Sprache

January 17, 2018 | Author: Anonymous | Category: Kunst & Geisteswissenschaften, Schreiben, Grammatik
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Neuropsychologie der Sprache Sprachverarbeitung Modell des Sprachverstehens und der Sprachproduktion Das Sprachbenutzermodell besteht aus einem System von Verarbeitungseinheiten. Sprachproduktion:  konzeptuelles System (Gedanken und Absichten formen)  grammatisches Enkodierungssystem (Ausdruck von Gedanken und Absichten)  phonologisches Enkodierungssystem (passende Wörter suchen; deklinieren und konjugieren)  Artikulator Sprachrezeption:  Spracherkennungssystem  Worterkennungssystem  Satzanalysesystem  Konzetuelles System (Äußerungen interpretieren) Verarbeitungsebenen Sprachproduktion: 1. Konzeptualisierung (thinking for speaking)  Kommunikative Intention (was?)  Linearisierung (in welcher Reihenfolge ?)  Art des Diskurses (Form ?)  = Umsetzen kommunikativer Intentionen in präverbale Botschaften (=konzeptuelle Strukturen; eignen sich als Eingabe für den Formulator) 2. Formulierung  Abbildung präverbale Botschaft auf wohlgeformte sprachliche Repräsentation. Erstellen phonetischen Plans – geschieht automatisch  Formulator setzt präverbale Botschaften in phonetische Pläne um, 2 Schritte:  Präverbale Botschaft wird übersetzt in syntaktische Oberflächenstruktur  Kodierungssystem erstellt für jede Oberffächenstruktur einen Plan, dieser kann durch den Artikulator akustisch realisiert werden  grammatische Kodierung: zu jedem Konzept in präverbaler Botschaft wird das dazugehörige Lemma aktiviert; die syntaktische Info in den verschiedenen aktivierten Lemmas muß zu einer syntaktischen Struktur kombiniert werden (Satzbau) phonologische Kodierung: 3 Schritte:  Bildung morphologischer Repräsentation (anhand Lemmainfo)  Durch Morphemcodes erhält Kodierungssystem Zugang zur segmentellen Repräsentation des Wortes  Umsetzung segmentelle Repräsentation in phonetische Pläne

3. Artikulation  Umsetzung phonetischer Plan in artikulatorisches Motorprogramm und Ausführung dessen – geschieht auch automatisch(ca.100 verschiedene Muskeln beteiligt)  Artikulator liefert Steuerinstruktionen für Muskelgruppen in Artikulationsorganen (Atemorgane, Stimmbänder, Zunge, Gaumenzäpfchen, Lippen usw.); Steuerbefehle Artikulator sind global (z.B. Lippenschluß), Kontrollzentren auf niedrigerem Niveau regeln Details, Prinzip der hierachischen Kontrolle auch in anderen Bereichen Motorik -0-

A) 1) 2) 3) 4)

Strukturelles Wissen phonologisches Wissen lexikalisch-semantisches Wissen synaktisches Wissen konzeptuell-interpretatives Wissen

B) Prozedurales Wissen  Anwendung der verschiedenen Wissensquellen in der Zeit  zeitliche Bedingungen der Aktivation von verschiedenen Wissensquellen müssen eingehalten werden, wenn normale Sprachverarbeitung stattfinden soll (sowohl in Sprachproduktion als auch im Sprachverstehen) Kodierung von linguistischer Information A) Lexikalisch-semantische Information Inhaltswörter: Substantive Verben Adjektive  offene Klasse (kann beliebig erweitert werden) B) Syntaktische Information Funktionswörter (automatisch verarbeitet, daher nicht beachtet): Artikel Präpositionen Konjunktionen Funktionsmorpheme: Kasus Tempus  geschlossene Klasse Probleme der akustischen Sprachwahrnehmung 1) Segmentation eines Sprachstromes in einzelne identifizierbare Wörter 2) Segmentation und Erkennen einzelner Sprachlaute innerhalb eines Wortes Kategoriale Wahrnehmung:  Bsp.: eindeutige Grenze zwischen „ba“ und „pa“ (VOT-Grenze: 26.8 ms) (Kuhl & Miller 1978)  können schon 4-monatige Kinder (Saugfrequenz) (Eimas et al. 1971)  bei Japanern: Unterschied „ra“ vs. „la“ schlechter wahrnehmbar als bei Amerikanern (Miyawaki et al. 1975)

