralisch besser hinzustellen. Nur ein Sieg der Mittelmächte führe zu einem Frieden wie ihn der Papst sich wünsche. Man selbst sei zwar schon zu einem solchen Friedensschluss bereit, aber die Entente wolle aus Eroberungssucht immer weiterkämpfen. Daher müsse man solange Durchhalten bis ein gerechter Friede, wie ihn sich auch der Papst vorstellt, errungen sei. 71

7 Fazit

Indem der Mainzer Katholizismus den Krieg damit rechtfertigt für das Papsttum, die Glaubensbrüder und die katholische Kirche in den Weltkrieg zu ziehen, verschmelzt er die universelle katholische Angelegenheit der Weltkirche mit der nationalen Sache Deutschlands. Im Mainzer Katholiken herrscht die Auffassung um die Universalität der Kirche langfristig zu schützen, müsse man im Weltkrieg die deutsche nationale Angelegenheit unterstützen. Universalismus und Nationalismus gehen so im Mainzer Katholizismus während des Ersten Weltkrieges ineinander über. Man konnte gleichzeitig für Kaiser und Papst in den Krieg ziehen, wodurch das Dilemma einer Loyalität zur Kirche und Nation aufgebrochen wurde. Abschließend kann für den Mainzer Katholizismus wie er sich im MJ zeigt, behauptet werden, dass er innerhalb des deutschen Katholizismus eine mittlere Position innehatte. Die Mainzer Katholiken waren sicherlich nicht ganz so universalistisch eingestellt wie beispielsweise die Bischöfe, allen voran Bischof Hartmann, aber auch nicht so national wie beispielsweise die Kölnische Volkszeitung. Ebenso wie für die Fuldaer Katholiken kann auch für den Mainzer Katholizismus festgehalten werden, dass er trotz nationaler Bekundungen auch „die Zugehörigkeit zur universalistischen Gemeinschaft der Kirche und de[m] katholische[n] Glaube[n] immer wieder betont und mindestens gleichberechtigt neben das Bekenntnis zur Nation stellt. Dabei ist häufig der Versuch zu erkennen, die nationale mit der kirchlichen Loyalität zu verknüpfen“.469

7.2 Ausblick auf weiterführende Studien Um in die in dieser Arbeit vorgestellte Thematik tiefer einzudringen, könnte einerseits das MJ genauer analysiert werden. So hätte noch auf den Kriegsbeginn eingegangen werden können. Wurde dieser vom MJ mit nationaler Begeisterung begrüßt, oder verhielt man sich eher zurückhaltend? Auch wie man sich gegenüber nationaler Leit-/Geschichtsbilder und Identifikationsfiguren verhielt, wie den protestantischen Persönlichkeiten Wilhelm II., Ludendorff und Hindenburg sowie Bismarck oder auch dem Sedangedenktag, hätte untersucht werden können.470 Andererseits hätten weiter Quellengattungen in den Blick genommen werden können. Hier bieten sich, falls vorhanden, Tagebücher und Feldpostbriefe Mainzer Katholiken an.

469 470

Vgl. Göbel, Katholiken, S. 127. Quellen sind im MJ dazu vorhanden so sei exemplarisch auf die Artikel: Am Gedenktage von Sedan, in: MJ 02.09.1914; Zum Geburtstag Kaiser Wilhelm II., in: MJ 26.01.1915; Bismarcktag, in: MJ 30.03.1915; Aus dem Leben des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Zu seinem 70. Geburtstag, in: MJ 02.10.1917.