Übersicht: Sprachverstehen und Sprachproduktion Sprachverstehen:  Input (= sprachlicher Reiz) ist vollständig kontrollierbar bzw. manipulierbar  Output (= Ergebnis des Verstehensprozesses) ist nur indirekt erschließbar  On-line-Messung der beteiligten Prozesse möglich

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Sprachproduktion:  Input (= Intention) ist kaum kontrollierbar bzw. manipulierbar  Output (= Äußerung) ist vollständig analysierbar  z. B. Pausenlängen analysieren  Schluß auf Planungseinheiten

Sprachproduktion Modelle der Sprachproduktion  Konzeptualisierung   Formulierung   Artikulation  Was will ich sagen? In welcher Reihenfolge? (Linearisierung) In welcher Form?  Vorwissen des Adressaten, Konversationsmaximen, sozialer Kontext...  Abbildung der präverbalen Botschaft auf eine sprachliche Repräsentation; Erstellung eines phonetischen Planes (automatisch)  Umsetzung des phonetischen Planes in ein artikulatorisches Motoprogramm und Ausführung desselben (automatisch; beim Sprechen ca. 100 Muskeln beteiligt) Inkrementelle Produktion: Jede Planungseinheit durchläuft die Planungsebenen seriell. Allerdings können unterschiedliche Planungseinheiten zum gleichen Zeitpunkt auf unterschiedlichen Ebenen verarbeitet werden. Sprechfehler Definition: „A slip of the tongue is an involuntary deviation in performance from a speaker’s current phonological, grammatical or lexical intention.“ (Boomer & Laver 1968) Sprechfehleranalyse als Mittel:  zur Erschließung unbewußter / verdrängter Motive (Freud 1901)  zur Analyse von Sprachproduktionsprozessen  zum Nachweis der psychologischen Realität linguistischer Konstrukte (linguistischer einheiten und Regeln) Fragestellungen bei der Analyse von Sprechfehlern:  Welche Einheiten treten miteinander in Wechselwirkung? (z. B. Wörter, Morpheme, Silben, Phoneme, ...)  Unter welchen Randbedingungen bzw. bei welchen Eigenschaftsbeziehungen treten entsprechende Versprecher auf? (z. B. Identität der syntaktischen Kategorie, semantische und phonologische Ähnlichkeit)  Über welche Distanz treten die verschiedenen Vertauschungsfehler auf? (z. B. Unterschiede bei Wort- und Lautvertauschungen) Fehlerarten:  Phonemfehler (einzelne Laute) -2-

 Reim oder Onset (keep a tape  teep a cape; Sorte von Tacher) vertauscht  Morphemfehler  they were talking Turkish  they were Turkish talking (Morphemvertauschung)  even the best teams lost  even the best team losts (Morphemverschiebung)  Wortfehler  oft Nomen mit Nomen oder Verb mit Verb vertauscht  finger  toe  Evidenz für unterschiedliche Verarbeitungsphasen

 2 Teilprozesse des lexikalen Zugriffs (nach Garret):  Aktivierung einer semantisch-syntaktischen Repräsentation: Lemma  Aktivierung einer phonologischen Repräsentation: Lexem  2 Ebenen: funktionale (Lemma)  positionale (Lexem) resultierende Sprachproduktionsmodelle:  Diskret-serielle Modelle: Lemma  Lexem (Garret, Levelt)  diskretes 2-Stufen-Modell (Levelt et al. 1991): das Lemma, welches am meisten aktiviert wird, gibt Aktivation an entsprechendes Lexem weiter  Kaskadierende Modelle: zwar beide Stufen nacheinander, aber Lemma braucht für Lexem noch nicht abgeschlossen zu sein  alle Lemmata geben Aktivation weiter, aber in dem Maße, in welchem sie aktivert werden  Interaktive Modelle: sogar Rückwirkungen von Lexem auf Lemma (Dell)  spreading-activation model: verschiedene Lemmata aktiviert  verschiedene Lexeme  Rückaktivationen Probleme bei der Analyse von Sprechfehlern:  Dürfen wir von Fehlern zurückschließen auf Prozesse, die der fehlerfreien Produktion zugrundeliegen?  Wie zuverlässig ist die Sammlung der Fehler?  es könnte sich um Fehler des Hörers handeln  zu viele Fehler, so daß nicht alle aufgezeichnet werden können  fehlerhafte Klassifikation des gehörten Fehlers bzw. alternative Interpretation  Off-line Daten erlauben nur bedingt Rückschluß auf zeitliche Koordination der beteiligten Prozesse Ferber: läßt Band mit Fehlern von 4 Vpn abhören und Fehler heraussuchen  kein einziger Versprecher von allen 4 übereinstimmend notiert... dennoch: bis vor kurzem wichtigste Datenquelle für Sprachproduktionsprozesse

Weitere Effekte beim Produzieren und Verstehen von Wörtern Dissoziationen semantisch-syntaktischer Aktivierung und phonologischer Aktivierung:

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 im Tip-of-the-tongue-state  im anomischen Zustand bei aphasischen Patienten  Stroop-effect: beim Benennen der Farbe wird Wortreiz als Störgröße automatisch mitverarbeitet (aber nicht umgekehrt)  Wort-Bild-Interferenz-Paradigma (z. B. Lupker 1979) Schriefers, Meyer & Levelt (1990): Cross-modales Bild-Wort-Interferenz-Paradigma  Wörter akustisch dargeboten, Bilder sollten benannt werden  Bild: SCHAF  Distraktoren:  BUCH  unrelatiert  ZIEGE  semantisch relatiert  SCHAL  phonologisch relatiert  zusätzlich: 3 unterschiedliche Auftretenszeitpunkte (SOA) des Distraktors: -150 ms, 0 ms, 150 ms 100 80 60 unrelatiert (BUCH)

40

semantisch (ZIEGE)

20

phonologisch (SCHAL)

0 -20

-150 ms

0 ms

150 ms

-40

 erst Lemma, dann Lexem! (keine Überlappung der beiden Prozesse)  Unterstützung für diskretes 2-Stufen-Modell Levelt et al. 1991:  Prinzip wie oben, aber akustischer Distraktor immer danach  Bild: SCHAF  Distraktoren wie oben, aber zusätzlich:  ZIERDE (phonologisch relatiert zu ZIEGE)  Frage: Wird semantischer Konkurrent (Ziege) auch phonologisch mitaktiviert?  Ergebnis: ZIERDE und BUCH gleich   keine phonologische Mitaktivierung   Lemma vor Lexem

 weitere Unterstützung für diskretes 2-Stufen-Modell Untersuchungen über Pronomina:  der Mantel  „er“  Frage: Geht es vom Lemma „er“ direkt zum Lexem /er/ oder wird Lexem /mantel/ mitaktivert?  Untersuchung über „Mütze“ und „sie“:  Mütze und Eis auf Bild, akustisch (richtig) benannt  dann nur eines der Objekte auf Monitor, aber vergrößert  Vpn.: über Nomen oder Pronom beschreiben: die Mütze  Sie ist groß.  akustische Distraktoren zu Mütze, semantisch und phonologisch (z. B. MÜLL) -4-