72

7 Fazit

Um den Mainzer Katholizismus im Ersten Weltkrieg allgemein besser einordnen zu können, bietet es sich an das MJ auch im Hinblick auf seine Kriegsdeutung zu untersuchen. Finden sich im Mainzer Katholizismus, wie im bereits erforschten deutschen Katholizismus Stimmen, die den Krieg als „Strafgericht Gottes“, „Lehrmeister“ und „von Gott zur religiös-sittlichen Erneuerung der Menschheit gewollt“, darstellen.471 Dabei würde sich neben der Einordnung des Mainzer Katholizismus in den Deutschen Katholizismus auch ein Vergleich mit dem Katholizismus weltweit anbieten. Zudem wären auch Fragestellungen zu innenpolitischen Themengebieten, wie beispielsweise der Position des Mainzer Katholizismus zur Kriegszieldiskussion, oder zum deutschen Regierungssystem interessant. Hierbei könnte das MJ mit Zeitungen anderer politischer Strömungen in Mainz, wie zum Beispiel dem bürgerlich-liberalen Mainzer Anzeiger oder der sozialdemokratischen Volkszeitung verglichen werden.472 Schließlich sei wie in der Einleitung bereits erwähnt darauf hingewiesen, dass es bisher nur wenige vergleichbare Studien zu regionalen Katholizismen im Ersten Weltkrieg gibt. Um die vorliegende Studie in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können, wäre es deshalb wünschenswert, wenn ähnliche Studien für andere Regionen durchgeführt werden würden.

471

472

Auch hierzu finden sich zahlreiche Artikel im MJ, beispielsweise: Karfreitag. Golgatha und Völker krieg, in: MJ 01.04.1915; Ostern, in: MJ 08.04.1915; Der Krieg und Christus, in MJ 01.5.1915; Es soll und muß besser werden, in: MJ 09.09.1918. Vgl. Stumme, Kriegsbeginn, S. 45.

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Hillig,

Franz:

URL:

Nachruf,

http://www.con-spiration.de/syre/files/rothe-nr/co-

hauss.html (zuletzt aufgerufen am 12.03.2015).

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Selbstständigkeitserklärung

Selbstständigkeitserklärung Erklärung gemäß § 18 Abs. 6 und § 15 Abs. 8 der Ordnung für die Prüfung im lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (POLBA), bzw. § 13 Abs. 2 und 3 der Ordnung im Zwei-Fächer- Bachelorstudiengang an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (BAPO). Hiermit erkläre ich, Simon Brößner (Matr.-Nr.: 2663632), dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel (einschließlich elektronischer Medien und Online-Quellen) benutzt habe. Mir ist bewusst, dass ein Täuschungsversuch oder ein Ordnungsverstoß vorliegt, wenn sich diese Erklärung als unwahr erweist. § 18 Absatz 3 und 4 POLBA bzw. § 20 Abs. 3 und 4 BAPO gilt in diesem Fall entsprechend.

Mainz, 27.03.2015

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Ort, Datum

Unterschrift

Auszug aus § 18 POLBA: Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß (3) Versucht die Kandidatin oder der Kandidat das Ergebnis einer Prüfung durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel zu beeinflussen, gilt die betreffende Prüfungsleistung als mit „nicht ausreichend“ (5,0) absolviert (…) (4) Die Kandidatin oder der Kandidat kann innerhalb einer Frist von einem Monat verlangen, dass Entscheidungen nach Absatz 3 Satz 1 und 2 vom jeweils zuständigen Prüfungsausschuss überprüft werden. Belastende Entscheidungen sind der Kandidatin oder dem Kandidaten unverzüglich schriftlich mitzuteilen, zu begründen und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen. Der Kandidatin oder dem Kandidaten ist vor einer Entscheidung Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Auszug aus §20 BAPO: Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß (3) Versucht die Kandidatin oder der Kandidat das Ergebnis einer Prüfung durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel zu beeinflussen, oder erweist sich eine Erklärung gemäß § 13 Absatz 2 Satz 5 als unwahr, gilt die betreffende Prüfungsleistung als mit „nicht ausreichend“ (5,0) absolviert (…) (4) Die Kandidatin oder der Kandidat kann innerhalb einer Frist von einem Monat verlangen, dass Entscheidungen nach Absatz 3 Satz 1 und 2 vom zuständigen Prüfungsausschuss überprüft werden. Belastende Entscheidungen sind der Kandidatin oder dem Kandidaten unverzüglich schriftlich mitzuteilen, zu begründen und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen. Der Kandidatin oder dem Kandidaten ist vor einer Entscheidung Gelegenheit zur Äußerung zu geben.

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