 Ergebnis: analog oben: semantischer Konkurrent (hier Nomen) phonologisch nicht aktiv Gegenbefund: Schriefers et al. 1990:  Bild: HAHN  Distraktor: GOCKEL (ähnlich GONDEL)  RTs unterschiedlich!  semantischer Konkurrent phonologisch aktiv! Syntaktische Effekte Meyer (1996): Cross-modales Bild-Wort-Interferenzparadigma (s. o.)  gleichzeitige Darbietung der Bilder von PFEIL und TASSE (vgl. Folie 12)  2 unterschiedlich komplexe Äußerungsformate verlangt:  Exp. 1 & 3: „der Pfeil und die Tasse“ (phrase)  Exp. 2 & 4: „Der Pfeil ist neben der Tasse.“ (sentence)  Distraktoren:  Exp. 1 & 2: semantisch relatiert vs. unrelatiert  Exp. 3 & 4: phonologisch relatiert vs. unrelatiert  Ergebnisse:  semantisch: Priming bei beiden Bildern, sowohl bei phrase als auch sentence  Lemma  phonologisch: Priming nur für das erste Target (welches früher im Satz vorkommt), wieder sowohl bei phrase als auch sentence  Lexem

Sprachverstehen Was für Kenntnisse braucht man in der Sprache?     

Phonologie: System von Sounds in der Sprache (Gunter vs. Günter) Prosodie Semantik: Bedeutung von Wörtern in einem Satz Syntax: grammatikalische Regeln - Reihenfolge der Wörter im Satz Pragmatik: Soziale Regeln (z. B. indirekte Fragen: Könnten Sie bitte die Tür öffnen?) Linguistische Einheiten

   

Wörter Phrasen (größere syntaktische Einheiten, vgl. Folie 29) Sätze discourse (§§, Geschichten) Arten von Sprachverarbeitungsmodellen

seriell:

Semantik

Phonologie  Lexikalischer Zugriff  Integration etc. Syntax -5-

parallel:

Semantik  Phonologie  Lex. Zugriff  Syntax

inkrementell / kaskadierend:  Mischform aus beiden Bei seriellen Modellen:  ausschließlich bottom-up  Syntax unabhängig von Semantik  kein direkter Effekt der vorangegangenen Wörter auf die Worterkennung (dieser Einfluß kommt erst später)  jeder Verarbeitungsschritt ist autonom Frage: seriell oder interaktiv (= parallel)? Swinney (1979): Cross-modal-Priming über ambige Wörter  siehe Folien 37 und 38  Resultat: In der initialen Phase des Wortverstehens ist der Kontext ohne Einfluß. Drei Silben später jedoch läßt sich ein Einfluß erkennen.  pro serielles Modell Marslen-Wilson & Tyler (1980): Interaktive Theorie des lexikalen Zugriffs nach OnlineExperimenten  3 Kontextarten:  normal prose (sem+, syn+)  syntactic prose (sem-, syn+)  random word order (sem-, syn-)  3 verschiedene monitor-Aufgaben:  Identifizierung: LEAD  Reim-Monitoring: BREAD (Phonologie)  Kategorie-Monitoring: KIND OF METAL (Semantik)  Vorhersagen der Modelle:  seriell: nur akustisch-phonologische Info beachtet  kein Effekt der Kontextarten  parallel: normale Reihenfolge mehr Info als syntaktische, letztere als zufällige  Ergebnisse:

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700 600

RT

500

normal

400

syntaktisch

300

zufällig

200 100 0 identisch

Reim

Kategorie

 paralleles Modell; Kontext hat Einfluß, aber Messung erst hinter dem Wort Frage: Ab wann genau hat der Kontext Einfluß? Zwitserlood (1989): Messung innerhalb des Wortes  cross modal priming paradigm (vgl. Folie 40)  visuelle Wörter: SCHIFF vs. GELD (zusätzlich Pseudowörter)  Aufgabe: Entscheidung, ob Wort meiner Sprache  akustischer Prime: KAPITÄN vs. KAPITAL  4 Wortfragmente, etwa KAP, KAPI, KAPITÄ, KAPITÄN  4 Satzkontexte (s. Folie 42), der 4. nur als Kontrollbedingung (ohne Targets)  Ergebnisse:  bei ersten zwei Fragmenten: Wörter noch identisch  RTs gleich  danach: immer stärkerer Erleichterungseffekt für Target  umso stärkere Erleichterung, je länger Kontext (s. Folie 44)  beim anderen Wort: RT wird mit jedem Fragment länger, am schnellsten beim langen Kontext  Interpretation:  Kohorten-Modell: sobald man Wortanfang hört, wird Kohorte aktiviert (KAP  Kapitän, Kapital, Kaplan, ...)  je mehr von einem Wort dargeboten, desto kleiner wird Kohorte  ab einem bestimmten Punkt: kein anderes Wort mehr möglich: word-recognition-point

Sprache und funktionelle Gehirnstruktur The Cognitive Subtraction Paradigm  bei PET-Studien (finden auf Einzelwortebene statt, vgl. Petersen et al. 1988)  Annahme der Additivität kognitiver Funktionen (und der ihnen zugrundeliegenden neuronalen Prozesse)  einfachste Version: Vpn in 2 Aufgaben untersucht: Ziel-Aufgabe und Baseline-Aufgabe  untersuchter Prozeß darf nur in Ziel-, nicht jedoch in Baseline-Aufgabe wirken   Subtraktion der Hirnaktivität der Baseline- von der Ziel-Aufgabe  Erweiterung: Entwurf hierarchischer Designs mit steigender Komplexität der einzelnen Stufen (= pure insertion)  Bsp.: (Petersen et al. 1988) -7-

  Kreuz am Bildschirm betrachten   ein Wort betrachten / hören   Wort vorlesen oder nachsprechen   zu einem Substantiv passendes Verb generieren  Messung des cCBF-Anstiegs, Differenz ermöglicht Lokalisation (vgl. Donders)  Kritik:  Annahme der Additivität muß nicht haltbar sein  Übungseffekte / Habituation des cerebralen Netzwerkes an sich wiederholende Stimuli  nachlassende Aufmerksamkeit der Vpn

PET-Studien zur Sprachlokalisation  Zatorre et al (1992): Geräusche, Silben, Betonungsmuster  temporale und frontale Areale (BA 22, 42, 44, 45, 6)  Price et al. (1992): linearer Anstieg des rCBF mit Zunahme der words per minute im linken mittleren temporalen Gyrus (MTG)  Wise et al. (1991): reale vs. Pseudowörter  linker posteriorer Anteil des STG als „Lexikon“ für Perzeption und Produktion  Wise et al. (1996): lexikalischer Zugriff im mittleren Anteil des STS  Price et al. (1997) & Zatorre et al. (1996): Untersuchung phonologischer Verarbeitung visuell und auditiv (Silbenzählen)  linker und rechter inferiorer frontaler Gyrus PET-Studien zur Satzverarbeitung – Syntax PET und fMRI (vgl. Folie 66) -8-

 visuelle Präsentation von Sätzen (ohne Syntaxaufgabe), Subtraktionsparadigma  inferior frontale Areale links (Broca-Area)  auditive Präsentation von Sätzen  superior temporale Anteile bilateral, keine BrocaAktivierung FMRI-Studie MPI Ziel: Identifikation phonologisch / semantisch / syntaktischer Subsysteme durch Vergleich der Verarbeitung von verschiedenem auditiven Input bei den gleichen Vpn Design: EKP-Design – verschiedene auditive Stimuli in zufälliger Reihenfolge Stimuli: 1) normal prose (sem+, syn+) 2) syntaktisch korrekt (aber mit Pseudowörtern) 3) Wortlisten (ohne Syntax) 4) Pseudowortlisten Ergebnisse: 1) alle auditiven Stimuli  bilaterale Aktivation in Heschl’s gyri und planum temporale 2) Satzbedingung (1&2) vs. Wortlistenbedingung (3&4): stärkere Aktivation bei Satzverarbeitung posterior STG (superior temporal gyrus) und STS (superior temporal sulcus) rechte Seite 3) normal prose (1) generell weniger Aktivation als syntaktisch (2); bei (2) zusätzlich Aktivation im linken frontalen Operculum 4) Wortlisten (3&4): Reduktion der Aktivation im rechten STG im Vergleich zu (2&3); bei richtigen Wörtern im Vergleich mit Pseudowörtern: Aktivation homotopischer Cortex rechte Seite Fazit Leipziger Studien:  cerebrales Netzwerk, welches sprachliche Funktionen unterstützt, ist bilateral organisiert, wird aber von linker Hemisphäre dominiert  posteriore Anteile des superioren temporalen Cortex (STG und STS) sind an Verarbeitung von Syntax und Semantik beteiligt  anteriore Anteile (temporales Operculum) und ein Anteil des linken frontalen Operculums sind nur bei der Satzverarbeitung (nicht bei Wortlisten) aktiv  kleines Areal im linken und rechten frontalen Cortex (superior-dorsaler Anteil der BrocaArea)  Sequenzierung des phonologischen Inputs  Semantik kann (wenn überhaupt) im posterioren Anteil des STS isoliert werden  Komponenten des Sprachnetzwerks organisieren sich momentanen Anforderungen (Input weicht von natürlicher Sprache ab) und Aufgaben („jugdment vs. repair“) entsprechend

Elektrophysiologie der Sprache ERP und Semantik    

für Semantik sensitive Komponente: N400 „Thomas aß Bratwurst mit ...“ HONIG (N400 groß) vs. SENF (klein) je unerwarteter Wort, desto größer N400 je später Wort im Satz, desto kleiner N400 (weil Wörter i. d. R. besser in den Kontext eingebaut werden können)  abhängig von persönlichem Wissen: Mein Name ist TOBIAS (klein, weil richtig) vs. THOMAS (groß) -9-

 mehrdeutiger Text ohne Überschrift (Bsp. Wäschewaschen)  N400 größer  bedingt als Lügendetektor anwendbar  ambige Wörter  dominante und subdominante Bedeutung Bsp: DER BALL WURDE VOM ... a) b) c) d)

Kind (dom) geworfen (dom),... N4 am kleinsten Kind (dom) eröffnet (sub),... N4 am größten Tänzer (sub) geworfen (dom),... N4 relativ groß Tänzer (sub) eröffnet (sub),... N4 relativ klein   b wird als am ungewöhnlichsten empfunden ERP und Syntax

 garden-path-Sätze: „Der Mann sah die Frau mit dem Fernglas“  P600  Osterhout & Holcomb (1992): EEG bei „TO“ betrachtet: a) planned to conceal the transaction (einfach) b) persuaded to buy the stock (grammatikalisch schwieriger)  größere P6 als bei a)  zunächst grammatikalisch einfachere Variante gewählt Bei syntaktischen Verletzungen i. d. R. zwei Komponenten identifiziert:  LAN und P600  bei Verletzung der Phrasenstruktur: ELAN Modell des Sprachverstehens

1. Phase Erstellen einer initialen Phrasenstruktur auf der Basis von WortkategorieInformationen frühe, links anteriore Negativierung ELAN (100-200 ms)

2. Phase lexikalische Integration

3. Phase Reanalyse oder Korrektur

Negarivierung um 400 ms links-anterior: LAN centro-parietal: N400

späte, parietale Positivierung P600

„Die Gans wurde im gefüttert.“

LAN: „Das Mädchen wurde gelaufen.“

garden-path, oder: „Das sind die Arbeiterinnen, die die Managerin entlassen haben.“

Experiment Hahne & Friederici: Ziel: Interaktion zwischen Phrasenstrukturverletzung und einer semantischen Verletzung herausfinden Auditiv; 4 Bedingungen 1) korrekt: „Das Baby wurde gefüttert“ 2) syn+, sem-: „Das Lineal wurde gefüttert“  N4 3) syntaktisch falsch (Phrasenstrukturverletzung): „Die Gans wurde im gefüttert“  ELAN & P600, keine N400 4) seman. & syntakt falsch: „Die Burg wurde im gefüttert“  ELAN & P600, keine N400

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Fazit: Phrasenstrukturverletzung, welche früh entdeckt wurde (ELAN), kann lexikal. Integrationsprozesse (N400) blockieren zum Modell allgemein:  P600 tritt nur auf, wenn keine N400  LAN und N400 beeinflussen sich nicht  in 2.Phase verlaufen Semantik und Syntax parallel  P600 und N400 stehen im Zusammenhang: Wenn Problem Semantik N4  keine syntaktische Korrektur P6; Problem Syntax LAN dann auch P6  ELAN bei groben syntaktischen Fehlern (die Burg wurde im gefüttert)  dann keine Untersuchung der Semantik N400; aber P600  LAN bei kleineren syntaktischen Fehlern (Sie bereist den Land)  Auf der einen Seite: serielle Verarbeitung von Syntax und Semantik (3 Phasen) autonom.  Auf der anderen Seite: parallele Verarbeitung, da sich Komponenten gegenseitig beeinflussen (interaktiv): ELAN Einfluß auf N4 und LAN; N4 Einfluß auf P6

Cloze Probability Cloze Prob High

Gender congr.

Sentence Sie bereist das Land mit einem kräftigem Kamel

High

incongr.

Sie bereist den Land auf einem kräftigen Kamel  LAN; P600

Low

congr. Sie befährt das Land mit einem alten Wartburg  N4 (befährt schlechtes Bsp.; besser: noch falscher, z. B. „beleidigt“)

Low

incongr.

Sie befährt den Land mit einem alten Wartburg N4; LAN

Fazit: Gender Info & semant. Info unabhängig voneinander verarbeitet  N400 als Funktion der semantischen cloze Probability (low) unabhängig von der Geschlechts argeement Verletzung (cong./incongr.)  LAN als Funktion von Geschlechts agreement Verletzungen unabhängig von semantischen Variablen  P600 als Funktion von beiden: gender-agreement-Verletzung und cloze probability

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Sprache bei Patienten Klassische Unterscheidung von Aphasien Broca

Wernicke

motorisch syntaktisch geschlossene Klasse  kurze, agrammatische Sätze (v. a. Präpositionen und Konjunktionen fehlen)  grammatische Morpheme fehlen („Ich gehe jetzt essen.“  „gehen essen“)  Output zögernd, mit langen Pausen zwischen isoliert produzierten Wörtern  aber: fast normales Sprachverständnis

sensorisch semantisch offene Klasse  Sprachproduktion scheinbar ungestört, aber lange, verschränkte Sätze  inhaltsleere Phrasen ( schwer verständlich), oft ohne gramm. Satzende  Wortfindungsstörungen (v. a. bei Inhaltswörtern, z. B. „Hund“  „Tier mit 4 Beinen, Fell, ...“)

Broca:  Pt. „Tan-tan“  Läsion war nicht nur cortical (wie von Broca angenommen), sondern auch subcortical  Pt. konnte Sprache verstehen: variierte bei Antworten das Wort „tan“  Läsion in BA 44 (Pars opercularis, z. T. Pars triangularis des Gyrus frontalis inferior) Wernicke:  Läsion in BA 42 und 22  Verständigung Pt. – Therapeut muß teilweise mit Bildern geschehen (wegen des stark gestörten Sprachverständnisses)  semantische Paraphrasien („Mein linkes Auge ist taub.“) Neuere Perspektiven Caramazza & Zurif (1976), Friederici (1982):  Der Mann fotografiert den Hund. S–P–O  Den Hund fotographiert der Mann. O–P–S  Broca-Pt.: 2. Satz nicht möglich: Hunde können nicht fotografieren...  erschließt Bedeutung schließlich doch aufgrund seines Weltwissens  aber: „Den Mann fotografiert die Frau.“  Broca-Pt. bricht ein... Linebarger et al. (1983):  obiges ist abhängig davon, wie man Broca-Pt. Aufgabe stellt  sentence judgment: falscher Satz wird im Kontrast mit korrektem dargeboten  „Den Mann fotografieren die Frau.“  Broca-Pt. erkennt Fehler (im Kontrast mit korrektem Satz) weitere Differenzierung: Analyse von syntaktisch ambigen Präpositionen (Friederici 1982):  Peter hofft auf den Sommer.  S – P – Objektkomplex  nur syntaktisch  Peter steht auf dem Stuhl.  S – P – [Präposition] + O  lexikalisch syntaktisch  Broca-Pt. kann beide „aufs“ nicht unterscheiden, versteht aber Sätze - 12 -

und

 Wernicke-Pt. kann grammatischen Unterschied erkennen, versteht aber globalen Zusammenhang nicht Badeley, Garrett & Zurif (1980):  offene Klasse  Wernicke Probleme  geschlossene Klasse  Broca Probleme  aber: bei Automatismen verwenden auch Broca-Ptn. Konjunktionen Adaptation der Zugriffsmechanismen:  Priming-Experimente  z. B. Zielwort „Katze“  semant. Prime: HUND (syntakt. z. B. über Präpositionen)  Aufgabe: Ist KATZE Wort deutscher Sprache?  Ergebnisse:  Broca- und Wernicke-Ptn. bei syntaktisch und semantisch langsamer als normale Vpn.

 Hypothese: automatische Prozesse gestört  Abstand zwischen beiden Wörtern variiert (kurzer Abstand: automatische Aktivierung syntaktischer oder semantischer Netzwerke)  Broca-Pt.: Verzögerung bei syntaktischem Priming  Wernicke-Pt.: bei semantischem Priming  bei kontrollierter Verarbeitung: Unterschiede viel geringer Untersuchungen mit ERP: 1.1. Die Forelle wurde geangelt. 1.2. Die Schule wurde geangelt. 2.1. Die Forelle wurde im See geangelt. 2.2. Die Forelle wurde im geangelt. BROCA-Pt.:  1.2. N400, aber zeitlich verzögert  2.2. keine ELAN (!) aber (verringerte) P600 (kontrolliert) WERNICKE-Pt.:  1.2. N400 fehlt (!)  2.2. ELAN da, P600 da, aber verzögert

Ergänzung von Horst: Neurokognitives Modell des Sprachverstehens (Friederici) 1) primäre akustische Verarbeitung 100ms audit. Kortizes links/rechts 2) Identifikation phonologischer Wortform durch planum temporale links 3) Segmentale phonet. Extraktion und Segmentierung durch BA44 (superior-posteriorer Teil) 4) Identifikation Wortkategorie in BA 22 5) Strukturerstellung aufgrund Wortkategorieinfo BA44 (inferiorer Teil 150-200 ms); EKP Befund ELAN 6) Parallel dazu lexikal.semant.Prozesse in Gang gesetzt:  Automat. lexikal.Verarbeitung temporal Schläfenlappen links  kontrolliert semantische Aspekte(Gedächtnis) links inferioren präfrontalen Kortex - 13 -

7) Identifikation und Integration lexikalisch semantischer Aspekte verlangt Abgleich mit semantischen Kortexinformation (BA 21/22 300-500 ms) N400 8) Zur gleichen Zeit auf Basis von Verb Argument Struktur Info und Verbflexions-Info werden themat. Rollen (Agent, Instrument, Ziel etc.) festgelegt LAN 9) Ableich zwischen initial erstellten syntaktischen Struktur und lexikal.semant.Aspekten dann Verstehen 10) Abgleich nicht problemlos möglich dann Reanalyse bzw.Korrektur der schon verarbeiteten Struktur (P600); Lokalisation: Netzwerk von Subsystemen Stufe 9 und 10 In Verbindung zu BA 46 (Gedächtnis)

- 14 -

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